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1.
Tag:
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TÖRÖKSZENTMIKLOS - HORTOBAGY |
92
km, 78 hm |
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2. Tag: |
155 km, 449 hm |
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3. Tag: |
158 km, 1.000 hm |
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4. Tag: |
153
km, 1.490 hm |
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5. Tag: |
110 km, 210 hm |
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6. Tag: |
135 km, 471 hm |
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7. Tag: |
100 km, 150 hm |
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8. Tag: |
154 km, 1.240 hm |
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9. Tag: |
182 km, 656 hm |
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10. Tag: |
140 km, 1.518 hm |
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11. Tag: |
135
km, 1.220 hm |
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12. Tag: |
89
km, 363 hm |
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| 13. Tag: | HUMENNE - KOSICE | 110
km, 1.045 hm (höchster Punkt: Pass nach Banske 718 m) |
| 14. Tag: | KOSICE - Flughafen BRATISLAVA - WIEN | 84 km |
B e s c h r e i b u n g d e r T a g e s e t a p p e n : |
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Gleich nach Beendigung des Frühstücks hört es zumindest zum Regnen auf und starker Westwind treibt mich in Rekordgeschwindigkeit Richtung Debrecen. Sooo toll, wie mir der ungarische Radler im Zug vorgeschwärmt hat, habe ich die Hortobagy-Puszta zwar nicht gefunden, aber man kann ruhig einmal durchfahren. Das Naturschutzgebiet geht fasst fließend in den Industriegürtel von Debrecen (34 km) über - Autowerkstätten, Supermärkte, das übliche halt mit entsprechend viel Verkehr.
Je länger man aber in dem Waldgebiet, dass sich direkt an den Stadtrand anschließt, Richtung Osten fährt, desto ruhiger wird es - bis auf Vamospercs (in meiner Karte als größerer Ort verzeichnet) gibt es kaum Siedlungen und das Grenzgebiet scheint auch hier viele Jahre ein toter Winkel gewesen zu sein. Ich will meine letzten Forint in Vamospercs (60 km) für ein Mittagessen ausgeben - nur gibt es hier nichts wirklich geeignetes - ein paar Lebensmittelgeschäfte und einen Imbisstand, bei dem ich schließlich mangels sonstigem Angebot einen Hamburger kaufe. Dafür ist in einer Seitengasse völlig unvermutet eine super Konditorei etabliert - mir ist bewusst, dass ich auf einen Capuccino dieser Qualität jetzt längere Zeit verzichten werde. Die
letzten Kilometer bis zur rumänischen Grenze bin ich allein auf
der Straße - hier ist wirklich nicht mehr viel los - außer
einer neu gebauten Pension (hier hätte ich lieber gegessen), aber
ob die hier in dieser Gegend wirtschaftlich überleben kann?
War schon der Landstrich östlich von Debrecen sichtlich nicht die wohlhabendste Gegend Mitteleuropas - hier gibt es gleich einen ziemlichen Kulturschock. Armselige Geschäfte mit seltsamem Warenangebot in teils schon verfallenden Gebäuden - Pferdefuhrwerke, jede Menge Radfahrer und Fußgänger - aus den zweisprachigen Aufschriften schließe ich, dass hier wohl auch für Einkaufstouristen aus Ungarn angeboten wird. Bankomat gibt es nicht, aber eine Wechselstube und so bin ich trotz der am 1. Juli in kraft getretenen Währungsreform einmal Millionär, weil die neuen Banknoten (mit 000 weniger) noch nicht ausgeliefert wurden. Ein kurzes Stück muss ich mangels Alternativen auf der E 671 fahren - meine Gesundheit ist jedoch eher durch die Abgase der wenigen LKW´s als durch deren Fahrweise bedroht. Noch ist die Landschaft fast völlig flach, am Horizont zeichnen sich jedoch schon die ersten Hügel ab. Ganz
allein gehört mir die Straße dann ab der Abzweigung nach
Otomani
und so rumple ich durch das erste richtige rumänische Bauerndorf,
viele werden noch folgen. Auf und neben der Fahrbahn geben sich alle
Haustiere, die in den Bilderbüchern meiner Kinder verzeichnet waren,
ein Stelldichein und auf den Lichtmasten nisten Störche. Die Fahrbahn
besteht eigentlich nur aus Unebenheiten, notdürftig oder gar nicht
geflickten Schlaglöchern, manche davon fast kinderbadewannengroß,
aber ich habe ja Platz genug, allen Hindernissen auszuweichen.
