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Film + Diskussion mit Erika Pluahr in der Galerie Blaugelbe Zwettl, Propstei 1
A 2011 Doku 85 Min. Regie: Erika/Ignaz Pluhar
Ein Reisebericht. Auch so könnte man dieses filmische Projekt nennen, das zwischen Doku und Gestaltung angesiedelt und nicht nahtlos einzuordnen ist. Ein Bericht über die Reise eines jungen Wieners dorthin, woher er stammt – und in seinem 26-jährigen Leben nie gewesen ist. Wer ihn auf dieser Reise begleitet, ist seine „Oma“. Ignaz Pluhar ist ein Saharaui. Seine leiblichen Eltern, die er nicht kennt, waren Flüchtlinge aus dem afrikanischen Land WESTSAHARA, das von Marokko 1975 völkerrechtswidrig besetzt wurde. Sie flohen wie große Teile der Bevölkerung unter der Führung der Freiheitsbewegung „Frente Polisario“ über die Grenze nach Algerien, wo sich bis heute die Zeltstädte und die Regierung des saharauischen Exils befinden (genannt DARS – demokratische arabische Republik Sahara).
Schicksalhafte Umstände ließen den Säugling als Findelkind in das Haus Erika Pluhars gelangen, die mit ihrer Tochter Anna zuvor mehrmals die saharauischen Flüchtlingslager besucht hatte. Anna zog Ignaz auf, ohne ihm die Umstände seiner Herkunft auch nur im Geringsten zu verhehlen. Er wurde als auf selbstverständliche Weise ihr Sohn, ohne deshalb je unter Konflikten zu leiden. Natürlich erfuhr er Wienerische Rassismen, aber die heimische Liebe und Geborgenheit gaben ihm genügend Gelassenheit, damit fertig zu werden.
„Sahara in mir“ ist kein spannungsgeladene, er ist ein erzählerischer Film, in den die Würde und schöne Gelassenheit der sharauischen Menschen einfloss. Menschen, die ein unzumutbare und grausam ausgesetzte Lebenssituation seit fast 35 Jahren zu bewältigen versuchen, ohne aufzugeben. Ohne ihren Stolz zu verlieren, und ohne einem Besucher Elend und Tragik betont jammervoll vor Augen zu führen. Dies mag der Zuseher vielleicht vermissen, in einer Zeit, wo wir medial immer nur das Grauen serviert bekommen. Wo nur Bilder des Grauens uns noch Interesse an einem Konfliktherd irgendwo auf Erden abringen können. Aber die Saharauis lehnen Terrorismus ab. Sie führten einige Zeit Krieg. Aber sie operierten nie mit Terror für ihre Interessen. Ignaz erlebt die Situation seines Volkes auf dieser Reise auch als eine ihn bewegende Schönheit. Er erlebt, bei aller Unwirtlichkeit, die Schönheit der Wüste. Die Schönheit der Menschen. Die Schönheit dieses Kampfes, in Würde zu überleben. Und er erlebt sich selbst und seine Zugehörigkeit als fast verwirrende Selbstverständlichkeit.
Die Bilder des wunderbaren Kameramannes Karl Kofler tun ein übriges, uns mit diesem Film eindrucksvoll von der Sahara zu erzählen, von einer gewaltigen, gewaltsamen Weite, in der sich die Menschen, rechtlos und unfrei, dennoch behaupten müssen. Die sieben Tag dieser Reise, dieses Aufenthalts, informierten sogartig mehr und mehr politisch, führten mit Zuneigung zu Menschen, überwanden Fremdheit.
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