Rad - Reiseberichte Ukraine



R e i s e b e s c h r e i b u n g :

1. Tag:
TÖRÖKSZENTMIKLOS - HORTOBAGY

92 km, 78 hm
(ein paar Brückenauffahrten)

2. Tag:

HORTOBAGY - BAILE BOGHIS

155 km, 449 hm

3. Tag:

BAILE BOGHIS - BECLEAN

158 km, 1.000 hm

4. Tag:

BECLEAN - BORSA

153 km, 1.490 hm
(höchster Punkt: Prislop-Pass 1.416 m)

5. Tag:

BORSA - SAPANTA

110 km, 210 hm

6. Tag:

SAPANTA - TIVADAR

135 km, 471 hm

7. Tag:

TIVADAR - UZGOROD

100 km, 150 hm

8. Tag:

UZGOROD - STARIJ SAMBIR

154 km, 1.240 hm

9. Tag:

STARIJ SAMBIR - LEMBERG - Grenze PL/UA

182 km, 656 hm

10. Tag:

Grenze PL/UA - USTRZYKI GORNE

140 km, 1.518 hm

11. Tag:

USTRZYKI GORNE - SVIDNIK

135 km, 1.220 hm
(höchster Punkt: 872 m)

12. Tag:

SVIDNIK - HUMENNE über MEDZILABORCE

89 km, 363 hm
(höchster Punkt: 516 m)

13. Tag: HUMENNE - KOSICE 110 km, 1.045 hm
(höchster Punkt: Pass nach Banske 718 m)
14. Tag: KOSICE - Flughafen BRATISLAVA - WIEN 84 km

B e s c h r e i b u n g    d e r    T a g e s e t a p p e n :


TÖRÖKSZENTMIKLOS - HORTOBAGY

Der Zug nach Budapest fährt vom Wiener Westbahnhof (und nicht, wie man glauben könnte, vom Süd/Ostbahnhof) weg, weil er aus München kommt. Er wird mit ungarischen Waggons geführt, und einen riesigen Gepäckwagen gibt es auch. Die teure Sitzplatzreservierung war umsonst, der Schaffner rät mir, gleich den Wagen neben dem Rad zu nehmen und selbiges bei den Stopps an der Grenze und in Györ gut im Auge zu behalten…

Auf dieses Phänomen bin ich bei dieser Reise noch öfters gestoßen: die Österreicher warnen vor den Ungarn, diese vor den Rumänen, die wiederum vor den Ukrainern, nur die Slowaken haben mich nicht vor Österreich gewarnt, dann hätte sich der Warnungskreis wieder geschlossen.

Im Zug sind nicht viele Leute und auch die Bahnsteige der beiden Grenzbahnhöfe als auch der in Györ sind vollkommen menschenleer - ein Raddieb wäre bei den kurzen Stopps wohl ziemlich aufgefallen.

Der Zug durchquert noch den ganzen Süden von Budapest, um dann in den wunderschönen alten Keleti-Bahnhof einzufahren. Der Schaffner macht sich sogleich aus dem Staub, sodass das Rausheben des Rades aus dem Gepäckwaggon meine alleinige Angelegenheit bleibt. Also die Radtaschen auf einer Bank abgestellt, in den Gepäckwagen und dann das Rad ca. einen Meter auf den Bahnsteig runterheben und nachspringen - gar nicht so easy.

Die Ortlieb-Taschen sind schnell befestigt und der erste Gang führt zur Bahnhofs-Information betreffend den Anschlusszügen nach Ostungarn. Natürlich werde ich in der Halle auf "Geldwechsel?" angesprochen, aber der Typ muss sich seine alten längst ungültigen Forint-Noten aus kommunistischen Zeiten behalten. Viele wird er wohl nicht mehr finden, die auf den Geldwechsel-Trick noch reinfallen…

Im Infobüro erfahre ich, dass die Anschlusszüge alle im Nyugart-Bahnhof, ein paar Straßenzüge weiter nördlich, starten, also auf dorthin. Die Rakoczi-ut ist wohl eine der starkbefahrendsten Straßen der Hauptstadt, aber auf dem Busstreifen ist das Radeln halbwegs erträglich. Mein Versuch, mich durch die Seitengassen zu schlagen, endet im Einbahngewirr. Bei der großen Kreuzung mit der Erzsebet Körut noch einmal rechts abgebogen und bald ist der andere Bahnhof, der optisch genauso attraktiv ist, erreicht.

In der Kassenhalle könnte man sofort einen Kostümfilm, im 19. Jahrhundert spielend, drehen.

Ich kaufe eine Fahr- und eine Radkarte (die in Ungarn interessanterweise im Preis entfernungsabhängig ist) bis Törökszentmiklos, das wie sich dann herausstellt, zu Recht kein Mensch kennt, aber von dort erhoffe ich mir einen guten Einstieg in die klassische Puszta-Landschaft.

Der Zug steht schon am Bahnsteig und mit mir steigen noch ein ungarisches Radler-Pärchen ein und wir kommen sofort ins Gespräch (auf Englisch). Voller Stolz zeigt man mir einen schon in den 80er Jahren ausgestellten Pass, in dem man alle mit dem Rad an den Grenzen Ungarns erreichten Punkte einstempeln kann, ihnen fehlt nur noch ein kurzes Stück Südungarn, dann ist der Pass voll. Und ich erfahre, dass die Stahlkonstruktion des Bahnhofsdaches von Eiffel himself (ja, der vom Turm) stammt.

Die Räder werden im (tschechischen, weil der Zug von Brünn kommt) Gepäckwagen von den Schaffnern eingeschlossen und der Zug rattert los. Dauert eine Weile, bis man Budapest samt Vororten hinter sich lässt und ich bin froh, hier nicht radeln zu müssen - ziemlich öde Gegend.

Meine ungarischen Radfreunde schwärmen mir derweil von den landschaftlichen Schönheiten der Hortobagyer Puszta vor - also werde ich einen kleinen Umweg dorthin machen. Einen Lokal- und Essentip gibt's auch noch.

Dieser Zug wird gleich von zwei Schaffner begleitet (die noch dazu von meiner Radreise ganz begeistert sind), so ist das Rausheben des Rades und des Gepäcks im Bahnhof von Törökszentmiklos kein Problem. Gleich in der Bahnhofsstraße gibt es eine Pizzeria, noch schnell eine Stärkung und dann sitze ich am frühen Nachmittag endlich am Rad und werde sogleich mit einem spezifisch ungarischen Problem konfrontiert - dem Radfahrverbot auf allen Hauptstraßen mit einstelligen Nummern - dazu gibt es so nette dreigeteilte Fahrverbotstafeln für Pferdefuhrwerke, Traktoren und eben Radler.

Immerhin gibt es einen parallel laufenden Radweg in leidlichem Zustand, aber ich muss mich im Hinblick auf Rumänien sowieso an Fahrbahnunebenheiten gewöhnen. Endlich zweigt nach 13 Kilometern die Straße Nr. 34 ab und ich kann zum angenehmen Teil des Tages übergehen. Guter Asphalt, kein Wind, kein Verkehr - nur im Westen ein paar Gewitterwolken, sind aber noch weit weg.

Die einzige Abwechslung auf den nächsten Kilometern bieten nur ein paar Bäche und Kanäle, sonst ziehen nur endlose Felder rechts und links vorbei, die (wenigen) Ortschaften sind auch nicht eine Reise wert.

In Tiszazörs biege ich dann auf die kleine (und auch schlechtere) Straße in den Nationalpark ein - hier gibt es weniger Felder als vielmehr weite Steppenlandschaft, die teilweise als Viehweide genutzt wird, auch alte Ziehbrunnen sieht man - Puszta pur. Teilweise darf das Gebiet offenbar gar nicht befahren oder betreten werden.

Die Nebenstraße mündet dann in die Hauptstraße Nr. 33 - hier hat auch schon der Tourismus Fuß gefasst und es stehen ein paar Gasthäuser neben der Straße. Kurz vor dem Ort Hortobagy überquert man einen Fluss auf einer interessanten Viaduktbrücke - gleich daneben ist das empfohlene Restaurant und die Einfahrt zum (nicht sehr einladend wirkenden) Campingplatz.

Hinter mir ziemlich dunkle Wolken - scheint so, als würde es in der Nacht regnen und ich habe somit eine Ausrede, nicht campen zu müssen. Ein paar Meter weiter neben der Hauptstraße ein Schild "Zimmer frei" - somit ist alles klar.

Die Wolken werden immer dunkler, aber es regnet (noch) nicht - so kann ich das Schafsgulasch im empfohlenen Restaurant noch im Freien genießen. Selbst mir als nicht sehr Wetterempfindlichen fällt jedoch auf, dass es immer schwüler wird und tatsächlich entladet sich in der Nacht ein ziemliches Gewitter - statt Zeltleinen nachzuspannen drehe ich mich nur im Bett um …

HORTOBAGY - BAILE BOGHIS

Gleich nach Beendigung des Frühstücks hört es zumindest zum Regnen auf und starker Westwind treibt mich in Rekordgeschwindigkeit Richtung Debrecen. Sooo toll, wie mir der ungarische Radler im Zug vorgeschwärmt hat, habe ich die Hortobagy-Puszta zwar nicht gefunden, aber man kann ruhig einmal durchfahren. Das Naturschutzgebiet geht fasst fließend in den Industriegürtel von Debrecen (34 km) über - Autowerkstätten, Supermärkte, das übliche halt mit entsprechend viel Verkehr.

Im Stadtzentrum, dass großflächig Fußgängerzone ist, geht es schon beschaulicher zu und eine Konditorei ladet zum zweiten Frühstück ein.

Wenn man die Außenbezirke mal hinter sich gelassen hat, macht Debrecen auf mich einen recht sympathischen Eindruck - die autofreie Innenstadt ist auch hier sehr angenehm.

Im Süden der Stadt befindet sich dann die Abzweigung der Straße Nr. 48, die zur rumänischen Grenze führt - alles gut beschildert, im Stadtbereich ist halt noch viel Verkehr.

Je länger man aber in dem Waldgebiet, dass sich direkt an den Stadtrand anschließt, Richtung Osten fährt, desto ruhiger wird es - bis auf Vamospercs (in meiner Karte als größerer Ort verzeichnet) gibt es kaum Siedlungen und das Grenzgebiet scheint auch hier viele Jahre ein toter Winkel gewesen zu sein.

Ich will meine letzten Forint in Vamospercs (60 km) für ein Mittagessen ausgeben - nur gibt es hier nichts wirklich geeignetes - ein paar Lebensmittelgeschäfte und einen Imbisstand, bei dem ich schließlich mangels sonstigem Angebot einen Hamburger kaufe. Dafür ist in einer Seitengasse völlig unvermutet eine super Konditorei etabliert - mir ist bewusst, dass ich auf einen Capuccino dieser Qualität jetzt längere Zeit verzichten werde.

Die letzten Kilometer bis zur rumänischen Grenze bin ich allein auf der Straße - hier ist wirklich nicht mehr viel los - außer einer neu gebauten Pension (hier hätte ich lieber gegessen), aber ob die hier in dieser Gegend wirtschaftlich überleben kann?

Auf der menschleeren ungarischen Seite der Grenze langweilt sich ein Zollbeamte in seinem neu gebauten Büro im pompösen Gebäude - die vielen Abfertigungsspuren verengen sich gleich dahinter zu einer armseligen engen Landstraße - ich bin in Rumänien angekommen.
Der rumänische Kollege muss in einem improvisierten Plastikcontainer meinen Pass stempeln.



Die ersten Kilometer bin ich damit beschäftigt, mein vollbepacktes Rad um die zahlreichen Schlaglöcher zu zirkeln - immerhin steht mir die ganze Fahrbahnbreite zur Verfügung, weil mir auf der ganzen Strecke bis zum ersten Ort in Rumänien (Valea Jui Mihai) gezählte zwei Autos entgegenkommen (und davon war eines von der Grenzpolizei).

