Österreichische Esperanto-Bewegung

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Esperanto in Zeiten des Internets verbreiten

Durch die allgemeine Nutzung des Internets haben sich die Voraussetzungen für eine Verbreitungstätigkeit für Esperanto grundlegend geändert.

Um das herauszuarbeiten, muss die Tätigkeit vor der Zeit des Internets beschrieben werden:

Um eine große Zahl von Menschen auf Esperanto aufmerksam zu machen, wurden Handzettel verteilt, Plakate ausgehängt  und Informations- zeitungen versandt. Vor allem das letztere war sehr arbeitsaufwändig und stieß schnell an finanzielle Grenzen, sollten doch wenige Esperantisten dies durch ihre Beiträge finanzieren. So konnten letztendlich doch immer nur wenige Menschen auf Esperanto aufmerksam gemacht werden.

Von denen, die sich interessierten, haben wiederum nur wenige mit dem Lernen des Esperanto begonnen. Sie mussten sich ein Lehrbuch kaufen oder an einem Fernkurs teilnehmen oder besuchten einen örtlichen VHS-Kurs (den es aber nur in wenigen Städten gab).

Die meisten haben nach dem Kurs mit Esperanto nicht mehr viel angefangen. Um weiter mit Esperanto in Kontakt zu bleiben, hätten sie eine Zeitung abonnieren müssen (mit sehr schlechtem Preis-Leistungs- Verhältnis) oder einem Esperanto-Verein mit Mitgliederzeitung beitreten müssen. Das hat viele abgeschreckt. Radiosendungen waren meist nur auf Kurzwelle in sehr schlechter Qualität zu empfangen, sodass auch das Radiohören keinen Anreiz brachte.

Von denen, die dann tatsächlich etwas abonniert haben, haben dann doch wohl die meisten irgendwann einmal an einer internationalen Esperanto- Veranstaltung teilgenommen und somit ihre Esperanto-Kenntnisse in der Praxis angewandt und erweitert. Man konnte auch mit Menschen in anderen Ländern korrespondieren, was aber durch die langen Post- laufzeiten nicht immer sehr beglückend war.

Kurz gesagt, das System funktionierte so, dass einem relativ hohen Werbeaufwand eine sehr geringe Ausbeute gegenüberstand und im Endeffekt weniger Junge dazukamen als Alte verstarben. Das führte zu einer laufenden Schrumpfung der Zahl der Esperanto-Sprecher.

Wie ist das nun mit dem Internet?

Es gibt Hunderte Webseiten, die über Esperanto informieren. Diese Information ist jederzeit abrufbar. Der Interessent kann sich in kurzer Zeit über Esperanto informieren und entscheiden, ob er sich mit Esperanto weiter beschäftigen will oder nicht. Die potentiellen Interessenten müssen natürlich auf die entsprechenden Webseiten hingeleitet werden. Das ist bei persönlichen Bekannten über E-Mail möglich, sonst durch Beiträge in geeigneten Diskussionsforen, wobei der Verfasser eines Diskussions- beitrags einen Verweis (Link) auf eine Info-Webseite für Esperanto in seinem Beitrag angeben kann. Die Auswahl einer solchen Info-Webseite kann sehr individuell gestaltet werden. Die Kosten für die Erstellung der Webseiten und der Teilnahme an Diskussionsforen können mit Null beziffert werden, da jeder Aktive dies in seiner Freizeit tut und dabei kein Geld fließt.

Ein Interessent kann nun im Internet sogleich mit dem Lernen des Esperanto beginnen. Er kann nicht nur Texte lesen, sondern auch Lehrinhalte anhören, sodass ihm die Sprache auch gleich ins Ohr geht. Es gibt auch Fernkurse über das Internet, bei denen man Übungen zur Korrektur per E-Mail abschickt. Man kann auch mehrere Kurse gleichzeitig durcharbeiten und so Esperanto lernen, wie es einem selbst am besten gefällt. Die Zahl der zielgruppengerechten Kurse nimmt ständig zu. Es gibt auch zusätzliches Material im Internet, z. B. ReVo - Reta Vortaro - ein vielsprachiges Online-Wörterbuch. Das alles kostet nichts und belastet auch nicht die Kassa einer Esperanto-Organisation. Alles wird von Freiwilligen ohne Bezahlung gemacht.

Nach dem Kurs im Internet (oder sogar schon während des Kurses) kann man an Diskussionsforen teilnehmen, Radiosendungen hören und sich in Esperanto über viele interessante Dinge aus der ganzen Welt informieren (z. B. Weltnachrichten lesen auf einer Webseite des chinesischen Rundfunks). Esperanto wird so ohne besonderen Aufwand zu einer alltäglichen Sprache. Man kann jeden Tag Esperanto erleben und aktiv betreiben, ohne seine eigenen vier Wänder verlassen zu müssen und ohne irgend einen zusätzlichen finanziellen Aufwand zu haben. Durch die tägliche
Kontaktmöglichkeit und Praxis erreicht man in kurzer Zeit sehr gute Sprachkenntnisse und damit eine Bestätigung der Nützlichkeit des Esperanto.

Wenn man Menschen persönlich treffen will, um mit ihnen Esperanto zu sprechen, dann kann man sich im Internet über internationale Treffen informieren und sich auch gleich online anmelden. Man erhält sofort eine detaillierte Information über die Veranstaltung und kann sich optimal auf die Teilnahme vorbereiten. Hat man dann auf der Veranstaltung neue Bekanntschaften geschlossen, so kann man sofort danach über E-Mail weiter in Kontakt bleiben, Fotos austauschen und so ein enges freundschaftliches Verhältnis aufrecht erhalten.

Bei diesem System ist kein Abonnement einer Zeitschrift erforderlich und auch keine Mitgliedschaft in einer Organisation. Man ist Nutzer des Esperanto, man zahlt für die Teilnahme an Veranstaltungen oder für Bücher, Ton- und Videomaterial, aber man zahlt kaum mehr einen laufenden Beitrag.

So funktioniert die Verbreitung des Esperanto ohne straffe Organisation. Das Netzwerk hat die hierarchischen Strukturen abgelöst. Wer selbst einen Beitrag leisten will, um das Angebot im Internet zu vergrößern, braucht keinen Präsidenten und keine Vereinsvorstandssitzung mehr. Man macht alles, wann und wie und wie oft man es will. Das heißt nicht, dass man dabei allein bleibt. Man kann sich über das Internet mit anderen Aktiven verabreden und gemeinsam bestimmte Projekte verwirklichen.

Esperanto-Organisationen werden nicht ganz überflüssig, aber es bleibt ihnen keine große Aufgabe mehr. Sie haben vor allem die Aufgabe, den Kontakt mit staatlichen Stellen zu halten, damit Esperanto auch in Schulen unterrichtet wird und für Projekte Subventionen fließen können.

Allerdings müsssen die Esperanto-Organisationen umdenken und überlegen, was sie sinnvollerweise tun sollen und können und wie sie das finanzieren.

Durch das Internet wächst Esperanto nun von unten nach oben!

Aŭstria Esperanto Movado