Rad - Reisebericht SO-Asien


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

KARTE
1. Tag
Bangkok - Chechoengsao
97 km, 54 hm
2. Tag
Chechoengsao - Khao Yai Nationalpark
137 km, 1.020 hm
3. Tag
Khao Yai Nationalpark - Sa Kaeo
130 km, 265 hm
4. Tag
Sa Kaeo - Sisophon
107 km, 67 hm
5. Tag
Sisophon - Siem Reap
107 km, 51 hm

6. Tag

Siem Reap
 
7. Tag
Siem Reap - Kracheh
 
8. Tag
Kracheh - Stoang Treng
141 km, 280 hm
9. Tag
Stoang Treng - Muang Khong
101 km, 140 hm
10. Tag
Muang Khong - Pakxe (mit Umweg über Vat Phou)
175 km, 300 hm
11. Tag
Pakxe - Savannakhet
57 km, 130 hm
12. Tag
Savannakhet - Thakhek
135 km, 411 hm
13. Tag
Thakhek - Vientiane
 
14. Tag
Vientiane - Van Vieng
158 km, 600 hm
15. Tag
Van Vieng - Phouangkahm
100 km, 1.818 hm

16. Tag

Phouangkahm - Louangphrabang
130 km, 1.912 hm
17. + 18. Tag
Louangphrabang - Pak Beng - Houay Xai
 
19. Tag
Houay Xai (Laotisch/Thailändische Grenze) - Fang
173 km, 1.270 hm
20. Tag
Fang - Chiang Dao über die Straßen 1248/1340/1178
115 km, 2.000 hm
21. Tag
Chiang Dao - Chiang Mai über Phrao
147 km, 1.000 hm
22. Tag
Chiang Mai - Fahrt nach Lampang
104 km
23. Tag
Chiang Mai - Doi Pui - Chiang Mai
104 km, 1.320 hm

 

B e s c h r e i b u n g   d e r    T a g e s e t a p p e n :


BANGKOK - CHECHOENGSAO

Der Flug von München mit Umsteigen in Düsseldorf nach Bangkok war wie erwartet langweilig und mühsam (geschlafen haben wir auch kaum) – immerhin sind die Räder und die Taschen vollständig und unbeschädigt angekommen. Während des Radzusammenbauens komme ich gleich mit zwei uniformierten Flughafenmitarbeitern ins Gespräch, die unsere beabsichtigte Tour zu einem Griff auf meine Beinmuskulatur und der Bemerkung „Strong man“ veranlasst.

Am WC noch schnell die Radkleidung angezogen und Sonnencreme aufgetragen, bei einem der zahlreichen Bankschalter auf der unteren Ebene des hypermodernen, gerade erst fertig gestellten Flughafens Geld gewechselt und dann bekommen die „Strong men“ gleich nach dem Verlassen des klimatisierten Gebäudes einen Eindruck, was uns klimatisch die nächsten Wochen so erwartet.

Da wir noch heute, Freitag bei der laotischen Botschaft ein Einreisevisum beantragten wollen, müssen wir ein Stück nach Bangkok hinein (glücklicherweise liegt die Botschaft im Osten der Stadt, nur knapp 20 km vom Flughafen entfernt). Die Aufgabe, selbige mit dem Rad zu erreichen, ist aber schwer genug – wir finden uns im Autobahn- und Schnellstraßen-wirrwarr wieder und versuchen mittels Michls GPS halbwegs auf legalen und befahrbaren Wegen Richtung Stadt zu gelangen.

Meist wird die dreispurige Autobahn von einer Nebenfahrbahn begleitet, die auch vielen anderen motorisierten Zweiradfahrern genutzt wird – bei großen Kreuzungen biegt sie leider öfter irgendwohin ab, sodass wir mehrmals die bepackten Räder über Leitschienen wuchten oder über Abflussgräben tragen müssen um halbwegs auf Kurs zu bleiben. Besonders schweißtreibend ist das Hoch- und Runtertragen der Räder auf eine Fußgängerbrücke, die sich über die Autobahn spannt – das GPS leitet uns nachher durch kleine Gassen zu einem Kanal, der auf wackeliger Holzbrücke überquert werden muss. Vorbei an Abfallhaufen, Elends- und Neubauquartieren erreichen wir wieder eine größere Hauptstraße, die uns zu einer der Universitäten führt und nach ein paar mal Fragen stehen wir endlich vor der laotischen Botschaft.

Fein, dass es nebenan ein Lebensmittelgeschäft und ein paar Garküchen gibt – als Bürokrat von Beruf übernehme ich den bürokratischen Teil, sprich die Einreichung der Visa, Michl prüft einstweilen das Essensangebot. Überraschend einfach und unkompliziert gestaltet sich die Visa-Angelegenheit, in zwei Stunden kann ich die Pässe schon wieder abholen – die Zeit bis dahin werden wir mit der Einnahme der ersten thailändischen Mahlzeit überbrücken.

Mal sehen, was Küche (Keller gibt es nicht bzw. beziehen wir die Getränke vom nebenliegenden Supermarkt) so bietet. Mehrer Stände scheinen miteinander zu konkurrieren – in Töpfen scheint schon was vorbereitet zu sein, die meisten Gerichte werden aber auf Bestellung im Wok zubereitet, Englisch spricht natürlich keiner. Nach Blick auf das Gericht eines Essenden beschließe ich, das ich das auch haben will und ordere per Zeichensprache das, was der Typ hier isst – Michl schließt sich mir an. Daneben gibt’s offenbar noch gefüllte Bananenblätter, die da in der Sonne vor sich hingammeln – her damit.

So gerüstet machen wir es uns auf den Plastiksesseln bequem und löffeln unsere per Einlage von allem Möglichen verdickte Suppe – nun gut, scharf ist sie, wird schon gesund sein. Als weniger Gesund wird der Inhalt der Bananenblätter beurteilt – da befindet sich nämlich offenbar rohes Faschiertes drinnen – übereinstimmend kommen wir zu dem Schluss, dass wir das bei Gelegenheit sozial verträglich der durchaus vorhandenen städtischen Tierwelt Bangkoks zur Verfügung stellen werden.

Noch ein Vitaminstoß mittels eines frisch gepresst (gewesenen) Orangensaftes, der in Plastikflasche verkauft wird und dann verlieren die Standler zwei gute Kunden – die Visa müssten nämlich fertig sein.


Sind sie auch und wir sind gleich wieder am Rad, es ist erst Nachmittag und wir wollen noch aus der Stadt rauskommen. Der Einfachkeit halber wählen wir im Prinzip den gleichen Weg wie bei der Herfahrt, natürlich mit den gleichen Schwierigkeiten – unsere Nebenfahrbahn biegt ab und beschert uns einen kräftigen Umweg, bis wir wieder halbwegs in Flughafennähe sind. Obwohl dieser offiziell 20 km außerhalb der Stadt liegt, radeln wir im dicht verbauten Gebiet – erst nach weiteren 20 km können wir endlich so etwas wie ländliche Umgebung registrieren. Die Straße ist recht stark befahren, hat aber meistens einen breiten Seitenstreifen und das Radeln geht gar nicht so schlecht – Aufmerksamkeit ist halt immer gefragt, die motorisierten Zweiräder können durchaus auch auf unserem Streifen entgegenkommen.

Sehr attraktiv ist die Landschaft hier nicht, aber nach recht flotter Fahrt erreichen wir die Vororte von Chechoengsao – das Städtchen haben wir zu unserem ersten Übernachtungsort auserkoren – es ist nach 18 Uhr und es wird langsam dämmrig. So klein wie auf der Karte eingezeichnet ist der Ort gar nicht und alle Aufschriften sind nur in Thai – also nach einem Hotel fragen – 2 km in östlicher Richtung soll sich eines befinden. Wir fahren entlang der überall gleich aussehenden Hauptstraße mit Garküchen, Zweiradreparaturgeschäften, sonstigen Gewerbebetrieben – nach Hotel schaut es hier nicht aus, also noch einmal fragen. Da hinten ist das Hotel, wir sind gerade daran vorbei gefahren. Da steht doch nur eine Autowerkstatt mit Obergeschoss (das soll das Hotel sein?) Ist es nicht, dahinter ist die Einfahrt zu einem Motel (so würde ich es bezeichnen) – ohne Hilfe hätten wir das nie gefunden.

Zimmer ist ok, Fernseher gibt es auch – und der wird von dem Rezeptionisten auch gleich in Betrieb genommen und so lange die Fernbedienung betätigt, bis ein Hardcore-Porno auf dem Bildschirm erscheint – mit breitem Grinsen wird mir die Fernbedienung überreicht. Mir gelüstet aber weniger auf Porno als auf Abendessen, auch das gibt es und wird ins Zimmer geliefert. Zusammen mit „Chang“ Bier aus der Minibar und der voll aufgedrehten Klimaanlage machen wir es uns halbwegs gemütlich und ich schlafe hundemüde sofort ein.

Letztendlich waren es 97 km mit aufregenden 54 Höhenmetern...

 

 

 

 

 

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CHECHOENGSAO - KHAO YAI Nationalpark


Dank völliger Abdunkelung und der Klimaanlage sind wir schon früh am morgen bestens ausgeschlafen, es gilt nur das Frühstücksproblem zu lösen. Ich habe noch etwas Müsli aus Wien mitgenommen, mit am Vorabend gekaufter joghurtähnlicher Substanz schmeckt es (im Gegensatz den dem im Motel erstandenen Kaffee) erträglich – ein zweiter Durchgang erfolgt dann beim erstbesten Laden – der Inhaber ist über die überraschende Umsatzsteigerung höchst erfreut und wir laben uns eifrig an Eiskaffee und verschiedenen Keksen.

Dann geht es durch Checheouengsao zurück auf die Straße Nr. 319, die uns Richtung Norden zu einem „National Park“ führen soll – der Name kling gut und die Landschaft dort könnte eine Entschädigung für die recht öde Strecke nach Kambodscha sein.

Heute ist es wieder heiß und ziemlich windig – die unaufregende Strecke schlägt einige Haken (daher wechselnde Windverhältnisse) aber meistens lässt sich auf dem breiten Seitenstreifen gut fahren.

Nach 76 km die Kleinstadt Prachnburi erreicht und ich bestehe auf eine Stärkung – wer weiß, wann sich die nächste Essensgelegenheit bietet. Großzügigerweise überlasse ich Michl die Lokalauswahl – auf der Hauptstraße gibt es eine Menge Straßenstände bzw. kleine Restaurants.

Getränke bestellen geht noch, für die Essensbestellung sollte der kleine Sprachführer im Reiseführer behilflich sein – trotz dem Bemühen um möglichst thailändische Aussprache ernten unsere Laute nur Verwunderung. Also bestelle ich mal wieder das, was am Nebentisch gegessen wird – konkret eine rosefärbige Suppe mit allerlei undefinierbaren Einlagen – gegessen wird, was auf den Tisch kommt (und gleich noch die Einlagen aus Michls Suppe dazu, der unbekannten Suppeneinlagen nicht so aufgeschlossen gegenüber steht wie ich...).


Nun gut, die Kalorien werden eine zeitlang reichen. Je weiter nach Norden, desto netter wird die Strecke, am Horizont zeigen sich schon die ersten Hügel. Kurz vor der Kreuzung mit der Hauptstraße Nr. 33 geht es an einem auffallend gut sortierten Radgeschäft, das auch Rennräder im Programm hat, vorbei – das hätten wir später noch gebraucht.

Wir radeln weiter recht flott über die ersten kleinen Geländeerhebungen, Verkehr gibt es hier am Rande des Nationalparks kaum mehr, bei der Einfahrt muss einmal Eintritt bezahlt werden, dann fangen die ersten ernsthaften Steigungen an und bisher unbenutzte Kettenblätter kommen ins Spiel.