War schon der Landstrich östlich von Debrecen sichtlich nicht die wohlhabendste Gegend Mitteleuropas - hier gibt es gleich einen ziemlichen Kulturschock. Armselige Geschäfte mit seltsamem Warenangebot in teils schon verfallenden Gebäuden - Pferdefuhrwerke, jede Menge Radfahrer und Fußgänger - aus den zweisprachigen Aufschriften schließe ich, dass hier wohl auch für Einkaufstouristen aus Ungarn angeboten wird. Bankomat gibt es nicht, aber eine Wechselstube und so bin ich trotz der am 1. Juli in kraft getretenen Währungsreform einmal Millionär, weil die neuen Banknoten (mit 000 weniger) noch nicht ausgeliefert wurden.

Ein kurzes Stück muss ich mangels Alternativen auf der E 671 fahren - meine Gesundheit ist jedoch eher durch die Abgase der wenigen LKW´s als durch deren Fahrweise bedroht. Noch ist die Landschaft fast völlig flach, am Horizont zeichnen sich jedoch schon die ersten Hügel ab.

Ganz allein gehört mir die Straße dann ab der Abzweigung nach Otomani und so rumple ich durch das erste richtige rumänische Bauerndorf, viele werden noch folgen. Auf und neben der Fahrbahn geben sich alle Haustiere, die in den Bilderbüchern meiner Kinder verzeichnet waren, ein Stelldichein und auf den Lichtmasten nisten Störche. Die Fahrbahn besteht eigentlich nur aus Unebenheiten, notdürftig oder gar nicht geflickten Schlaglöchern, manche davon fast kinderbadewannengroß, aber ich habe ja Platz genug, allen Hindernissen auszuweichen.

In Buduslau soll es den ersten Kaffee in Rumänien geben - die einzige Bar ist ein Monopolbetrieb und ich kriege eine kleine Tasse mit einer Packung Kondensmilch. Auf die Frage, wie viel das kostet, antwortet die Bedienung nur: "six" und ich reiche irgendeinen Geldschein mit kleinem Nominalwert hin und kriege auch jede Menge Münzen zurück.

Erst auf dem Rad kommt mir, dass sechs (neue) Lei eigentlich ein unverschämter Preis für die kleine Tasse Kaffee sind, fast eineinhalb Euro! Oder meinte sie 0,6 Lei? Vielleicht hätte sich der Herr vor seinen ersten Geldausgaben mit ungewohnter Währung über den Preis erkundigen sollen!

Schon deutlich hügeliger als vor dem Ort geht es nach Marghita (111 km), das nach meiner Karte einen Campingplatz besitzen soll. Weder er selbst noch ein Hinweisschild fällt mir auf, ich suche aber im Hinblick darauf, dass ich weiterfahren will, nicht danach. Der Ort selbst ist auch keine Offenbarung, also weiter.

Auf den folgenden Straßenkilometern ist etwas stärkerer Verkehr, aber die vielen LKW- und wenigen PKW-Lenker verhalten sich allesamt recht rücksichtsvoll, viele hupen, um den Überholvorgang anzukündigen. Links neben der Straße weiden Schafe, rechts wird offenbar Erdöl gefördert, es gibt viele Bohrtürme und Pumpen. Die Dörfer ziehen sich alle längs der Straße hin, sodass es einige Zeit dauert, bis man auch kleine Ortschaften durchfahren hat. Die Bewohner lassen sich vom Durchzugsverkehr nicht weiter beeindrucken, die üblichen Haustiere, Pferdefuhrwerke aber auch spielende Kinder auf oder knapp neben der Fahrbahn, die sich zwar nicht in gutem, aber zumindest akzeptablen Zustand befindet.

Nach 150 km ist dann Nusfalau erreicht, laut meiner Karte soll es hier eine Übernachtungsmöglichkeit geben. Der Ortskern liegt etwas abseits der Hauptstraße, aber direkt an dieser liegt ein größerer Polizeiposten, also dort einmal fragen. In gutem Englisch wird mir erklärt, dass es hier im Ort zwar nichts zum Übernachten gibt, aber an der Hauptstraße in ein paar Kilometern oder in einem kleinen Ort an der Nebenstraße unweit von hier, "it´s Your choice". Während ich noch überlege, was denn wohl die bessere Wahl wäre, weist ein Schild auf ein Camping und Hotel "Baile Boghis" in 3 km hin - das muss sich auf die Möglichkeit im kleinen Ort beziehen, also das mal anschauen.

Es ist etwas weiter als 3 km, aber dann erreiche ich ein abgezäuntes Areal, auf dem von Ost nach West: ein größeres Thermalbecken, ein verfallenes Gebäude (war früher offenbar ein Laden und Cafe), ein großer Haufen Bauschutt, ein paar Zelte, dann zwei riesige, nie fertig gestellte Bauten, die schon wieder Ruinen ähneln (sollten wohl mal ein Kurheim oder Hotel werden), dazwischen in Sanitärgebäude für die Camper, dann so eine Art Hallenbad, ein Hotelgebäude mit Restaurant und dann noch zwei Reihen mit Holzhütten stehen.

Nun gut - um mich vorm Campen drücken zu können, mal zur Rezeption im Hallenbad und nach dem Preis für eine Übernachtung im Hotel fragen… 50 Lei (ca. 13 Euro) kostet sowohl ein Zimmer als auch ein Bungalow - ich entscheide mich für die Holzhütte, schaut innen gar nicht einmal so schlimm wie befürchtet aus, und das Rad kann ich auch gut unterstellen.

Mit einer kleinen Aufzahlung könnte ich auch das Kurbad benutzen, aber abgesehen von dem Umstand, dass ich meine Badehose vergessen habe, genügt ein Blick in eine Kabine mit Badewanne, um meine Entscheidung zu erleichtern. Dürfte irgendwann einmal anlässlich der Machtübernahme vom Ceausescu installiert worden sein und es ist fraglich, ob sich die heilende Wirkung des Wassers in dem Rostding entfalten kann…

Dass es zum Duschen nur kaltes Wasser gibt, ist angesichts der Tagestemperatur noch verschmerzbar. Nach einem kurzen Spaziergang über das Gelände (der meinen Beschluss, hier nicht zu campen, noch einmal richtig erscheinen lässt) geht es also zum ersten Abendessen in Rumänien.

Die Getränkefrage ist leicht zu klären - überall stehen Sonnenschirme mit dem Logo der Biermarke "Ursus" - schmeckt gut und wird für die nächsten Tage mein treuer Begleiter zum Abendessen. Differenzierter gestaltet sich schon die Speisenauswahl - die Karte ist nur in rumänischer Sprache, Touristen dürften sich selten hierher verirren.

Die Serviererin, obwohl äußerst freundlich, fast zutraulich, spricht weder Englisch noch Französisch, also bestelle ich einfach das Gericht, das einer Gruppe Rumänen am Nachbartisch serviert wird (die dürften so eine Art Halbpension hier haben) - Fleischknödel in Sauce mit Kartoffelpüree - immerhin genießbar. Die freundliche Serviererin berührt mich bei jeder Gelegenheit - bin mir nicht im klaren, ob das Landessitte ist, ob ich ihr Typ bin oder sie ev. auf zu kaufende Liebesdienste aus ist…

Ich teile mir jedenfalls meine Holzhütte nur mit meinem Rad und schlafe - auch dank des Insektennetzes vor dem offenen Fenster - ganz ausgezeichnet.

BAILE BOGHIS - BECLEAN


Wo frühstücken? Im Bad gibt's nur Getränke und Schnitten zu kaufen, aber im Restaurant stelle ich immerhin Kaffee, Brot und Käse auf. Nicht üppig, aber ich kann ja noch nachfassen.

Wieder im Sattel sitzend, lenke ich die Fuhre gleich weiter auf der Nebenstraße und erspare mir so die Rückfahrt zur Hauptstraße in der Absicht, auf selbige wieder in Zalau zu stoßen.

Flach ist hier nichts mehr, die Straße geht ein paar Mal ziemlich direkt über die Hügel und erstmals ist das kleine Kettenblatt in Betrieb. Bis nach Crasna (26 km) radle ich durch einige Dörfer, in denen die Bauern ein sehr beschauliches Leben zu führen scheinen, die Straße ist gewohnt schlecht.

In Crasna gibt es ein Lebensmittelgeschäft, das mit Schokocreme gefülltes Gebäck verkauft und daneben ein verrauchtes Cafe - die Angestellte kann aber etwas Deutsch, entschuldigt sich für den heruntergekommenen Zustand des Ladens (keine Ursache…) und teilt nach Schilderung der miserablen Lebensumstände hier mit, dass hier vor drei Tagen auch zwei Radfahrer durchgekommen sind.

Die restlichen Kilometer bis Zalau sind landschaftlich recht schön - ein Stausee ist in Sichtweite und Richtung Osten werden die Hügel immer höher. Wie so oft geht es eine Allee entlang, auf der mehr Pferdefuhrwerke als Autos unterwegs sind.

Da Zalau (45 km) für die nächste Zeit die einzig größere Stadt auf meiner Route ist, werde ich hier ein verfrühtes Mittagessen einnehmen. Eine schmuddelige Bar mit Tischen auf dem Gehsteig ist aber die einzige diesbezügliche Möglichkeit. Heute gibt es Pizza aus der Pfanne.

Bis auf das renovierte Rathaus hat Zalau keinen besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten und ich verlasse die in einem Längstal liegende Stadt auch gleich wieder - eine kräftige Steigung führt über die Hügel. Jetzt beginnt aber eine recht angenehm zu fahrende Strecke, die sogar mit ein paar Sehenswürdigkeiten (so weist eine Tafel auf römische Ausgrabungen in 3 km Entfernung hin - den Umweg spare ich mir aber - bzw. kommt man an einer interessanten Holzkirche vorbei).

Die Straße wird nicht von Autos, sondern vom dörflichen Leben beherrscht - die üblichen Haustiere aller Größen (ich begegne auch einem fahrbahnbreiten ausgewachsenen Hausschwein), Pferdfuhrwerke, viele Radfahrer - und ein Fußballspiel auf der Fahrbahn störe ich auch noch.

 

Die beschilderte Strecke nach Dej leitet über kleine Straßen - bis zum Ort Garbou geht es tendenziell bergauf, es wird sogar so eine Art kleiner Pass (mit schöner Aussicht in allen Richtungen) erklommen und dann folgt eine lange Abfahrt, die ich im Hinblick auf den teils erbärmlichen Fahrbahnzustand nur mit angezogenen Bremsen runterholpern kann - auf Kilometerschnitt kann man hier nicht wirklich fahren.

Nach 134 km ist Dej erreicht - die Kleinstadt bleibt weniger durch ihrer städtebaulichen Attraktionen denn durch die üblen Gerüche im Gedächtnis haften, die von den Schornsteinen der nördlich gelegenen riesigen Fabrik verbreitet werden. Aber es gibt sogar zwei Übernachtungsmöglichkeiten: einen weithin sichtbaren Hotelkasten etwas gehobeneren Standards (zumindest nach der Eingangshalle zu schließen) - mir aber zu teuer (80 Lei) und ein zweites, abseits gelegenes Hotel, dass aber nur ein Nebengeschäft des großen "Nightclubs" sein dürfte - im Hinblick auf meine Nachtruhe fahre ich weiter.

Jetzt geht es leider auf einer stärker befahreneren Straße dahin, zuerst kann ich aber an einer Quelle meine Flaschen auffüllen - viele Rumänen füllen hier ganze Plastikkanister.
Der LKW-Verkehr auf der Hauptstraße wäre nicht so das Problem (die Lenker verhalten sich eigentlich wieder recht rücksichtsvoll), sondern der Umstand, dass die Fahrbahn aus doppelbettgroßen Betonplatten besteht, die mit ca. 10 cm Abstand voneinander verlegt wurden und die Zwischenräume sind nur selten mit Beton ausgefüllt. Die Materialbeanspruchung für das vollbepackte Rad ist hier schon beträchtlich, daher gehe ich so oft wie möglich aus dem Sattel. Nur selten durchquert die Straße freies Gelände, die meiste Zeit geht es durch langgezogene Straßendörfer - trotz der vielen Fußgänger, Radfahrer und Fuhrwerke und der schlechten Fahrbahn (man sollte Stoßdämpferfabrikant hier sein) rasen die motorisierten Verkehrsteilnehmer durch die Ortschaften.

