Interview mit Marcel Ketelaer, 01.August 2007  


"Entweder Du bist ein Netter oder ein Arschloch..."

Die beiden Anfangsbuchstaben „MG“ auf dem Kennzeichen eines schwarzen Geländewagens vor dem Trainingsgelände des SK Austria Kärnten zeigen dem Besucher, dass er hier richtig ist. Das Interview mit Marcel Ketelaer findet nach dem Training auf einer Ersatzbank im Klagenfurter „Sportzentrum Fischl“statt. Der gebürtige Mönchengladbacher, seit 2006 ballesterisch in Österreich tätig, spricht im Alpenborussen-Interview über seine Ziele mit seinem neuen Verein, den legendären Rautenkuss im Trikot des HSV und über Ryan Atwood, den coolsten Typen aus O.C. California.
Das Gespräch führte Philipp-Stephan Schneider.

Dein alter Verein FC Pasching wurde vor der aktuellen Saison in ein anderes Bundesland verpflanzt. Beschäftigt man sich mit einem solchen Vorgang als Spieler?
Natürlich ist das kein herkömmlicher Vereinswechsel. Ich hatte mich auch schon ursprünglich darauf eingestellt, in Pasching zu bleiben und meine Freundin und ich hatten schon in Linz nach einer Wohnung gesucht. Das war dann halt alles hinfällig. Von daher war das für uns schon ein bisschen komisch, aber im großen und ganzen war es wie ein normaler Vereinswechsel, den ein Spieler ja öfter erlebt. Es war halt schade, dass nicht die ganze Mannschaft mitgekommen ist. Immerhin hatten wir in Pasching eine sehr erfolgreiche und eingespielte Mannschaft, wir waren dort schon fast wie eine Familie.

Welche Ziele hast Du mit dem SK Austria Kärnten?
Für uns ist es erstmal wichtig, dass wir als Mansnchaft funktionieren und geschlossen auftreten. Das erste Spiel haben wir unglücklich in Linz verloren, dann gegen Salzburg gewonnen. Gegen Ried haben haben wir dann leider nicht so gespielt wie gegen Salzburg.

Wo siehst Du Deine Zukunft?
Der Weg nach Deutschland ist für mich kein Thema mehr. Sowohl privat, als auch fußballerisch. Wobei sich natürlich auch die Frage stellt, ob mich überhaupt noch jemand in Deutschland haben wollen würde. Für mich ist es in Deutschland nicht gut gelaufen und da reißt sich sicher niemand um mich, zumal ich ja auch bald dreißig werde. Ich fühle mich hier in Österreich sehr wohl und als Verein haben wir auch einiges vor.

Gab es mal Anfragen aus Deutschland?
Ja, jetzt im Sommer gab es die ein oder andere Anfrage, aber das ist für mich nicht interessant. Ich hab hier mein gewohntes Umfeld und ich habe mir hier einen gewissen Stellenwert erarbeitet. Es interessiert mich auch nicht wenn ich dort mehr Geld verdienen würde, was definitiv der Fall wäre. In Deutschland würde mich nur meine Vergangenheit einholen. Hier war ich ein unbeschriebenes Blatt und habe mir alles von Null an selbst erarbeitet.

Wie schätzt Du die Qualität des österreichischen Fußballs im Vergleich zu jenem in Deutschland ein?
Der einzige Unterschied für mich ist die Dynamik, also die Schnelligkeit. Hier in Österreich spielen ja schon noch einige, die weit über dreißig sind. Das wäre wohl in Deutschland nicht so möglich. Fußballerisch und technisch gibt es aber in meinen Augen keinen großen Unterschied. Aber natürlich hat man es in Deutschland mit anderen Dimensionen bzgl. Medien- und Zuschauerinteresse zu tun, das ist ganz klar.

Gab es nochmal Kontakt zur deutschen Nationalmannschaft?
Nein, die Post ist diesbzgl. schon lange abgefahren. Es gibt viele Träumer, die lange Zeit keine Leistung bringen und plötzlich nach einem Vereinswechsel auf einmal wieder von der Nationalmannschaft sprechen. Benjamin Lauth ist so ein Beispiel dafür, aber der sollte erstmal schauen, dass er bei Hannover gut spielt. Aber für mich ist das kein Thema mehr.

