Rad - Reiseberichte

 


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

1. Tag:
WIEN - SCHWECHAT - ROM (Fiuminicino) - LAGO DI BRACCIANO (höchster Punkt: 256 m)
113 km (87 ab Flughafen Rom), 515 hm

2. Tag:

LAGO DI BRACCIANO - CASTELSANANGELO
(höchster Punkt nach dem Lago di Vico: 850 m)

190 km, 2.050 hm

3. Tag:

CASTELSANANGELO - CAMPING DEL FUNVIA DI GRAN SASSO (höchster Punkt nach Castelluccio am Südrand der Hochebene: 1.540 m)

122 km, 2.260 hm

4. Tag:

CAMPING DEL FUNVIA DI GRAN SASSO - PISCINA
(höchster Punkt der Reise: 1.728 m)

131 km, 1.910 hm

5. Tag:

PISCINA - FORMIA (Camping La Foca)
(höchster Punkt Passo di Diavolo: 1.385 m)

184 km, 1.737 hm

6. Tag:

FORMIA - LIDO DI PINEA
(höchster Punkt San Nicola nach Itri: 1.326 m)

186 km, 1.326 hm

7. Tag:

LIDO DI PINEA - FIUMICINO - SCHWECHAT - WIEN

77 km, 200 hm

Beschreibung der T a g e s t o u r e n :


WIEN - SCHWECHAT - ROM (Fiuminicino) - LAGO DI BRACCIANO

Nach einer ereignislosen Anfahrt mit dem Rad zum Flughafen und einem ebenso ereignislosen Flug nach Rom - Fiumicino (sieht man von einer knappen Stunde Verspätung ab), erhebt sich wieder einmal die spannende Frage, in welchem Zustand das (nur mit Luftpolsterfolie) verpackte Rad diesmal übergeben wird - alles da, alles funktioniert. Der Mistkübel in der Flughafenhalle wird prall gefüllt und der Windsack am Flugfeld beantwortet die nächste Frage. Südwind, daher wird die Tour im Uhrzeigersinn gestartet.

Nachdem alle vier Packtaschen und die Lenkertasche am Rad hängen und noch der Sack mit dem Zeltgestänge und der Liegematte am Gepäckträger verstaut sind, komme ich mir zwar vor, als würde ich ein Schlachtschiff steuern, aber man gewöhnt sich an alles. Außerdem fordert der Verkehr und die Ausfahrt vom Flughafen sowieso meine ganze Aufmerksamkeit - ich bin froh, dass ich die Schnellstraße über den Tiber gleich wieder verlassen kann und rolle in den Ort Fiumicino hinein.

Der bietet zwar keine Sehenswürdigkeiten (eigentlich ist er sogar ziemlich hässlich), aber er ermöglicht mir meinen ersten Cappuchino in Italien und bietet auch einen geöffneten Supermarkt (es ist früher Nachmittag) - die Wasserflaschen können so angefüllt werden.

Also los - zuerst muss auf einer Straße mit relativ starkem Verkehr entlang des Flugfelds gefahren werden, dann schlägt die Straße einige Haken und ich lande letztendlich auf der Zufahrt zur Autobahn. Eine schmale Nebenstraße ermöglicht aber doch, diese zu überqueren - die folgende Querstraße, parallel zur Autobahn und zur Via Aurelia führend, ist zwar offiziell für den Verkehr gesperrt, aber die Autofahrer nehmen es selbst nicht so genau - die aufgestellten Betonblöcke werden auf dem danebenliegenden Feld umfahren...

Nach einigen Kilometern auf der schnurgeraden Nebenstraße steht ein Polizeiauto quer über der Fahrbahn. Ich denke schon an einen zünftigen Anschiss wegen des Befahrens der gesperrten Straße, doch ich werde nur auf eine Querstraße Richtung Meer umgeleitet, da weiter vorne ein Feld brennt und die Feuerwehr im Einsatz ist.

Wenig erfreut über den Umweg kämpfe ich mich gegen den Wind ein paar Kilometer durch Obstplantagen und Gemüsefelder voran, dann ist ein großer Parkplatz eines Strandbades und auch das Ende der Straße erreicht.

Auf der anderen Seite des Flusses sieht man die Häuser einer Ortschaft - die rettende Lösung ist ein Holzsteg, der die Dünen und den Fluss überquert und mit dem Rad befahrbar ist. Nachdem so die Ortschaft Passo Oscuro erreicht ist, würde ich jetzt endlich gerne ein paar Kilometer machen und nicht immer nur im Zick-Zack-Kurs durch die Felder radeln. Also auf direktem Weg zu einer der Hauptausfallstraßen Roms, der Via Aurelia, die stark befahren Richtung Civitavecchia führt. Immerhin gibt es einen Seitenstreifen, auf dem sich unbehelligt radeln lässt. Trotzdem bin ich nicht unglücklich, bald nach Cerveteri Richtung Norden abbiegen zu können.

Im Ort gibt es etruskische Ausgrabungen und auch die Altstadt hat endlich so etwas wie italienisches Flair - ich gönne mir einen weiteren Capucchino und dann geht es auf einer Nebenstraße durch Ackerland weiter.

Der Anstieg von der Küstenebene weg ist moderat und der Südwind sorgt für flottes Vorwärtskommen. Auf einer Länge von 15 km gibt es keine Ortschaften, nur ein paar Bauernhäuser stehen in der Landschaft, die aber alles andere als spektakulär ist.