Kurz vor Beclean bietet eine Tafel "motorest - Restaurant - Hotel", Zimmer werden aber (noch) keine vermietet, dürften gerade erst fertig gebaut werden. Also drei Kilometer Umweg in den Ort, dort fällt sofort das große Hotel "Somes" auf. Ich bin der einzige Gast, das Zimmer ist aber halbwegs ok, sogar Farb-TV mit CNN-Kanal. Und der Ort hat einen richtigen großen Supermarkt, mit allem was das Herz begehrt, z.B. Pistazien und Salzstangen sowie Joghurt fürs Frühstück - ich habe beschlossen, jetzt mein mitgeführtes Müsli ins Gefecht zu werfen. Abendessen in Hotelrestaurant gestaltet sich deshalb einfach, weil es trotz dreiseitiger Speisekarte nur ein Gericht gibt - Kotelett mit Pommes, Ursus dazu, fertig ist die Mahlzeit. In der Nacht habe ich aber gegen viele kleine Stechmücken zu kämpfen (wie an den Zimmerwände ersehen werden kann, haben das die Vormieter auch schon getan) - nach 10 Erschlagenen gebe ich aber auf und lasse mich stechen. See oder Wald oder irgendetwas, was das Vorkommen von Mücken erklären könnte, ist aber nicht im Umkreis, seltsam…

BECLEAN - BORSA


Müsli mit Joghurt gibt's am Zimmer, den Kaffee dazu im Restaurant. Heute geht es endlich in die "richtigen" Berge - die haben sich gestern schon im Norden des Ortes am Horizont gezeigt.

Mit jedem Tritt auf der gewohnt schlechten Straße ins 32 km entfernte Nasaud wird die Landschaft interessanter, nur dort, wo die Straße offenbar schon unbefahrbar geworden ist, wurde für ein paar 100 Meter neuer Asphalt aufgebracht.


Leider merke ich erst im Ort, dass sich meine detaillierte Rumänienkarte aus der Plastikhalterung der Lenkertasche verabschiedet hat, im Ort ist (auch bei der Tankstelle) kein Ersatz zu bekommen. Das ist aber deshalb verschmerzbar, weil es in den nördlichen Karpaten sowieso nur wenige Straßen gibt und die auch auf meiner Gratis-Karte vom Rumänischen Fremdenverkehrsverband eingezeichnet sind.

Bei bestem, windstillem Radwetter macht das Fahren trotzdem es permanent leicht bergauf geht, viel Spaß. Die Umgebung erinnert zunehmend an die Steiermark, viel Agrarwirtschaft, auf den Berghängen sind überall kleine Gehöfte zu sehen. Und dann kurz vor Sangeorgz-Bai (63 km) auch erste Blicke auf die "richtigen" Berge, deren höchste Erhebungen schon oberhalb der Baumgrenze liegen.

Dieser Ort ist auch als Kurort bekannt und zugleich auch der letzte Außenposten der Zivilisation für viele Kilometer auf der kommenden Route, deshalb wird hier noch zu Mittag gegessen.

Das Zentrum liegt einen Kilometer abseits der Hauptstraße, ein Restaurant im herkömmlichen Sinn findet sich auch hier nicht, aber ein Kaffee, das auch über eine Speisekarte verfügt. Viel Auswahl gibt es nicht - aber eine Suppe und ein Hauptgericht (das übliche Fleisch mit Pommes) ist erhältlich.

Hier tummeln sich viele rumänische Touristen bzw. Kurgäste - Hauptattraktion des Ortes scheint ein unsagbar hässlicher Hotelbau aus kommunistischer Zeit zu sein, der auch das Kurbad beherbergen dürfte und auf jeder Postkarte abgebildet ist. Seltsam, weil in der netten Umgebung hätten sich wohl attraktivere Motive finden können.

Während ich mit meiner Mahlzeit beschäftigt bin, wird auf der anderen Straßenseite eine im Staub liegende Bettlerin vom Teppichhändler, der auf dem Zaun dahinter seine (geschmacklose) Ware aufgehängt hat, mit Fußtritten und Schlägen vertrieben. Allerdings kann ich auch beobachten, wie sie ein paar Meter weiter ganz gut bei Fuß ist und ihre bisherigen Einnahmen an ihren Capo abliefert. Entgegen meiner ursprünglichen Absicht gebe ich ihr daher, als sie mich als Tourist identifiziert (o.k., ist nicht schwer), nichts und lasse sie von der Serviererin wegscheuchen - offenbar ist sie schon stadtbekannt.

Bis Rodna, das durch seine vielen Holzhäuser und sein riesiges Sägewerk (ob es noch in Betrieb ist, ist in Rumänien - wie ich mittlerweile gelernt habe - schwer auszumachen, die Grenzen zwischen verfallenden und noch aktiven Industrieanlagen sind fließend), begleitet noch eine Stichbahn die Landstraße, dann verengt sich das Tal und ich bin mitten im Wald. Für ein paar Kilometer ist die Straße nach asphaltiert, dann wird sie zum Forstweg, der sich oft verzweigt, wobei aber keine Orientierungsprobleme auftreten, weil an allen Abzweigungen grüne Tafeln mit der Bezeichnung und Kilometerangabe bis zu dem Forsthaus, wohin sie führen, stehen. Auf manchen der vielen Grill- und Picknickplätze - leider ohne Quelle oder Brunnen - sind rumänische Familien mit Essen beschäftigt.


Die Forststraße wird leider tendenziell schlechter (hier ist ein Reiserennrad schon etwas fehl am Platz, aber ok, das war mir für diesen Streckenabschnitt bewusst) und zieht, nachdem man eine unbewirtschaftete Alm passiert hat, auch immer steiler in die Höhe. Und nach den neu gebauten Holzhütten für die Forstarbeiter kommt noch das Problem dazu, dass sie immer im schattigen Wald verläuft und durch die dicken Reifen der Holztransport-LKW´s zerfurcht und morastig ist. An manchen Stellen muss man direkt durch die Lacken fahren - dementsprechend dreckig wird das Rad und die Ausrüstung.

Auf der ganzen Strecke treffe ich nur einen LKW und einen Geländewagen mit deutschem Kennzeichen - hier kann man sich auch mit dem Auto so richtig austoben. Ziemlich weit oben ist dann endlich die ersehnte Quelle und die ermöglicht auch eine Grobreinigung. Noch eine Kurve und dann wird der Blick frei auf die unbewaldeten Gipfel der Karpaten, wirklich eine schöne Landschaft.

Und schon ist die Passhöhe (106 km) in 1200 Meter Höhe erreicht - zu meiner Überraschung steht hier eine Schutzhütte (auch mit Übernachtungsmöglichkeit), im Garten davor ist eine Gruppe tschechischer Wanderer mit dem Genuss ihres Nationalgetränkes beschäftigt.

Ein gut deutsch sprechender Hüttenbesucher gibt mir noch den Tipp, zu Fuß ein paar hundert Meter weiter zu gehen um einen schönen Ausblick auf die für die Karpaten typischen grasbewachsenen Hochflächen zu haben und dann unterhalte ich mich noch mit einer Tschechin, die mit der Gruppe wochenlang durch die Wildnis zieht und unterwegs zeltet, über die Möglichkeit, den Weitwanderweg mit dem MTB zu befahren. Sie rät allerdings davon ab und meint, nur in der unmittelbaren Umgebung der Hütte wäre der Weg geeignet, weite Strecken - vor allem in den Regionen oberhalb der Baumgrenze - seien aber unfahrbar. Schade, der die Passstraße kreuzende Weg schaut eigentlich gut aus.

Noch 5 km langsamste Abfahrt auf katastrophaler Forststraße steil bergab und dann ist endlich wieder Asphalt erreicht - der Anstieg zum Prislop-Pass. Überall Wald bis zum Abwinken, vereinzelt stehen Forsthäuser neben der nur schwach ansteigenden, aber gewohnt schlechten, schlaglochübersäten Straße.

Mit gutem Asphalt wäre das einer der angenehmsten Passstraßen überhaupt - kaum mehr als 5% Steigung machen ein richtig zügiges Hochradeln möglich. Noch zwei weitgeschwungene Kehren bis zur Passhöhe (130 km), von weitem sieht man schon den Rohbau einer pompösen Kirche - eine bescheidene Schutzhütte (mit Übernachtungsmöglichkeit) steht neben dem Betondenkmal aus vergangenen Zeiten auf der anderen Straßenseite.

Die folgende Abfahrt wäre sooo schön, wenn nicht dieser verdammt schlechte Straßenbelag wäre, der dauerndes Bremsen notwendig macht. Um die Schlaglöcher lenken ist auch nicht möglich, da die ganze Straße nur aus Schlaglöchern besteht. Im ersten Dorf nach der Passhöhe gibt es offenbar eine Vielzahl von Unterkünften, ich möchte aber noch ein Stück weiter.

Aber schon im Borga, dem ersten größeren Ort, fällt das direkt neben der Straße stehende Gebäude des vollkommen aus Holz gebauten Hotels "Perla Maramureszalzij" aus, das sogar über ein Restaurant mit Stoffservietten verfügt. Hier ist wirklich die ganze Konstruktion aus Holz - das zweigeschossige Speisesaal ähndelt einem Saloon, wie man ihn aus den Westernfilmen kennt. 50 Lei für das Zimmer ist ok, auch das Abendessen ist - dank der englischen Speisekarte - heute etwas abwechslungsreicher. Rumänischer Rotwein ist hier auch glasweise erhältlich, so bleibe ich heute der "Ursus" Brauerei untreu. Und ich kann mich noch mit einem englischen Radkollegen unterhalten, der in der Gegenrichtung unterwegs ist und der von dem Baustil des Hotels ganz begeistert ist.

Ansonsten bleibt - wahrscheinlich auch die gerade im Bau befindliche Hauptstraße - der Ort nur als staubige Hässlichkeit in Erinnerung. Beim Abendspaziergang muss ich noch eine lästige Prostituierte abschütteln, die mit ihrer rosa Kleidung, den wasserstoffblondgefärbten Haaren und mit kräftigem lila umrandeten Augen wohl nur selten das Schönheitsideal von Touristen treffen wird.

BORSA - SAPANTA

Meine Müslivorräte schrumpfen zusehends, aber dafür ist das Frühstücksproblem optimal gelöst. Die 23 km bis Viseu de Sus hätte ich gestern auch noch geschafft - andererseits war das originelle Hotel doch eine Übernachtung wert. Wenn von Viseu des Sus aus nicht eine der letzten (dampfbetriebenen) Waldbahnen Europas in die Berge fahren würde (die war auch schon der Zeitschrift "GEO" einen Artikel wert), wäre der Ort nicht weiter bemerkenswert - durch die Bahn kommt aber sichtlich Geld in die Stadt und im Zentrum gibt es lang vermisste Annehmlichkeiten wie eine Konditorei, Pizzeria und eine mondäne Cafe-Bar mit vollen Programm, z.B. einen Kaffee-Latte, den ich sogleich genieße. Mehrere Banken (mit Bankomaten) und Unterkunftsmöglichkeiten sowie ein Info-Büro (mit Kartenverkauf für die Bahn) sind auch vorhanden.

Leider ist der Zug für heute schon vor einer Stunde gestartet und morgen (Sonntag) ist der einzige Tag, an dem die Bahn nicht fährt… So muss ich mich mit einem Blick auf den kleinen Bahnhof und die Gleisanlagen begnügen, bis ich von dem Gelände von einem unfreundlichen Wichtigtuer verscheucht werde. Die Bahn, die derzeit von einem Schweizer Verein vor der Stilllegung bewahrt wird, soll für Freaks aber ein tolles Erlebnis sein, führt sie doch durch das manchmal enge Tal der Vaser bis an die ukrainische Grenze durch fast unbesiedeltes Gebiet.

