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1.
Tag:
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LONDON-STANDSTED - STAMFORD |
165
km, 415 hm
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2. Tag: |
179 km, 490 hm |
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3. Tag: |
170 km, 760 hm |
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4. Tag: |
139 km, 783 hm |
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Frühstück ist sogar etwas zu üppig (zusätzlich zu Brot und Kuchen gibt es noch Speck, Bohnen, Tomaten...), aber ich habe Zeit, weil es in der Nacht zu regnen begonnen hat und die Straßen nass sind. Aber irgendwann muss ich dann doch raus, also Regenjacke und Überschuhe an und los.
Boston war früher ein bedeutender Hafen, von dem auch die Schiffe mit Auswanderern in die USA (u.a. die "Mayflower") gestartet sind - außer einer großen Kirche und ein paar historischer Gebäude weist aber nichts mehr auf den einstige Bedeutung hin. Nachdem ich das Kreisverkehrssystem in Boston nicht ganz durchschaut habe, bin ich doch glatt ein paar Kilometer die A 16 in die falsche Richtung gefahren - offenbar hat mein Orientierungssinn eine Krise... Auf
der richtigen Straße gibt es einen gut radelbaren Seitenstreifen,
da ich aber voll gegen den Wind fahre, möchte ich etwas abkürzen
und über die winzigen Orte Frampton
und Sandholme Fosdyke erreichen,
wo ich wieder auf die Hauptstraße Richtung Osten (A 17) treffe.
Da ein Wegweiser fehlt, radle ich Richtung Küste bis zu einem Bauernhof,
wo ich überraschenderweise nicht auf Engländer, sondern auf
Polen (die mir aber auf Englisch den richtigen Weg erklären können),
treffe. Der Zick-Zack-Kurs durch das flache Schwemmland hat sicher weder
Zeit noch Kilometer erspart, dafür war er absolut verkehrsfrei,
auch etwas wert.
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Der Südwind treibt mich rasch weiter Richtung Norden - leider muss ich mir die Straße mit einer Menge Sonntagsausflügler teilen, die auch alle ans Meer wollen. Bis Hunstanton sind auch ein paar Waldstücke zu queren - die Landschaft ist im Vergleich zum Vortag doch deutlich abwechslungsreicher.
Die Straße A 149 der Küste entlang nach Osten ist landschaftlich schön, aber schmal - Gott sei Dank sind die englischen Autofahrer ausgesprochen rücksichtsvoll, außerdem sind viele andere Radfahrer auch unterwegs. Oft verdecken hohe Sanddünen oder sumpfiges Heideland den Blick auf das Meer, aber die Landschaft ist durchaus reizvoll, nette alte Ortschaften, vereinzelt alte Villen oder kleine Schlösser neben der Straße. Und dann sehe ich einen Radler seinen Carbonrenner schieben - 2. Reifenpanne und keinen Ersatzschlauch mehr... Ehrensache, dass ich ihm aushelfe - aber nachdem wir einen Ersatzschlauch von mir montiert haben, lässt sich dieser nicht aufpumpen, für seine Systemlaufräder mit hoher Felge ist das Ventil zu kurz... Mein Kollege ruft einen Freund an, der ihn mit dem Auto abholen soll und ich habe einen Ersatzschlauch weniger und ein paar Kilometer später prompt selbst eine Panne - ein fieser kleiner Stein hat sich durch den Reifen gearbeitet. Schlauchwechsel kein Problem, aber jetzt habe ich keinen Ersatz mehr. Vor einem Lebensmittelgeschäft in der nächsten Ortschaft stehen ein paar Rennräder, die freundlichen Besitzer schenken mir für den Fall der Fälle Flickzeug und weisen noch extra darauf hin, dass die Straße A 149 bei dem heimischen Radler wegen der vielen kleinen Steine keinen guten Ruf hat - scheint berechtigt zu sein.
So gestärkt geht es über die A 140 in rascher Fahrt - der am Vormittag noch kräftige Wind legt sich zusehends - Richtung Süden durch unspektakuläre, aber nett anzusehende sanfte Hügellandschaft. Und es ist nicht einmal viel Verkehr, alle Leute scheinen an der Küste zu sein, hier ist es sinnlos, auf eine der vielen parallel laufenden niederrangigen Straßen auszuweichen.