Das ändert sich aber nach einer kurzen Abfahrt mit den ersten Blicken auf den Lago di Bracciano.


Der See liegt wirklich nett von grünen Hügeln umgeben in der Nachmittagssonne und die Uferstraße ist bei einheimischen Rennradfahrern entsprechend beliebt.


Am Ostrand des Sees ist nach 80 Kilometern (ab Flughafen) Anquillara erreicht und bei der noch geöffneten Touristeninfo direkt an der Strandpromenade hole ich mir Prospekte von Campingplätzen (die gebt es rund um den See reichlich). Meine Wahl fällt auf das Camping "Smeraldo" - das bietet auch ein kleines Restaurant. Fast der gesamte Platz ist von Dauercampern belegt - nur drei Zelte stehen verstreut herum und dementsprechend wenig ist hier los. Wie die bescheidene Sanitärausstattung einem voll belegten Platz (z.B. während Ferragosto) genügen kann, ist mir ein Rätsel, aber jetzt habe ich Duschen und WC für mich alleine.


Zum abendlichen EM-Spiel (nur unterbrochen durch ein paar Stromausfälle) verdrücke ich eine große Nudelportion mit Salat.

LAGO DI BRACCIANO - CASTELSANANGELO

Schön früh am Morgen sitze ich am Rad, heute möchte ich eigentlich eine etwas gebirgigere Gegend erreichen.

Schon nach ein paar Kilometern am Ortsrand von Trevignano lockt mich aber eine Pasticceria, wo ich ein paar Kuchen fürs Frühstück kaufe und selbiges dann im Zentrum am Nordrand des Sees in einer Bar einnehme.

So gestärkt werden die (wenigen) Kalorien gleich am Anstieg von Seeufer weg Richtung Norden verbraucht - mit dem Erreichen des Höhenzuges auf der wenig befahrenen Straße wird die Strecke aber gleich gemütlicher.

Die Altstadt von Sutri, nach 28 Kilometern erreicht, liegt auf einem kleinen Felsen über der Straße - in den Tuffsteinabbrüchen auf der anderen Seite kann man eingegrabene Höhlen entdecken - erinnert irgendwie an die Tufflandschaften von Göreme in der Türkei. Eigentlich sollte man sich hier näher umsehen, aber ich will ja Kilometer machen. So ist schnell Ronciglione und damit der nächste See, der Lago di Vico, erreicht.

Jetzt geht es zwar nicht stark, aber kontinuierlich bis auf 850 Meter Höhe bergauf. Kurz vor dem höchsten Punkt überhole ich noch einen einheimischen Rennradler, sicher schon an die 70 Jahre alt, der mich freundlich grüßt. Die auf einem Höhenzug verlaufende Straße bietet immer wieder schöne Ausblicke auf den See - nur der morgendliche Dunst trübt die Sicht etwas.

Nach 50 Kilometern ist in rascher Abfahrt die noch vollständig von einer Mauer umgebene Stadt Viterbo erreicht und ich mache eine kleine Rundfahrt durch die (größtenteils verkehrsberuhigte) Altstadt - auch ein alter Trinkwasserbrunnen leistet gute Dienste.

Etwas zum Essen wäre auch nicht schlecht, aber vorab muss geklärt werden, wie ich das Gassengewirr Richtung Osten wieder verlassen kann. Ein Straßenkehrer unterbricht seine Tätigkeit und fährt mit seinem dreirädigen Dienstfahrzeug vor mir her, um mich zur richtigen Straße zu führen und verabschiedet sich noch mit Händedruck. Bei einer Tankstelle ist auch ein McDonalds - die Rettung für hungrige Radfahrer in Italien zur Mittagszeit, wenn die kleinen Läden schon geschlossen haben.


Nach dem nicht gerade vollwertigem Mittagessen verlasse ich Viterbo, radle durch den netten Ort Bagaia und dann weiter auf der Nebenstraße 204 parallel zur Schnellstraße Richtung Terni.

Da diese den gesamten Verkehr aufnimmt, ist die Strecke ganz angenehm zu fahren - erst kurz vor dem Tibertal muss ich zwecks direkter Flussüberquerung auch auf sie wechseln. Schon ein paar Kilometer vor der Auffahrt warten (wie so oft in Italien) afrikanische Mädchen auf Kundschaft, mich würdigen sie keines Blickes. Bin vielleicht nicht ihr Typ oder sie haben von die Geschichten mit den Potenzproblemen der Radfahrer gehört, egal.

Die zweispurige Schnellstraße (wieder mit breitem, gut radelbarem Seitenstreifen) fällt sanft ins Tibertal ab (dementsprechend schnell bin ich mit dem vollbepackten Rad) und verengt sich dann baustellenbedingt auf eine Fahrspur (mit Gegenverkehr in die andere Richtung).

Da rechts von mir Betontrennwände aufgestellt sind, kann ich nicht ausweichen und ziehe so eine lange Autoschlange hinter mir her, die sich aber erstaunlich friedlich verhält.

Mit dem Ende des Baustellenbereiches kann ich die Schnellstraße endlich verlassen und als Ausgleich folgen ein paar wunderschöne Kilometer durch ein enges Flusstal, bis man auf dem linken Berghang ein Kloster und auf dem rechten die Stadt Narni erblickt.