Dass die Lok manchmal aus den Schienen springt und die Waggons nur ungepolsterte Holzsitze haben, nehmen die Eisenbahnliebhaber gerne in Kauf - die Abfahrtszeit für den nächsten Tag wird immer auf einer Tafel am Bahnhof angeschrieben. Es wäre wohl besser gewesen, gestern noch bis hierher zu fahren und mich in der Pension gleich neben dem Gelände einzumieten, dann hätte ich den Zug für heute nicht versäumt…

Statt auf Schienen bin ich also wieder auf der gewohnt schlechten Landstraße unterwegs - die Orte Viseu de Sus und Viseu de Jos sind schon fast zusammengewachsen. Hier folge ich einem Tipp aus den bike-freaks-forum und zweige auf die Nebenstraße ab, die anfangs noch asphaltiert, später auf groben Schotter über einen Höhenzug ins parallel laufende Tal der Iza führt. Die Berge werden jetzt langsam wieder zu Hügeln, ohne dass die Landschaft viel von ihrer Attraktivität verliert - hier im Iza-Tal radelt man überhaupt wie in einem großen Freilichtmuseum.

Jede Menge Holzhäuser mit den für die Mamures typischen kunstvoll geschnitzten Hoftoren, statt Autos das übliche Viehzeug auf der Straße, die bisher immer wieder gesehenen rumänischen Industrieruinen fehlen auch völlig - einfach ruhiges und unspektakuläres Bauernland und gerade deshalb reizvoll. Sind in vielen Ortschaften schon die Häuser sehenswert, so sind es manche erhalten gebliebenen Holzkirchen noch mehr und nach 64 km ist überhaupt so eine Art Kirchen/Kloster-Freilichtmuseum ("Manastire Barsana" auf einem Hügel zu sehen - absolut interessant (sind auch ein paar Touristen hier - ein Restaurant neben dem Parkplatz ist schon im Bau). Im ganzen Tal werden immer auch Unterkünfte angeboten, nur das gastronomische Angebot lässt noch zu wünschen übrig bzw. ist nicht vorhanden.

Nach 81 km ist die Kreuzung mit der Straße Nr. 18, der direkten Verbindung Baia Mare-Sighetu Marmatei erreicht und an der Ecke ist auch ein kleines Restaurant, wo ich das übliche Fleisch mit Pommes esse. Nach Sighetu sind es dann nur mehr ein paar Kilometer, gleich am Ortsanfang eine große ÖMV-Tankstelle, wo ich sogar eine Rumänien-Karte bekommen könnte, nur war sie mir zu teuer. Das Zentrum wäre sicher einen Aufenthalt bzw. einen Rundgang wert, aber erstmal auf dieser Fahrt muss ich mir Sorgen um das Wetter machen.

Östlich Richtung Viseu regnet es sichtlich, auch über den ukrainischen Bergen auf der anderen Seite des Flusses stehen dunkle Gewitterwolken. Und ein Blick in die Hügeln südlich der Stadt verheißt auch nichts Gutes - bleibt nur die rasche Flucht nach Westen - ist ja meine Richtung.

Trotz Rekordgeschwindigkeit holt mich der Regen schon im nächsten Straßendorf ein - anfangs nur ein paar Tropfen, die ich unter einem Baum auszusitzen gedenke, aber dann geht der Gewitterregen so richtig los - ein Bauer deutet mir, ich solle doch in sein Haus kommen. Das Rad wird regensicher im Schuppen untergestellt, ich auf einen Kaffee eingeladen (den seine Frau erst im Regen aus dem Laden nebenan holen muss…) und mir wird dann voller Stolz der neue Farbfernseher mit 40 Programmen vorgeführt - auf einem läuft gerade die Tour de France, auch nicht schlecht.

Aus den Feldwegen kommen die Pferdefuhrwerke mit völlig durchnässten LandarbeiterInnen - nicht nur ich scheine den Wolken zu wenig Beachtung geschenkt zu haben. Nach einer Stunde ist der Spuk auch schon vorbei, gerade rechtzeitig, weil sich die Kommunikation mit meinen Gastgebern mangels Sprachkenntnisse doch ziemlich mühsam gestaltet.

Die Fahrbahn ist natürlich noch längst nicht aufgetrocknet - wie schon im Winter in Marokko wurde einiges angeschwemmt bzw. aufgeweicht, von dem ich gar nicht wissen möchte, was es genau ist.

Da das Wetter weiterhin ziemlich instabil erscheint, beschließe ich, die Etappe in Sapanta zu beenden. Dank dem "lustigen Friedhof" gibt es hier eine richtige touristische Infrastruktur mit Andenkenläden, ein paar Imbissbuden und mehreren Übernachtungsmöglichkeiten. Durch den Regen habe ich wieder einen guten Grund, nicht den weiter hinten im Tal gelegenen Campingplatz benutzen zu müssen sondern quartiere mich gleich gegenüber der Kirche in einer Pension ein - ein absoluter Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. 10 Euro kostet die Übernachtung in dem mit Antiquitäten vollgestopften Privathaus (die Sanitäranlagen sind auch super), weitere 10 Euro Abendessen und Frühstück.

Bis zum Essen bleibt genug Zeit, die Grabsteine auf dem Friedhof zu bestaunen (die sind wirklich auch sehenswert) und einen kleinen Rundgang durch das Dorf zu machen - immer mit bangem Blick auf die dunklen Wolken ringsum. Es bliebt aber trocken, sodass ich sogar im Freien essen kann - und wie: erstmals erfahre ich, wie gut die rumänische Küche eigentlich schmecken kann, wenn die landestypischen Gerichte angeboten werden - die Menge, die meine Gastgeberin mir (und einem englischen Traveller, der gerade auf der Rückreise aus Indien ist und den es hierher verschlagen hat) auftischt, ist auch für Radfahrer nicht zu bewältigen - da hilft auch die Flasche selbstgebrannten Schnaps nichts. Nach dem Essen gesellt sich noch ein Amerikaner zu uns und es wird noch ein langer Abend…

SAPANTA - TIVADAR

Das Frühstück steht dem Abendessen nicht nach - und so verlasse ich optimal gestärkt den gastlichen Ort. Nach den gestrigen Regenfällen dampft die Natur so richtig vor sich hin und auch die Fahrbahn ist noch nicht ganz trocken. Für ein paar Kilometer geht es noch eben neben dem Fluss dahin, dann beginnt ein langer, aber ganz sanfter Anstieg durch dichten Laubwald bis zum Pass Huta (587 m hoch). Kurz nach dem Beginn der Steigung und auch auf der Passhöhe ist jeweils eine Schutzhütte mit einfacher Unterbringungsmöglichkeit. In besseren Zeiten dürfte es hier auch einen Schilift gegeben haben, zumindest ist die Trasse noch zu erkennen.

Die Strecke mit den weit geschwungenen Serpentinen und dem geringen Gefälle wäre eine super Rennradstrecke, wenn ich nicht immer wieder in die Bremsen greifen müsste, um dem Rad die schlimmsten Schläge und Schlaglöcher zu ersparen. Die Hügel laufen jetzt langsam in die Theiss-Ebene aus, nur die Dörfer um Negresti-Oas (36 km) haben einen ganz anderen Charakter (auch darauf bin ich im bike-forum schon hingewiesen worden): viele, teils protzige Neubauten, vor so manchem steht ein nagelneuer Mercedes oder BMW - die Leute hier wurden wohl nicht durch die Landwirtschaft wohlhabend.

Auf der folgenden Landstraße habe ich genug Zeit, die weitere Route zu überlegen: ich beschließe, nicht direkt in die Ukraine zu fahren (ob der Grenzübergang RO/UA bei Halmeu für mich passierbar wäre, weiß ich eh nicht), sondern einen Tag Ungarn einzulegen, vor allem um meine Radwäsche zu waschen, in Rumänien scheinen Waschmaschinen unbekannt zu sein.



In einer markanten Haarnadelkurve, kurz bevor die Straße einen Stausee erreicht (hier auch Campingmöglichkeit) steht ein neu gebautes grünes Gebäude - Hotel mit Restaurant (englische Speisekarte!). Obwohl ich mich redlich bemühe, meine letzten Lei zu veressen, will es angesichts der günstigen Preise nicht so recht gelingen, die Mahlzeit war aber wirklich ok.

Und dann geht es kilometerlang schnurgerade durch Wald- und Wiesengebiet bis zur großen Kreuzung E 81/E 671. Obwohl ich im Forum vor dieser Strecke gewarnt worden bin, riskiere ich die Fahrt und bereue absolut nicht: die Strecke ist neu asphaltiert und das in bester Qualität - vollkommen ungewohnt, nicht in Schlangenlinien den Schlaglöchern ausweichen zu müssen und kein Scheppern der Packtaschen zu hören - fast lautlos gleiten die Reifen.

Außerdem ist kaum Verkehr (vielleicht auch wegen dem Sonntag) und es gibt einen breiten Seitenstreifen - beste Radlerbedingungen. Hier in der Tiefebene lockern auch die Wolken zusehends auf, da stört auch der leichte Gegenwind nicht.

Dank der endlich wieder vernünftigen Durchschnittsgeschwindigkeit ist schnell die pompöse Einfahrtsstraße von Satu Mare (86 km) erreicht, auch hier eine ÖMV-Tankstelle mit gewohntem Shop (gleich daneben ist die Abzweigung zum Campingplatz) und das Zentrum mit großen Park ist sogar recht nett. Leider gibt es hier keine Möglichkeit, die überflüssigen Lei noch in Forint zu wechseln, auch nicht an der 11 km entfernten Grenze - obwohl es sich hier sichtlich um einen Hauptgrenzübergang handelt, ist eben Sonntag.

Dafür gibt es eine Menge kleiner Buden, wo Rumänen eine Krankenversicherung für eine Reise in die EU abschließen können, aber die wechseln halt kein Geld.

Zurück in der EU werden die Radler gleich einmal auf den Fahrradweg verbannt, der hinter einem Heckengürtel parallel zur Autostraße verläuft, aber da ist auch schon die Abzweigung nach Fehergyarmat. In dieser Gegend werden wohl nur Radler glücklich, die schnurgerade öde Straßen durch endlose Felder lieben, auch Fehergyarmat ist keine Reise wert. Das einzige Hotel am Platz hat den kalten Krieg äußerlich unverändert überstanden und eine große Anzeigetafel am Platz davor, die alle touristischen Attraktionen, Restaurants, Campings und Übernachtungsmöglichkeiten in der Gegend aufzeigt, bestärkt mich in meinem Entschluss, zumindest bis zum Campingplatz an der Theiss in Tivadar weiterzufahren, dort hoffe ich auch auf eine Waschmaschine.

Gleich nach der Flussbrücke gibt es ein großes Areal im Gasthäusern, Miethütten und dem Campingplatz, aber es gibt auch eine Privatzimmervermietung an der Hauptstraße. Ein sehr günstiger Preis erspart mir wieder einmal das Campen, auch die Waschmaschine kann ich benutzen.

Bleibt nur noch das Forint-Problem: Bankomat gibt es nur in Feheryarmat (im voraus wechseln wollte ich nicht), aber im Gasthaus an der Straßenkreuzung kann ich 15 Euro wechseln, sogar zu einem sehr korrekten Kurs. Abendessen gibt es mit Blick auf die Theiss, viele Kanufahrer legen hier auch zu einem Zwischenstopp an. Als die vom Lokalbesitzer engagierte Kapelle mit ihrer Darbietung beginnt, verlasse ich fluchtartig das Lokal und kann noch ein bisschen im Internet surfen (sogar gratis - hier zwischen 9 und 21 Uhr - weil die ungarische Regierung den Net-Zugang fördert, zumindest wird mir die Überraschung so erklärt. Man muss nur nach der blauen Tafel mit dem "@"-Zeichen Ausschau halten, die steht in jedem noch so kleinen Ort).

TIVADAR - UZGOROD

Die gestern gewaschene Wäsche ist längst getrocknet, eine Portion Müsli gegessen (Joghurt hab ich mir noch schnell von dem schon um 6 Uhr Früh geöffneten kleinen Supermarkt an der Straßenkreuzung geholt - die Ungarn sind Frühaufsteher) - die Ukraine kann kommen.

Bis zur Grenze sind es nur mehr ein paar Kilometer durch unbesiedeltes Agrarland - dann noch eine abgefuckte Bar, in der ich meinen (hier grauslichen) Morgenkaffee trinke und dann zum Grenzgebäude - mal sehen, wie lang ich mich hier aufhalten muss.