Wir machen an einem Aussichtspunkt kurz halt – viel Aussicht gibt’s hier nicht, es ist einfach viel zu diesig. Nach 108 km dann ein großer Parkplatz am Beginn eines ausgeschilderten Weges zum „Haew Narok Wasserfall“. Wir lassen die Räder in der Obhut der dort zahlreich herumstehenden Parkwächter und gehen den 1,5 km langen Weg, zuletzt über steile Stufen, bis zum jetzt ziemlich wasserlosen Wasserfall – in der Regenzeit sicherlich imposanter. Dafür bietet der Urwald rings herum eine interessante Geräuschkulisse – die den Lärm erzeugenden Viecher tun gut daran, im Wald zu bleiben, sonst landen sie eh nur im Kochtopf.

Der Spaziergang kostet doch einige Zeit und so sind wir in punkto Übernachtungsquartier schon etwas im Stress, der noch durch meine erste Reifenpanne verschärft wird. Irgendwann sollte nach dem Reiseführer eine Übernachtungsmöglichkeit kommen – da es bald dämmrig werden wird und gerade noch Zeit zur Umkehr ist, wäre eine genauere Nachfrage eine gute Lösung. Viel befahren ist die Straße nicht, aber alle Kilometer parkt mal ein Auto am Straßenrand oder wir rufen vorbeifahrenden Autos nach.

Die Qualität der so erhaltenen Auskünfte ist allerdings stark schwankend und die Bandbreite erstreckt sich von 5 km bis 25 km – weiterfahren oder umkehren? Wir entscheiden uns für Weiterfahren und erreichen mit der einsetzenden Dämmerung das Zentrum des Khao Yai Nationalparks, hier soll es auch die Übernachtungsquartiere geben – leider alle belegt, es ist Weekend.

Nach einigen Herumsuchen findet sich dann aber doch noch eine akzeptable Nächtigungsmöglichkeit – das „Lam Ta Kong Camp“ vermietet Zelte + Unterlegmatten + Schlafsäcke, nach dem Zeltaufbau bekommen wir gerade vor Geschäftschluss noch ein Reisgericht zum Abendessen. Am Campingplatz geht es lustig zu und er ist mit Familien und Jugendgruppen gut belegt. Nach meinem Geschmack wirkt die Wildnis hier etwas zu gekünstelt umgestaltet, aber die vielen einheimischen Besucher können wohl nicht irren.

Vor dem Einschlafen erhalten wir noch Besuch von einem interessanten Tier – als Nicht-Zoologe würde ich es als Mischung von Kalb und Reh einstufen.

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KHAO YAI Nationalpark - SA KAEO


Also zumindest ich habe gut geschlafen... Nach der kurzen Morgentoilette im Waschraum und nach Abbau und Rückgabe des Zelts versuchen wir das allmorgendliche Frühstücksproblem zu lösen. Die Reissuppe im Campingplatz-Buffet dampft schon und wird auch eifrig gekauft. Wir halten uns da lieber an diverse Schnitten und Kekse – leider ist auch der zwar mit einer Espressomaschine frisch zubereitete, aber mit überzuckerter Kondensmilch veredelte käuflich zu erwerbende Kaffee nicht nach unserem Geschmack – also wieder einmal Eiskaffee aus der Dose.

Richtung Grenze müssen wir das Stück durch den Nationalpark wieder zurückfahren. Besonders jetzt am Morgen hat es durchaus angenehme Temperaturen hier in den Hügeln – im Tiefland wird das wieder anders werden.

Gleich bei der ersten Abfahrt dann ein lauter Knall an meinem Hinterrad – nicht nur der Schlauch ist geplatzt, auch der Mantel meines neu montierten Vittoria Randonneurs-Reifen ist seitlich aufgerissen – nach meinen Erfahrungen im Vorjahr in Russland haben wir dieses Fabrikat als unkaputtbar und für diese Reise besonders geeignet gehalten. Wieder mal neuen Schlauch rein und den Reifen von innen mit dickem Klebeband geflickt – mal sehen, ob man ihn so weiterverwenden kann.

Doch schon beim nächsten Halt beim gestern besuchten Wasserfall (dort gibt es nämlich Fließwasser zum Händewaschen) muss ich einsehen, dass ich mit diesem Reifen nicht mehr weit kommen werde – der Schlauch wölbt sich schon ziemlich nach außen, bei rechtszeitigem Reifenwechsel kann ich wenigstens ihn retten.

Meine Reifenwechselaktion (der Vorderreifen wandert nach hinten, vorne wird unser einzig mitgeführter Ersatzreifen, ein Hutchinson, montiert) bietet den wieder zahlreich herumlungernden Parkwächtern ein überraschendes Morgenprogramm. Der fast neue, aber defekte Reifen wandert in die Mülltonne und wir radeln in der Hoffnung davon, noch in Thailand einen Ersatzmantel aufstellen zu können.

Es geht flott bergab, auf der Straße liegen aber verdächtig große Dunghaufen, die umfahren werden sollten. Offenbar wird ausgerechnet das dünne Asphaltband von den hier noch lebenden Wildtieren als Toilette benutzt. Jedes Gefällstück und jede noch so weite Kurve ist mit Warntafel (use slow gear“ „sharp curve“) gekennzeichnet – in den Alpen würden den Straßenerhaltern bald entweder die Tafeln (oder das Geld) ausgehen. Da Sonntag ist, kommen uns ganze Horden von Radlern entgegen, so manche mit Langarmtrikot oder langer Hose – und das obwohl die Temperatur die 30 Grad-Grenze bald wieder überschritten hat.

Gleich nachdem wir den Nationalpark wieder verlassen haben, findet sich eine sehr angenehm zu fahrende Nebenstraße in östliche Richtung, die erst 20 km vor Prachantakham in die Hauptstraße mündet. Selbige hat durchgehend einen breiten Seitenstreifen, Sonntags hält sich der Verkehr auch in angenehmen Grenzen, auf jedem der zahlreichen Fußballplätze neben der Straße wird heute gespielt. Prachantakham (60 km) bietet zwar mehrere Radgeschäfte, ein Reifen in der bei uns gebräuchlichen Rennrad-Dimension ist aber nicht erhältlich – ich tröste mich in der danebenliegenden Konditorei, die durchaus brauchbare Mehlspeisen serviert.

Schon 30 km weiter die nächste größere Stadt Kabin Buri – mittlerweile ist es wieder verdammt heiß (über 40 Grad). Wir haben es nicht allzu eilig, weil wir eh erst morgen über die Grenze fahren können und so leitet uns Michls Garmin zu einem angenehmen Restaurant am Ufer eines kleinen Sees, in dem sich Unmengen von großen Welsen tummeln - passenderweise entscheide ich mich für ein Gericht mit Fisch. Dank der englischen Speisekarte gibt es hier zur Abwechselung einmal kein Verständigungsproblem.

Gut gesättigt geht es bei leichtem Gegenwind und großer Hitze weiter gen Osten, die Landschaft ist wieder deutlich unattraktiver geworden und wir beschließen, die heutige Etappe in Sa Kaeo enden zu lassen – von hier sind es genau zwei halbwegs gemütliche Tagesfahrten bis Siem Reap, dem nächsten Fixpunkt unserer Reise.

Sa Kaeo ist als Ort genauso öde wie alle bisher gesehenen, aber es beherbergt das etwas abseits der Hauptstraße liegende sehr schöne und preiswerte „Tippura“ Hotel. Da wir schon mitten am Nachmittag ankommen, bleibt noch Zeit für einen kleinen Stadtspaziergang – Sehenswürdigkeiten sind allerdings rar, aber ich lasse mir zu wohlfeilem Preis die Haare schneiden. Da der Frisör seinen Job sehr genau nimmt, ist das allerdings eine fast abendfüllende Aktion – für die zwei Herren vor mir braucht er ewig und auch bei mir wird jedes Haar einzeln betreut.



Da keine richtige Touristengegend hier sind auch klassische Restaurants für uns Falangs unauffindbar und so landen wir zwecks Abendessen bei einer Garküche am Straßenrand – der klassische Familienbetrieb. Mutter nimmt die Bestellungen auf, Vater kocht, Sohn serviert und Tochter räumt ab. Nach der kräftigen Unterstützung des örtlichen Kleingewerbes trinken wir noch im Hotel ein kühles „Chang“-Bier und ziehen uns dann in unser schönes und geschmackvoll eingerichtetes Zimmer zurück.

 

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SA KAEO - SISOPHON


Auf nach Kambodscha! Nach dem bescheidenen Frühstück die schon gewohnt routinierten Handlungen: zuerst Sonnencreme, dann Nobite auf die geplagte Haut auftragen, Taschen packen, Trinkflaschen füllen und weiter gen Osten. Die 57 km bis zur thailändischen Grenzstadt Aranyaprathet sind gänzlich flach, der leichte Gegenwind bleibt uns erhalten.

Trotzdem machen wir flott die Kilometer auch in der Hoffnung, dort noch einen Ersatzmantel zu bekommen, immerhin ist Aranyaprathet laut Karte der größte Ort in der Gegend. Es geht zwar sehr geschäftig zu und auch ein halbwegs gut sortiertes Radgeschäft wird gefunden, aber Reifen gibt es keinen zu kaufen. Zum Trost verzehre ich zum zweiten Frühstück einen grünen Kuchen in einer der Konditoreien. Noch die Flaschen mit frischen Wasser gefüllt und dann ab zur Grenze – auf der Straße dorthin ist zwar wenig Auto-, aber viel Zweiradverkehr. Eine eigenartige und ziemlich hektische Atmosphäre hier – in dem Gewirr von parkenden Lastwagen, Markt- und sonstigen Verkaufsständen ist die Grenze gar nicht so leicht zu finden.

Und wir geraten prompt in die Hände von thailändischen Schleppern, die das Visa für Kambodscha ausstellen und für ihre Dienste 100 Baht verlangen. Letztendlich war es das aber doch wert – wir sitzen im Schatten, haben die Räder im Blick und müssen uns nirgendwo mehr anstellen.

Jetzt geht es zur thailändischen Ausreise – die bepackten Räder kommen durch die engen Metallgitter, die zum Fußgänger-Schalter führen, gar nicht durch und so bleibt einer beim Rad, der andere holt den Stempel. Das gleiche umgekehrt und dann verlassen wir Thailand und schieben die Räder die paar Meter zur kambodschanischen Grenzstation, wo wir freundlich empfangen werden. Im Reiseführer wird vor Diebstählen an diesem Übergang gewarnt, aber wir lassen die Räder in der Obhut eines – seinen Streifen am Hemd nach zu schließenden – höherrangigen Zöllners und holen uns im Gebäude den Einreisestempel. Der Grenzübertritt gestaltete sich letztendlich einfacher und viel schneller als erwartet.

Das erste, war wir im Kambodscha registrieren können sind Unmengen von Staub, der ganze megahässliche Grenzort Poipet ist trotz asphaltierter Hauptstraße eine einzige Staubwüste und eine seltsam anmutende Mixtur aus Kasinos, Läden und Werkstätten. Da sich das ganze Geschäftsleben entlang der hektischen Hauptstraße konzentriert, ist beim Radeln höchste Vorsicht angebracht – immerhin fahren wir hier aber wieder auf der gewohnten rechten Fahrbahnseite. Die Bebauung entlang der Hauptstraße zieht sich noch einige Kilometer hin, dafür ist die Straße super asphaltiert und hat auch wieder einen breiten Seitenstreifen, wir kommen weiterhin flott voran.