Auch diese Stadt - abseits der Touristenströme gelegen - ist sicher sehenswert, ich bin aber nicht unglücklich, dass ich nicht ins Zentrum hinaufkurbeln muss sondern auf der (Neben)Straße Nr. 3 gleich nach Terni (nach 110 Tageskilometern erreicht) fahren kann. Dort gibt's in einem Parkcafe zuerst einmal einen Capuccino und ausgiebiges Kartenstudium.

Für die Weiterfahrt bietet sich die Straße Nr. 209 Richtung Visso an - schon nach wenigen Kilometern folgt die nächste Fahrtunterbrechung - die Wasserfälle von Marmore.

Für mich ist der Blick sogar gratis, da die Hauptstraße durch einen Tunnel führt und ich auf dem geschotterten Spazierweg außen herum fahre und erst danach das Besucherzentrum mit Parkplatz und Kartenverkauf erreiche - wieder was gespart...

Der Rückenwind treibt mich weiter taleinwärts (in der Gegenrichtung müssen einige Rennradfahrer ganz schön gegen den Wind kämpfen) - auf den ersten 30 Kilometern ab Terni gibt es ein großes Angebot an Unterkunftsmöglichkeiten - ich ziehe daraus den (falschen) Schluss, dass dem weiter so sein wird. Zwischen San Antolia und Triponzo herrscht auf 12 Kilometern überraschenderweise starker LKW-Verkehr - die Strecke verbindet zwei Straßentunnel.

Immer öfter rücken jetzt markante unbewaldete Höhenzüge ins Blickfeld - die Ausläufer der Monti Sibillini. In Pontechiusita bekämpfe ich den sich wieder bemerkbar machenden Hunger mit Pannini mit Käseauflage aus einem Feinkostgeschäft - langsam wird es aber Abend und ich sollte mich nach einer Übernachtungsmöglichkeit bzw. einem Campingplatz umsehen.

Die letzten Kilometer vor Visso durchquert die jetzt etwas kräftiger ansteigende Straße noch eine Felsschlucht - dann ist der Ort erreicht, immerhin bin ich heute schon 180 Kilometer geradelt. Im Ort gibt es ein 3-Stern-Hotel (das recht teuer ausschaut) und zwei Hinweisschilder auf Campingplätze. Wie ich erfragen konnte, liegt der eine allerdings in einem sackgassenähnlichen Seitental und zum anderen sind es noch ca. 15 Kilometer bergauf - also weiter.

Im nächsten Ort, Castelsanangelo, gibt es keine Unterkunft, aber kurz danach ein Hinweisschild auf ein Albergo.



Da ich wenig Lust verspüre, jetzt am Abend noch ein paar Kilometer steil bergauf zu fahren, agiere ich nach dem Motto "Fragen kostet nichts". Die Wirtin scheint zu überlegen: da ist ein vollbepackter Radler, Zelt und so hat er dabei, wenn ich zu teuer bin, fährt er weiter, andererseits ist es schon spät.. welchen Preis wird er gerade noch akzeptieren?

Genau das Gleiche denke ich mir auch - aber die verlangten 25 Euro für das Zimmer mit Bad, WC (und Fernseher im Hinblick auf die EM) sowie Frühstück sind wirklich preiswert, so werden wir schnell handelseins - auch weil sie den im Zimmer ausgehängten Übernachtungspreis kräftig ermäßigt hat. Und das Abendessen (Nudeln mit Pilzen) ist lecker. Also ist die Albergo "Dal Navigante" wirklich eine Empfehlung.

CASTELSANANGELO - CAMPING DEL FUNVIA DI GRAN SASSO

Zum Frühstück gibt's in italienischer Tradition zwei Hörnchen (liefern pro Stück ca. 50 Kalorien) sowie zwei Stück Zwieback mit Butter und Marmelade (noch mal max. 150 Kalorien), wahrscheinlich liefert der dazu gereichte Capucchino mehr Energie. Was serviert man eigentlich den Fahrern des Giro?

Gleich 500 Meter vom Albergo beginnt der lange Anstieg nach Castelluccio - gut, dass ich mir zusätzlich noch zwei Käsebrote erbettelt habe. Schon bald ist erstmals auf dieser Reise das kleine Blatt vorne in Betrieb - in vielen Kehren steigt die Straße stetig an, immer wieder schöne Blicke ins Tal bietend. Nach fünf Kilometern ohne jegliche Erholung dann vollkommen unvermutet die Hinweistafel auf den Campingplatz - wäre gestern noch ein schönes Stück Arbeit gewesen, bis hierher hochzukommen.

 

Jetzt lässt die Steigung etwas nach und schon von weitem sieht man die Anhöhe des Passo die Gualdo, immerhin fast 1500 Meter hoch. Rundherum nur die kahlen Bergrücken, auf der Passhöhe ist aber eine Quelle und ein großer Parkplatz, auf dem bei meiner Ankunft ein Schuhverkäufer seine Ware soeben aus einem Kleinlaster lädt - offenbar erwartet er hier oben Kundschaft.

 

Es folgt eine kurze Abfahrt in ein Hochtal in dem auffallend viele Blumen blühen, Rinder und Schafe laufen frei hierum - fällt unter artgerechte Tierhaltung.