Wie gewohnt benutze ich die Autospur - der Ungar winkt mich nur durch, beim Ukrainer wird es komplizierter, es muss ein kleiner weißer Zettel ausgefüllt werden, der Pass wird einstweilen einbehalten. Während ich noch mit dem Schreiben beschäftigt bin, beginnt der Uniformierte daneben (wie sich dann herausstellt, ist das der Zollbeamte) ein Gespräch und ist ganz angetan von meiner Absicht, sein Land mit dem Rad zu bereisen. Offenbar liegt ihm der Gedanke, man könne die Ukraine aus touristischen Gründen beradeln, so fern, dass er mich noch fragt, ob Radfahren mein Beruf wäre. Als ich von dem Typen in Tarnkleidung am Schalter meinen Pass zurück erhalte, wünscht mir der Zollbeamte nur gute Fahrt und vergisst glatt, mich nach der obligatorischen (und völlig nutzlosen) Krankenversicherung zu fragen, so erspare ich mir, sie hier abzuschließen. Am Geldwechselschalter noch schnell 30 Euro gewechselt und schon sind die Einreiseformalitäten vorbei, das ging wirklich easy.

Die Landstraße in den ersten Ort in der Ukraine (Beregove) ist nicht so gut wie die in Ungarn, aber weit besser als in Rumänien, leider ist der Verkehr auch recht dicht. Überhaupt ist hier ziemlich viel los, viele Ungarn scheinen hier einzukaufen - fast alle Geschäfte haben auch ungarische Aufschriften. Wie erwartet macht die Ortschaft im Vergleich zu den auch nicht in einer prosperierenden Region liegenden ostungarischen Dörfern einen ziemlich armseligen Eindruck, dafür gibt es an einer Wohnhausfassade noch ein original sowjetisches Wandgemälde zu sehen - glückliche Proletarier stehen unter der Sonne. Die realen Proletarier in Beregove wirken nicht ganz so glücklich, dafür scheint aber heute die richtige Sonne vom wolkenlosen Himmel.

Es folgt noch ein langes Stück auf schnurgerader breiter Landstraße, bis endlich ein Felsen mit einem Schloss drauf ins Blickfeld rückt - ich nähere mich Mukaceve. Die Wegweiser führen mich Richtung Uzgorod leider südlich um den Ort herum, für Fans verfallener Industrieanlagen ist die Strecke eine wahre Augenweide. Es gibt zwar ein paar abzweigende Gassen, aber ein richtiges Ortszentrum vermag ich nicht auszumachen, auch wirken diese für den Radverkehr nicht wirklich geeignet - Pflastersteine fehlen oder stehen in die Höhe, mühsam hier.

Von der Kreuzung der Hauptstraßen sind es noch gut 3 km ins Zentrum (50 km), aber der Weg lohnt sich. 1. gibt es direkt an der Brücke eine Pizzeria, wo ich gleich einfalle und eine überraschend gute Pizza und den besten Capuccino seit Debrecen konsumiere und 2. ist das Zentrum mit verkehrsfreier Fußgängerzone und ein paar neu angestrichenen Häusern ganz nett.

Bei der Weiterfahrt nach Uzgorod werde ich erneut angenehm überrascht: zuerst begleitet ein Radweg ein paar Kilometer die pipifein ausgebaute, manchmal mehrspurig geführte Straße - nach dessen Ende gibt es einen breiten Seitenstreifen, auf dem sich hervorragend fahren lässt. Für den Radfahrer nur von minderem Interesse, aber auffallend: die Dichte an neuen Tankstellen entlang der Strecke, vielleicht für Tanktouristen aus Ungarn, Sprit kostet hier nur die Hälfte der EU-Preise.

Kurz vor Uzgorod sind noch einige Hügel zu überwinden, dafür kann man das Rad auf der guten Straße bergab so richtig laufen lassen, dieses Gefühl musste ich in Rumänien ja völlig vermissen. Und in den Vororten dann die erste Panne - eine kleine Glasscherbe hat sich durch den Vorderreifen gebohrt - glücklicherweise gleich neben einer Bushaltestelle, weil die Bank im Wartehaus das Handling schon einigermaßen erleichtert.

Mit neuem Schlauch rolle ich am (renovierten) Bahnhof durch Neubauviertel (und einem riesigen Hotelkasten, der ziemlich teuer wirkt, deshalb frage ich gar nicht nach dem Preis) Richtung Zentrum - auch hier gibt es eine Fußgängerzone. Der Fluss Uz teilt die Stadt in zwei Hälften, vor der Fußgängerbrücke ist noch ein teuer aussehendes Hotel, hier kann ich immer noch fragen, wenn sich sonst nichts ergibt. Es ziehen nämlich im Westen ziemlich dunkle Wolken auf, eine Weiterfahrt heute endet sicher im Regen, außerdem war ich noch nie in einer Stadt in der ehemaligen Sowjetunion.

Am nördlichen Ende der Fußgängerzone gibt es auch ein schönes Hotel mit Restaurant, wenn auch nicht billig, aber preiswert. Das Zimmer hat wirklich alle Features bis zu Fön und Haarshampoo und Blick auf den Platz davor.

Die schöne Duschkabine mit sofort rinnendem und gut zu regulierendem Warmwasser (das habe ich in letzter Zeit nicht immer gehabt) genieße ich etwas zu lange und komme beim folgenden Stadtspaziergang gleich nach der Besichtigung der auf einem kleinen Hügel gelegenen Kirche in den Gewitterregen. Es folgt eine Flucht in die Pizzeria und in weitere Folge ins Internetcafe ums Eck, erstaunlicherweise komme ich auch mit der cyrillischen Tastatur klar.

Es sollte noch mehrmals kurz regnen, so dass ich meinen heutigen Etappenabbruch nicht bereue. Abendessen gibt es im In-Cafe der Stadt mit vollständiger Speisekarte (z.B. mit Spaghetti, die ich heute mal zur Abwechslung esse). Bis auf ein paar deutsche Touristen bin ich aber der einzige, der hier etwas isst, die jungen Ukrainerinnen am Nebentisch studieren zwar die Karte, aber offenbar nur auf der Suche nach dem billigsten Getränk - das ist Bier oder Mineralwasser. Auswärts Essen zu gehen, scheint auch hier für Normalverdiener unerschwinglich zu sein, aber die Fußgängerzone ist angesagter Treffpunkt zum Flanieren und Gesehenwerden. Auch Skater und Biker vergnügen sich hier.

Kurz vor dem nächsten Schauer erreiche ich dann gut gesättigt mein luxeriöses Quartier.

UZGOROD - STARIJ SAMBIR

Frühstück im Hotel muss extra bezahlt werden, aber im Hinblick auf das zu erwartende gastronomische Niemandsland, das heute durchfahren wird, leiste ich mir auch das noch.

Kurz nach Uzgorod hätte es noch eine Übernachtungsmöglichkeit gegeben, aber dann nimmt die Bebauung und auch der Verkehr mit jedem zurückgelegten Kilometer weiter ab, auch wird das Tal der Uz immer enger, eine Bahnlinie führt parallel. Die Straße ist nicht toll, aber akzeptabel, viele Rastplätze (manche sogar mit Quelle) am Straßenrand. Sowohl Perecin als auch Bereznij werden wohl noch lange auf Touristenanstürme warten müssen, hier gibt es einfach kein Geld für Behübschungen des Ortes wie in Uzgorod oder Mukaceve.
In die ehemaligen Kulturhäuser sind Supermärkte, Kinos oder Discos eingezogen, viele Gebäude und Industrieanlagen verfallen.

Die recht stark befahrene Bahnlinie scheint dafür jeden Verkehr zu schlucken, auf dieser Strecke habe ich mit mehr Autos und auch Bussen gerechnet. Es geht viele Kilometer durch das manchmal enge Tal dahin, die Hügel werden aber immer höher. In den Ortschaften sitzen die Babies trotz des schönen Wetters mit Wollmützen im Kinderwagen, während die Mütter durchaus sommerlich gekleidet sind. Die Eisenbahn gewinnt rasch an Höhe und erklimmt über ein Viadukt in einer weiten Schleife den Hang, die Landstraße führt weiter nur sanft bergauf und steigt erst im Talschluß an. Davor noch ein Kontrollposten der Polizei, für die unterbeschäftigten Beamten hier muss ich sogar meinen Pass hervorkramen.

Und dann eine richtige Passstraße mit ein paar Serpentinen, auf der Höhe (immerhin auf 852 m, 89 km bis hierher) wieder ein Kontrollposten, wieder wollen die Typen den Pass sehen und dann hat sich die Landschaft völlig gewandelt - bis hierher waren immer höher werdende Hügel mit Laubwald, jetzt breiten sich weite Hochflächen mit Wiesen und nur kleinen Waldstücken mit Nadelwald aus.


Auch wegen dem recht kräftigen Wind aus verschiedenen Richtungen schließe ich, das hier ein anderes Klima herrscht, das offensichtlich auch der Straße zusetzen dürfte - die wird nämlich immer schlechter. Dörfer gibt es hier zwar ein paar, aber nur eines mit einem armseligen Laden und einer noch armseligeren Imbissbude, wo Würstchen verkauft werden, daneben - muss ich mich halt vorläufig mit ein paar Keksen begnügen und mich mit den schönen Ausblicken in beide Richtungen trösten.

Bis zur endgültigen Abfahrt sind aber noch einige kurze, aber kräftige Steigungen so bewältigen, die Hochfläche hier im Dreiländereck ist aber trotzdem viele Mühen wert, einfach eine nette Gegend. Und dann - so ähnlich müssen sich Karawanenführer in der Wüste beim Anblick einer Wasserstelle fühlen - plötzlich mitten in der Pampa ein paar Blockhütten, hier gibt es ein Restaurant und auch Übernachtungsmöglichkeit (ca. auf halbem Weg zwischen Pass und Starij Sambir, unübersehbar neben der Straße, aber Achtung: während der Mahlzeit habe ich mitbekommen, dass eine Übernachtung 10 Euro kostet, einem Radler, den ich in Lemberg getroffen habe, und der dort zu später Stunde nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt hat, wurden 30 Euro verrechnet! Also genau nach dem Preis erkundigen und zu handeln versuchen!)

Speisekarte gibt es, allerdings nur in cyrillischen Buchstaben - ein Gast kann ein bisschen Englisch, so komme ich zumindest zu einem Kotelett mit Kartoffeln - die rumänische Nationalspeise habe ich eh schon lange nicht mehr gegessen…

Bei der Weiterfahrt geht es recht flott leicht bergab, die Berge werden wieder zu Hügeln und laufen dann langsam ins Flachland aus. Vor der Ortseinfahrt in Starij Sambir fällt noch ein verfallener jüdischer Friedhof auf. 2 km weiter ist der Bahnhof und ein Hotel (samt Restaurant!) daneben - den Friedhof würde ich mir gerne näher ansehen und mit Hotels ist die Gegend sowieso nicht reich bestückt - also mal fragen. Das Zimmer wäre recht nett, trägt aber noch deutliche Benutzungsspuren vom Vormieter, dafür wieder recht billig, was zum Essen gibt's auch, also bleibe ich.

Während ich noch einen Kaffee trinke, wird das Zimmer notdürftig für mich hergerichtet. Und dann folgt der Fußmarsch zurück zum Friedhof am Ortsende. Irgendwo fällt mir ein Haus auf, dass nach der Schrift am Dachgiebel 1911 erbaut wurde. Darüber in einer kleinen Nische steht ein blaue Madonnenstatue, links daneben ist in der Mauer noch die verrostete Halterung für die kleinen Fähnchen, die an kommunistischen Feiertagen aufgesteckt wurden.

Das Haus und der Ort hat in den letzten hundert Jahren wohl einige Regime und Systeme erlebt: Österreicher, Russen, dann wieder Österreicher, Polen, Nazis, kurz nach dem 2. Weltkrieg eine ukrainische Partisanenbewegung, dann Sowjets, Autokraten, Demokraten….

Am jüdischen Friedhof weist eine Gedenktafel auf das traurige Schicksal der Juden in Galizien und die Vernichtung der hier lebenden Gemeinde durch die Nazis hin.