Schon deutlich hügeliger als vor dem Ort geht es nach Marghita (111 km), das nach meiner Karte einen Campingplatz besitzen soll. Weder er selbst noch ein Hinweisschild fällt mir auf, ich suche aber im Hinblick darauf, dass ich weiterfahren will, nicht danach. Der Ort selbst ist auch keine Offenbarung, also weiter. |
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Auf den folgenden Straßenkilometern ist etwas stärkerer Verkehr, aber die vielen LKW- und wenigen PKW-Lenker verhalten sich allesamt recht rücksichtsvoll, viele hupen, um den Überholvorgang anzukündigen. Links neben der Straße weiden Schafe, rechts wird offenbar Erdöl gefördert, es gibt viele Bohrtürme und Pumpen. Die Dörfer ziehen sich alle längs der Straße hin, sodass es einige Zeit dauert, bis man auch kleine Ortschaften durchfahren hat. Die Bewohner lassen sich vom Durchzugsverkehr nicht weiter beeindrucken, die üblichen Haustiere, Pferdefuhrwerke aber auch spielende Kinder auf oder knapp neben der Fahrbahn, die sich zwar nicht in gutem, aber zumindest akzeptablen Zustand befindet. Nach 150 km ist dann Nusfalau erreicht, laut meiner Karte soll es hier eine Übernachtungsmöglichkeit geben. Der Ortskern liegt etwas abseits der Hauptstraße, aber direkt an dieser liegt ein größerer Polizeiposten, also dort einmal fragen. In gutem Englisch wird mir erklärt, dass es hier im Ort zwar nichts zum Übernachten gibt, aber an der Hauptstraße in ein paar Kilometern oder in einem kleinen Ort an der Nebenstraße unweit von hier, "it´s Your choice". Während ich noch überlege, was denn wohl die bessere Wahl wäre, weist ein Schild auf ein Camping und Hotel "Baile Boghis" in 3 km hin - das muss sich auf die Möglichkeit im kleinen Ort beziehen, also das mal anschauen.
Nun gut - um mich vorm Campen drücken zu können, mal zur Rezeption im Hallenbad und nach dem Preis für eine Übernachtung im Hotel fragen 50 Lei (ca. 13 Euro) kostet sowohl ein Zimmer als auch ein Bungalow - ich entscheide mich für die Holzhütte, schaut innen gar nicht einmal so schlimm wie befürchtet aus, und das Rad kann ich auch gut unterstellen. Mit einer kleinen Aufzahlung könnte ich auch das Kurbad benutzen, aber abgesehen von dem Umstand, dass ich meine Badehose vergessen habe, genügt ein Blick in eine Kabine mit Badewanne, um meine Entscheidung zu erleichtern. Dürfte irgendwann einmal anlässlich der Machtübernahme vom Ceausescu installiert worden sein und es ist fraglich, ob sich die heilende Wirkung des Wassers in dem Rostding entfalten kann Dass es zum Duschen nur kaltes Wasser gibt, ist angesichts der Tagestemperatur noch verschmerzbar. Nach einem kurzen Spaziergang über das Gelände (der meinen Beschluss, hier nicht zu campen, noch einmal richtig erscheinen lässt) geht es also zum ersten Abendessen in Rumänien. Die Getränkefrage ist leicht zu klären - überall stehen Sonnenschirme mit dem Logo der Biermarke "Ursus" - schmeckt gut und wird für die nächsten Tage mein treuer Begleiter zum Abendessen. Differenzierter gestaltet sich schon die Speisenauswahl - die Karte ist nur in rumänischer Sprache, Touristen dürften sich selten hierher verirren.
Ich
teile mir jedenfalls meine Holzhütte nur mit meinem Rad und schlafe
- auch dank des Insektennetzes vor dem offenen Fenster - ganz ausgezeichnet. |
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Die Straße wird nicht von Autos, sondern vom dörflichen Leben beherrscht - die üblichen Haustiere aller Größen (ich begegne auch einem fahrbahnbreiten ausgewachsenen Hausschwein), Pferdfuhrwerke, viele Radfahrer - und ein Fußballspiel auf der Fahrbahn störe ich auch noch.
Nach 134 km ist Dej erreicht - die Kleinstadt bleibt weniger durch ihrer städtebaulichen Attraktionen denn durch die üblen Gerüche im Gedächtnis haften, die von den Schornsteinen der nördlich gelegenen riesigen Fabrik verbreitet werden. Aber es gibt sogar zwei Übernachtungsmöglichkeiten: einen weithin sichtbaren Hotelkasten etwas gehobeneren Standards (zumindest nach der Eingangshalle zu schließen) - mir aber zu teuer (80 Lei) und ein zweites, abseits gelegenes Hotel, dass aber nur ein Nebengeschäft des großen "Nightclubs" sein dürfte - im Hinblick auf meine Nachtruhe fahre ich weiter. Jetzt
geht es leider auf einer stärker befahreneren Straße dahin,
zuerst kann ich aber an einer Quelle meine Flaschen auffüllen - viele
Rumänen füllen hier ganze Plastikkanister. Kurz
vor Beclean bietet
eine Tafel "motorest - Restaurant - Hotel", Zimmer werden aber
(noch) keine vermietet, dürften gerade erst fertig gebaut werden.
Also drei Kilometer Umweg in den Ort, dort fällt sofort das große
Hotel "Somes" auf. Ich bin der einzige Gast, das Zimmer ist
aber halbwegs ok, sogar Farb-TV mit CNN-Kanal. Und der Ort hat einen richtigen
großen Supermarkt, mit allem was das Herz begehrt, z.B. Pistazien
und Salzstangen sowie Joghurt fürs Frühstück - ich habe
beschlossen, jetzt mein mitgeführtes Müsli ins Gefecht zu werfen.