Nach ein paar Kilometern ein kurzer Anstieg in den Ort Castelluccio (15 km bisher), der offenbar für (jetzt nicht wirklich stattfindende) Touristenströme vorbereitet ist - Unterkunftsmöglichkeiten, Souvenirshops, Bars etc. Eine gute Gelegenheit, das erste Frühstück zu ergänzen.


Castelluccio

Wieder kurz bergab in eine große Hochebene, jetzt sind schon mehr Leute unterwegs (Radler, Wohnmobile, viele Motorradfahrer). Beiderseits der Straße sieht man richtige "Blumenplantagen" - die Ebene selbst ist völlig unbewohnt. Bei einer weithin sichtbaren Abzweigung entscheide ich mich, links zu halten und muss noch ein paar Kilometer sanfte Steigung bis zum Steilabbruch der Hochebene radeln. Auf der Ostseite fällt das Gebirge schroff und felsig ab, wirkt ganz anders als die sanften Rundungen, die ich vorher zu Gesicht bekommen habe. Ein jüngerer Italiener bemüht sich wirklich redlich, sich mit seinem Billigsdorf-City-Bike (und viel zu niedrig eingestelltem Sattel) an mein Hinterrad zu hängen, muss aber nach ein paar Hundert Meter abreissen lassen...

Auf der Südseite bricht das Gebirge schroff ab und die Landschaft (auch die Vegetation) erinnert etwas an die Dolomiten. Es folgt eine 12 km lange rasante Abfahrt bis Arquata del Tronto - die Häuser zweier kleiner Ortschaften sind alle noch vor der Ära des Autos errichtet worden, dementsprechend eng ist die Ortsdurchfahrt und gering der Verkehr. Tief im Tal führt die Hauptstraße von Ascoli hinauf - ich entscheide mich für die Nebenstraße, die laut Karte am Berghang entlang verläuft und erst später auf die Hauptstraße trifft, so verliere ich keine Höhe, die ich nachher wieder mühsam gutmachen muss.


Vollkommen verkehrsfrei radle ich durch Pescara (del Tronto, im "richtigen" Pescara geht es sicher anders zu) - nach Tufo ist die Straße sogar gesperrt und wird nicht mehr gewartet - laut eingeholter Auskunft eines Einheimischen ist sie aber mit dem Rad befahrbar. Um die paar Betonblöcke zur Absperrung kann man gut herumfahren und der Asphalt ist gar nicht so schlecht (auch wenn sich die Natur immer mehr Terrain zurückholt), keine Ahnung, warum die Straße aufgelassen wurde. Irgendwann ist dann die Hauptstraße Nr. 4 doch erreicht - ich habe keine Höhe verloren und so geht es mit nur sanfter Steigung am breiten Randstreifen weiter - erstaunlicherweise ist diese Hauptstraße kaum befahren und so besteht auch keine Notwendigkeit, auf die parallel laufende Lokalstraße auszuweichen.


Wie so viele Orte in den Abruzzen ist auch Amatrice (58 km) auf einem Hügel erbaut - in einem Supermarkt an der Ortseinfahrt besorge ich mir mein Mittagessen, dass ich dann auf einem kleinen Platz im Zentrum einnehme - ein kleiner Brunnen leistet gute Dienste.

Die folgenden Kilometer berauf zum Lago die Campotosto sind ein Traum für Radler: mit 4 bis 5 % Steigung in vielen Serpentinen geht es ganz sachte rauf bis zur nördlichen Staumauer und dann in vielen Kurven entlang des türkis schimmernden Stausees, an dessen Südufer man schon die Felsen des Gran Sasso-Massivs entdeckt. Es gibt zwar einige Picknick- aber keine richtigen Campingplätze am Ufer, ein einfaches Albergo mit Windsurfschule ist am Südufer des Sees, ein paar Kilometer nach Campotosto, etabliert. Die Fahrt rund um den See ist landschaftlich aber super!

Auch auf dem Südufer ist eine Staumauer errichtet worden - bis zur Kreuzung mit der Straße Nummer 80 verliert man wieder einige Höhenmeter, die man sich nachher zurückholen muss. Bei einem riesigen Elektrizitätswerk zweigt dann die Straße nach Assergi ab, die zuerst steil bis auf 1450 Meter anzieht und dann ganz langsam kilometerlang abfällt.

Hier oben sind große Weideflächen - Pferde, Rinder und Schafe grasen ohne Zaun und stehen halt manchmal auch auf der Fahrbahn herum - bei dem geringen Verkehr kein Problem. Rechts die Felsen des Gran Sasso, links schöne Ausblicke über das Becken von L'Aquila hinweg zu den Monte Sirente-Bergen, wolkenloser Himmel, Windstille - kurzum Bikers Dream.

Der Ort Assergi duckt sich unter der Autobahnbrücke - ich fahre nicht in den Ort hinab sondern gleich weiter hoch zur Seilbahn-Talstation, dort gibt es mehrere Hotels und einen Campingplatz. In einer Bar komme ich mit einem deutschen Rennradler ins Gespräch, der eine mehrwöchige Italienfahrt nur mit einem Rucksack macht - gerne würde ich mit ihm tauschen, habe ich doch das Gefühl, meinen ganzen Hausrat spazierenzuführen. Wir beschließen, zusammen ein Zimmer zu suchen, aber 50 Euro für Halbpension erscheint mir doch etwas zu teuer, und so stelle ich auf dem recht netten Campingplatz mein Zelt auf. Das Abendessen in einem der zwei Hotels an der Seilbahnstation ist jedoch letztendlich so kostspielig, dass ich mir in Summe nur wenig Geld erspart habe, aber was soll´s, man gönnt sich ja sonst nichts...

