Österreichische Esperanto-Bewegung

Österreichische Esperanto-Bewegung

Zufriedenheit mit Esperanto

Wer Esperanto freiwillig lernt, erwartet sich davon einen Zugewinn an Zufriedenheit. Das erste Ziel ist die Erreichung einer bestimmten Sprachbeherrschung. Ist dieses Ziel erreicht, kehrt in der Regel eine erste große Zufriedenheit ein. Es ist die Zufriedenheit, etwas geschafft zu haben, sich beweisen zu können, dass man in der Lage ist, eine andere Sprache zu verstehen und sich in ihr auszudrücken.

Zufriedenheit braucht Geduld. Die ersten schnellen Erfolge in der Sprachbeherrschung verführen manchen dazu, sich nicht mehr weiter um den weiteren Spracherwerb zu bemühen. Das böse Erwachen aus dem Traum folgt dann, wenn man Esperanto erstmals in einer Gemeinschaft wirklich sprechen soll. Dann hapert es hinten und vorne, der Akkusativ wird zum Prüfstein der Sprachbeherrschung.

Eine logisch aufgebaute Sprache wie Esperanto erfordert eine gewisse Schärfe des Denkens. Bei Esperanto wird eben das endlose Auswendiglernen durch Logik ersetzt. Das ist nicht kompliziert. Aber es ist sehr nützlich, logisch denken zu können. Esperanto ist gerade deshalb bei Naturwissenschaftlern und Technikern so beliebt. Es erfordert kein besonderes Talent für Sprachen, aber eben die Fähigkeit zum logischen Denken.

Zu einfache Geister verlieren dann leicht die Geduld. Sie sind unzufrieden damit, dass ihre Sprachbeherrrschung unzureichend ist. Sie könnten durch mehr Praxis mehr lernen, mehr Praxis auf ihrem niedrigeren Niveau. In örtlichen Esperanto-Vereinen können sich solche Gleichgesinnte zusammentun und versuchen, durch gemeinsame Anstrengungen ihrem Ziel der Sprachbeherrschung näher zu kommen. Das funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Halbwissenden (-könnenden) bleiben unzufrieden. In ihrer Unzufriedenheit stellen sie Forderungen, meistens mit dem Inhalt "Der Staat möge doch endlich Esperanto unterstützen ... ".

Wer hingegen ausreichend intelligent ist und auch ein wenig Gefühl für Sprache hat, der wird  sich mit Esperanto bald wohl fühlen. Er wird merken, dass er in dieser Sprache neue Ausdrucksmöglichkeiten findet, er wird merken, dass er durch diese Sprache neue Fähigkeiten an sich entdecken kann. Und dann kommt noch das Glücksgefühl, sich mit ebenso intelligenten Menschen aus anderen Ländern niveauvoll auf Esperanto unterhalten zu können (in Augenhöhe, von gleich zu gleich).

Auch solche Menschen wünschen sich eine größere Verbreitung des Esperanto, aber nicht aus einer Unzufriedenheit heraus, sondern aus dem Wunsch, auch anderen dieses Glück zuteil werden zu lassen.

Es scheint so, dass in den "offiziellen" Esperanto-Organisationen lange Zeit die Unzufriedenen den Ton angegeben haben. Man merkt das an ihren "Mitteilungen". Da wurde nicht die Stärke des Esperanto propagiert, sondern Klage über die verständnislose Welt geführt, die noch immer nicht den Beschluss gefasst hat, Esperanto allgemein als gemeinsames Verständigungsmittel einzuführen. Um ihre Forderungen zu untermauern, haben sie Potemkinsche Dörfer errichtet und sich dann gewundert, dass darauf niemand hereingefallen ist.

Wollen wir mehr Zufriedenheit mit Esperanto schaffen, müssen sich Menschen aus verschiedenen Ländern zusammentun und gemeinsam Aufnahmen von Gesprächsszenen, Diskussionen, Vorführungen, Vorträgen udgl. in Esperanto machen. Das hat eine doppelte Wirkung: Bei den Aktiven steigt die Zufriedenheit, weil sie Esperanto auf hohem Niveau anwenden und daraus etwas Wertvolles erzeugen und bei den Konsumenten steigt die Zufriedenheit, weil sie lebendiges Esperanto zuhause ohne Druck genießen können und dabei gleichzeitig ihre Sprachbeherrschung verbessern.

Aus mehr Zufriedenheit erwächst mehr Anziehungskraft. Unterstützt man dies durch entsprechende organisatorische Maßnahmen, kann daraus eine Bewegung entstehen - ein starker Schub für Esperanto.

Aŭstria Esperanto Movado