Abendessen in Hotelrestaurant gestaltet sich deshalb einfach, weil es
trotz dreiseitiger Speisekarte nur ein Gericht gibt - Kotelett mit Pommes,
Ursus dazu, fertig ist die Mahlzeit. In der Nacht habe ich aber gegen
viele kleine Stechmücken zu kämpfen (wie an den Zimmerwände
ersehen werden kann, haben das die Vormieter auch schon getan) - nach
10 Erschlagenen gebe ich aber auf und lasse mich stechen. See oder Wald
oder irgendetwas, was das Vorkommen von Mücken erklären könnte,
ist aber nicht im Umkreis, seltsam
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Das Zentrum liegt einen Kilometer abseits der Hauptstraße, ein Restaurant im herkömmlichen Sinn findet sich auch hier nicht, aber ein Kaffee, das auch über eine Speisekarte verfügt. Viel Auswahl gibt es nicht - aber eine Suppe und ein Hauptgericht (das übliche Fleisch mit Pommes) ist erhältlich. Hier tummeln sich viele rumänische Touristen bzw. Kurgäste - Hauptattraktion des Ortes scheint ein unsagbar hässlicher Hotelbau aus kommunistischer Zeit zu sein, der auch das Kurbad beherbergen dürfte und auf jeder Postkarte abgebildet ist. Seltsam, weil in der netten Umgebung hätten sich wohl attraktivere Motive finden können. Während ich mit meiner Mahlzeit beschäftigt bin, wird auf der anderen Straßenseite eine im Staub liegende Bettlerin vom Teppichhändler, der auf dem Zaun dahinter seine (geschmacklose) Ware aufgehängt hat, mit Fußtritten und Schlägen vertrieben. Allerdings kann ich auch beobachten, wie sie ein paar Meter weiter ganz gut bei Fuß ist und ihre bisherigen Einnahmen an ihren Capo abliefert. Entgegen meiner ursprünglichen Absicht gebe ich ihr daher, als sie mich als Tourist identifiziert (o.k., ist nicht schwer), nichts und lasse sie von der Serviererin wegscheuchen - offenbar ist sie schon stadtbekannt.
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Die folgende Abfahrt wäre sooo schön, wenn nicht dieser verdammt schlechte Straßenbelag wäre, der dauerndes Bremsen notwendig macht. Um die Schlaglöcher lenken ist auch nicht möglich, da die ganze Straße nur aus Schlaglöchern besteht. Im ersten Dorf nach der Passhöhe gibt es offenbar eine Vielzahl von Unterkünften, ich möchte aber noch ein Stück weiter. Aber schon im Borga, dem ersten größeren Ort, fällt das direkt neben der Straße stehende Gebäude des vollkommen aus Holz gebauten Hotels "Perla Maramureszalzij" aus, das sogar über ein Restaurant mit Stoffservietten verfügt. Hier ist wirklich die ganze Konstruktion aus Holz - das zweigeschossige Speisesaal ähndelt einem Saloon, wie man ihn aus den Westernfilmen kennt. 50 Lei für das Zimmer ist ok, auch das Abendessen ist - dank der englischen Speisekarte - heute etwas abwechslungsreicher. Rumänischer Rotwein ist hier auch glasweise erhältlich, so bleibe ich heute der "Ursus" Brauerei untreu. Und ich kann mich noch mit einem englischen Radkollegen unterhalten, der in der Gegenrichtung unterwegs ist und der von dem Baustil des Hotels ganz begeistert ist. Ansonsten
bleibt - wahrscheinlich auch die gerade im Bau befindliche Hauptstraße
- der Ort nur als staubige Hässlichkeit in Erinnerung. Beim Abendspaziergang
muss ich noch eine lästige Prostituierte abschütteln, die mit
ihrer rosa Kleidung, den wasserstoffblondgefärbten Haaren und mit
kräftigem lila umrandeten Augen wohl nur selten das Schönheitsideal
von Touristen treffen wird. |
Dass die Lok manchmal aus den Schienen springt und die Waggons nur ungepolsterte Holzsitze haben, nehmen die Eisenbahnliebhaber gerne in Kauf - die Abfahrtszeit für den nächsten Tag wird immer auf einer Tafel am Bahnhof angeschrieben. Es wäre wohl besser gewesen, gestern noch bis hierher zu fahren und mich in der Pension gleich neben dem Gelände einzumieten, dann hätte ich den Zug für heute nicht versäumt Statt auf Schienen bin ich also wieder auf der gewohnt schlechten Landstraße unterwegs - die Orte Viseu de Sus und Viseu de Jos sind schon fast zusammengewachsen. Hier folge ich einem Tipp aus den bike-freaks-forum und zweige auf die Nebenstraße ab, die anfangs noch asphaltiert, später auf groben Schotter über einen Höhenzug ins parallel laufende Tal der Iza führt. Die Berge werden jetzt langsam wieder zu Hügeln, ohne dass die Landschaft viel von ihrer Attraktivität verliert - hier im Iza-Tal radelt man überhaupt wie in einem großen Freilichtmuseum.