CAMPING DEL FUNVIA DI GRAN SASSO - PISCINA

Einen Anstieg zum Frühstück hatte ich doch erst gestern - wieder nur ein paar Süßigkeiten und einen Capuccino im Magen, geht es gleich zur Sache: 700 Höhenmeter müssen bis zur Hochebene "Campo Imperatore" bewältigt werden. Es ist Sonntag früh und so ist auch recht viel Auto- (später auch Rad-) verkehr unterwegs. Immerhin ist die Straße nicht allzu steil und nach dem höchsten Punkt hat man auch eine kurze Abfahrt zur Erholung.

Die Hochebene selbst ist fast eben, aber (von ein paar Almhütten abgesehen) völlig unbebaut, auch wachsen in hier auf 1500 Meter Höhe keine Sträucher oder Bäume - die vielen Viehherden sind ein schon gewohntes Bild. In Felsrinnen der höchsten Gipfeln liegen auch jetzt Ende Juni noch Schneereste - immerhin ist der höchste Berg knapp 3000 Meter hoch.

Am Ostende der Hochebene findet sich dann auch ein kleines Ristorante, Übernachtungsmöglichkeiten scheint es aber nur in einer Schutzhütte in der Nähe zu geben - gut, dass ich gestern nicht mehr weitergefahren bin, wäre mit dem Einbruch der Dunkelheit knapp geworden.

Auch der Campo Imperatore ist von einem Höhenzug umkränzt - also zwei Kehren und 100 Höhenmeter hinauf und dann folgt die lange Abfahrt bis Castel del Monte (40 km).

Die Burg von Calascio sieht man schon von weitem, bis zum Ort muss aber auch wieder eine kleine Gegensteigung bewältigt werden (und ich habe mich gerade so schön an das Bergabrasen gewöhnt).

In dem verschlafenen Ort nehme ich nach 49 km ein zweites Frühstück (oder frühes Mittagessen, je nach Betrachtungsweise) zu mir und liefere den herumsitzenden Pensionisten für die nächsten paar Minuten Gesprächsstoff. Rennradler sind ja ein gewohnter Anblick - aber ein vollbepacktes Rad muss doch bestaunt werden.

Am Berghang entlang (mit entsprechender Aussicht) geht es nach San Stefano, wie gewohnt auf einem Felsen gelegen, das Raufradeln in den Ort erspare ich mir. Noch ein kleiner Pass und dann geht es in langen Kehren hinab nach Barisciano, wo die Hauptstraße Nr. 17 erreicht wird. In Poggio Picenze kann ich laut Karte die Ebene queren, um an deren Südseite gleich den nächsten Anstieg Richtung Monte Sirente in Angriff nehmen.

Den Ort Fossa, schon von weitem sichtbar, erreiche ich über schmale Nebenstraßen und humple über übles Kopfsteinpflaster durch enge Gassen bergauf (der Straßenbelag ist eindeutig nicht rennradkompatibel).

Nach dem Ort wird der Belag der unbefahrenen Straße aber besser und mit den gewohnt schönen Blicken ins Tal gewinne ich wieder rasch an Höhe. Etwas zu rasch, denn in der Mittagshitze ist die steile Straße mit dem vollbepackten Rad kein besonderes Vergnügen. Außerdem hat man immer schön eine markante Felswand im Blick, von der man weiß, dass man sie in ca. einer halben Stunde überwinden wird müssen.

Ein paar Kilometer nach San Pantilo teilt sich die mittlerweile erreichte Hauptstraße: ich fahre den Weg des geringeren Widerstandes und lasse die Bergstraße nach Rocca di Cambio aus - die Straße über Terrenera ist schon mühsam genug. Zwar nicht stark ansteigend, aber völlig ohne Kehren und Schatten wird die Nordkante der nächsten Hochebene erreicht - dafür die üblich schöne Aussicht. In Terrenena lädt mich ein alter englisch sprechender Italiener (eine Seltenheit, aber er ist in den USA geboren) auf ein Bier und ein Glas Wein ein und während der Pause höre ich mir seine Geschichten vom Äthiopien-Feldzug im 2. Weltkrieg an.