Alle paar Meter kleine Straßenstände, die in Plastikflaschen abgefülltes Benzin verkaufen – Tankstellen sind rar bzw. werden gerade erst gebaut. Auch hier ist es neben der Straße vollkommen flach, hie und da ein paar Wasserläufe. Erst kurz vor Sisophon dann die ersten Hügel und schon sind wir in der Stadt – ein staubiges, unattraktives Kaff. Hier werden wir aber übernachten, da nicht anzunehmen ist, dass sich bis Siem Reap noch Übernachtungsmöglichkeiten an der Straße bieten werden (wir sollten mit dieser Einschätzung recht behalten).

Auf einem größeren Platz stehen ein paar Tempel und gleich daneben gibt es das imposante Gebäude einer Bank mit zwei uniformierten Wächtern davor – nur hat die Bank nicht geöffnet. Nach einigem Suchen landen wir dann bei einer Geschäftsfrau, die uns zu korrektem Kurs Dollar gegen Riel wechselt. Ein für diesen Ort schönes Hotel findet sich direkt an der Kreuzung mit der Straße Nr. 5 – hier wird sogar Wäscheservice geboten, von dem machen wir sofort Gebrauch. Ich hoffe nur, dass meine Erklärungen, die Sportwäsche nur mit 40 Grad zu waschen und nicht zu schleudern, auch fruchtbaren Boden fallen (hat aber geklappt, Schleudern müssen die hier eh nicht weil bei der Hitze alles in Rekordzeit trocknet).

Abseits der zwei asphaltierten Straßen würden sich für den Stadtspaziergang Bergschuhe empfehlen – mit meinen Gummischlapfen stapfe ich vorsichtig über umgefallene Randsteine, durch Schlaglöcher und passe auf fehlende Kanaldeckel auf, der allgegenwärtige Staub ist mir aus Marokko im Vorjahr nicht unbekannt.

Nach einem akzeptablen Abendessen wandern wir bei fast völliger Dunkelheit (die aus Thailand gewohnte üppige Straßenbeleuchtung fehlt hier) in unser Hotel und genießen die durch die air-condition erzeugte Kühle im Zimmer.

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SISOPHON - SIEM REAP


Soll noch einer sagen, dass der Kolonialismus nicht auch seine guten Seiten hatte – die paar Jahrzehnte unter französischer Herrschaft haben ausgereicht, in Kambodscha ein paar Spuren französischer Lebensart z.B. in Form von Baguette zu hinterlassen, damit ist mein Frühstücksproblem zwar nicht gelöst, aber deutlich gemildert. Wird wieder schweineheiß werden heute, aber die 100 km bis Siem Reap schaffen wird schon.

Trotz unseres frühen Aufbruchs ist die frische Radwäsche schon nach wenigen Kilometern wieder durchgeschwitzt. An der Grenze hat man uns vor dem kommenden Straßenstück gewarnt, aber vorläufig ist alles bestens – es geht schnurgerade dahin und noch ist es windstill. Die Landschaft ist etwas eintönig, Felder rechts und links, zwischendurch ein paar armselige Hütten entlang der Straße.

Wenigstens ist die Getränke- bzw. Wasserversorgung überhaupt kein Problem und zum Unterschied von Marokko gibt es Flüssigkeit gekühlt, angesichts der Hitze angenehm. Ich halte kurz, um eine Tempelanlage mit orange gekleideten Mönchen zu fotografieren und habe ganz schön zu tun, um Michl wieder einzuholen. Ziemlich auf halber Strecke zweigt die auf unserer Karte gelb eingezeichnete Straße Nr. 69 Richtung Norden zur thailändischen Grenze ab – ein kurzer Blick nach links genügt, um festzustellen, dass diese Straße - wenn überhaupt - nur mit MTB befahren werden könnte.


Ein solches würden wir für die kommenden sehr staubigen Strecke auch brauchen – Baustelle mit Planierungs- und Asphaltierungsarbeiten – offenbar das Stück, vor dem man uns gewarnt hat. Ich habe schon nach 2 km die eine Reifenpanne, glücklicherweise beherbergt die Hütte auf der anderen Straßenseite auch einen der zahlreichen Schlauchreparatur-Betriebe.

Hier perfekte Arbeitsteilung – Frau sucht Loch im Schlauch, Mann flickt. Aber es kommt noch schlimmer: um die Staubbelastung zu vermindern, wird die noch nicht asphaltierte Fahrbahn bewässert. Wir merken das zu spät und schon nach ein paar Metern ist der Reifen mit rotem zähen Schlamm voll – bei Michls Rennrad ist wegen der engen Bremse gleich der ganze Antrieb blockiert.

Also ist eine aufwendige Reinigung angesagt. Mit Wasserwagen ist es schlecht, ohne auch – die wenigen vorbeifahrenden Autos verursachen eine tolle Staubwolke, sodass wir uns die Buffs über den Mund ziehen müssen und fortan gegen ein eventuelles Vermummungsverbot verstoßen. Und die Baustelle nimmt kein Ende – erst 40 lange heiße und staubige Kilometer später – wir sind schon kurz vor unserem Tagesziel – rollen wir wieder auf Asphalt.

Sofort zum nächsten Straßenstand und den Staub in der Kehle runterspülen. Die freundlichen Leute dort geben mir gleich eine Handvoll Schnecken, die samt ihrem Haus am Grill angeröstet werden. Schmecken ganz unfranzösisch-scharf, kein Wunder, Chilli-Schoten werden gleich mitgebraten. Während ich mit den Schnecken beschäftigt bin, verzieht sich Michl auffällig unauffällig und fummelt in Respektabstand an seinem Rad herum – was ist, heute keine Lust auf Schnecken zwischendurch?

Wir haben schon die Vororte von Siem Reap erreicht – die ersten Guesthouse-Tafeln stehen schon am Straßenrand, bald tauchen Unmengen von neu gebauten (Luxus)Hotels auf – aber es kommt noch besser: etwas zurückversetzt entdecke ich ein italienisches Cafe mit allem was das Herz begeht: Cappuccino, Caffee Latte, Sandwiches, Mehlspeisen, Eisbecher – herrlich. Zwar zu Preisen fast wie bei uns, aber nach einer solche mühsamen Fahrt haben wir eine Belohnung verdient.

Für die Übernachtung checken wir im (seltsamerweise im Reiseführer empfohlenen, weil soo toll ist es wirklich nicht) „Ankor Thom Hotel“ ein – weiteres Suchen war uns zu mühsam, immerhin gibt es freien Internet-Zugang (auch wenn von den drei PC´s nur einer funktioniert).

Und endlich kein Reis zum Abendessen – „Happy Herbs Pizza“ bietet alles, was das Radlerherz begehrt. Und gleich neben dem Hotel ist ein richtiger Supermarkt, der sogar Müsli (!!!) anbietet – beste Aussichten für das morgige Frühstück.

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SIEM REAP


Ganz was Neues – wir erwachen und es regnet – nein, ist eigentlich der falsche Ausdruck, es schüttet in einer kaum je gesehenen Intensität und die ganze Straße ist längst unter Wasser. Die Einheimischen lassen sich davon nicht wirklich beeindrucken und pflügen mit allen motorisierten und nichtmotorisierten Gefährten durch die braunen Pfützen – wir nehmen lieber einmal ein Frühstück in der danebenliegenden Bar ein, bei Fruchtsaft, Cappucchino, Baguettes und Müsli mit frischen Früchten (war aber eher ein Fruchtsalat mit ein paar Getreideflocken obendrauf) lässt sich der Regen gut aushalten.

Noch ist keine wirkliche Wetterbesserung in Sicht und wir beschließen, die beabsichtigte Tempelbesichtigung per Rad ausfallen zu lassen – die Kambodschaner radeln zwar auch (und das mit sicher schlechter gedichteten Naben) aber die meterweit spitzenden braunen Fontänen wirken einfach nicht motivierend, wäre eine ziemliche Sauerei geworden.

So mieten wir für 8 $ den ganzen Tag ein Tuc-tuc und sind (zum Unterschied vom Fahrer) durch das Dach hinten halbwegs vor dem Regen geschützt. Schon bei dem Kassagebäude (Tageskarte kostet 20 $) hört der Niederschlag auf und beim Erreichen der ersten Tempelanlage Angkor Wat kommt sogar wieder die Sonne durch. Das Tuc-tuc wartet brav auf dem großen Parkplatz und wir können uns ganz dem Tempel widmen.

Weiter geht es zur Anlage Angkor Thom und zum Schluss noch zum Tempel Ta Prohm – mit zunehmender Entfernung zur Stadt versiegen auch die Touristenströme.


Die letzte Anlage hat mir am besten gefallen, weil aus den alten Steinen mächtige Bäume wachsen, deren Wurzeln wie Finger das Mauerwerk umklammern. Ich fühle mich wie Lara Croft in Tomb Rider, nur dass letztere bei ihrem Besuch hier nicht von Kinderscharen umgeben war, die unbedingt 10 Ansichtskarten für einen Dollar verkaufen wollen. Der Konkurrenzkampf ist groß, auf einen Touristen kommen jetzt in der Nebensaison locker 3 Kinder, deren Lästigkeitsgrad aber bei weitem unter dem ihrer nordafrikanischen Alterskollegen liegt.

 

Nach einer Stärkung geht es wieder zurück zur Stadt und ich bestehe noch auf einem Zwischenstop im „Army Museum“, das allerdings eher einem Schrottplatz als einem Museum gleicht. Ein Führer – selbst Minenopfer – erklärt uns das in der Tropenluft kollektiv braun angerostete Kriegsgerät (Flugabwehrgeschütze, ein russischer Panzer, amerikanischer Lastwagen etc.) und drückt ausgerechnet mir als Zivildiener eine Kalaschnikov und ein US-Sturmgewehr in die Hand – komische Dinger, gut, dass ich mit dem Krempel nie etwas zu tun hatte. Im in den letzten Jahrzehnten wahrlich nicht vom Glück heimgesuchte Kambodscha findet sich wohl noch allerlei militärische Hinterlassenschaft, nach eigenen Angaben ist unser Führer als Kind auf eine Mine getreten, aber halbwegs gimpflich davongekommen (im fehlen drei Finger und er hinkt wegen Metallsplittern in der Hüfte).

Nach einer freiwilligen Spende (5 $) geht es wieder zurück ins Hotel und wir widmen uns Erfreulicherem – die „Happy Herbs Pizza“ hat uns als Stammgäste gewonnen.

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SIEM REAP - KRACHEH


Der Blick auf die Landkarte verleitet nicht wirklich zum Radeln: bis zum Mekong wären es fast zwei öde Tagesetappen in vollkommen flacher Landschaft – hier werden wir mit dem Bus abkürzen. Am Busbahnhof herrscht reger Betrieb, aber wir brauchen nicht lange warten – Räder werden mit ausgebautem Vorderrad im Gepäckfach verstaut, detto die Taschen und los geht’s. Mit einer kurzen Pause führt uns eine recht flotte Fahrt durch wie erwartet unattraktive Landschaft zur Mekongstadt Kampong Cham, wo wir per Rad zum Hafengebäude radeln – ein Stück flussaufwärts per Linienschiff wäre noch nett. Nach einigen mühseligen Erkundigungen müssen wir registrieren, dass der Linienverkehr eingestellt wurde, der im Hafen liegende Flußdampfer gehört einer Reiseagentur und fährt noch dazu in die andere Richtung nach Phnum Penh.

Ein Schweizer Pärchen, mit dem wir unsere Erfahrungen austauschen, empfehlen das Hotel gleich gegenüber, aber wir würden gerne – wenn wir schon nicht Radeln – wenigstens weiterkommen. Also wieder zur Busstation – und dank der Hilfe eines freundlichen Einheimischen, der uns mit seinem Moped zur anderen Abfahrtsstation geleitet, erwischen wir noch den gerade abfahrenden Mini-Bus nach Kracheh. Wahrscheinlich weil wir Touristenpreise bezahlen, bekommen wir in dem überfüllten Ding die am wenigsten unangenehmen Sitzplätze, die Räder werden (zur Unterhaltung der zahllos Umherstehenden) hinten festgezurrt und ab geht die Fahrt – zumindest bis zur nächsten Tankstelle, weil die Einnahmen der im voraus zu bezahlenden Fahrt gleich dem Spritankauf dienen.