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Östlich Richtung Viseu regnet es sichtlich, auch über den ukrainischen Bergen auf der anderen Seite des Flusses stehen dunkle Gewitterwolken. Und ein Blick in die Hügeln südlich der Stadt verheißt auch nichts Gutes - bleibt nur die rasche Flucht nach Westen - ist ja meine Richtung. Trotz Rekordgeschwindigkeit holt mich der Regen schon im nächsten Straßendorf ein - anfangs nur ein paar Tropfen, die ich unter einem Baum auszusitzen gedenke, aber dann geht der Gewitterregen so richtig los - ein Bauer deutet mir, ich solle doch in sein Haus kommen. Das Rad wird regensicher im Schuppen untergestellt, ich auf einen Kaffee eingeladen (den seine Frau erst im Regen aus dem Laden nebenan holen muss ) und mir wird dann voller Stolz der neue Farbfernseher mit 40 Programmen vorgeführt - auf einem läuft gerade die Tour de France, auch nicht schlecht. Aus den Feldwegen kommen die Pferdefuhrwerke mit völlig durchnässten LandarbeiterInnen - nicht nur ich scheine den Wolken zu wenig Beachtung geschenkt zu haben. Nach einer Stunde ist der Spuk auch schon vorbei, gerade rechtzeitig, weil sich die Kommunikation mit meinen Gastgebern mangels Sprachkenntnisse doch ziemlich mühsam gestaltet. Die
Fahrbahn ist natürlich noch längst nicht aufgetrocknet - wie
schon im Winter in Marokko wurde einiges angeschwemmt bzw. aufgeweicht,
von dem ich gar nicht wissen möchte, was es genau ist. Da das Wetter weiterhin ziemlich instabil erscheint, beschließe ich, die Etappe in Sapanta zu beenden. Dank dem "lustigen Friedhof" gibt es hier eine richtige touristische Infrastruktur mit Andenkenläden, ein paar Imbissbuden und mehreren Übernachtungsmöglichkeiten. Durch den Regen habe ich wieder einen guten Grund, nicht den weiter hinten im Tal gelegenen Campingplatz benutzen zu müssen sondern quartiere mich gleich gegenüber der Kirche in einer Pension ein - ein absoluter Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. 10 Euro kostet die Übernachtung in dem mit Antiquitäten vollgestopften Privathaus (die Sanitäranlagen sind auch super), weitere 10 Euro Abendessen und Frühstück.
Bis
zum Essen bleibt genug Zeit, die Grabsteine auf dem Friedhof zu bestaunen
(die sind wirklich auch sehenswert) und einen kleinen Rundgang durch das
Dorf zu machen - immer mit bangem Blick auf die dunklen Wolken ringsum.
Es bliebt aber trocken, sodass ich sogar im Freien essen kann - und wie:
erstmals erfahre ich, wie gut die rumänische Küche eigentlich
schmecken kann, wenn die landestypischen Gerichte angeboten werden - die
Menge, die meine Gastgeberin mir (und einem englischen Traveller, der
gerade auf der Rückreise aus Indien ist und den es hierher verschlagen
hat) auftischt, ist auch für Radfahrer nicht zu bewältigen -
da hilft auch die Flasche selbstgebrannten Schnaps nichts. Nach dem Essen
gesellt sich noch ein Amerikaner zu uns und es wird noch ein langer Abend
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In einer markanten Haarnadelkurve, kurz bevor die Straße einen Stausee erreicht (hier auch Campingmöglichkeit) steht ein neu gebautes grünes Gebäude - Hotel mit Restaurant (englische Speisekarte!). Obwohl ich mich redlich bemühe, meine letzten Lei zu veressen, will es angesichts der günstigen Preise nicht so recht gelingen, die Mahlzeit war aber wirklich ok.
Dafür gibt es eine Menge kleiner Buden, wo Rumänen eine Krankenversicherung für eine Reise in die EU abschließen können, aber die wechseln halt kein Geld. Zurück in der EU werden die Radler gleich einmal auf den Fahrradweg verbannt, der hinter einem Heckengürtel parallel zur Autostraße verläuft, aber da ist auch schon die Abzweigung nach Fehergyarmat. In dieser Gegend werden wohl nur Radler glücklich, die schnurgerade öde Straßen durch endlose Felder lieben, auch Fehergyarmat ist keine Reise wert. Das einzige Hotel am Platz hat den kalten Krieg äußerlich unverändert überstanden und eine große Anzeigetafel am Platz davor, die alle touristischen Attraktionen, Restaurants, Campings und Übernachtungsmöglichkeiten in der Gegend aufzeigt, bestärkt mich in meinem Entschluss, zumindest bis zum Campingplatz an der Theiss in Tivadar weiterzufahren, dort hoffe ich auch auf eine Waschmaschine. Gleich nach der Flussbrücke gibt es ein großes Areal im Gasthäusern, Miethütten und dem Campingplatz, aber es gibt auch eine Privatzimmervermietung an der Hauptstraße. Ein sehr günstiger Preis erspart mir wieder einmal das Campen, auch die Waschmaschine kann ich benutzen.
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Die gestern gewaschene Wäsche ist längst getrocknet, eine Portion Müsli gegessen (Joghurt hab ich mir noch schnell von dem schon um 6 Uhr Früh geöffneten kleinen Supermarkt an der Straßenkreuzung geholt - die Ungarn sind Frühaufsteher) - die Ukraine kann kommen. Bis zur Grenze sind es nur mehr ein paar Kilometer durch unbesiedeltes Agrarland - dann noch eine abgefuckte Bar, in der ich meinen (hier grauslichen) Morgenkaffee trinke und dann zum Grenzgebäude - mal sehen, wie lang ich mich hier aufhalten muss. Wie
gewohnt benutze ich die Autospur - der Ungar winkt mich nur durch, beim
Ukrainer wird es komplizierter, es muss ein kleiner weißer Zettel
ausgefüllt werden, der Pass wird einstweilen einbehalten. Während
ich noch mit dem Schreiben beschäftigt bin, beginnt der Uniformierte
daneben (wie sich dann herausstellt, ist das der Zollbeamte) ein Gespräch
und ist ganz angetan von meiner Absicht, sein Land mit dem Rad zu bereisen.