Am Rückweg falle ich noch kurz vor Geschäftschluss in ein Lebensmittelgeschäft ein, da ich für morgen unter anderem noch ein Joghurt für meine letzte Portion Müsli brauche - der Laden hat zwar schon eine elektronische Registrierkasse, der zu zahlende Betrag für meine Einkäufe wird aber mit Holzscheiben, die auf Stäben hin und hergeschoben werden, berechnet. Bin ich bisher in der Ukraine meist vollkommen neutralem Verhalten (also weder freundlich noch unfreundlich) begegnet, so ist diesmal die Verkäuferin ganz happy, einen Touristen bedienen zu können, eine ausführliche Kommunikation muss mangels Sprachkenntnissen jedoch unterbleiben.

Zurück im Hotel erweckt mein Wunsch, etwas Essen zu wollen, zuerst gewisses Erstaunen, aber es gibt sogar eine englische Speisekarte und die bestellte Mahlzeit ist in Ordnung (und sehr, sehr preiswert). Auch hier wird das Lokal nur zum Trinken aufgesucht, ich bin der einzige, der etwas isst.

Interessehalber besuche ich noch den Bahnhof gleich daneben - zum Unterschied zu den verfallenden Anlagen in Rumänien ist hier alles frisch gestrichen und renoviert, die Kanten der Bahnsteige mit weißen Linien gestrichen und das Gras zwischen den Schienen gemäht und es ist auf dieser Strecke zum Unterschied zur Straße auch viel Verkehr.

Selbiger beginnt schon im Morgengrauen, also im Sommer sehr, sehr früh - leider geht mein Fenster zum Bahnhof raus. Die Geräusche des Zuges wären nicht das Problem, aber daneben ist ein Bahnübergang und es klingelt ununterbrochen, während der Schranken geschlossen ist - ich dachte zuerst an Feueralarm oder so, ziemlich nervtötend. Sollte es jemanden hierher verschlagen, ein Zimmer auf die Straßenseite hin nehmen!

STARIJ SAMBIR - LEMBERG - GRENZE PL/UA

Das Müsli verputzt, Morgenkaffee getrunken und das Rad mit den fünf Taschen bepackt - auf geht's nach Lemberg. Schon nach 15 km wird Sambir erreicht, wo ich mich zuerst einmal gründlich verfahre - war aber mein Fehler, weil ich die beschilderte Strecke verlassen habe um eine Runde durch das Zentrum zu drehen. Das "alte" Sambir war aber als Übernachtungsort die bessere Wahl, hier ist ziemliche Hektik, insbesondere beim Busbahnhof und Marktplatz, außerdem habe ich nur ein Hotel außerhalb des Zentrums an der Straße gesehen.

Die restlichen Kilometer bis Lemberg sind ziemlich öde zu fahren, flaches Agrarland mit wenigen Ortschaften, auch der Verkehr wird immer stärker, ohne aber richtig unangenehm zu werden, die Straße ist breit genug. Es ist aber wieder einmal windstill, sodass ich flott voran komme, nur selten muss bei kurzen flachen Anstiegen geschaltet werden.

Und noch am späten Vormittag erreiche ich die Kreuzung mit der E 40, die von Polen aus kommt, hier werde ich am Nachmittag zurück fahren. Vorerst geht es aber einmal auf vierspurig ausgebauter Straße nach Lemberg (94 km) hinein - die übliche unattraktive Vorstadt muss aber zuerst einmal durchquert werden. Straßenkreuzungen, Tankstellen, Werkstätten, Brücken, das alles bei recht dichtem Verkehr - hier muss der Radler leiden.

Als endlich dicht verbautes Gebiet erreicht wird, muss er allerdings noch mehr leiden - hier an der westlichen Stadteinfahrt gibt es noch originales Kopfsteinpflaster, das wahrscheinlich noch meine österreichischen Vorfahren gelegt haben. Viele Steine fehlen schon, andere ragen raus, bald kommen noch Straßenbahnschienen dazu, die zusätzliche Niveauunterschiede verursachen. Hier ist man bestenfalls mit einem Fully richtig, das vollbepackte Reiserad muss auf den Gehsteig und wo dort ein Fahren nicht möglich ist, halt geschoben werden.


Durch Seitengassen, die etwas besser zu fahren sind, erreiche ich dann aber doch das Zentrum, das hier leider nicht Fußgängerzone und dementsprechend mit Autos voll ist. Die Stadt erinnert wirklich an Wien, Budapest oder Prag und im Zentrum ist auch von McDonalds bis Benetton alles zu finden.

Glücklicherweise habe ich nicht auf einen freien Platz im Schanigarten einer Pizzeria gewartet, sondern mich unter den großen Sonnenschirmen eines Kaffeehauses mit Restaurant direkt am langgezogenen Hauptplatz niedergelassen, weil es ziemlich unvermutet wie aus Kübeln zu schütten beginnt und zwar so stark, dass für ein paar Minuten gar keine Gäste bedient werden können. Kaum habe ich die Mahlzeit beendet (hier gibt es übrigens alles - von frischgepressten Obstsäften bis Cafe Latte, frischen Salaten, Nudeln etc.) und waren die Straßen gerade aufgetrocknet, der nächste Guss - noch intensiver und auch länger andauernd als vorhin.

Da ich aber mit meinem Zeitplan langsam im Stress komme, radle ich gleich nach dem Verziehen der Gewitterwolke noch auf nassen Straßen los, treffe einen deutschen Radler, der einen Tag vor mir die gleiche Strecke von Uzgorod hierher gefahren ist und weiter zur Krim will (kurzer Erfahrungsaustausch) und bin bald wieder auf der unmöglichen Westeinfahrt der Stadt. Vorbei am wunderschönen Hauptbahnhof fahre ich für zwei Kilometer ausschließlich am Gehsteig der rechten Straßenseite, der hier recht breit ist, den Fußgängern scheint das vollkommen egal zu sein.

Und dann endlich bin ich auf der großen Kreuzung mit der Straße nach Uzgorod und ab hier geht es endlich wieder auf dem breiten Seitenstreifen flott weiter. Das ist auch notwendig, weil sich wieder Gewitterwolken auftürmen - und zwar im Süden und im Norden, nur Richtung Westen, wo ich unterwegs bin, schaut es freundlich aus.

Sehr schön ist die Landschaft hier sowieso nicht, also kräftig Tempo gemacht, vielleicht kann ich dem Regen ja entkommen. Näher zur polnischen Grenze kommen auch wieder ein paar Hügel und auch die Gegend wird netter, nur scheint mich die Gewitterwolke im Norden richtiggehend zu belauern und nur auf eine gute Gelegenheit, sich über mir auszutoben, zu warten. So geht es viele Kilometer dahin - ich auf der großen Scheibe mit ziemlichen Tempo, die immer dunkler werdende Wolke ganz nahe neben mir, auch Donner ist schon längst zu hören, ich aber noch immer in der Hoffnung, das Wolkenfenster im Westen trocken zu erreichen.

Im vorletzten ukrainischem Dorf ist es dann soweit - ich flüchte mich in ein Lebensmittelgeschäft und esse Kekse und Eis, während es draußen kurzzeitig sogar hagelt. Das Gewitter kostet mich eine gute Stunde und so erreiche ich die 5 km entfernte Grenze erst um 19 Uhr abends - hier hat es aber kaum geregnet. Ein bisschen schneller, und mein Plan, dem Unwetter zu entkommen, wäre aufgegangen.

Noch vor der ukrainschen Grenzabfertigung ist überraschenderweise ein Hotel mit Restaurant - also mal fragen. Das Einbettzimmer ist zwar vom Vormieter schrecklich verraucht, aber es gibt ja ein Fenster (mit idyllischem Blick auf die ukrainische Polizeistation). Preis ist in Ordnung, nur Strom gibt es derzeit keinen - der ist wegen Blitzschlag ausgefallen. So gestaltet sich das Abendessen im dunkel getäfelten Speiseraum anfangs sehr romantisch - ich bekomme zuerst einmal eine große Portion Salat (weil man für dessen Zubereitung keinen Strom braucht). Als etwas später das Licht angeht, folgen Hauptgericht und Nachspeise, ich bin, wie schon gewohnt, der einzige Gast.

GRENZE PL/UA - USTRZYKI GORNE


Eine neue Erfahrung: Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die Autoschlange vor der Grenze. Und jetzt will ich rüber - aber nix da: der Beamte deutet mir, ich soll zu den Fußgängern. Also zwänge ich mein Rad samt Packtaschen durch den engen Schalter der ukrainischen Grenzabfertigung und finde mich danach in einem Korridor zwischen zwei hohen Zäunen wieder - ähnlich muss es den Raubtieren gehen, die im Zirkus in die Manege laufen.

Die Leute hier haben einiges vor - manche sind halbnackt und verstecken Zigaretten und sonstigen Zeugs in ihren Unterhosen und in ihren Socken. Immerhin geht es 300 Meter leicht bergab und es lohnt sich sogar, wieder aufs Rad zu steigen. Und dann kommt die polnische Grenzabfertigung in Sicht: eine kleine Türe (die alle 10 Minuten aufgeht und ca. 10 Leute werden eingelassen), davor eine mindestens 300köpfige Menschenmenge, ein paar ukrainische Grenzsoldaten versuchen durch barsche Anweisungen etwas Ordnung in das Chaos zu bringen (erinnert mich an das Anstellen beim Schilift - halt ohne Schi), aber vergebens. Als ich mich mit einem Tag an diesem ungastlichen Ort abzufinden beginne, gibt mir die neben stehende Frau im Kauderwelsch zu verstehen, dass ich mit dem Rad eine bevorzugte Grenzabfertigung genießen würde (ob aus Freundlichkeit, oder weil ich ihr einfach mit dem vollbepackten Rad in der Menschenmenge auf den Nerv gehe, ist egal). Also das Zauberwort "Rower = Fahrrad" gerufen - zu meiner Überraschung teilt sich die Menge wie weiland das Rote Meer bei Moses und die Soldaten helfen sogar mit, das Rad samt Gepäck über eine Absperrung zu heben. Ich kann mein Rad an den ganzen Leuten vorbei direkt in das Gebäude schieben.

Hier herrschen raue Sitten - alle UkrainerInnen vor mir müssen sich ausziehen, einige werden durch die Tür daneben gleich wieder zurückgeschickt. Vor dem Schalter mit der Passkontrolle steht eine Flasche mit klaren Hochprozentigem - da dürfte jemand der Mut verlassen haben, aber mit einem kräftigen Schluck trinkt sich der vor mir stehende selbigen gerade an. Die Flasche wird dann brav wieder zurückgestellt - wenn sie noch nicht ausgetrunken wurde, steht sie heute noch dort.

Beim Anblick meines EU-Passes wird die polnische Beamtin plötzlich freundlicher und möchte nur einen Blick in meine Lenkertasche werfen, dann verfällt sie wieder in den gewohnten Tonfall und widmet sich wieder den armseligen Gestalten, die diese entwürdigende Prozedur wegen ein paar zu verdienenden Cent auf sich nehmen.

Back in der EU - plötzlich keine Schlaglöcher, makelloser Asphalt und jede Menge Werbetafeln neben der Straße begleiten mich auf den 14 Kilometer bis Przemysl, wo auch gleich der renovierte Bahnhof (mit Geldwechselmöglichkeit) auffällt. Ums Eck gibt es eine gute Konditorei, wo ich das Frühstück im "Mist"-Hotel mit ein paar Mehlspeisen ergänze.
Auch hier merkt man, dass die Stadt lange durch die Österreicher verwaltet wurde, nur von den Befestigungen ist nichts mehr zu sehen (im Umland soll es noch ein paar Reste geben).

Am Ortsrand von Przemysl noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten, auch Camping gibt es hier, und dann wird das Tal des Flusses San verlassen und es geht gleich in die Hügel.