Der Bus nimmt eine Abkürzung über eine zuerst asphaltierte Straße in recht netter Landschaft und bleibt nicht auf der Hauptstraße Nr. 7, die Richtung Vietnam führt. Mit Erreichen des Mekongs beginnt wieder eine kilometerlange Baustelle mit dichten Staubwolken – gut, dass wir hier nicht radeln müssen. Natürlich wird das ganze Auto (keine Ahnung, warum es bei der Tankstelle noch gewaschen wurde) und damit auch unsere Räder hinten so richtig schön eingestaubt, aber wir erreichen Kracheh in der angenehmen Gewissheit, an diesem Tag (wenn auch nicht aus eigener Kraft) ordentlich Kilometer gemacht zu haben.

Der Ort selber ist ein ziemliches Kaff, das Hotel „Oudom“ (15 $ mit Frühstück) aber ganz ok und auch das gleich dort eingenommene Abendessen war in Ordnung.

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KRACHEH - STOENG TRENG


So, jetzt endlich wieder am Rad. Noch eine Palatschinke und ein akzeptabler Cappuchino im französischen Cafe beim Marktplatz und dann ab nach Norden – es geht bis zum letzten größeren Ort in Kambodscha, wo wir noch einmal übernachten werden – die Etappenlänge ist damit vorgegeben.

Wir kommen trotz der wieder aufgekommenen Hitze – es dürfte noch heißer als an den Vortagen sein – ganz gut voran, die Fahrt muss nur immer wieder in kleinen Dörfern unterbrochen werden, um Getränke bzw. Wasser für die Trinkflasche nachzukaufen. Die Straße ist gut, die Landschaft nicht aufregend, aber auch nicht hässlich, trotz der allerorts stattfindenden Brandrodungen.

Und wir treffen den ersten Reiseradler auf der Strecke – ein nur mit Turnhose und Schlapfen (nix SPD-Pedale) fahrender Franzose, der auf seinem Rad auch noch eine Camping-Ausrüstung mitschleppt und schon mehrere Wochen unterwegs ist. Kurzer Erfahrungsaustausch mit meinem bescheidenen Französisch und weiter geht’s.

Verkehr ist kaum, die Straße gut, nur der Wasserverbrauch nähert sich Rekordwerten – wenn ich richtig mitgezählt habe, habe ich an diesem Tag insgesamt an die 15 l getrunken. Kurz vor Stoeng Treng, an der Abzweigung der Straße Nr. 19 nach Vietnam, dann noch eine Rast im Gasthaus direkt an der Kreuzung. Der Inhalt mehrerer Aluminium-Töpfe steht zur Auswahl, nach kurzem Sicht-Check wähle ich irgendetwas aus und es hat sogar halbwegs geschmeckt.

Die restlichen paar Kilometer bis Stoeng Treng sind dann flott absolviert. Ein angenehmes Hotel ist schnell gefunden und wir überbrücken die Zeit bis zum Abendessen im Internet-Cafe bzw. mit einem Stadtspaziergang. In der Hoffnung, dass sich mein Magen an sämtliche hier vorkommenden Keime schon gewöhnt hat, schlürfe ich am Markt zwei Fruchtshakes mit Crash-Eis, schmecken und haben keine Nachwirkungen gehabt.

Und wir finden wieder ein Lokal das uns vor drohenden Reisgerichten zum Abendessen bewahrt – angenehm.

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STOENG TRENG - MUANG KHONG

Auf zur nächsten Grenze – zuerst geht es über die neue, von der VR China erbauten und wohl auch gesponserten Brücke über einen Mekong-Zufluss und dann vollkommen verkehrsfrei durch fast unbesiedeltes Buschland Richtung Laos. Es ist zur Abwechslung mal leicht bewölkt und diesig – wegen der unverändert hohen Luftfeuchtigkeit ist das Fahren nur um Nuancen angenehmer als am Vortag.

Rechts und links der Straße ist wenig Grün, dafür viel Braun zu sehen, auch hier wurden ganze Waldstücke und Felder niedergebrannt. Die 58 km bis zur Grenze werden wieder recht flott hinter uns gebracht, um die letzten Riel noch Wasser gekauft und dann geht es zur Grenzabfertigung auf dem neu eröffneten Straßenübergang (bisher musste die Grenze per Schiff am Mekong passiert werden).
Im Reiseführer konnte ich schon lesen, was jetzt kommt – der Zöllner bittet mich in seine Bude und verlangt diskret einen Dollar für den Ausreisestempel. Würde ich nicht weiterkommen wollen, hätte ich gute Lust, hier und jetzt aus Prinzip einen Aufstand zu machen und nach seinem Vorgesetzten zu verlangen, aber so kriegt er seine zwei Dollar für die Privatkasse und nach einer Minute sind wir schon im Niemandsland.

Dreihundert Meter weiter das noch weniger repräsentative laotische Zollgebäude – eigentlich eine Bretterbude, wie sie in Wien am Christkindl-Markt zu finden ist. Ein ganz dünner Schranken versperrt die Straße. Die Grenzstation ist mit Hammer und Sichel-Fahne geschmückt und sichtlich ein Familienbetrieb, alles mögliche Viehzeug rennt herum, Kinder spielen und der Zöllner wirkt nur mäßig motiviert.

Auch hier kostet der Stempel je einen Dollar – die Betragshöhe ist gut gewählt. Den westlichen Reisenden tut sie nicht wirklich weh – beschweren wird man sich (siehe oben) deshalb kaum - aber mit ein paar Touristen am Tag hat man hier schon ein Nebeneinkommen, dass die regelmäßige Entlohnung mit ziemlicher Sicherheit übertrifft.

Nach dem flotten Grenzübertritt radeln wir auf guter, weiter verkehrsfreier Straße bis zur Abzweigung einer kurzen Stichstraße zu den Mekong-Wasserfällen. Wir haben noch keine Landeswährung und müssen den Eintritt in Dollar bezahlen – die Investition lohnt sich aber, trotz Trockenzeit bieten die Wasserfälle in beeindruckendes Naturschauspiel (71 km bis hierher). Es gibt jede Menge Restaurants, Imbisse und sonstige Stände hier aber nur wenige Touristen.
Nach der ersten laotischen Mahlzeit, die sich von den kambodschanischen nicht wirklich unterscheidet, radeln wir noch bis zur Fähre auf die Mekong-Insel Don Khong. Der Besuch dieser Flusslandschaft mit ihren angeblich 4000 Inseln wurde uns schon von dem französischen Radkollegen empfohlen. Nach kurzer preisgünstiger Fährfahrt erreichen wir die schöne grüne Insel und finden im Hauptort Muang Khong auch gleich ein sehr nettes Quartier.

Da wir uns noch nicht wirklich ausgelastet fühlen, wird die Insel noch per (gepäcklosem) Rad umrundet, während unsere gebrauchte Radwäsche gereinigt wird. Entgegen den Angaben im Reiseführer ist die Rundstraße mittlerweile vollständig asphaltiert und auf der Westseite machen wir noch einen kurzen Halt beim „Vat Phou Khoo Keo“ Tempel – nicht aufregend, aber recht schön oberhalb vom Mekong gelegen. In Muang Sen dann ein weiterer Halt für einen Zuckerrohrsaft mit Crash-Eis von einem der vielen Straßenstände, wird einem zwar samt Strohhalm in einem Plastiksack überreicht, schmeckt aber ganz gut.

Die Runde um die Insel ist landschaftlich recht nett und 41 km lang.

Beim Abendessen auf der Terrasse direkt am Mekong lohnt sich dann erstmals unsere alltägliche Nobite-Prozedur – hier gibt es Gelsen, wenn auch bei weitem nicht in den Mengen, wie ich sie im Vorjahr in Karelien erlebt habe.

 

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MUANG KHONG - PAKXE

Da die Fähre direkt von Muang Khong weg das Doppelte des gestrigen Fährpreises kostet, radeln wir die 3 km zurück und setzen wieder mit der großen Fähre von gestern über. Ist zwar ein kleiner Umweg, aber wir radeln mit dem befriedigenden Gefühl, nicht allzu sehr abgezockt worden zu sein.

Durch eine ganz nette, recht grüne Landschaft geht es weiter nach Norden. Asphalt gut, Räder laufen auch gut, Verkehr kaum vorhanden, Wind gar nicht vorhanden – eigentlich bahnt sich ein netter Radtag an, wäre es nicht wieder so verdammt heiß. Die regelmäßige Versorgung mit Trinkwasser ist aber wegen der zahlreichen Verkaufsstände neben der Straße gesichert. Wir haben noch in der Früh im Hotel ein paar Dollar gewechselt und dicke Kip-Bündel füllen jetzt unsere Geldtaschen – an der Straße mit der Landeswährung zu bezahlen, ist einfacher und billiger, da im Zweifelsfall sicher zu unseren Ungunsten aufgerundet wird.
Eine kurze Essenspause in einem der wenigen Dörfer beschert mir ein huhnähnliches Ding am Holzspieß – schmeckt etwas zäh, aber mit dem obligatorischen Klebereis im geflochtenen Bastbehälter besser als gar nichts.
Der Höhepunkt am Nachmittag soll dann die Besichtigung vom Vat-Phou Tempel sein, vorher muss wieder einmal der Mekong überquert werden. Man legt direkt in Champasak an, ein nettes, sehr relaxt wirkendes Straßendorf – hier gibt es auch jede Menge touristische Infrastruktur. So manche Bewohner scheinen eingefleischte Kommunisten zu sein, von vielen Restaurants, Hotels und Werkstätten aber auch Privathäusern weht die Hammer- und Sichel-Fahne, rote Bänder mit irgendwelchen Parolen überspannen die Straße. Das alles fällt aber eher unter nette tropische Folklore, man hat nie den Eindruck, dass hier ein totalitäres Regime herrschen könnte.
Knappe 10 km geht es auf einer Stichstraße nach Südwesten, dann ist das Eintrittsgebäude am Rande des Parkplatzes erreicht. Wir radeln weiter bis zum Ende des Asphalts, dort passt ein freundlicher Wächter auf unsere Räder auf und wir gehen zu Fuß weiter. Das Heiligtum ist sehr schön den Berghang hinauf gebaut, wir gehen über einen holprig gepflasterten Weg vorbei an zwei fast ausgetrockneten Wasserbecken bis zu zwei kleinen Palästen, selbst für mich als Nicht-Archäologen ist der gleiche Baustil wie in Angkor erkennbar – die beiden Stätten waren früher auch durch eine Straße verbunden. Und dann geht es über steile, zum Teil verfallende Stufen bergauf zum eigentlichen Tempel mit vergoldeten Buddha-Statuen, angenehmerweise im schattigen Wald gelegen.

Nach der Kletterpartie hier hinauf machen die beiden Damen, die hier gekühlte Getränke verkaufen, mit uns noch ein gutes Geschäft.

Wie erwartet gestaltet sich der Abstieg über die steilen unregelmäßigen Stufen auch wegen der SPD-Platten auf den Sohlen noch mühsamer als der Hinweg, aber der Besuch dieser Stätte lohnt sich absolut.

Wieder am Rad bestehe ich noch auf Spaghetti bei einem der zahlreichen Restaurants am Straßenrand, die große Portion war die ideale Ergänzung zu meiner bescheidenen Mittagsmahlzeit. Aber wir sind jetzt schon etwas im Zeitstress – es ist bald 17 Uhr, als wir zurück in Champasak bei der Fähre sind und eigentlich wollen wir heute noch bis ins fast 50 km entfernte Pakxe kommen. Da momentan keine große Fähre abzulegen scheint, übersetzten wir mit einem kleinen (auch etwas teureren) Boot und unser Vorhaben, heute noch per Rad nach Pakxe zu gelangen, nötigt dem Fährmann einigen Respekt ab.