Offenbar liegt ihm der Gedanke, man könne die Ukraine aus touristischen
Gründen beradeln, so fern, dass er mich noch fragt, ob Radfahren
mein Beruf wäre. Als ich von dem Typen in Tarnkleidung am Schalter
meinen Pass zurück erhalte, wünscht mir der Zollbeamte nur gute
Fahrt und vergisst glatt, mich nach der obligatorischen (und völlig
nutzlosen) Krankenversicherung zu fragen, so erspare ich mir, sie hier
abzuschließen. Am Geldwechselschalter noch schnell 30 Euro gewechselt
und schon sind die Einreiseformalitäten vorbei, das ging wirklich
easy.
Kurz vor Uzgorod sind noch einige Hügel zu überwinden, dafür kann man das Rad auf der guten Straße bergab so richtig laufen lassen, dieses Gefühl musste ich in Rumänien ja völlig vermissen. Und in den Vororten dann die erste Panne - eine kleine Glasscherbe hat sich durch den Vorderreifen gebohrt - glücklicherweise gleich neben einer Bushaltestelle, weil die Bank im Wartehaus das Handling schon einigermaßen erleichtert. Mit neuem Schlauch rolle ich am (renovierten) Bahnhof durch Neubauviertel (und einem riesigen Hotelkasten, der ziemlich teuer wirkt, deshalb frage ich gar nicht nach dem Preis) Richtung Zentrum - auch hier gibt es eine Fußgängerzone. Der Fluss Uz teilt die Stadt in zwei Hälften, vor der Fußgängerbrücke ist noch ein teuer aussehendes Hotel, hier kann ich immer noch fragen, wenn sich sonst nichts ergibt. Es ziehen nämlich im Westen ziemlich dunkle Wolken auf, eine Weiterfahrt heute endet sicher im Regen, außerdem war ich noch nie in einer Stadt in der ehemaligen Sowjetunion. Am nördlichen Ende der Fußgängerzone gibt es auch ein schönes Hotel mit Restaurant, wenn auch nicht billig, aber preiswert. Das Zimmer hat wirklich alle Features bis zu Fön und Haarshampoo und Blick auf den Platz davor.
Es sollte noch mehrmals kurz regnen, so dass ich meinen heutigen Etappenabbruch nicht bereue. Abendessen gibt es im In-Cafe der Stadt mit vollständiger Speisekarte (z.B. mit Spaghetti, die ich heute mal zur Abwechslung esse). Bis auf ein paar deutsche Touristen bin ich aber der einzige, der hier etwas isst, die jungen Ukrainerinnen am Nebentisch studieren zwar die Karte, aber offenbar nur auf der Suche nach dem billigsten Getränk - das ist Bier oder Mineralwasser. Auswärts Essen zu gehen, scheint auch hier für Normalverdiener unerschwinglich zu sein, aber die Fußgängerzone ist angesagter Treffpunkt zum Flanieren und Gesehenwerden. Auch Skater und Biker vergnügen sich hier. Kurz
vor dem nächsten Schauer erreiche ich dann gut gesättigt mein
luxeriöses Quartier. |
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Frühstück im Hotel muss extra bezahlt werden, aber im Hinblick auf das zu erwartende gastronomische Niemandsland, das heute durchfahren wird, leiste ich mir auch das noch.
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Speisekarte gibt es, allerdings nur in cyrillischen Buchstaben - ein Gast kann ein bisschen Englisch, so komme ich zumindest zu einem Kotelett mit Kartoffeln - die rumänische Nationalspeise habe ich eh schon lange nicht mehr gegessen Bei der Weiterfahrt geht es recht flott leicht bergab, die Berge werden wieder zu Hügeln und laufen dann langsam ins Flachland aus. Vor der Ortseinfahrt in Starij Sambir fällt noch ein verfallener jüdischer Friedhof auf. 2 km weiter ist der Bahnhof und ein Hotel (samt Restaurant!) daneben - den Friedhof würde ich mir gerne näher ansehen und mit Hotels ist die Gegend sowieso nicht reich bestückt - also mal fragen. Das Zimmer wäre recht nett, trägt aber noch deutliche Benutzungsspuren vom Vormieter, dafür wieder recht billig, was zum Essen gibt's auch, also bleibe ich. Während ich noch einen Kaffee trinke, wird das Zimmer notdürftig für mich hergerichtet. Und dann folgt der Fußmarsch zurück zum Friedhof am Ortsende. Irgendwo fällt mir ein Haus auf, dass nach der Schrift am Dachgiebel 1911 erbaut wurde. Darüber in einer kleinen Nische steht ein blaue Madonnenstatue, links daneben ist in der Mauer noch die verrostete Halterung für die kleinen Fähnchen, die an kommunistischen Feiertagen aufgesteckt wurden.