Du hast in einem Interview mit netzeitung.de mal davon gesprochen, dass nicht der Wechsel zum HSV der große Fehler war, sondern die Rückkehr nach Gladbach? Was ist da schief gelaufen?
Ich hätte definitiv in Hamburg bleiben sollen. Es war damals so, dass mich Kurt Jara ansich behalten hätte. Gleichzeitig hat er mir aber auch gesagt, dass ich in Hamburg in eine Schublade geraten bin, aus der ich nur schwer wieder herausgekommen würde. Er hat damals nicht geglaubt, dass ich es vom Kopf her packen kann und da kann ich ihm im Nachhinein nur Recht geben.

Welche Schublade war das?
An vielen Dingen war ich eh selber schuld. Zum Beispiel bin ich während meiner Zeit beim HSV ja immer zwischen Hamburg und Gladbach hin und her gefahren. Und 2002, wie ich wieder in Gladbach war, bin ich dann wieder umgekehrt zwischen Hamburg und Gladbach gependelt. Und das hat sich z.B. auf meine Leistung und das Drumherum ausgewirkt. Der Hans Meyer wusste jedes Mal, dass ich nach Hamburg fahre, aber er hat halt nie etwas gesagt. Jetzt, vor 1 1/2 Jahren, hat er mir dann mal gesagt, dass er Samstags nichts mit mir anfangen konnte, wenn ich Donnerstags immer nach Hamburg gefahren bin um am Freitag wieder zurückzukommen.
Es gab damals auch Kontakt mit dem 1.FC Kaiserslautern, was eigentlich schon ganz gut aussah. Andreas Brehme wollte mich unbedingt haben, nicht nur für ein Jahr, sondern ganz. Ich hätte dann aber nur wechseln können, wenn ich auch meinen Berater gewechselt hätte. Das wollte ich nicht.
Für einen Wechsel zurück nach Gladbach war die Last eigentlich viel zu groß. Aber Lienen und auch Frontzeck, mit dem ich sehr gut befreundet bin, haben mich nach meinem Jahr auf Leihbasis in Gladbach gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, in Gladbach zu bleiben. Daraufhin habe ich dann gesagt, dass sich das Gladbach und der HSV ausmachen sollen.

Hattest Du keine eigene Meinung dazu?
Doch natürlich, aber ich wollte weder in Gladbach, noch in Hamburg Probleme bekommen. Hätte ich beim HSV gesagt, dass ich nach Gladbach will, hätte ich doch dort gleich wieder auf die Schnauze bekommen. Und umgekehrt in Gladbach auch.

Bist Du dann 2004 im Groll aus Gladbach weg?
Darüber braucht man ja eigentlich heute nicht mehr reden. Lienen war dann ja bald nach Saisonbeginn weg und Holger Fach wurde neuer Trainer. Und was Fach und ich für ein Verhältnis haben, weiß wohl mittlerweile jeder. Es war für mich eine Mission Impossible. Ich wusste, dass er nicht viel von mir hält. Und wir waren uns auch schon, als wir noch zusammenspielten, nicht sehr sympathisch. Ich wollte dass er mich als Fußballer beurteilt und habe ihm das auch gesagt. Und dann sind aber in der Folge viele Dinge hinter verschlossenen Türen zwischen Fach und Hochstätter passiert, wo ich dann irgendwann mal auf den Tisch gehauen habe. Der einzige, der noch auf meiner Seite war, war Präsident Jordan, der dann ja aber leider verstorben ist. Er war der einzige, der noch zu mir gestanden hatte. Eines Sonntags wurde ich dann angerufen und für Montag vorgeladen. Da wurde mir dann die Vertragsauflösung unter die Nase gehalten. Und ab diesem Zeitpunkt war dann das Ding für mich gegessen. Daraufhin bin ich halt nach Nürnberg gewechselt.