Wenig Autoverkehr, dafür sehe ich den ersten Reiseradler in Aktion und auch ein paar Rennradfahrer kommen entgegen. Auf der ersten kräftigen Steigung, die ich mit dem kleinen Kettenblatt fahre, werde ich von Bremsen attackiert - nur nicht unter 10 km/h fahren - vorwitzige Exemplare versuchen auch bei höherer Geschwindigkeit zu stechen. Langsam fahren und Insekten erschlagen ist gar nicht so einfach - auf den ebenen Stücken bzw. wenn es bergab geht, bin ich die Plage aber wieder los - aber die nächste Steigung kommt bestimmt…

Siedlungen gibt es hier nur wenige, dafür viel Wald. Im winzigen Dorf Kozmina (58 km) biege ich dann Richtung Osten auf die Nebenstraße ab (kurz nach der Abzweigung steht eine schöne Holzkirche neben der Straße) und es geht flott durch ein kleines Tal bis Kroscienko (85 km) direkt an der ukrainischen Grenze (hier gibt es übrigens einen auf den Karten noch nicht verzeichneten Grenzübergang).

Bei der kurzen Pause in einem Buffet neben der Straße (ich genieße ein etwas strange schmeckendes Apfelsaft-Pfefferminz-Getränk, nennt sich "Tymbark", hier übrigens auch Campingmöglichkeit, WC gibt es, Duschen aber scheinbar nicht) fallen zwei besorgniserregende Dinge auf: 1. regnet es im Süden und 2. ist mein (fast neu aufgezogener) Ritchey-Hinterreifen wieder vollständig bis auf die Karkasse abgefahren.

Gut, Probleme sind dazu da, bewältigt zu werden - bleibt also die Hoffnung, im größeren Ort
Ustrzyki Dolne ein Radgeschäft zu finden. Hier nur ein paar Kilometer weiter scheint es soeben kräftig geregnet zu haben - die Straßen sind nass - ABER: es gibt ein gut sortiertes Outdoor-Shop mit Schwerpunkt MTB! Für 28"-Räder gibt es nur einen (teuren) Reifen mit 38 mm Breite, aber der freundliche Verkäufer weist mich auf einen zweiten Laden ein Stück weiter in einer Seitengasse hin. Der hat zwar keinen passenden lagernd, der Besitzer baut aber aus einem Neurad kurzer Hand den Vorderreifen aus (Reifen samt Arbeit kosten nicht einmal 10 Euro). Während der Kompressor langsam den Schlauch mit Luft füllt, erkundigt sich die shop-Besatzung noch genau nach meiner Tour.

Nach Ustrzyki Dolne wird es zusehends gebirgiger, einige kräftige Anstiege sind auch wieder dabei und nach Czarma Gorna erreicht man immerhin 772 Meter Höhe und eine schöne Aussicht in die Berge der Ukraine - dort war ich vorgestern unterwegs. In den Ortschaften gibt es immer wieder Übernachtungsmöglichkeiten, hier beginnt der Tourismus langsam Fuß zu fassen.


Heute wird das Nachtlager im südöstlichsten Ort Polens, in Ustrzyki Gorne, aufgeschlagen. Das schönste Gebäude im Ort gehört der Grenzpolizei, aber es stehen drei Campingplätze sowie ein großes und auch ganz nettes Hotel zur Auswahl. Um das Wieder-trotz-guter-Gelegenheit-nicht-Campen vor mir zu rechtfertigen, rechne ich halt mit nächtlichem Niederschlag, obwohl das Wetter in den letzten Stunden immer besser geworden ist.

Die hölzernen Imbissbuden neben der Straße sind von Wanderern gut besucht und auch ich bekomme hier eine preisgünstige und gute Mahlzeit.

USTRZYKI GORNE - SVIDNIK

Natürlich hat es in der Nacht nicht geregnet, aber während die zahlreichen Camper mit dem Zeltabbauen beschäftigt sind, sitze ich schon wieder - gut gesättigt - auf dem Rad um die zwei Pässe in Angriff zu nehmen, welche für die so abgeschiedene Lage von Ustrzyki Gorne verantwortlich sind.

Die Steigung ist nicht schlimm und nach dem ersten Pass auch gute Aussicht auf die grasbewachsenen Gipfeln der Beskiden, zahlreiche Wanderwege führen bergauf und es sind auch schon viele, teils schwerbepackte Wanderer unterwegs. Schwerbepackt bin ich selber auch, aber nach dem zweiten Pass (872 m) geht es tendenziell bergab. Hier überall ist ein dichtes Angebot an Gaststätten und Übernachtungsmöglichkeiten, obwohl es kaum richtige Ortschaften gibt - die Gegend ist nach dem 2. Weltkrieg ziemlich entvölkert worden - "Operation Weichsel", wie ich meinem Reiseführer entnehmen konnte (kurz nach dem WK II wurde die ansässige Bevölkerung in anderen Gegenden Polens umgesiedelt, um der in diesem Gebiet operierenden ukrainischen Partisanengruppe, die für einen eigenen Staat kämpfte, die Basis zu entziehen).

Hier in den Bergen war auch das Hauptquartier der österreichischen Armee irgendwo mitten im Wald - ein Schmalspurbahn führte hierher, selbige ist aber nur mehr auf einem kurzen Abschnitt in Betrieb. Nach Cisna (36 km) kann man einen Bahnhof mit Wagenpark besichtigen.

Noch einmal geht es kurz bergauf, dann weitet sich das Tal zusehends und mit der touristischen Infrastruktur ist es vorerst einmal vorbei. Vor und nach Lupkow geht es jeweils etwas steiler einen Hügel hinauf und ich kämpfe wieder mit der polnischen Insektenwelt - wie gehabt, unter 10 km/h versuchen die Biester zu stechen.

Und dann kommt mir ein holländischer Reiseradler entgegen und wir beschließen spontan, zwecks Erfahrungsaustausch auf einen Cafe zu gehen - nur, wo ist hier eines? Heute früh gab es unzählige Möglichkeiten, hier ist offenbar nichts, auch nicht im nächstgelegenen Dorf Radoszyce an der Straße zum neu eröffneten Grenzübergang in die Slowakei (ist auf älteren Karten nicht eingezeichnet). Schließlich finden wir doch noch einen netten Rastplatz bei einer Kapelle kurz vor der Grenze - zwar ohne Cafe, aber mit Schatten. Ich hoffe, dem Kollegen, der nach Rumänien weiter wollte, mit ein paar Tipps behilflich sein zu können.

Und in Komancza, auf der Karte doch als etwas größerer Ort eingezeichnet, hoffe ich auf ein Restaurant - vergebens. Auch auf der weiteren Strecke Richtung Westen, landschaftlich schön und wenig befahren, gibt es (außer einem kleinen Laden in Moszcaniec) diesbezüglich nichts - dafür viel Gegend und verschlafene Dörfer, auch einige Holzkirchen.

Eine äußerst angenehme (wenn auch nicht steigungsfreie) Straße für gesättigte Radler, die hungrigen werden erst 100 m nach der Kreuzung mit der Hauptstraße zum Dukla-Pass (hier auch ein Campingplatz) fündig. Direkt neben der Straße steht das Hotel-Restaurant "Bartnik" (113 km) - ich mache es mir im Garten bequem und veresse meine letzten Zloty. Während der Mahlzeit radeln ganze Kolonnen mit Startnummern auf allen erdenklichen Radtypen (Rennräder, MTBs und Trekkingbikes) Richtung Pass - offenbar bin ich wieder einmal in einen Marathon geraten.

Dann eine unangenehme Überraschung (nein, nicht die Restaurantrechnung) - mein Hinterreifen ist platt. Also Packtaschen runter, Schlauch gewechselt. Faul wie ich bin, habe ich den defekten Schlauch von der Panne in Uzgorod noch nicht geflickt, so dass ich jetzt nach dem Einbau des 2. Schlauches keine Reserve mehr habe - ein ungutes Gefühl.

Die letzten Teilnehmer der Touristikfahrt sind schon längst weg, als ich dann die paar Kilometer bis zur Grenze in Angriff nehme - von polnischer Seite aus ist der Dukla-"Pass" als solcher kaum wahrzunehmen, es geht nur ganz sanft bergauf. In der Slowakei geht es etwas kräftiger bergab - neben der Straße stehen neben monumentalen Denkmälern einige Kriegsgeräte aus dem 2. Weltkrieg - die Gegend hier war wochenlang umkämpft.

Da mich eine weitere Reifenpanne ziemlich in Schwierigkeiten bringen könnte und es auch langsam schon Abend wird, verzichte ich auf die Abzweigung über kleine und kleinste Straßen quer durch die Hügel nach Medzilaborce und folge der Hauptstraße in den ersten größeren Ort nach der Grenze nach Svidnik. Auf dem Weg wäre bei einer Raststation eine sehr einfache Übernachtungsmöglichkeit, die ich aber auslasse, und kurz vor Svidnik steht noch ein deutscher und ein sowjetischer Panzer neben der Straße. Liebhabern von Militärwaffen sei die Gegend wärmstens empfohlen.

In der Stadt selber scheint es (wohl aufgrund ihres geschichtlichen Hintergrundes) kein Gebäude zu geben, das vor dem Krieg errichtet wurde - also mal checken, was hier so läuft: das riesige Hotel an der Hauptstraße ist dem Verfall preisgegeben (verständlich, wer will hier schon hin), aber daneben ist ein Postamt, und selbiges hat sogar Samstag von 8-10 Uhr Früh geöffnet - eine gute Gelegenheit, die noch nie benutze Campingausrüstung postalisch loszuwerden (auch bin ich dann mit dem 20 kg-Gepäckslimit beim Rückflug weniger im Stress).

Eine überaus preiswerte Übernachtungsmöglichkeit findet sich dann im Hotel "Rubin" direkt neben dem Hauptplatz, bei dessen Gestaltung man sich sichtlich bemüht hat, die allerschlimmsten architektonischen Sünden aus der Kommunismus zu übertünchen.

Das Hotel hat auch ein Restaurant - schräg gegenüber ist eine angenehme Cafe-Bar mit Internet und jede Menge Geschäfte ringsum - so bleibt mir Svidnik trotz seines baulichen Handicaps in angenehmer Erinnerung.

SVIDNIK - HUMENNE über MEDZILABORCE

Das Postamt öffnet erst um 8 - das Restaurant und das Cafe gegenüber leider erst viel später. Auf den Supermarkt ist aber Verlass - es gibt heute halt abgepackte Hörnchen mit Füllung, Kaffee dazu in der verrauchten Bar nebenan, wo sonst wie üblich auch in der Früh nur Bier getrunken wird - das Frühstück hätte also Optimierungsbedarf gehabt. Pünktlich um 8 stehe ich mit meinem Karton, den ich mir im Hotel organisiert habe und der Campingausrüstung samt etwas Schmutzwäsche im Postamt - dank der freundlichen Unterstützung der zwei Beamtinnen, die mir den Karton noch zusätzlich mit Zeitungspapier verpacken und den Übersetzungsdiensten einer Schülerin ist das Versenden nach Wien kein Problem (ganz billig ist es aber auch nicht: 6 kg Paket kosten zwei Hotelnächte im "Rubin" …).

Noch am Abend des Vortages habe ich die zwei defekten Schläuche geklebt und halte nur noch kurz beim örtlichen Bikeshop, um mich der Standpumpe zu bedienen - mit optimiertem Luftdruck fährt es sich beruhigter. Herrlich leicht fährt es sich sowieso - die fehlenden Lowrider-Taschen machen sich angenehm bemerkbar.

Zuerst geht es noch 15 Kilometer nach Süden bis Stropkov - kurzer Zwischenstopp in der örtlichen "Cucarna" zwecks Ergänzung des dürftigen Frühstücks und dann auf nach Norden auf sehr schöner Radstrecke. Gleich nachdem ich bei einer Quelle neben der Straße meine Flasche aufgefüllt habe, dieses Sch*** "pling!"-Geräusch einer gerissenen Speiche - klarerweise am Hinterrad. Schnell einen Lage-Check: es ist Samstag 11.15 Uhr - ich bin genau zwischen Stropkov und Medzilaborce - zurück will ich nicht, also fleißig in die Pedale getreten, um Medzilaborce noch vor Geschäftsschluss zu erreichen. Erwartungsgemäß gibt es bis dahin in den wenigen Ortschaften nicht nur kein Radgeschäft, sondern überhaupt nichts - ein Hügel noch, und ich bin schon im Nachbartal - es ist 11.40 Uhr. Mit eierndem Hinterrad erreiche ich fünf vor Zwölf endlich den Ort (48 km) - an der Hauptstraße gibt es einen kleinen Supermarkt, der aber auch Eisenwaren und auch ein paar Basic-Radteile führt - der letzte Verkauf heute vor Geschäftsschluss sind zwei Speichen samt Nippeln um zusammen 5 SK.