Am Rückweg falle ich noch kurz vor Geschäftschluss in ein Lebensmittelgeschäft ein, da ich für morgen unter anderem noch ein Joghurt für meine letzte Portion Müsli brauche - der Laden hat zwar schon eine elektronische Registrierkasse, der zu zahlende Betrag für meine Einkäufe wird aber mit Holzscheiben, die auf Stäben hin und hergeschoben werden, berechnet. Bin ich bisher in der Ukraine meist vollkommen neutralem Verhalten (also weder freundlich noch unfreundlich) begegnet, so ist diesmal die Verkäuferin ganz happy, einen Touristen bedienen zu können, eine ausführliche Kommunikation muss mangels Sprachkenntnissen jedoch unterbleiben. Zurück im Hotel erweckt mein Wunsch, etwas Essen zu wollen, zuerst gewisses Erstaunen, aber es gibt sogar eine englische Speisekarte und die bestellte Mahlzeit ist in Ordnung (und sehr, sehr preiswert). Auch hier wird das Lokal nur zum Trinken aufgesucht, ich bin der einzige, der etwas isst. Interessehalber besuche ich noch den Bahnhof gleich daneben - zum Unterschied zu den verfallenden Anlagen in Rumänien ist hier alles frisch gestrichen und renoviert, die Kanten der Bahnsteige mit weißen Linien gestrichen und das Gras zwischen den Schienen gemäht und es ist auf dieser Strecke zum Unterschied zur Straße auch viel Verkehr. Selbiger
beginnt schon im Morgengrauen, also im Sommer sehr, sehr früh - leider
geht mein Fenster zum Bahnhof raus. Die Geräusche des Zuges wären
nicht das Problem, aber daneben ist ein Bahnübergang und es klingelt
ununterbrochen, während der Schranken geschlossen ist - ich dachte
zuerst an Feueralarm oder so, ziemlich nervtötend. Sollte es jemanden
hierher verschlagen, ein Zimmer auf die Straßenseite hin nehmen! |
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Das Müsli verputzt, Morgenkaffee getrunken und das Rad mit den fünf Taschen bepackt - auf geht's nach Lemberg. Schon nach 15 km wird Sambir erreicht, wo ich mich zuerst einmal gründlich verfahre - war aber mein Fehler, weil ich die beschilderte Strecke verlassen habe um eine Runde durch das Zentrum zu drehen. Das "alte" Sambir war aber als Übernachtungsort die bessere Wahl, hier ist ziemliche Hektik, insbesondere beim Busbahnhof und Marktplatz, außerdem habe ich nur ein Hotel außerhalb des Zentrums an der Straße gesehen.
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Durch Seitengassen, die etwas besser zu fahren sind, erreiche ich dann aber doch das Zentrum, das hier leider nicht Fußgängerzone und dementsprechend mit Autos voll ist. Die Stadt erinnert wirklich an Wien, Budapest oder Prag und im Zentrum ist auch von McDonalds bis Benetton alles zu finden. |
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Da ich aber mit meinem Zeitplan langsam im Stress komme, radle ich gleich nach dem Verziehen der Gewitterwolke noch auf nassen Straßen los, treffe einen deutschen Radler, der einen Tag vor mir die gleiche Strecke von Uzgorod hierher gefahren ist und weiter zur Krim will (kurzer Erfahrungsaustausch) und bin bald wieder auf der unmöglichen Westeinfahrt der Stadt. Vorbei am wunderschönen Hauptbahnhof fahre ich für zwei Kilometer ausschließlich am Gehsteig der rechten Straßenseite, der hier recht breit ist, den Fußgängern scheint das vollkommen egal zu sein. Und dann endlich bin ich auf der großen Kreuzung mit der Straße nach Uzgorod und ab hier geht es endlich wieder auf dem breiten Seitenstreifen flott weiter. Das ist auch notwendig, weil sich wieder Gewitterwolken auftürmen - und zwar im Süden und im Norden, nur Richtung Westen, wo ich unterwegs bin, schaut es freundlich aus.