Warum ist es dann dort sportlich nicht gelaufen?
In Nürnberg war ich mental und fußballerisch schon so weit unten, dass es gar nicht mehr richtig funktionieren konnte. In weiterer Folge bin ich dann nach Ahlen, hauptsächlich aber aus privaten Gründen. Immerhin war es von dort nicht weit nach Gladbach und Hamburg. Zudem waren dort gerade Frantisek Straka und Thomas Kastenmeier als Trainergespann aktiv. Ahlen hatte mir dann ein sehr gutes Angebot gemacht und dann habe ich das halt probiert. Dann wurden aber Straka und Kastenmeier bald entlassen und mit seinem Nachfolger, Paul Linz, gab es dann keine wirkliche Basis. Und dann bin ich halt nach Österreich gegangen.

Wie kam da der Kontakt zustande?
Naja, ich wollte ja eigentlich schon im Sommer 2005 nach Österreich. Kurt Jara war zum damaligen Zeitpunkt schon in Salzburg als Trainer aktiv, aber die hatten dann auf meiner Position schon den Patrik Jezek verpflichtet. Auch bei Austria Wien war mit Stepan Vachousek meine Position schon besetzt. Und dann hatte ich im folgenden Winter die Wahl zwischen Ried und Pasching, woraufhin ich mich dann für Pasching entschieden hatte.

Warum für Pasching?
Weil Trainer Andreas Heraf mich unbedingt haben wollte. Und im Nachhinein bin ich sehr froh über diese Entscheidung.

Was ist Dir beim legendären HSV-Rautenkuss im Jahr 2000 durch den Kopf gegangen?
In dem Moment habe ich einfach nicht nachgedacht. Aber schon zwei Minuten später habe ich mir selbst ein bisschen an den Kopf gegriffen. Der Druck, der damals auf mir lastete, war ja riesengroß. Ich bin ja für ein Wahnsinnsgeld nach Hamburg gegangen und war schon Nationalspieler, noch bevor ich für den HSV auch nur ein Spiel gemacht habe. Und dann mache ich das Tor und dann hätte ich wohl stattdessen hundert andere Sachen machen sollen, aber nicht das. Meine Mutter ist bei dem Spiel auf der Tribüne gesessen und hat mich nachher gefragt, was mir da nur eingefallen ist. Das war halt ein Fehler, es tut mir sehr leid, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen.

Hast Du noch Kontakt zu jemandem von Borussia?
Nein, aber das ist ja auch kein Wunder. Peer Kluge war der letzte Spieler, den ich noch aus meiner Zeit gekannt habe. Und auch er ist nun weg.

Und vom Verein auch zu niemandem?
Nein, auch das nicht. Wobei es für mich auch kein Verein mehr im herkömmlichen Sinn ist. Es ist ja eigentlich eine Firma und nicht mehr der Verein, der es mal war. Es wird ja jetzt nur noch von einer „Marke“ gesprochen. Aber diese Marke funktioniert offensichtlich nicht, siehe der Abstieg. Daran kann auch das schöne neue Stadion nichts ändern. Der Verein ist wirklich nur noch eine Marke, die nach Außen wie eine Kiste Cola verkauft und in der Werbung präsentiert wird. Aber das ist nicht Borussia. Borussia Mönchengladbach ist nicht irgendein VIP-Verein. Wir waren immer ein Arbeiterverein, es haben immer Leute aus der Region dort gespielt und gearbeitet. Dieser Verein ist aus der Stadt geboren und hat mit der Stadt gelebt. Aber das tut er jetzt nicht mehr. Wenn man sich das neue Stadion anschaut, sind dort zwanzig Prozent Zuschauer aus dem alten Stadion. Weitere vierzig Prozent, die neu dazugekommen sind und einfach mal Lust auf Fußball haben. Und dann gibt es noch weitere vierzig Prozent, die die Kohle bringen und im VIP-Raum oder sonstwo sitzen. Wie willst Du da den Funken der Leidenschaft auf die Spieler übertragen? Wie will man da den Spielern die Identität des Vereins näherbringen?