Am andern Ufer wird aufgesessen und flott gegen die anbrechende Dämmerung geradelt – ich kann Michls Tempo nicht ganz mitgehen, bin aber trotzdem immer nahe der 30 km/h Grenze unterwegs. Verkehr gibt es zwar, aber die laotischen Autofahrer sind in der Regel genauso entspannt wie der Rest der Bevölkerung – überholt wird mit ausreichendem Respektabstand und dem Radler auch mal die Vorfahrt gelassen.

Auch Pakxe ist eigentlich nur ein flächenmäßig großes Dorf, entsprechend lange dauert die Fahrt von den ersten Häusern bis ins Zentrum, das wir erst bei völliger Dunkelheit erreichen – die roten Blink-Rücklichter beruhigen etwas, aber der Stadtverkehr ist  im Finstern wegen der vielen motorisierten Zweiräder doch chaotischer und gefährlicher.

Ich entdecke gleich gegenüber vom neuen Stadion ein nettes Hotel mir Restaurant, hier bleiben wir. Hinter unserem Tisch hängt – offenbar als Wandschmuck gedacht – ein riesiges Plakat mit allen Parteigrößen, der derzeitige Partei- und Regierungschef schaut aus wie Boris Jelzin, für uns heißt er ab jetzt auch so. Auffallend ist, dass offenbar nur wenige Frauen dem Zentralkomitee oder was immer das ist, angehören – meist blicken dienstbeflissen bis grimmig dreinschauende Männer, manche in Militäruniform, vom Plakat hinab.

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PAKXE - SAVANNAKHET

Nur wenige Radler fahren die Etappe nach Savannakhet – auch wir wollen dieses Stück mit dem Bus fahren. Da der Busbahnhof zumindest für diese Richtung weit außerhalb der Stadt am nördlichen Rand gelegen ist, kommen wir noch zu einer Stadtrundfahrt. Und gegenüber des Stadions ist ein neues Bankgebäude mit Bankomat und gleich zwei Wächtern davor – wir beheben weitere Kip-Bündel.

Das Städtchen wirkt etwas verschlafen, aber angenehm ruhig und relaxt. Ein Mekong-Zufluss wird mittels einer Behelfs-Brücke mit Einbahnregelung überquert und nach 11 km erreichen wir den nahe dem Flughafen gelegenen Busbahnhof. Räder kommen diesmal aufs Dach und für 35000 Kip (etwas über drei Euro) kommen wir in den zweifelhaften Genuss einer Fahrt mit dem Linienbus (der Expressbus war schon weg). Unser Bus (ein sehr altes Hyundai-Modell) plagt sich über die Landstraße und wird von fast allen anderen Gefährten überholt – mit Ausnahme einer Gruppe gepäckloser Radler auf Trekking-Rädern, die offenbar einer geführten Tour angehören. Bei den vielen Zwischenstopps drängen sich Händlerinnen in den Bus, die wieder ihr Geflügel am Holzspieß, Getränke oder Süßigkeiten verkaufen.

Als der Bus kurz vor Savannakhet hält und wir in einen kleiner Bus umsteigen sollen, lassen wir es gut sein und beschließen, per Rad weiter zu fahren. Wir wollen heute sowieso noch zum Tempel That Ing Hang. Die Abzweigung dorthin ist beschildert, allerdings geht es auf Erdstraße (wenn auch auf ganz guter) weiter, nur die letzten paar Kilometer sind wieder asphaltiert.

Auch hier ist kaum etwas los, wir lassen die Räder im Eingangsbereich (WächterInnen stehen überall genug herum) und gehen einmal durch die schattigen Wandelgängen mit den 200 goldenen Buddha-Statuen um das Gelände herum. Noch ein bescheidener Imbiss in einem ebenso bescheidenen Lokal und dann radeln wir die paar Kilometer in die zweitgrößte Stadt des Landes, die auch so überhaupt nicht städtisch wirkt, ein paar Gebäude aus französischer Kolonialzeit sind noch erhalten.

Unsere Wahl fällt auf das Gusthouse Leena, auch hier prangt die Hammer- und Sichel-Fahne von der Rezeption. Das Zimmer ist annehmbar (neben dem überall mitgelieferten Haarshampoo gibt es diesmal auch ein Präservativ – für das wir allerdings keine Verwendung haben) und Wäscheservice gibt es auch. Wie angenehm, sich den Dreck und Staub vom Bus und von Radeln abzuspülen. Zum Abendessen gibt es eine katastrophale Pizza im „Au Rendez-vous-Restaurant“ – der Kellner, ein alter Franzose mit sehr schlechtem Gebiss, der jetzt hier lebt, gibt aber offen zu, das es Probleme mit dem derzeitigen Koch gibt – können wir bestätigen.

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SAVANNAKHET - THAKHEK

Raus aus Savannakhet geht es wieder auf der Straße über die wir gestern den Ort erreicht haben, erst ab der Abzweigung zum Tempel erfahren wir Neuland. Als wir wieder auf der Hauptstraße Nr. 13 radeln, die an Savannakhet östlich vorbei führt, geht es flott weiter Richtung Norden. Es ist heute fast noch heißer als an den Vortagen und ich habe Probleme mit meinen Füßen – sie sind beide geschwollen und ziemlich rot/blau, dürfte so eine Art allergischer Ausschlag sein. Beim Radeln werde ich dadurch (noch) nicht behindert, mittelfristig muss ich mir aber was einfallen lassen.

Wir kommen wieder flott voran, aber schon bei der Mittagsrast türmen sich rings um uns ziemlich hohe Haufenwolken auf – kein Wunder bei der schon tagelang anhaltenden Hitze. Und 20 km vor Thakhek entlädt sich dann das erste Gewitter – wir sind in der Nähe einer Ortschaft und stellen uns in einem Lebensmittelladen, das zugleich auch die örtliche Apotheke zu sein scheint (zumindest werden hinter einer Vitrine ein paar Medikamente angeboten) unter. Eine Dose Eiskaffee, den überall erhältliche (aber ziemlich grauslich schmeckende) Orangennektar mit Wasser verdünnt und ein paar Kekse gibt es hier zur Jause, für die vielen Kids sind die zwei rastenden Radler die Attraktion des Tages, was Besseres wird heute nicht mehr kommen.

Nach einer Stunde nutzen wir eine Wolkenlücke, um uns nach Thakhek (auch Muang Kammouan genannt) durchzuschlagen und erreichen der Ort fast trocken – während sich rings um uns die eine oder andere Wolke entlädt. Die nasse Fahrbahn garantiert natürlich ein entsprechendes Einsauen unserer Räder – nicht alle Pfützen können umfahren werden.

Bei der Quartiersuche sticht mir ein neues, in unserem Reiseführer noch gar nicht erwähntes riesiges Hotel ins Auge – schaut teuer aus, aber Fragen kostet nix. Mit 36 $ ist das Zimmer mit Blick auf den Mekong aber durchaus erschwinglich und wir kommen überein, es uns hier gut gehen zu lassen.

Die verdreckten Radtaschen werden vom livrierten Boy ins Zimmer getragen und ich aale mich einmal in der Badewanne, während Michl versucht, einen zentimeterdicken Spalt zwischen Wand und Balkontür abzudichten (um die Mekong-Moskitos, die sich bisher allerdings sehr zurückgehalten haben, abzuwehren) – bei der Endabnahme des nagelneuen Gebäudes dürfte man einige Mängel nicht bemerkt haben. Im Hotel gibt es einen Fitnessraum (danke, kein Bedarf) und freies Internet (hierfür haben wir Bedarf).

Nachher gleiten wir mit dem neuen Lift aus chinesischer Produktion sanft hinab in das Erdgeschoss und essen im Hotelrestaurant. Außer unserem ist nur ein weiterer Tisch besetzt und so umschwärmen uns gleich ein paar unterbeschäftigte Kellnerinnen, die dienstbeflissen nach jeden Schluck gleich das Glas nachschenken. Nur meine Füße machen mir zunehmend Sorgen, ich bin sockenlos in Schlapfen unterwegs damit etwas Luft an die Haut kommt, die lila-roten Verfärbungen sind heute leider nicht besser geworden, ziemlich geschwollen sind sie auch.

Deshalb gibt’s statt einem Abendspaziergang CNN und englische Premiere-League im Fernsehen am dank effektiver Klimaanlage angenehm gekühlten Zimmer.

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THAKHEK - VIENTIANE

Wir wachen wie gewohnt um 6 Uhr früh auf und siehe da – es regnet, nein es schüttet. An ein Weiterfahren ist momentan gar nicht zu denken und so laben wir uns erstmals am reichhaltigen Frühstücksbuffet – ein schon lange entbehrtes Vergnügen.

Auch ich kann nicht den ganzen Vormittag lang Essen – es regnet weiter, was tun? Ein kurzer Kriegsrat ergibt, dass sich dieser Tag mit unsicherem Wetter eigentlich ganz gut dafür eignet, wieder Kilometer per Bus zu machen – die Landschaft hier entlang dem Mekong kennen wir schon und in Nordlaos warten sicher interessantere Radstrecken.

Und ich beschließe, meine nach wie vor geschwollenen und verfärbten Füße einmal einem Arzt zu zeigen. Der Hotelboy bestellt mir ein TucTuc und wir fahren durch den Regen (in der Mitte unter der Plane wird man nur wenig nass) in das örtliche Spital. Der erste Eindruck des Komplexes ist nicht sehr positiv, aber verschwinden kann ich ja noch immer. In dem ziemlich abgefuckten ebenerdigen Gebäude spreche ich die erste Krankenschwester, die mir über den Weg läuft, auf Englisch und Französisch an und erziele einen bemerkenswerten Effekt: sie bringt mich sofort in ein anderes Zimmer zu einer in zivil gekleideten Person, der offenbar ein Arzt ist, der behandelt gerade einen Patienten, lässt diesen jedoch sofort liegen (stehen kann er nicht) und führt mich in sein privates Zimmer, wo er sich meine Füße anschaut. Wir kommunizieren auf Französisch und seine Diagnose ist recht beruhigend: heute nicht Rad fahren (ok, damit kann ich leben, regnet eh noch) und schön brav die Pillen nehmen, die er mir geben wird.

Er geht mit mir in einen anderen Trakt, wo mir durch ein kleines Fenster drei kleine Plastiksackerln mit je ca. 10 verschiedenfärbigen Pillen verabreicht wird. Die hell/dunkelblauen und die weißen soll ich 3 x, die gelben 2 x täglich nehmen und morgen könne ich wieder fahren.

Die ganze Vorzugsbehandlung samt Medikament kostet umgerechnet ca. 1,70 Euro, der Arzt verabschiedet sich und wünscht mir noch alles Gute. Mittlerweile hat der Regen fast aufgehört und es geht wieder per Tuc-Tuc zurück ins Hotel – die ganze Aktion hat entgegen meinen Befürchtungen nicht einmal eine Stunde gedauert.

Wir packen unsere Sachen und verlassen das gastliche Hotel in Richtung des wieder einmal weit außerhalb des Zentrums liegenden Busbahnhofs. Natürlich ist der Express-Bus Richtung Hauptstadt wieder weg, aber der nächste fährt schon in einer halben Stunde. Wir zahlen 50000 Kip pro Person und 20000 Kip fürs Rad, letzter Betrag sicher ein Phantasiepreis.