Auf der B 1077 gibt es dann keine Gasthäuser mehr und in Diss selbst gestaltet sich die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten überraschenderweise schwierig - die Touristeninformation hat natürlich schon geschlossen, auf einer Hinweistafel findet sich zwar die Adresse von einem B & B, aber das ist nicht mehr in Betrieb und in den Gasthäusern im Ort ist schon alles voll (weil der 1. Mai auf einen Sonntag fällt, ist auch der Montag frei und alle Engländer scheinen am so verlängerten Wochenende auszuschwärmen). Nur haben die freundlichen Engländer für alles eine Lösung - ein Gastwirt telefoniert halt so lange herum, bis er ein Zimmer für mich aufgetrieben hat.
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Während ich noch mit dem Frühstück beschäftigt bin, regnet es draußen - ist mir heute aber schon egal, ich habe noch eine trockene zweite Kleidungsgarnitur in Reserve. Und während ich noch mit dem Packen und Anziehen der Überschuhe beschäftigt bin, verziehen sich die Wolken wieder und auf der A 143 Richtung Westen ist sogar die Fahrbahn wieder trocken. Im Zentrum von Bury St. Edmuns (32 km) steht die übliche Steinkirche - mein Interesse gilt heute aber primär anderen Orten. Südlich von Bury zweigt eine kleine Nebenstraße nach Lavenham ab. Die historische Bausubstanz dieses Ortes (52 km) aus dem Mittelalter ist fast vollständig erhalten geblieben, natürlich ist entsprechender Touristenrummel hier. Lavenham ist mit Textilerzeugung und -handel zu Reichtum gekommen und die wohlhabenden Bürger wollten einander mit dem Bau möglichst prachtvoller Häuser übertrumpfen. Und es war noch Geld für eine überdimensionale große Kirche da, die am Ortsende auf einem Höhenzug thront. |
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Da ich bis zum Rückflug noch reichlich Zeit habe, ist noch ein Umweg zu Schloss Hedingham und der "Colne Valley" Museumseisenbahn möglich - das Schloss und die Bahn bekomme ich allerdings nur aus der Ferne zu Gesicht, beides würde beträchtlichen Eintritt kosten.
Hier
bin ich schon ziemlich in der Nähe des Flughafens - Zeit habe ich
noch, also einmal auf der Landkarte nachgesehen, ob noch irgendetwas Interessantes
hier in der Nähe ist - ein Umweg zum Hatfield
forest würde sich anbieten. Also geht es auf der B
184 südwärts bis Leaden Roding
- dort ist zwar kein Auto- aber dafür reger Radverkehr, weil ich
in einen Zeitfahrwettbewerb geraten bin. Natürlich werde ich von
allen überholt, eilig habe ich es nicht und auf ein Nachfahren im
Windschatten verzichte ich auch - würde die Fahrer nur stören. In Leaden Roding ist der Wendepunkt des Rennens und ich bin wieder Alleinradler - die stärker befahrene A 1060 kann ich bald verlassen und auf einer Nebenstraße geht es nach Hatfield Broad Oak und dem Helfield forest. Besonders spektakulär ist das Waldgebiet nicht - außerdem ist es eingezäunt und ähndelt eher einem Park denn einer Naturlandschaft. Das scheint aber die Massen an Ausflüglern nicht zu stören, viele sind mit Kinderwagen und Pichnickkorb unterwegs, der Fahrbahnrand ist zugeparkt. In Takeley frage ich im Gastgarten eines Pubs direkt neben der Straße nach dem besten Weg zum Flughafen und werde sogleich auf ein englisches Bier (werden dann drei...) eingeladen. Eine ganze Runde will sich mit mir über meine Radfahrt, England, Österreich, ihren und meinen Lieblingsfussballklub und sonst noch über Gott und die Welt unterhalten, ich muss dann Einladungen der freundlichen Leute auf weitere Kostproben englischen Biers mit dem Hinweis ablehnen, mein Flugzeug noch halbwegs nüchtern erreichen zu müssen. Zwei Stunden vor Abflug bin ich dann wieder in London-Stansted und beginne mit der üblichen Radverpackung. Leider bestehen die Leute beim Einchecken darauf, die Luft aus den Reifen zu lassen, das übliche... Das Rad wird aber persönlich von einem Flughafenmitarbeiter abgeholt und ich habe das Gefühl, das hier damit sehr sorgsam umgegangen wird. Das Gefühl sollte mich nicht täuschen und knapp nach Mitternacht erhalte ich es am Flughafen Wien wieder unbeschädigt zurück. Da die letzte Bahn Richtung City schon längst abgefahren ist, folgt eine kleine Nachtfahrt nach Hause - gut, wenn man für solche Zwecke eine Notbeleuchtung mitführt.
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