Im vorletzten ukrainischem Dorf ist es dann soweit - ich flüchte mich in ein Lebensmittelgeschäft und esse Kekse und Eis, während es draußen kurzzeitig sogar hagelt. Das Gewitter kostet mich eine gute Stunde und so erreiche ich die 5 km entfernte Grenze erst um 19 Uhr abends - hier hat es aber kaum geregnet. Ein bisschen schneller, und mein Plan, dem Unwetter zu entkommen, wäre aufgegangen. Noch vor der ukrainschen Grenzabfertigung ist überraschenderweise ein Hotel mit Restaurant - also mal fragen. Das Einbettzimmer ist zwar vom Vormieter schrecklich verraucht, aber es gibt ja ein Fenster (mit idyllischem Blick auf die ukrainische Polizeistation). Preis ist in Ordnung, nur Strom gibt es derzeit keinen - der ist wegen Blitzschlag ausgefallen. So gestaltet sich das Abendessen im dunkel getäfelten Speiseraum anfangs sehr romantisch - ich bekomme zuerst einmal eine große Portion Salat (weil man für dessen Zubereitung keinen Strom braucht). Als etwas später das Licht angeht, folgen Hauptgericht und Nachspeise, ich bin, wie schon gewohnt, der einzige Gast. |
| GRENZE PL/UA - USTRZYKI GORNE |
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Die
Leute hier haben einiges vor - manche sind halbnackt und verstecken Zigaretten
und sonstigen Zeugs in ihren Unterhosen und in ihren Socken. Immerhin
geht es 300 Meter leicht bergab und es lohnt sich sogar, wieder aufs Rad
zu steigen. Und dann kommt die polnische Grenzabfertigung in Sicht: eine
kleine Türe (die alle 10 Minuten aufgeht und ca. 10 Leute werden
eingelassen), davor eine mindestens 300köpfige Menschenmenge, ein
paar ukrainische Grenzsoldaten versuchen durch barsche Anweisungen etwas
Ordnung in das Chaos zu bringen (erinnert mich an das Anstellen beim Schilift
- halt ohne Schi), aber vergebens. Als ich mich mit einem Tag an diesem
ungastlichen Ort abzufinden beginne, gibt mir die neben stehende Frau
im Kauderwelsch zu verstehen, dass ich mit dem Rad eine bevorzugte Grenzabfertigung
genießen würde (ob aus Freundlichkeit, oder weil ich ihr einfach
mit dem vollbepackten Rad in der Menschenmenge auf den Nerv gehe, ist
egal). Also das Zauberwort "Rower = Fahrrad" gerufen - zu meiner
Überraschung teilt sich die Menge wie weiland das Rote Meer bei Moses
und die Soldaten helfen sogar mit, das Rad samt Gepäck über
eine Absperrung zu heben. Ich kann mein Rad an den ganzen Leuten vorbei
direkt in das Gebäude schieben. Hier herrschen raue Sitten - alle UkrainerInnen vor mir müssen sich ausziehen, einige werden durch die Tür daneben gleich wieder zurückgeschickt. Vor dem Schalter mit der Passkontrolle steht eine Flasche mit klaren Hochprozentigem - da dürfte jemand der Mut verlassen haben, aber mit einem kräftigen Schluck trinkt sich der vor mir stehende selbigen gerade an. Die Flasche wird dann brav wieder zurückgestellt - wenn sie noch nicht ausgetrunken wurde, steht sie heute noch dort. Beim
Anblick meines EU-Passes wird die polnische Beamtin plötzlich freundlicher
und möchte nur einen Blick in meine Lenkertasche werfen, dann verfällt
sie wieder in den gewohnten Tonfall und widmet sich wieder den armseligen
Gestalten, die diese entwürdigende Prozedur wegen ein paar zu verdienenden
Cent auf sich nehmen.
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| USTRZYKI
GORNE - SVIDNIK |
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Natürlich hat es in der Nacht nicht geregnet, aber während die zahlreichen Camper mit dem Zeltabbauen beschäftigt sind, sitze ich schon wieder - gut gesättigt - auf dem Rad um die zwei Pässe in Angriff zu nehmen, welche für die so abgeschiedene Lage von Ustrzyki Gorne verantwortlich sind.
Dann eine unangenehme Überraschung (nein, nicht die Restaurantrechnung) - mein Hinterreifen ist platt. Also Packtaschen runter, Schlauch gewechselt. Faul wie ich bin, habe ich den defekten Schlauch von der Panne in Uzgorod noch nicht geflickt, so dass ich jetzt nach dem Einbau des 2. Schlauches keine Reserve mehr habe - ein ungutes Gefühl.
Da mich eine weitere Reifenpanne ziemlich in Schwierigkeiten bringen könnte und es auch langsam schon Abend wird, verzichte ich auf die Abzweigung über kleine und kleinste Straßen quer durch die Hügel nach Medzilaborce und folge der Hauptstraße in den ersten größeren Ort nach der Grenze nach Svidnik. Auf dem Weg wäre bei einer Raststation eine sehr einfache Übernachtungsmöglichkeit, die ich aber auslasse, und kurz vor Svidnik steht noch ein deutscher und ein sowjetischer Panzer neben der Straße. Liebhabern von Militärwaffen sei die Gegend wärmstens empfohlen. In der Stadt selber scheint es (wohl aufgrund ihres geschichtlichen Hintergrundes) kein Gebäude zu geben, das vor dem Krieg errichtet wurde - also mal checken, was hier so läuft: das riesige Hotel an der Hauptstraße ist dem Verfall preisgegeben (verständlich, wer will hier schon hin), aber daneben ist ein Postamt, und selbiges hat sogar Samstag von 8-10 Uhr Früh geöffnet - eine gute Gelegenheit, die noch nie benutze Campingausrüstung postalisch loszuwerden (auch bin ich dann mit dem 20 kg-Gepäckslimit beim Rückflug weniger im Stress).