200 Meter zurück das unübersehbare Warhol-Museum - gleich gegenüber gibt es ein Restaurant (auch mit Pension), in dem ich mich zuerst einmal stärke und dann mein bepacktes Rad für die Dauer des Museumsbesuches unterstelle.

Im Museum ist man sichtlich bemüht, aus den wenigen Erinnerungsstücken, die vom Meister geblieben sind, das Optimum herauszuholen, auch das Schaffen seines (weniger berühmten) Bruders wird gewürdigt - Platz ist ja genug.

Eine Reise ist das alles nicht wert, wer aber (so wie ich) sowieso in der Gegend ist - eine Stunde kann man hier schon verbringen. Aber auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass Warhol hier in der Nähe geboren wurde, ist Medzilaborce ein ziemlich trostloses Kaff in einer nicht gerade wohlhabenden Gegend, eine weiße Kirche steht noch am Hügel neben dem Museum.

Ohne Kettenpeitsche bekomme ich auch mit Hilfe des Tankwartes, von dem ich mir einen Gabelschlüssel für den HG-Abzieher ausborge, das Ritzelpaket nicht von der Nabe, Radfahrer kommen hier nicht vor, also vorläufig einmal weiter. Die Bahnlinie parallel zur Landstraße beruhigt aber - im Fall eines zweiten Speichenbruches werde ich wohl auf die Öffis umsteigen müssen.

Viele Kilometer geht es auf ganz guter Straße fast flach gegen Süden, leider türmen sich um mich herum überall Haufenwolken auf und bei einem Blick zurück sehe ich, dass in Medzilaborce gerade ein Schauer niedergeht, dem ich gerade noch entkommen konnte. Noch hält das Hinterrad, ich komme sogar recht flott voran und erreiche am frühen Nachmittag die ersten Häuser von Humenne - ignoriere den einsetzenden Regen und frage den ersten Radler nach einem Radshop. Der gibt mir zu verstehen, dass selbiges wegen "weekend" jetzt geschlossen habe und ich flüchte mich gleich in der Fußgängerzone in ein Cafe, weil es kräftig zu regnen beginnt. Der Spuk ist aber schnell vorbei - noch ehe ich meinen Capuccino ausgetrunken habe. Und der Radler von vorhin taucht auch wieder auf, zeigt mir sein Handy und gibt zu verstehen, dass er zwar im Shop angerufen, aber (logischerweise) niemand abgehoben hat.

Aber jetzt tritt wieder einmal die internationale Radlersolidarität in Kraft: ein deutsch sprechender Türke, der neben dem Cafe im Eisgeschäft seines Vaters arbeitet, bietet seine Hilfe an - er hat einen Freund, dessen Freund Biker ist - und dessen Freund arbeitet im Radgeschäft. Per Handy alles kein Problem - die zwei sind gerade gemeinsam auf Tour, brechen diese halt ab, der eine holt vom Besitzer noch die Schlüssel und zwei Stunden und einige Cafes später bin ich im Radgeschäft und kann mich des Werkzeugs bedienen, sogar ein Kompressor steht zur Verfügung.

Da es mittlerweile schon spät geworden ist, organisieren die zwei für mich noch eine preiswerte Unterkunft in einem jetzt in den Sommermonaten offenbar leer stehenden Studentenheim - da einer der beiden aus Bratislava kommt, lasse ich mir seine Telefonnummer geben, um einmal eine Tour zu vereinbaren. Ein gutes Abendessen in der örtlichen Pizzeria vervollständigt den versöhnlichen Ausgang des Tages, das hätte auch unangenehmer und mühsamer ausgehen können.

HUMENNE - KOSICE

Heute steht - mit jetzt hoffentlich funktionierendem Rad und abgespeckten Gepäck nur mehr die Fahrt nach Kosice am Programm. Eine Cukarna hat zwar noch nicht offiziell geöffnet (es ist ja Sonntag), ich bekomme von der freundlichen Bedienung aber schon mal ein Frühstück auch vor 8 Uhr und kann mich dem Kartenstudium widmen. Es reicht, wenn ich am Nachmittag in Kosice bin, es sind daher noch ein paar Umwege drinnen.

Gleich zwei Täler weiter fließt die Ondava und es gibt einen Stausee - also mal dorthin. In den kleinen Ortschaften sind gerade mal ein paar Kirchgänger unterwegs, Verkehr gibt es auf der schmalen Landstraße keinen - der erste Hügel kommt gerade recht zum warmfahren, der zweite nach Holcikovce hinauf zur Straße Nr. 557 (28 km) ist auf 200 m brutal steil, hier kommt das kleinste Kettenblatt zum Einsatz. Der Stausee liegt recht schön inmitten bewaldeter Hügel und es scheint auch eine touristische Infrastruktur zu geben. Leider ist das Wetter ziemlich trüb, deshalb folge ich gleich der Hauptstraße weiter Richtung Süden. Es folgt eine schnelle Abfahrt bis nach Mala Domasa, hier ähndelt der See eher einem ruhigen Fluss - überall versuchen Fischer ihr Glück und auch ein paar Wildcamper haben sich am Ufer eingerichtet.

Oberhalb der Kreuzung mit der Straße Nr. 558, die direkt von Humenne hierher führt, ist eine recht nette Burg zu sehen, die nächste größere Stadt Vranov nad Topla (51 km), die man gleich erreicht, ist weniger nett. Zum Unterschied von der Mittelslowakei scheint es hier im östlichen Landesteil kaum alte erhaltene Ortskerne zu geben, Fotomotive findet man hier nur selten.

Für die weitere Fahrt bietet sich die Straße 576 an, die einen immerhin bis über 1000 m ragenden Höhenzug quert, dort ist schönere Umgebung zu erwarten.

Diesbezüglich muss ich mich aber noch gedulden, zuerst geht es an einer ziemlich verwahrlosten Zigeunersiedlung vorbei, dann an einer weithin sichtbaren Schottergrube, auch Banske ist nichts besonderes - aber nach dem Ort wird in vielen Serpentinen zuerst auf Wiese, dann im dichten Laubwald, Höhe gemacht. Der (namenlose) Pass liegt immerhin 718 m hoch - leider ist die Straße kurz vor und nach der Höhe entsetzlich schlecht und erinnert mich gleich an Rumänien. Sand und Schotter auf der Fahrbahn und die vielen Schlaglöcher lassen einfach keine flotte Abfahrt zu, erst nach dem Wald bessert sich der Fahrbahnbelag und nach 79 km ist das kleine Dorf Herlany erreicht, in dem laut Karte ein Hotel (hoffentlich mit Restaurant, ich habe wieder mal Hunger…) stehen soll.

Herlany ist durch ein pünktlich ausbrechendes Geysir bekannt, das aber offenbar in den letzten Jahren an Attraktivität verloren hat - das Hotel ist geschlossen, gerade mal einen kleinen Supermarkt gibt es noch. Da das Geysir nach der angebrachten Anzeigetafel erst in ein paar Stunden auszubrechen gedenkt, radle ich in der Hoffnung weiter, woanders ein Gasthaus zu finden.

Kilometerlang stehen neben der Landstraße Obstbäume, leicht bergab geht es auch - eine angenehme Strecke führt hier in südlicher Richtung - nur um das Wetter muss ich mir wieder mal Sorgen machen. Auf der Höhe hinter mir steht schon eine dunkle Gewitterwolke, eine zweite Haufenwolke steht in nordwestlicher Richtung, andererseits ist es bis Kosice jetzt nicht mehr weit.

Ich fahre noch bis Bodanovce weiter und erreiche Kosice - was im Hinblick auf die Lage des Flughafens sinnvoll ist dann von Süden.

Die letzten Kilometer werden wieder einmal eine Wettfahrt mit dem einsetzenden Gewitter - als die ersten Tropfen fallen, habe ich aber schon die üblichen Plattenbautensiedlungen am Stadtrand durchquert und bin ziemlich in der Nähe des Flughafens im Vorort "Barca". Im Garten der netten Pension gleichen Namens kann ich den Regen vorerst einmal aussitzen, zum Übernachten ist es mir aber hier zu teuer (Hallenschwimmbad und Frühstücksbuffet kann ich gar nicht ausnützen).

Für ein paar Minuten fallen sogar kleine Hagelkörner, dann scheint vorerst wieder die Sonne und ich kann zum umweit gelegenen Campingplatz aufbrechen, der laut meinem Verzeichnis auch Übernachtungsmöglichkeit ohne Zelt bietet. Selbiger ist zwar mit dem Rad umständlich zu erreichen - er liegt neben einer zweispurigen autobahnähnlichen Schnellstraße und ist nur von der anderen Fahrbahn direkt anzufahren - es gibt aber wohlfeile Miethütten und die Möglichkeit, auch früh am morgen das Gelände zu verlassen (die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt).

Während ich dusche, regnet es mal wieder und dann fahre ich noch mit der Straßenbahn (Tickets gibt's bei der Rezeption) ins Zentrum vom Kosice und bummle ein bisschen durch die Fußgängerzone, schaue im Internet nach Neuigkeiten und beschließe den Tag mit einem Abendessen im Restaurant des Campingplatzes. Was Kosice betrifft - man lasse sich nicht durch die Plattenbauten am Stadtrand abschrecken - ein Besuch der Innenstadt lohnt sich.

KOSICE - Flug nach BRATISLAVA - WIEN

Es ist gerade mal hell geworden, als ich zu dem fast in Sichtweite des Campingplatzes gelegenen Flughafens aufbreche - auf den Schnellstraßen dorthin ist zwar noch kein Verkehr, aber man fährt gehörige Umwege, vor allem weil ein direktes Linksabbiegen von der Fahrbahn Richtung ungarische Grenze nicht möglich ist, weil zwischen den Fahrbahnen noch die Straßenbahntrasse angelegt ist - so muss man bis zur nächsten Ausfahrt, dort unter der Schnellstraße durch und auf der anderen Fahrbahn wieder Richtung Kosice zurück - den modernen Flughafen, der vielleicht Luftlinie 2 km vom Campingplatz entfernt ist, erreicht man so erst nach knappen 10 Straßenkilometern.

Das Rad am Flughafen für den Transfer zu präparieren, habe ich schon oft genug geübt und ist auch in ein paar Minuten erledigt - wie immer: Sandalen auf die STI´s, zerschnittene Plastikwasserflasche als Schaltungsschutz und alles mit Klebeband fixiert, Lenker schräg gestellt und Sattel rein, Pedale bleiben gleich drauf und auch die Luft wird nicht aus den Reifen gelassen (hat niemanden gestört). Das 20 kg - Gewichtslimit schaffe ich locker, weil eine Packtasche (mit der Lenkertasche drinnen) diesmal als Handgepäck fungiert.

Während des Morgenkaffees an der Bar kann ich auch, weil die (einzige) Maschine am Rollfeld in Sichtweite liegt, das Einladen meines Rades beobachten - es wird sorgsam damit umgegangen.

Kaum hat die Maschine den Steigflug beendet, ist sie auch schon im Landeanflug auf Bratislava - das Gepäck wird gar nicht erst zu den Schaltern in Gebäude gebracht, sondern gleich bei einem (sonst nur dem Flughafenpersonal vorbehaltenen) direkten Ausgang vom Rollfeld zum Parkplatz übergeben - das Rad hat den Flug unbeschädigt überstanden. Am Parkplatz wird es noch schnell fahrfertig gemacht und dann stürze ich mich gleich in den Morgenverkehr der Hauptstadt.

Im Zentrum gibt es mit den letzten Kronen noch ein ausgiebiges Frühstück - der Rest in schon öfters gefahrene Routine: über den Radweg unter der westlich gelegenen (Autobahn)brücke zur Grenze, dort auf der Landstraße bis nach Hainburg (der Radweg ist mit in diesem Stück zu verwinkelt), noch einmal über die Donau und dann den (teilweise unasphaltierten) Donauradweg bis nach Wien.