Unser Bus ist etwas besser in Form als der letzte aber es dauert trotzdem lange, sehr lange bis wir über Muang Pakxan den wieder weit am östlichen Stadtrand von Vientiane liegenden Busbahnhof erreichen. Viel versäumt haben wir von radfahrerischen Standpunkt aus gesehen nicht, einzig ein paar Hügel 50 km vor Muang Pakxan hätten etwas Abwechslung geboten. Ab Muang Pakxan bis zur Hauptstadt ist es dafür völlig uninteressant per Rad zu fahren, flach, für latotische Verhältnisse viel Verkehr und zudem regnet es noch.

Angesichts der nassen Fahrbahn und der hereinbrechenden Dämmerung ziehe ich es kurz in Erwägung per TucTuc ins Zentrum zu fahren, aber Michl besteht auf einer Fahrt per pedes, auch angesichts des recht unverschämten Preises – die Fahrt soll für uns beide samt den Rädern 50 000 Kip kosten – so viel wie ein Busticket für 300 km. Wäre aber trotzdem nicht die schlechteste Investition gewesen, weil wir in völliger Dunkelheit mit völlig verdreckten Rädern so ziemlich die erstbeste Pension nehmen müssen und dann erst eine Tuc-Tuc-Fahrt ins Zentrum und zurück löhnen müssen. Dafür war die Pizza in einem italienischen Lokal gut.

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VIENTIANE - VANG VIENG

Ich habe brav meine Pillen genommen und meinen Füßen geht es schon sichtlich besser – endlich wird heute wieder ernsthaft Rad gefahren. Zum Frühstück werfe ich mein letztes Müsli ins Gefecht (Joghurt gibt’s vom Geschäft an der Hauptstraße) und dann kommen wir noch in den Genuss einer Stadtrundfahrt (weil die Straße Nr. 13 Richtung Norden am anderen Ende der Hauptstadt weiterführt).

Außer einem Triumphbogen und dem Präsidentenpalast (der aber für europäische Begriffe auch recht mickrig aussieht) sowie ein paar Klosteranlagen mit Tempel gibt es nicht allzu viel zu sehen und es ist schon jetzt zu früher Stunde recht reger Zweirad- und Autoverkehr. Entlang dem Mekong gibt es das eine oder recht nette Lokal aber wir wollen endlich wieder Rad-Kilometer machen und beschränken uns auf kurze Foto-Stops. Vorbei am Flughaften geht es auf guter Straße Richtung Norden, noch ist es bewölkt, aber das Wetter scheint heute auszuhalten. Mit jedem Kilometer weg von der Hauptstadt wird der Verkehr weniger und bald zeigen sich die ersten grünen Hügel, damit auch die ersten ernsthaften Steigungen seit vielen Kilometern. Immer wieder überholen wir ganze Gruppen von radelnden Schulkindern – ist immer ein großes Hallo und Gewinke.

Die Gegend wird immer hügeliger und landschaftlich schöner, grüne Wälder soweit das Auge reicht, einfache Straßendörfer mit Verkaufsständen säumen die Straße. Im ersten etwas „besseren“ Guesthaus mit Restaurant machen wir nach 97 km Pause, das Essen hier schmeckt nicht nur uns sondern auch den örtlichen Polizisten. Ich genieße es, endlich nicht nur flach fahren zu müssen und wir erreichen dank flotter Fahrt Vang Vieng wieder mitten am Nachmittag – auch gut, können wir den Ort noch ausgiebig besichtigen.

Direkt an der Hauptstraße steht das neue Hotel „Phouangkahm“ – nach der Dusche spazieren wir erwartungsvoll in den Touristenort, der auf alle gastronomischen und sonstigen Annehmlichkeiten, die Laos aufzubieten im Stande ist, einlädt. Also gleich einmal in die Konditorei mit gutem Capuccino und für auch für den verwöhnten europäischen Gaumen kompatibeln Mehlspeisen. Während Michl sich wieder einmal im Internet-Cafe über die langsamen Verbindungen ärgert, beschließe ich noch das örtliche Dienstleistungsgewerbe zu fördern – daher eine Rasur und eine fast einstündige (!) Beinmassage.

Auf schmaler Holzbrücke geht es auf das andere Flussufer (auch dort nette Lokale und Unterkunftsmöglichkeiten), für die größere Brücke zurück muss Michl ein paar Kip löhnen, während ich meine schon fast geheilten Füße im derzeit kaum Wasser führenden Fluss kühle – ich wate durchs Wasser – so wie es die meisten sparsamen Laoten tun, die sich auch die Brückenmaut ersparen möchten.

Eigentlich besteht der ganze Ort nur aus Guest-Houses, Shops und Essenslokalen – eine reiche Auswahl ist gegeben. Wir landen wieder einmal in einer Pizzeria und beobachten die Szenen auf der Hauptstraße – ein Jeep nach dem anderen mit bekifften oder betrunkenen Touristen kommt von der Tubing-Tour zurück – entgegen allen Landessitten rennen die Touris in der Badehose und im Bikini im Ort herum, das (und das deutlich höhere Preisniveau) sind halt die Schattenseiten eines Backpacker-Paradieses.

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VANG VIENG - PHOUANGKAHM

Dank der Infrastruktur von Vang Vieng gibt es auch ein gutes Frühstück, ehe wir uns wieder bei strahlendem Wetter in der bisher schönsten gesehen Landschaft auf den Weg machen. Die Asphaltstraße müssen wir nur mit Massen von radelnden Schulkindern teilen. Und bald wird die Radstrecke interessant: vor dem nächsten größeren Ort Kas (56 km) muss ein kleiner Pass überwunden werden, im Ort dann noch eine kleine Stärkung und die Flaschen vollgefüllt, weil jetzt längere Zeit keine Ortschaft kommt und auch die Infrastruktur an der Straße nicht mehr so dicht ist.

Kas liegt in einem Talkessel, dessen Nordrand wird auf ansteigender Straße verlassen und dann geht die Route aussichtsreich mit Ansteigen und Abfahrten durch bewaldetes Hügelland – schön hier zu fahren. Und endlich ein richtiger kilometerlanger Anstieg hinauf zu einem schon von weitem sichtbaren Höhenpunkt mit großen Mast – hier bewährt sich das kleine Kettenblatt, das Stück kann schon als richtige Passstraße durchgehen. Am höchsten Punkt dann zu meiner angenehmen Überraschung ein neues, nettes Freiluft-Lokal mit einem gut (und ganz unlaotisch-hygienisch) präsentiertem Speiseangebot – es folgt eine Mittagsmahlzeit in aussichtsreicher Umgebung.

Die restliche Strecke bis Phou Khoun – eine Ortschaft, die sich um die einzige nennenswerte Straßenkreuzung in der Gegend gruppiert, ist schnell abgeradelt – es ist erst früher Nachmittag, wir sind auch noch nicht wirklich ausgelastet.

Ich versuche zwar ernsthaft, Infos über die nächstgelegene Übernachtungsmöglichkeit zu bekommen, scheitere aber an Sprach- und Verständigungsproblemen – und ohne sichere Information können wir hier in der dünn besiedelten Gegend nicht weiterfahren – schade, es wäre noch drei Stunden hell.

Phou Khoun hat zwar als regionaler Hauptort viele Geschäfte und Straßenstände, nur das touristische Angebot kommt uns, die ja bisher in Laos durchaus verwöhnt wurden, sehr bescheiden vor. Wir landen schließlich direkt an der Straßenkreuzung in einem mehr als armseligen Guesthouse – besonders der Sanitärbereich (keine Dusche, keine WC-Spülung, Wasser muss mit einem Plastiktopf aus einer Tonne gegossen werden) ist verbesserungswürdig.

Wir haben noch jede Menge Zeit totzuschlagen – aber auch ein Ortspaziergang gibt nicht viel her. Ausgerechnet am höchsten Punkt des Dorfes steht eine Sporthalle, in der eifrig Volleyball trainiert wird.

In der Küche unseres Guest-Houses liegt schon seit Stunden eine Katze – schläft sie nur oder ist sie schon gestorben und harrt der gastronomischen Verwertung? Auch die vielen Fliegen am Holzschneidbrett sprechen nicht gerade für häufige Kontrollen durch die örtliche Lebensmittelpolizei. Während Michl ziemlich der Appetit vergangen ist, labe ich mich wenigstens an einer Suppe mit Klebereis aus dem Bastkörbchen – da kann nicht viel schiefgehen und das tut es auch nicht.

In unserem Mini-Zimmer mit Fenster auf die 1 m entfernte gegenüberliegende Hausfassade (einen schönen Ausblick hat man nur vom Dusch/WC/Raum, aber der lädt auch nicht zu längerem Verweilen ein) höre ich noch ein bisschen Musik und hoffe auf eine angenehmere nächste Nacht.

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PHOUANGKAM - LOUANGPHRABANG

Gut, die Nacht haben wir überstanden – zum Frühstück gibt es Eiskaffee und Kekse und dann weg hier. Die kommende Strecke ist ganz nach meinem Geschmack: die Straße windet sich in unendlich vielen Kurven immer bergauf-bergab mit tollen Ausblicken nach Nord und Süd durch die Berge, schade, dass  die Fernsicht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht optimal ist, auch die Qualität der Landschaftsfotos ist deshalb bescheiden. Wir haben die Straße für uns allein, vereinzelt passiert man kleine Ansiedlungen – wären nicht die SAT-Antennen, die Häuser würden sich auch gut im urgeschichtlichen Museum in Aspern an der Thaya machen. Die Höhenmeter kosten Kraft und Durchschnittsgeschwindigkeit, aber trotzdem eine angenehme Radstrecke, schade nur, dass der Wald an ganzen Berghängen der Brandrodung zum Opfer gefallen ist. Wir erreichen nach 49 km Kiew Ka Sam, dort gibt es auch ein Guesthouse ähnlicher Klasse wie wir hatten. Letztendlich ist es aber egal, weil der nächste Fixpunkt Louangphrabang ist und so würden wir heute kürzer fahren.

Während zur Freude der hiesigen Händler ein Reisebus mit französischen Touristen einfährt, essen wir eine Kleinigkeit am Dorfplatz und dann geht es in flotter Fahrt auf ganz guter Straße (auf Schlaglöcher muss trotzdem aufgepasst werden) bis auf 600 Meter zu einer Flussbrücke, danach steigt die Straße sofort wieder an und windet sich in vielen Kurven über den nächsten Bergkamm. Jetzt bei der Mittagshitze ist das natürlich eine schweißtreibende Angelegenheit, auch wenn die Straße nie wirklich steil wird, kein Vergleich zu den Alpenpässen. Bei der nachfolgenden zweiten langen Abfahrt des Tages treffen wir einen entgegenkommenden deutschen Reiseradler, der mit viel Gepäck ganz gemächlich hinaufkurbelt. Ein kurzer Erfahrungsaustausch – der Kollege radelt mit SPD-Sandalen, hier bei dieser Hitze sicher die beste Lösung, werde ich das nächste Mal auch machen.
Bei der nächsten Straßenkreuzung in Xang Ngeun sind wir schon vollkommen trocken und wieder fördern wir einen der zahlreichen Familienbetriebe durch den Ankauf aller möglichen Getränke. Nach vielen Kilometern beginnen hier wieder die touristischen Annehmlichkeiten, wie Restaurants, menschenwürdige Unterkünfte etc. Sieht man von einem letzten kleinen Anstieg kurz vor Louangphrabang ab, verläuft der Rest der Tagesstrecke fast flach. Der attraktivste Teil des flächenmäßig ziemlich ausgedehnten Städtchens liegt auf der Halbinsel zwischen Mekong und einem Zufluss, hier gibt es auch unzählige Unterkünfte und alle von mir so geschätzten gastronomischen Goodies wie Konditoreien, Bäckereien, Pizzarien etc.