Würde dies dann nicht generell gegen die neuen Arenen, auch bei anderen Vereinen, sprechen?
Nein, weil Du die traditionelle Kultur beibehalten kannst und musst. Das wäre natürlich auch im neuen Stadion möglich gewesen. Du musst alte Traditionen auch ins neue Stadion transferieren und Dich dann auch nach Außen so verkaufen. Da kann man nicht auf einmal ankommen und einen Dick Advocaat zum Trainer machen oder einen Spieler wie Federico Insúa holen. Klar haben wir damals einen Effenberg gehabt, aber der Effenberg hat mit dem Verein gelebt. Oder Patrik Andersson. Der hatte zwei Platzwunden und irgendwo noch eine Risswunde dazu, hat aber trotzdem wie ein geisteskranker für den Verein gespielt. Natürlich gab es damals auch den ein oder anderen, der von irgendwoher mal eben geholt wurde, die waren dann aber auch schnell wieder weg. Aber Spieler, wie Wesley Sonck, Bernd Thijs oder Zé Antonio, die leben diesen Verein nicht. Ein Spieler wie Oliver Neuville, der lebt diesen Verein noch.

Warst Du mal im neuen Borussia-Stadion?
Ja, ich war u.a. beim Abschiedsspiel von Uwe Kamps dabei, auch wenn ich verletzungsbedingt nicht spielen konnte.

Traust Du Gladbach den Aufstieg zu?
Ja. Ich hoffe, dass sie das in absehbarer Zeit schaffen, sonst bekommt man nämlich ein großes Problem. Wenn es drei Jahre mit dem Aufstieg dauern würde, wäre es schon fast zu spät, weil sonst die „Marke“ einfach nicht mehr funktionieren würde. Jetzt gibt es noch die nötige Unterstützung, genauso wie bei unserem Abstieg damals. Da wurden wir dann von den Leuten aus dem Umfeld unterstützt und es hat ja dann auch nach dem Trainerwechsel hin zu Hans Meyer funktioniert. Im Jahr darauf sind wir aufgestiegen. Aber es wird sicher nicht einfach, weil die Leistungsdichte in der 2.Liga immer enger wird.

Was würdest Du einem jungen Spieler wie Eugen Polanski für eine weiterhin positive Entwicklung raten? Zu einem großen Klub gehen, so wie Marcell Jansen?
Jansen blieb nichts anderes mehr übrig als zu wechseln. Ob der Schritt zu groß war, wird man irgendwann mal sehen, das kann ich nicht beurteilen. Eugen Polanski ist genauso wie ich im Verein groß geworden und das ist ein vernünftiger Junge. Der bekommt dann natürlich mal von irgendwelchen Leuten den Kopf verdreht, das kann man ihm aber nicht übelnehmen. Ich glaube, dass er ein sehr guter Spieler ist und dass er der Mannschaft weiterhelfen kann, wenn er richtig für die Mannschaft eingesetzt wird. Und er muss sich natürlich auch durchbeißen, weil der aktuelle Kader von den Namen her natürlich nicht schlecht ist.

Und Marko Marin?
Das sage ich jetzt zwar nur ungern, aber der wird nur noch ein Jahr für den Verein spielen und dann war es das.

Warum?
Weil der einfach zu gut ist. Was der Junge spielt, ist unglaublich. Den wollten jetzt schon alle haben und nächstes Jahr wollen den noch mehr haben. Der geht dann nächstes Jahr zu einem ganz großen Verein. Ich habe ihn noch nicht oft gesehen, aber nach allem was ich bisher von ihm kenne, ist der einfach gut. Da wird die Marke dann wieder Geld machen (schmunzelt).

Vermisst Du etwas aus Gladbach?
Meine Mutter.

Ihre Pommesbude nicht?
Nein, das war doch damals auch nur ein großer Hype. Natürlich war ich ab und zu mal dort, mehr aber auch nicht.

Hast Du noch Freunde in Gladbach?
Natürlich habe ich dort noch enge Freunde, einen kleinen Kreis, auf den ich mich verlassen kann. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt, auf dem Weg nach oben, muss man zu allen nett sein. Weil auf dem Weg nach unten, trifft man alle wieder. Und dann weißt Du, ob Du ein Netter oder ein Arschloch warst. Und damit bin ich immer ganz gut gefahren.

Und warst Du ein Netter oder ein Arschloch?
Ich glaube, dass ich relativ nett war, denn noch reden alle mit mir (schmunzelt).