Bis Rocca di Mezzo geht es wieder völlig eben dahin, diese Hochebene ist halt nur nicht so groß wie die vorher gesehenen. Die folgenden acht Kilometer bis Ovindoli eigenen sich vorzüglich, die Auswirkungen des Wintertourismus auf die Landschaft im Sommer zu studieren - die ohnehin erosionsgeplagten kahlen Berghänge werden durch Schipisten und zusätzlich mit Hotelburgen verschandelt, die vom Styling her auch in der Tatra stehen könnten. Bei nördliche Ortseinfahrt von Ovindoli lässt auf einen gesichtlosen Winterfremdenverkehrsort schließen, aber das Zentrum hat dann plötzlich süditalienisches Flair mit engen Gassen und Wäscheleinen zwischen den Häusern. Vom Flair ganz abgelenkt scheint auch ein seinen Kombi zurückschiebender italienischer Familienvater zu sein, der beim Einparken gegen mein Rad fährt - die dicke Packtasche hinten wirkt aber als optimaler Stoßfänger. Ich akzeptiere seine mehrmalige Entschuldigung und sause hinunter nach Celano und weiter in das Becken von Avezzano. Noch ein paar Kilometer wieder leicht bergauf auf stärker befahrener Straße und ich kann schon auf eine Nebenstraße abzweigen.
In Pescina suche (und finde) ich das Hotel "Da Philippo" - ein Tip des am Vortag getroffenen Rennradlers. 15 Euro für das (zwar kleine) Zimmer (immerhin steht sogar ein Fernseher drinnen, EM-Spiel also gesichert) und 10 Euro für Pasta, Salat, einem halben Liter Multivitaminsaft und einem halben Liter Wien sowie Frühstück ist mehr als korrekt. Bis zum Abendessen habe ich noch Zeit, zu Fuß den (absolut touristenfreien) Ort zu erkunden.

PISCINA - FORMIA (Camping La Foca)
Das Becken von Avezzano liegt noch im Morgendunst, während ich die vielen Serpentinen zum Passo di Diavolo hochkurble (700 Höhenmeter von der Ebene). Kompliment an die italienischen Straßenbauer - in Mitteleuropa hätte man die eine oder andere Kurve eingespart und die Straße müsste dementsprechend steiler sein. Irgendwann rückt ein markantes Kloster kurz vor dem Pass in das Blickfeld, auf der Passhöhe selbst findet der durstige Radler wieder einen Brunnen. Pescasseroli, in flotter Abfahrt bald erreicht, ist der touristische Hauptort des rundum situierten "Parco Nazionale d´Abruzzo" mit entsprechender Infrastruktur - unter anderem auch einer Pasticceria, in der ich ein zweites Frühstück einnehme.

Ein paar Kilometer weiter in Opi - wie so oft hoch über der Straße auf einem Felsen gelegen - teilt sich die Straße.


Man könnte noch 400 Höhenmeter überwinden und käme dann über einen weiteren Pass direkt nach Cassino. Wegen des guten Wetters und der netten Landschaft beschließe ich aber, eine Ehrenrunde einzulegen und so geht es auf der Straße Nr. 83 zum Lago die Barrea. Im Ort Viletta Barrea gibt es direkt neben der Straße einen Pichnickplatz mit Bademöglichkeit und ein Stück weiter noch eine Zufahrt zu einem Strandplatz mit Bar. Ich bilde mir ein, erst am Südufer des Sees kurz vor dem weithin sichtbaren Ort Barrea ein Bad zu nehmen - aber am Südufer ist nur die Staumauer und keine weitere Zugangsmöglichkeit zum See. Also kein Bad - zum Zurückfahren kann ich mich auch nicht überwinden.

In weiten flachen Serpentinen geht es hoch zum nächsten Pass - dass man immerwährend schöne Ausblicke auf den See und die ihn umgebenden Berge - alle um die 2000 Meter hoch - hat, muss ich gar nicht mehr erwähnen.

In Alfedena (70 km), einer verschlafenen Kleinstadt, gibt es ein Alimentari, einen Brunnen und einige im Schatten liegende Steinbänke - ideale Voraussetzungen für die Mittagsrast.
Bei der Kreuzung mit der Straße Nr. 158 weist ein Schild auch nach Napoli, das von hier schon näher als Rom liegt. Wieder folgt eine sachte Steigung zu einem kleinen Pass und dann werden auf fast verkehrsfreier Strecke (oder liegt es an der Mittagszeit, dass ich die Straße für mich habe ?) ordentlich Höhenmeter vernichtet. Leider finden just bei der Abfahrt kilometerlang Asphaltierungsarbeiten statt - auf dem künstlich aufgerauten alten Belag kann ich nur sehr langsam fahren.

Aber jedes Mühsal hat einmal ein Ende und bei der Kreuzung mit der Straße Nr. 652 stellt sich ein logistisches Problem: laut Karte führt die Straße durch einen langen Tunnel - selbst wenn er beleuchtet wäre, nicht angenehm. Die Alternative ist die kleine Landstraße zum Ort Rocchetta, dort kann man auf einer noch kleineren, sehr steilen Asphaltstraße (die auf meiner Karte gar nicht eingezeichnet ist) zur Hauptstraße ins Tal bremsen und hat so den Tunnel umfahren.

Leider ist jetzt in beiden Richtungen starker LKW-Verkehr (und kein Seitenstreifen!), Alternativen bieten sich nach der Karte aber auch nicht - da muss man halt durch. Mit jedem Kilometer geht das Hochgebirge immer mehr in eine Hügellandschaft über - erst ein paar Kilometer vor Venafro bietet die nach wie vor stark befahrene Straße einen Seitenstreifen und damit Entspannung.

Um das Talbecken verlassen zu können, muss ein weithin sichtbarer Höhenzug überwunden werden. Die Hauptstraße unterquert ihn mit einem Tunnel - Radfahrer müssen die Abzweigung in den Ort Ceppagna nehmen und sich der alten Straße (auf der mir kein einziges Fahrzeug begegnet ist) bedienen. Am höchsten Punkt stehen ein paar Rinder auf der Fahrbahn - der Asphalt ist aber noch o.k., und so ist diese Strecke für Radler eindeutig zu empfehlen. Vorbei an einem großen Steinbruch erreich man in San Pietro wieder die Hauptstraße und ist gleich mitten im italienischen Nachmittagsverkehr.