Nachdem ich ein paar suboptimale Quartiere besichtigt habe, treffen wir auf einen Schlepper, der uns zu einem wirklich empfehlenswerten, neu erbauten (wenn auch nicht billigen) Guesthouse bringt, aber nach der vorigen entbehrungsreichen Übernachtung genießen wir die geschmackvolle Einrichtung, die neue Duschkabine mit allen Features, gute Betten und die englische Premiere-League am Flachbildschirm an der Wand.

Vor dem Abendessen (wieder einmal beim Italiener) checken wir uns noch Boottickets für die Fahrt am Mekong, schweren Herzens müssen wir aus Zeitgründen auf die Weiterfahrt zur thailändischen Grenze auf der Straße verzichten.

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LOUANGPHRABANG - PAK BENG - HOUAY XAI
Nach dem Frühstück noch ein bisschen Proviant gekauft und dann die paar Meter runter zum Landungssteg am Mekong – dort dümpeln in Reih und Glied eine stattliche Anzahl ziemlich gleich aussehender Boote im Wasser, das jahreszeitlich bedingt ziemlich tief steht – das Be- und Ausstiegen der Boote kann durchaus im feuchten Sand oder in einer Kletterpartie enden. Die Räder kommen auf das Dach, wir nehmen in den noch am bequemsten aussehenden Sesseln Platz (die nach meiner Einschätzung aus einem (alten) Bus oder einem (alten) Flugzeug stammen). So ganz pünktlich erfolgt die Abfahrt des bei weitem nicht ausverkauften Bootes nicht, es wird noch allerlei Krempel eingeladen, der für die Versorgung der Dörfer unterwegs bestimmt ist.

Die ersten Kilometer der Fahrt sind ja noch halbwegs interessant, in der Nähe der Stadt gibt es einiges zu sehen und zu fotografieren - aber bald dämmert mir, was mir die zwei nächsten Tage bevorsteht. Der Dieselmotor nicht allzu weit von unseren Sitzen entfernt übertönt den auf volle Lautstärke aufgedrehten I-pod und wie die Toilette (die schon eine Stunde nach Abfahrt unter Wasser steht) bei vollbesetztem oder – wie es auch vorkommen soll – überladenen Schiff aussehen mag, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Ich tröste mich mit der netten Landschaft – statt Grün ist halt viel Braun an den Hängen (manche sind auch vollkommen abgebrannt), stellenweise muss das Boot durch Felsen steuern, auf denen Fischer ihr Glück versuchen, hie und da erfolgt ein kurzer Stop bei einem der Dörfer, wo Leute aus-  bzw. einsteigen und Waren abgeladen werden.

Als ich schon hundertmal die Pobacke gewechselt habe, um auf dem schon längst durchgesessenen Sitz eine halbwegs erträgliche Position zu finden, erreicht unsere Fuhre schon in der aufkommenden Dämmerung den auf halbem Weg gelegenen Ort Pak Beng – eigentlich nur aus Geschäften und Guesthouses bzw. Hotels bestehend. Ein paar Kids, die uns beim Ausladen helfen, fordern 10000 und kriegen 5000 Kip für ihre Dienste und dann lassen wir uns von einem Mädchen zu einem recht netten und günstigen Guesthouse schleppen – dort können wir gleich noch etwas essen. Abendspaziergang fällt mangels Straßenbeleuchtung aus, der Ort ist noch nicht an das Stromnetz angeschlossen, einige Häuser scheinen aber Generatoren zu haben. Für die Übernachtung im annehmbaren „Moukdavanh Restaurant“ zahlen wir 50 000 Kip – preiswert.
Am nächsten Morgen geht es mit einem anderen, noch einfacher ausgestatteten Boot weiter – diesmal gibt es nur noch Holzbänke, die nach einigen Stunden von den geplagten Reisenden zur Seite geschoben werden, man lagert am (staubigen) Boden. Weiter hinten im Schiff geht es hoch her – eine Damenrunde hat es sich gemütlich gemacht und bechert fröhlich ein Bier nach dem anderen. Allerdings sind sie um einiges trinkfester als wir – als es am frühen Nachmittag ans Ausladen von irgendwelchen schweren Säcken geht, packen die Damen trotz permanenten Alkoholkonsum kräftig zu – ich wäre nach so vielen Vormittagsbieren längst eingeschlafen...
Ganz langsam werden die Hügel ringsum niedriger, das linke Flussufer gehört schon zu Thailand. Wieder ist es schon fast dunkel, als endlich der laotische Grenzort Houay Xai erreicht ist – wir nehmen das erstbeste (und nicht schlechte) „Chinese Laos Guesthouse“ für 10 $. Im „Zentrum“, das wie gewohnt nur aus ein paar Häusern besteht, gibt es aber ein nettes Lokal mit der von uns schon ersehnten Pizza.

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HOUAY XAI (Laotisch/Thailändische Grenze) - FANG

Nach einem recht ausgiebigen Frühstück (es müssen ja die letzten Kip verbraucht werden) geht es ab zum Zollposten und danach auf die Fähre, die gemütlich über den Mekong auf die thailändische Seite tuckert. Zur Einreise muss wieder ein Formular ausgefüllt werden, aber die Prozedur ist rasch erledigt, noch ein kurzer Plausch mit dem Zöllner und dann geht es wieder auf der linken Straßenseite zuerst einmal ins Zentrum des Houay Xai gegenüberliegenden  Städtchens Chiang Khong zwecks Bankomat-Behebung der thailändischen Währung.

Der kleine Kulturschock zwischen dem gemütlich-relaxten Laos und dem hektischen Thailand wird durch den Umstand gemildert, dass wir den Ort auf kaum befahrener Landstraße schnell verlassen. Nach zwei rad- und bewegungslosen Tagen kommen die recht kräftigen Steigungen gerade recht, es ist auch noch nicht besonders heiß – eher feucht-schwül. Nach einem Aussichtspunkt, der wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht allzu viel Aussicht bietet, fällt die Straße in ein weites Tal ab um danach sehr asphaltsparend den nächsten Hügelzug zu erklimmen – wir sind bald auf dem letzten Ritzel bzw. ich am kleinen Kettenblatt.

War die Straße auf den ersten 50 km entgegen der Ankündigung des thailändischen Zöllners (Laos bad roads, Thailand good roads) gar nicht so good, so radeln wir ab Chiang Saen auf guter Straße mit Seitenstreifen – ist auch notwendig, weil der Verkehr immer stärker wird.

Die Landschaft wird immer flacher und unattraktiver, den laut Karte neben der Hauptstraße befindlichen See bekommen wir gar nicht zu Gesicht. Je näher wir Mae Chan kommen, desto mehr fährt man durch verbautes Gebiet und die Stadt (85 km ab Grenze) ist genauso reizlos wie die anderen bisher kennengelernten thailändischen Ortschaften.

Während ich bei einem kleinen Restaurant das Tagesgericht probiere (und Michl sich mit Keksen begnügt) bauen sich unweit von uns über den Hügeln im Osten ziemliche Haufenwolken auf – kein Wunder bei der Luftfeuchtigkeit, gut, dass wir nach Westen weiterfahren. Kaum aus Mai Chan draußen wird das Radfahren wieder nett – es geht kilometerlang durch ein grünes Flusstal, wenig Verkehr und die Straße steigt nur ganz sanft an. Hier in den Hügeln direkt an der Grenze zu Burma gibt es nur wenige Dörfer – nachdem wir den höchsten Punkt erreicht haben rollen die Räder wieder hinab in das nächste breite Tal – die Gewitterwolken haben wir vorläufig hinter uns gelassen.

Eine weithin sichtbar goldene Buddha-Statue begrüßt uns in Thaton, hier gibt es auch direkt an der Straße ein Kaffee mit ausgezeichneten Mehlspeisen. Ich bestehe auf eine Pause – bis zum heutigen Etappenort Fang sind es nur mehr 20 (öde) Kilometer. Auch Fang ist kein Juwel der Städtebaukunst und die Quartiersuche gestaltet sich trotz vorhandener Auswahl gar nicht so easy – wir landen dann im gut aussehenden „Baan Fang“ Hotel – scheint das beste Haus am Platz zu sein.
Das finden aber offenbar auch die Kakerlaken, die ausgerechnet in unserem Badezimmer sterben – die ersten zwei lasse ich vom Portier entfernen, nach Michls Dusche liegen schon wieder zwei tote Kakerlaken am Boden, die beseitigt der Hotel-Boy. Und am Morgen des nächsten Tages gibt es wieder eine tote und eine lebendige – letztere schaut mir halt bei der Morgentoilette zu.

Als Nicht-Touristenstadt bietet Fang außer ein paar Garküchen kaum etwas zum Abendessen – wir landen dann ganz am Ortsende in einem diskothekähnlichem Lokal (wo noch niemand tanzt aber ein Sänger mit der Akustik-Gitarre alle möglichen Pop-Klassiker auf thailändisch singt, nun gut). Der Abendmarkt auf der Hauptstraße macht den Rückweg interessant – die HändlerInnen haben ihre Waren (vom Kochgeschirr bis zum selbst erzeugten Gebäck, lebendes und totes Geflügel, schwarz gebrannte CD`s, alles erdenkliche Obst, Fisch – hier bekommt man wirklich alles) auf dem Boden ausgebreitet und die ganze Stadt flaniert hier.

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FANG - CHIANG DAO

Nach bescheidenem Frühstück beginnt der Tag recht harmlos – es geht noch ein paar Kilometer am Seitenstreifen der Hauptstraße bis zur Abzweigung der Straße 1248 entlang, die direkt in das Bergland an der Grenze zu Burma führt, das sich im Morgendunst am Horizont schon abzeichnet. Vorerst geht es aber noch recht gemütlich durch landwirtschaftlich genutztes und locker verbautes Gebiet nur leicht bergauf – allerdings nach der letzten Siedlung... meine Webmasterin würde angesichts der ungeniert direkt den Berg hinaufgebauten Straße wohl sagen „das kann es jetzt aber nicht sein“. Aber das ist es – wir hängen am kleinsten Gang beide über der Lenkertasche, der Schweiß tröpfelt nicht sondern rinnt und die Steigung ist nicht kurz...

Hinter der ersten Kurve ein kurzes Stück Verschnaufpause, aber es kommt schon die nächste Steilstufe, wenigstens die nur ein paar Meter. Und dann zieht sich die Straße sogar leicht fallend den Berghang entlang in ein Flusstal und der Wasserlauf wird auf einer Brücke überquert. Ein paar hundert Meter steigt die Straße vernünftig an – aber es kommt schon die nächste Rampe ins Blickfeld.

Das gibt’s doch nicht – die Verschnaufpausen werden immer seltener, die Steigung der Straße (so um die 20 %) immer konstanter und ausgerechnet in den jetzt kommenden Serpentinen ist es besonders steil. Wir gewinnen natürlich rasch an Höhe, aber statt Aussicht befinden wir uns in dichtem kühlen Nebel. Die Trittfrequenz fällt immer weiter ab, wir sind längst am letzten Ritzel, alles muss im Wiegetritt gefahren werden, die Gepäcktaschen ziehen nach hinten, meine Schweißbäche fallen nicht mehr auf den Vorbau sondern schon auf den Vorderreifen – das ist Bergfahren extrem hier. Andererseits wird mich diese verdammte Steigung auch nicht zum Absteigen zwingen – ich will hier rauf, egal was noch kommt. Es kommen weitere Serpentinen, in manchen liegt Splitt oder es ist durch die Feuchtigkeit leicht nass, also Traktionsprobleme.

Irgendwie schaffe ich es aber am Rad zu bleiben und endlich kommt ein Straßenschild – der höchste Punkt scheint erreicht.