Du bezeichnest Stefan Effenberg als Dein sportliches Vorbild. Was imponiert Dir an ihm?
Sein Auftreten und sein Wille. Er hat in seiner letzten Saison für Gladbach vielleicht nicht immer gut gespielt, genauso wie auch die ganze Mannschaft. Im Winter hatte er dann schon bei den Bayern zugesagt und in der Folge lief es nochmal schlechter für uns. Aber was er dann in den letzten sieben, acht Spielen gespielt hat, das hat mir imponiert. Er konnte auf den Punkt genau funktionieren und genau das hat mir imponiert. Er hat natürlich auch schlechte Spiele gehabt, aber wenn die Mannschaft ihn gebraucht hat oder wenn es um was ging, dann war er da. Und so funktioniert es mittlerweile auch bei mir. Ich weiß, dass ich den Kopf ausschalten muss, wenn ich auf dem Platz stehe.

Wer war Dein bester Trainer in Gladbach?
Definitiv Hans Meyer.

Gibt es noch Kontakt zu ihm?
Wenn ich in Nürnberg bei meinem Arzt bin, sehe ich ihn öfters und da hat man natürlich auch mal gequatscht. Natürlich hat unser Verhältnis damals gelitten, auch wegen dem, was so alles erzählt oder in den Medien breitgetreten wurde. Ich habe heute logischerweise nicht mehr den Bezug zu ihm, wie ich ihn damals noch als Spieler hatte. Aber er ist immer noch derjenige, der aus mir als Spieler am meisten herausgeholt hat. Er wusste ganz genau, wie er mit mir umgehen muss. Und das zeichnet ihn einfach aus. Den Erfolg hat er ja nicht nur mit Gladbach gehabt, sondern auch bei seinen anderen Stationen. Sogar bei Hertha, wo es sicherlich nicht einfach war. Dieser Mann ist einfach nur gut. Egal, wie er manchmal medial auftritt oder wie er Leute manchmal auf den Arm nimmt. Als Trainer ist er der Beste.

Hat er es mal übertrieben mit dem „auf den Arm nehmen“?
(schmunzelt) Das sieht man ja ab und zu im Fernsehen, mir tun die Reporter mittlerweile nur mehr Leid. Und natürlich hat Meyer recht mit dem was er sagt, aber er kann von einem Sportreporter nun mal nicht das gleiche Wissen erwarten, wie von einem geschulten Taktiker. Aber das ist ja nun auch nicht so schlimm und viele haben ihren Spaß daran.

Hat Dich Dein Vater, der ja auch selbst Fußball gespielt hat, beeinflusst?
Meine ganze Familie ist ja eigentlich „Gladbach“. Mein Urgroßvater war in den 1960ern Zeugwart und beide Großväter waren Ordner bei Mönchengladbach. Mein Vater hat in der berühmten Fohlenelf gespielt und wurde dann wegen seiner großen Klappe von Weisweiler aussortiert. Mein Bruder hat achtzehn Jahre für Gladbach gespielt, genauso wie ich. Diese Ära wird allerdings nun wohl beendet, wenn ich in Österreich bleibe.

Wer wird bei der kommenden EM in Österreich und der Schweiz Europameister?
Das ist schwer. Deutschland ist ja traditionell eine Turniermannschaft und wir werden auch nächstes Jahr wieder weit kommen. Viele unserer Spieler spielen derzeit in Deutschland und ich glaube, dass dies kein Nachteil ist. Natürlich wird es wieder eine Überraschungsmannschaft geben, aber wir haben schon gute Chancen vorne mitzuspielen. Aber natürlich auch die Italiener.

Was traust Du der österreichischen Mannschaft zu?
Wichtig ist, dass Du guten Fußball spielst und an Prestige gewinnst. Dann kommen auch wieder die Zuschauer und die Zuschauer bringen Dich dann auch wieder weiter. Ich glaube, die Leute in Österreich sollten nicht so sehr darauf schauen, wie weit sie kommen, sondern sich darauf konzentrieren, guten und anständigen Fußball zu spielen. Der Rest geht dann ganz von allein.

Musst Du Dir als „Piefke“ hier in Österreich manchmal blöde Sprüche anhören?
Ja klar, die probieren es ja immer wieder, aber das ist kein Problem.