Nach 147 km in Cassino gibt es gleich bei der Ortseinfahrt neben der Straße einen Mc Donalds - wieder einmal eine willkommene, wenn auch nicht besonders gesunde Abwechslung nach vielen Panninis, Pizzastücken und Teigwaren. Der Ort wurde im 2. Weltkrieg vollkommen zerstört und hat daher keinen alten Ortskern mehr - hoch über der Stadt sieht man die (nach den Zerstörungen nach Originalplänen wieder aufgebaute) Abtei des Montecassino.

Eigentlich bin ich für heute ja schon genug geradelt - aber der Campingplatz gleich neben dem Bahnhof wirkt nicht besonders einladend, also weiter. Auf den paar Kilometern bis zur Autobahnauffahrt gibt es mehrere Hotels - in einem frage ich interessehalber - aber 42 Euro für Bett und Frühstück ist mir zu teuer.

Kurz nach San Giorgio steht noch ein 3-Stern-Hotel neben der Straße - der vollkommen illusorische Preis von 70 Euro wird mir, als ich mich schon zum Weiterfahren wende, noch auf 50 Euro + 15 Euro für das Abendessen ermäßigt, kommt trotzdem nicht in Frage. Scheint so, als ob ich wegen der Nähe der Küste und der A 1 das relativ angemessene Preisniveau in den Abruzzen vergessen kann und bereite mich geistig wieder auf eine Nacht im Zelt vor.

Dieser Entschluss bedingt jedoch einen Campingplatz - und einen solchen gibt es wohl nur an der Küste. Die ist dann trotz leichten Gegenwindes recht rasch erreicht. Zwischen Hauptstraße, der Bahnlinie und dem Meer erstrecken sich große Siedlungsgebiete mit Einfamilienhäusern - mittendrin liegt ein kleiner Campingplatz mit bemühtem Besitzer. Die Sanitäreinrichtungen sind wie gewohnt sehr bescheiden - dafür ist das Abendessen in der Pizzeria in der Nähe sehr lecker.

FORMIA - LIDO DI PINEA

Formia ist nicht besonders aufregend - wirklich schön ist aber gleich der Nachbarort Gaeta. Ich radle zwar mühsam zu der hoch auf der Halbinsel gelegenen Burg, diese ist aber vom Militär okkupiert und kann nicht näher besichtigt werden.

Etwas unterhalb liegt eine markante große Kirche - in den engen Gassen gibt es schon richtig süditalienische Atmosphäre und auf der Westseite der Halbinsel radelt man an einem langen Sandstrand entlang.
Gleich nach dem Ortsende folgt eine wirklich nette Küstenlandschaft - die Hügel fallen steil ins Meer und die Küstenstraße wird durch vier Tunnels geführt - Alternativen gibt es nicht. Unangenehm ist nur der Tunnel Nr. 2 - er ist der längste und ausgerechnet hier ist die Beleuchtung ausgefallen. Wenn nicht gerade ein Autoscheinwerfer für etwas Sicht sorgt, radelt man in fast völliger Dunkelheit dem kleinen hellen Loch am Ende des Tunnels entgegen - keine unstressige Angelegenheit.


In Sperlonga beschließe ich, doch ein paar Höhenmeter zu machen und mir den "Parco Reginale Monti Auruncini" anzusehen. Eine kleine, deshalb auch fast verkehrsfreie Straße windet sich den Berghang hinauf und oben geht es dann mit ein paar Ab- und Auffahrten flott dahin. Es fällt nur auf, dass die Gegend unheimlich zersiedelt ist - überall werden kleine Wochenendhäuser gebaut - viel Natur gibt es hier auf den Hügeln nicht mehr.

Itri (47 km) liegt zur Abwechslung einmal in einem Talbecken - nur die obligate Burg thront über der Stadt. Wie schon öfter ladet die Kombination Alimentari, Brunnen und schattiger Park zur Mittagsrast ein, bevor es auf der unbefahrenen Straße Nr. 82 weiter in die Hügel, die hier schon wieder zu Bergen werden, geht.

Wieder eine angenehme Straße mit ein paar Prozenten Steigung - vorbei an einer Abzweigung zu einem weithin sichtbaren Kloster (laut Hinweistafel auch mit Übernachtungsmöglichkeit) ist bald der höchste Punkt erreicht und es folgt eine Abfahrt durch ein Waldgebiet. Im kleinen Dorf La Taverna erwarte ich vergeblich einen Hinweis auf die Abzweigung nach Fondi, erst ein Stück weiter trifft man auf eine Kreuzung (scheint auch ein Fehler in meiner Karte zu sein). Egal, die bewaldeten Hügel ringsum sind recht nett (wenn auch nicht mit der spektakulären Gebirgslandschaft im Landesinneren vergleichbar) und nach Lenola kann ich das Rad auf guter breiter Straße endlich einmal wieder so richtig bergab laufen lassen.