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| SVIDNIK
- HUMENNE über MEDZILABORCE |
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Das Postamt öffnet erst um 8 - das Restaurant und das Cafe gegenüber leider erst viel später. Auf den Supermarkt ist aber Verlass - es gibt heute halt abgepackte Hörnchen mit Füllung, Kaffee dazu in der verrauchten Bar nebenan, wo sonst wie üblich auch in der Früh nur Bier getrunken wird - das Frühstück hätte also Optimierungsbedarf gehabt. Pünktlich um 8 stehe ich mit meinem Karton, den ich mir im Hotel organisiert habe und der Campingausrüstung samt etwas Schmutzwäsche im Postamt - dank der freundlichen Unterstützung der zwei Beamtinnen, die mir den Karton noch zusätzlich mit Zeitungspapier verpacken und den Übersetzungsdiensten einer Schülerin ist das Versenden nach Wien kein Problem (ganz billig ist es aber auch nicht: 6 kg Paket kosten zwei Hotelnächte im "Rubin" ). Noch am Abend des Vortages habe ich die zwei defekten Schläuche geklebt und halte nur noch kurz beim örtlichen Bikeshop, um mich der Standpumpe zu bedienen - mit optimiertem Luftdruck fährt es sich beruhigter. Herrlich leicht fährt es sich sowieso - die fehlenden Lowrider-Taschen machen sich angenehm bemerkbar. Zuerst geht es noch 15 Kilometer nach Süden bis Stropkov - kurzer Zwischenstopp in der örtlichen "Cucarna" zwecks Ergänzung des dürftigen Frühstücks und dann auf nach Norden auf sehr schöner Radstrecke. Gleich nachdem ich bei einer Quelle neben der Straße meine Flasche aufgefüllt habe, dieses Sch*** "pling!"-Geräusch einer gerissenen Speiche - klarerweise am Hinterrad. Schnell einen Lage-Check: es ist Samstag 11.15 Uhr - ich bin genau zwischen Stropkov und Medzilaborce - zurück will ich nicht, also fleißig in die Pedale getreten, um Medzilaborce noch vor Geschäftsschluss zu erreichen. Erwartungsgemäß gibt es bis dahin in den wenigen Ortschaften nicht nur kein Radgeschäft, sondern überhaupt nichts - ein Hügel noch, und ich bin schon im Nachbartal - es ist 11.40 Uhr. Mit eierndem Hinterrad erreiche ich fünf vor Zwölf endlich den Ort (48 km) - an der Hauptstraße gibt es einen kleinen Supermarkt, der aber auch Eisenwaren und auch ein paar Basic-Radteile führt - der letzte Verkauf heute vor Geschäftsschluss sind zwei Speichen samt Nippeln um zusammen 5 SK.
Aber jetzt tritt wieder einmal die internationale Radlersolidarität in Kraft: ein deutsch sprechender Türke, der neben dem Cafe im Eisgeschäft seines Vaters arbeitet, bietet seine Hilfe an - er hat einen Freund, dessen Freund Biker ist - und dessen Freund arbeitet im Radgeschäft. Per Handy alles kein Problem - die zwei sind gerade gemeinsam auf Tour, brechen diese halt ab, der eine holt vom Besitzer noch die Schlüssel und zwei Stunden und einige Cafes später bin ich im Radgeschäft und kann mich des Werkzeugs bedienen, sogar ein Kompressor steht zur Verfügung. Da es mittlerweile schon spät geworden ist, organisieren die zwei für mich noch eine preiswerte Unterkunft in einem jetzt in den Sommermonaten offenbar leer stehenden Studentenheim - da einer der beiden aus Bratislava kommt, lasse ich mir seine Telefonnummer geben, um einmal eine Tour zu vereinbaren. Ein gutes Abendessen in der örtlichen Pizzeria vervollständigt den versöhnlichen Ausgang des Tages, das hätte auch unangenehmer und mühsamer ausgehen können. |
| HUMENNE
- KOSICE |
Die letzten Kilometer werden wieder einmal eine Wettfahrt mit dem einsetzenden Gewitter - als die ersten Tropfen fallen, habe ich aber schon die üblichen Plattenbautensiedlungen am Stadtrand durchquert und bin ziemlich in der Nähe des Flughafens im Vorort "Barca". Im Garten der netten Pension gleichen Namens kann ich den Regen vorerst einmal aussitzen, zum Übernachten ist es mir aber hier zu teuer (Hallenschwimmbad und Frühstücksbuffet kann ich gar nicht ausnützen). Für ein paar Minuten fallen sogar kleine Hagelkörner, dann scheint vorerst wieder die Sonne und ich kann zum umweit gelegenen Campingplatz aufbrechen, der laut meinem Verzeichnis auch Übernachtungsmöglichkeit ohne Zelt bietet. Selbiger ist zwar mit dem Rad umständlich zu erreichen - er liegt neben einer zweispurigen autobahnähnlichen Schnellstraße und ist nur von der anderen Fahrbahn direkt anzufahren - es gibt aber wohlfeile Miethütten und die Möglichkeit, auch früh am morgen das Gelände zu verlassen (die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt).
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| KOSICE
- Flug nach BRATISLAVA - WIEN |
Während des Morgenkaffees an der Bar kann ich auch, weil die (einzige) Maschine am Rollfeld in Sichtweite liegt, das Einladen meines Rades beobachten - es wird sorgsam damit umgegangen. Kaum hat die Maschine den Steigflug beendet, ist sie auch schon im Landeanflug auf Bratislava - das Gepäck wird gar nicht erst zu den Schaltern in Gebäude gebracht, sondern gleich bei einem (sonst nur dem Flughafenpersonal vorbehaltenen) direkten Ausgang vom Rollfeld zum Parkplatz übergeben - das Rad hat den Flug unbeschädigt überstanden. Am Parkplatz wird es noch schnell fahrfertig gemacht und dann stürze ich mich gleich in den Morgenverkehr der Hauptstadt. |
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