Zu wem hälst Du im Februar 2008, wenn Österreich gegen Deutschland ein Freundschaftsspiel bestreitet?
Das ist ja wohl ganz klar, zu Deutschland natürlich.

Auch wenn Deine österreichische Freundin neben Dir sitzt?
Na klar, dann noch viel mehr!

Wer wird Meister in Deutschland?
In Deutschland sicher Bayern München. In Österreich wird Salzburg es nicht so einfach haben, wie alle sich das vorstellen. Rapid und Austria haben sich gut verstärkt, Mattersburg ist sehr unangenehm. Ich hoffe, dass auch wir einen Teil dazu beitragen können, dass es spannend bleibt. Natürlich werden wir nicht gleich oben mitspielen können, aber ein guter Mittelfeldplatz sollte schon möglich sein. Ich glaube, dass es dieses Jahr eng wird, aber Salzburg sollte es natürlich von der Papierform her trotzdem schaffen.

Wieviele Tore schießt Marcel Ketelaer in dieser Saison?
Ich hoffe mehr, als in der letzten Saison. Und das waren schon verdammt viele im Vergleich zu den Jahren davor (fünf). Sollte ich auf dreißig Spiele kommen, wäre das auch durchaus zu schaffen. Aber das wichtigste ist, dass ich der Mannschaft helfen kann, alles andere kommt dann eh von alleine.

Kommt es Dir nicht manchmal seltsam vor, wenn in der österreichischen zweiten Liga (Red Zac Liga) die Amateurmannschaften von Profiklubs aus der österreichischen Bundesliga spielen? In Deutschland ist dies ja nicht möglich.
Ich finde das durchaus gut, diese Mannschaften haben ja auch eine gute Qualität. Für manche Regionalligamannschaften ist das natürlich nicht schön, weil diese Amateurmannschaften logischerweise auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben. Aber ich finde das prinzipiell nicht schlimm.

Ist Dir was über den in diesem Sommer spekulierten Wechsel von Lukas Mössner zur Borussia bekannt?
Er hat mir erzählt, dass er in Gladbach war und dass es Verhandlungen gab. Aber letztlich ist es dann wohl an der Ablösesumme gescheitert. Es hatte ja auch mit Rapid Wien deswegen nicht geklappt.

Wen findet der Soap-Fan Ketelaer cooler bei O.C. California, Ryan oder Seth?
Ryan natürlich (schmunzelt). Er ist einfach cool, weil er aus dem Nichs etwas gemacht hat. Aber Seth ist natürlich auch ein lustiger Typ. Ich habe mir die erste Staffel der Serie mal auf DVD gekauft weil ich sie nicht von Beginn an mitverfolgt hatte. Die DVD habe ich dann damals in nur zwei Nächten angeschaut.

Haben Deine fußballerischen Leistungen in diesen zwei Tagen nicht darunter gelitten?
Im Gegenteil, es lief eher besser (schmunzelt).

Gibt es noch etwas, was Dir in Bezug auf Gladbach wichtig ist?
Es war natürlich schon nett jetzt gegen Gladbach im Sommer zu spielen und von der Resonanz her war wohl doch nicht alles so schlimm, wie es damals insbesondere in der Öffentlichkeit gesagt wurde. Borussia Mönchengladbach wird immer mein Verein bleiben und daran wird auch nie jemand etwas ändern können. Wie sich die Dinge in Gladbach momentan darstellen, ist eine andere Geschichte. Aber da bin ich ja offensichtlich auch nicht der Einzige, der so denkt. Es ist auch immer wieder schön, in Mönchengladbach freundlich empfangen zu werden.
Für den Verein kann ich nur hoffen, dass in der Chefetage verstanden wird, dass man wirklich hart arbeiten muss und nicht immer nur ans Vermarkten denkt. Die Vermarktung läuft dann eh ganz von alleine. Es ist nicht nur wichtig, den VIP-Raum vollzubekommen, sondern die Leute auf den Rängen und bei den Auswärtsfahrten zu begeistern. Das muss geschafft werden und dann funktioniert auch der Verein wieder.


Die Alpenborussen bedanken sich bei den Veranwortlichen des SK Austria Kärnten für die rasche und unbürokratische Vermittlung des Interviewtermins.


Marcel Ketelaer
Marcel Ketelaer