In der Küstenebene angekommen geht es zuerst ein paar Kilometer durch ländliches Italien (nur ein paar Traktoren teilen mit mir die Straße) - mit dem Erreichen der Straße Nr. 7 die kurz später die Küstenstraße trifft, muss ich mich auf wieder mit dem Schwerverkehr arrangieren.

In Terracina (101 km) muss ich das erste (und einzige Mal auf dieser Reise) den Schlauch wechseln - ein in den Reifen gedrückter kleiner Glassplitter hat den Schlauch langsam durchgescheuert - kann passieren. Die hohen Felsen an der Ortseinfahrt bilden jedenfalls ein würdige Kulisse.

Nach dem Ort zweigt die Hauptstraße Richtung Rom ins Landesinnere ab - ich bleibe jedoch auf der Küstenstraße. Erst wieder in San Felice Circeo ragt ein Hügel aus der Ebene - die Fahrt bis dorthin ist nicht besonders aufregend. Ein kurzes Stück auf der Nordostseite des Hügels führt die Straße durchs Landesinnere um bald wieder das Meer zu erreichen. Die Dünenlandschaft hier wäre eigentlich ganz nett, wenn auf der schnurgeraden Straße nicht schrecklich viel Verkehr wäre. Obwohl Dienstag Abend scheint ganz Rom und Umgebung mit dem Auto hierher gefahren zu sein - der Parkstreifen Richtung Norden neben meiner Fahrbahn ist fast lückenlos besetzt und die man muss permanent auf ausfahrende Autos, aufgehende Autotüren, überholende Vespas etc. gefasst sein.

Nach der Badesaison sicher eine nette Straße, die auch jetzt von vielen Rennradlern genutzt wird. Ortschaften passiert man keine - nur hin und wieder trifft man auf eine Bar an der Straße.

Erst nach 40 Kilometern verlässt die Straße die Küste entlang eines riesig großen Militärgeländes. Dort müssen wohl wichtige und sehr geheime Dinge passieren oder wollen die Soldaten nur in Ruhe baden? Langsam bricht jetzt schon die Dämmerung herein und entgegen meinen Erwartungen habe ich schon seit dutzenden Kilometern keinen Campingplatz mehr gesehen. In Nettuno am Hafen gibt es einen Informationspavillon und drinnen lächeln mich zwei Mädchen freundlich an. Sie haben nur die zwei (einzigen) Nachteile, keine Fremdsprache zu sprechen und (nachdem ich mit meinen italienischen Sprachbrocken nach einem Campingplatz in der Nähe gefragt und sie mich offenbar verstanden haben) eigentlich über nichts Bescheid zu wissen, also weiter.

Erst in Lido die Piena befindet sich direkt neben der Straße ein riesiger Platz - mittlerweile wäre es wegen der hereinbrechenden Dunkelheit schon riskant, weiterzufahren.

Wieder ein freundliches Mädchen in der Rezeption, der der von ihr verlangte Preis (23 Euro !!!) selbst peinlich ist, aber bei diesem Platz zahlt man 7 Euro pro Person und 16 Euro für den Stellplatz, egal ob man diesen mit einem Wohnmobil mit Anhänger oder mit einem kleinen Zelt belegt.

Wenigstens finde ich auf dem riesigen Gelände noch einen recht netten Stellplatz nahe dem Strand - wie gewohnt, steht die Qualität der Sanitäranlagen mit dem Preisniveau in keinem Verhältnis - dafür ist die Pizza im Restaurant gut und preiswert. Obwohl ich Sand nicht wirklich schätze - das Eindrücken der Zeltheringe in den Sandboden ist ein Vergnügen - das war auf den vorher besuchten Plätzen nicht immer so.

LIDO DI PINEA - FIUMICINO - SCHWECHAT - WIEN


Heute kann im Bummeln - der Flieger geht erst zu Mittag und nach Ostia sind es nur 30 Kilometer - allerdings durch fast durchgehend verbautes Gebiet.

Die üblichen austauschbaren und hässlichen italienischen Badesiedlungen - Cafes, Restaurants, Supermärkte aber auffallend wenig Hotels - offenbar gibt es hier vorwiegend Zweitwohnsitze. Ostia selbst erstreckt sich über viele Kilometer entlang der Küste - die fußballfeldgroßen Betonflächen der Kreuzungen scheinen zur Hochsaison erforderlich zu sein, um den Verkehrsansturm bewältigen zu können. Der Ort ist aber so schon hässlich genug - auf den wenigen frei zugänglichen Strandflächen türmen sich Abfallhaufen und dahinter nur Wohnsiedlungen. Wer hier wohl freiwillig Urlaub macht?

Ich fahre noch bis in die Nähe der Tibermündung und dann geht es schon Richtung Flughafen. Der Verkehr ist wie erwartet stark bis sehr stark - für die Schnellstraße über den Tiber gibt es aber keine Alternative - dafür kann ich ein paar Blicke auf die römischen Ausgrabungen neben der Straße werfen.

Nach 49 Radelkilometern schiebe ich das Rad in die Abfertigungshalle des Flughafens, suche mir ein ruhiges Plätzchen und verpacke das Rad - mittlerweile eine Routinetätigkeit.

Nach ruhigem Flug kann ich das Rad in Wien - Schwechat wieder unversehrt in Empfang nehmen und die paar Kilometer bis Wien radeln - ein seltsames Gefühl, vollbepackt in sehr bekannter Gegend unterwegs zu sein.