Hier oben im Nebel gibt es eine Reihe jetzt geschlossener Läden und einen Militärcheckpoint – offenbar wegen der nahen Grenze, die Beziehungen zwischen den zwei Nachbarstaaten dürften nicht die besten sein. Ein paar mittelgroße kläffende Hunde rennen auch herum, die habe ich aber mit Anschreien schnell unter Kontrolle. Zur Belustigung der Soldaten wringe ich einmal mein Radleibchen aus – muss so wirken, als hätte ich es gerade ohne zu Schleudern aus der Waschmaschine genommen – solche Schweißmengen aus einem Stück Textil hab ich noch nie gesehen. Schnell trockene Wäsche angezogen, hier oben ist es doch eher kühl. Während ich den Chef der Soldaten bitte, mir die Flasche aufzufüllen, ist auch schon Michl angekommen, beim Auswringen seines Leibchens kann er ähnliche Schweißmengen produzieren...

Da es hier ziemlich frisch ist und die Umgebung auch überhaupt nicht sonderlich gastlich wirkt, verlassen wir die Kreuzung schnell Richtung Süden – eine zeitlang geht es auf allerdings ziemlich schlechter, schlaglochübersäten Straße bergab – jetzt, wo wir wieder etwas tiefer sind, lichtet sich auch der Nebel und eine schöne und (für thailändische Begriffe) ursprüngliche Berglandschaft mit verdammt vielen Hügeln kann erblickt werden.

Die Freude über die Abfahrt wärt nur kurz – es geht gleich wieder bergauf, dann bergab, dann STEIL bergauf, STEIL bergab, dann wieder für ein kurzes Stück unmenschlich STEIL bergauf und so weiter – ordentlich kräftezehrend die Strecke. Weit davon entfernt, je einen Rhythmus zu finden, kämpfen wir uns auf der unbefahrenen Straße, die jetzt wieder etwas besseren Asphalt aufweist, gen Süden. Irgendwann kommt dann endlich einmal eine in einem kleinen Talkessel liegende Siedlung – auf der anderen Seite geht es aber gleich wieder bergauf, wenn auch mit nicht mehr ganz so schlimmere Steigung. Trotzdem unter dem Strich die härteste Radstrecke, die ich je unter den Reifen hatte – da kann man gleich eine Achterbahn asphaltieren.

Endlich eine längere leicht abfallende Gerade und ein paar ebene Kilometer und wir erreichen nach 70 km den größeren Ort Ban Arunothai – nicht viel los hier, aber wenigstens ein kleines gasthausähnliches Etablissment, in dem ich das Menü des Tages verkoste und gleich noch einen Teller Nachschlag ordere, weil ich ordentlich Kalorien verbraucht habe.
Die Weiterfahrt Richtung Süden geht wieder einmal bei einem Militärstützpunkt wegen der nahen Grenze vorbei – den sichtlich gelangweilten Soldaten sind wir auch völlig egal. Und die Strecke wird einfacher, meist geht es bergab und die kurzen Gegensteigungen sind längst nicht mehr so steil wie am Vormittag.

Wir fahren jetzt auf wenig befahrener guter Straße raus aus den Bergen, ein paar Tempel, Klöster und Buddha-Statuen stehen in der recht netten Gegend herum. Verglichen zu der ersten Hälfte der Etappe spielen wir uns hier, erreichen den einzigen größeren Ort in der Gegend aber trotzdem erst mitten am Nachmittag. Chiang Dao liegt direkt an der Hauptstraße Fang – Chiang Mai und gleich das erste Hotel am Ortsrand wird für tauglich befunden. Wir laden das Gepäck ab und ich sammle die komplette, bestens durchgeschwitzte Radwäsche in einem Plastiksack und mache mich – da das Hotel kein Wäscheservice hat – auf die Suche nach einer Wäscherei, nach Auskunft der Rezeptionistin soll es einen Kilometer die Hauptstraße retour eine geben. Aus dem einen Kilometer werden drei und ich muss dazwischen noch mal Fragen, lande dann aber in einer Art Schneiderei – zumindest ist die Auslage mit hochzeitskleiderähnlichen Roben geschmückt. Aber es gibt tatsächlich eine Waschmaschine, die mir von der überaus netten Inhaberin stolz vorgeführt wird. Und sie fängt noch vor meinen Augen an, das grausliche schweißnasse Zeug in die Maschine zu stopfen – in zwei Stunden ist es fertig.

Beim Abholen der Wäsche stresst etwas die mittlerweile über dem Ort liegende pechschwarze Gewitterwolke, die sich alsbald entladen dürfte, aber ich bleibe trocken. Beim Abendessen im Restaurant gegenüber dem Hotel kommt ziemlicher Sturm auf und es blitzt rund um uns - aber noch immer kein Regen. Da ich wie immer sofort einschlafe bin ich auf Michls Infos angewiesen – er teilt mir am nächsten Morgen mit, dass es erst spät in der Nacht zu schütten begonnen hat.

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CHIANG DAO - CHIANG MAI über PHRAO

Die letzte Gepäcketappe der Tour soll noch einmal landschaftliche Schönheiten beinhalten – wir fahren nach Chiang Mai nicht auf der Hauptstraße, sondern werden den Ort über einen Bogen nach Osten erreichen. Nach dem diesmal recht ausgiebigen Frühstück in unserem Restaurant geht es auf zunächst noch feuchter Fahrbahn wieder ein Stück zurück nach Norden, bis zur Abzweigung der Straße 1150. Mit moderatem Anstieg wird eine Hügelkette überwunden und dann geht es kilometerlang fast eben zwischen zwei Bergen durch – auch weil kein Verkehr eigentlich eine nette Radstrecke, aber aus irgendeinem Grund gibt es hier verdammt viele Hunde – nicht groß, aber lästig. Das akustische Hundeabwehrgerät für den Notfall in der Trikottasche verleiht Selbstsicherheit und ich entwickle eine neue Taktik: ich fahre direkt auf die Viecher zu und brülle sie an. Siehe da, mein Auftreten wirkt – die Hunde verschwinden und kläffen lieber Michl an, der sein Abwehrverhalten noch nicht so perfektioniert hat. So finde ich mich in einer neuen Rolle – zur Abwechslung klebt er einmal an meinem Hinterrad.

Das Tal der Köter ist dann auch bald vorbei und es geht durch halbwegs erhaltenen Urwald einen kleinen Pass hinauf – hier dürfte es in der Nacht ziemlich geregnet haben, die Straße ist stellenweise immer noch feucht und Nebel- und Dunstschwaden hängen über den Bäumen. Raus aus den Hügeln erreichen wir bald Phrao (41 km) und ich bestehe auf einer Rast in der örtlichen Konditorei – die über unser Erscheinen sichtlich erfreute Inhaberin organisiert uns sogar von einem anderen Geschäft einen wohlschmeckenden Capuccino als ideale Ergänzung zu ihren selbst erzeugten Torten, die uns halbwegs munden (mit der Konditorei Demel kann sie trotz ihres ausgehängten Diploms noch nicht konkurrieren, aber es kann ja noch werden).

So gestärkt geht es jetzt wieder nach Süden. Irgendwann sollte nach unserer genaueren Thailand-Karte rechts ein See auftauchen, der scheint aber wegen Trockenheit abgesagt – wir sehen nur ein paar müde Rinnsale. Vorbei an Reisfeldern geht es durch nur spärlich besiedeltes Gebiet weiter, bis die Straße über ein paar Kilometer weg wieder deutlicher ansteigt. Auch hier recht viel Wald, wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet, allerdings sind trotzdem große Waldflächen verbrannt.

Michls GPS leitet uns zu einem „point of interest“ – nämlich einen Wasserfall, 3 km von der Hauptstraße entfernt. Heute ist nicht viel los hier, wir lassen die Räder in einem eigens hierfür gekennzeichneten Areal für Zweiräder zurück und gehen zu Fuß in den Wald – dort soll sich der Wasserfall befinden. Und tatsächlich, mitten unter dem Bäumen bahnen sich ein paar Wasserläufe den Weg, sieht recht witzig aus. Ein paar Familien picknicken und die Kids planschen im Wasser. Auf gerade im Bau befindlichen Stufen geht es noch zur unteren Ebene – mit den SPD-Cleats ist es auf den zum Teil nassen Steinen verdammt rutschig. Der „Bua Tong“ Wasserfall ist keine Weltsensation, aber den kleinen Umweg wert. Noch schnell ein Eis gegessen und eine Cola getrunken und dann zurück auf die Hauptstraße, es wartet die lange Abfahrt in die Ebene von Chiang Mai.

Wir lassen die Räder runter laufen und als wir wieder treten müssen, ist es aus mit den landschaftlichen Attraktionen – schon viele Kilometer vor Chiang Mai fängt dichte Bebauung an und der Verkehr wird minütlich stärker. Wieder einmal ist eine Tankstelle mit Air-Condition und kalten Getränken unser Pausenraum – wir suchen im Reiseführer eine akzeptabel klingende Unterkunft und beauftragen Michls GPS uns dorthin zu führen, was auch halbwegs klappt – das eine Seitengasse mittlerweile durch eine Mauer abgetrennt wurde, konnte das GPS nicht wissen.

Schon kurze Zeit später planschen wir im Swimming Pool (das allerdings von weit weg einladender aussieht als es dann tatsächlich ist – die Geruchsbelästigung durch die Kloake hinter der Mauer ist nämlich beträchtlich). Da wir aber ziemlich im Zentrum von Chiang Mai sind, ist es zur Flaniermeile mit den Lokalen mit nicht-thailändischem Essen nicht weit und wir landen zur Abwechslung einmal wieder beim Italiener.

 

 

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CHIANG MAI - Fahrt nach LAMPANG

Heute gibt es einiges zu tun – vor allem müssen wir uns darum kümmern, wie wir (und unsere Räder) nach Bangkok zurückkommen. Für das Frühstück haben wir schon gestern ein nettes Lokal entdeckt, das neben frischen Fruchtsäften und gutem Kaffee auch Sandwiches, Müsli (also eher der übliche Fruchtsalat mit ein paar Flocken drauf) und Kuchen anbietet. Und dann geht es rauf aufs Rad, die Entfernungen in Chiang Mai sind doch beträchtlich. Eine Buchung in einer der zahlreichen Travel-Agentiers scheitert an der nicht garantierten Radmitnahme, sodass wir letztendlich direkt bei der Thai Airway landen – dort geht es relativ flott und auch preisgünstig (ca. 50 $, letztendlich war das Rad im Freigepäck enthalten und hat gar nichts extra gekostet – wichtig war uns nur, dass wir eine Bestätigung in Händen halten, dass die Räder mitkommen).

Und dann geht es mit dem gepäcklosen Rad in südöstlicher Richtung raus aus Chiang Mai – wir wollen heute noch zum  Elefantenpark radeln. Wir folgen der zweispurigen Schnellstraße Nr. 11 mit Seitenstreifen, auf dem sich flott fahren lässt – allerdings dauert es gute 20 km, bis bebautes Gebiet verlassen wird und so etwas wie bewaldete Hügel auftauchen. Es geht jetzt leicht bergauf weil ein kleiner Pass überwunden werden muss. Die Gegend ist ja recht nett, aber der Autoverkehr auf der Schnellstraße ziemlich nervig – Michl beschließt zurückzufahren, ich möchte mir die Elefanten nicht entgegen lassen.

Durch die zeitaufwendige Beschäftigung mit der Flugbuchung bin ich auch schon ziemlich spät dran und erreiche das Camp (72 km) erst kurz vor 14 Uhr – da ist die letzte Vorführung gerade aus. Besser wäre es gewesen, ich wäre gleich mit dem Rad auf der asphaltierten Straße durch die parkähnliche Landschaft zu dem Areal gefahren, wo die Elefanten ihre Vorstellung abliefern (angeblich spielen sie Fußball und zeigen Kunststücke), mit dem Warten auf den Mini-Zug habe ich weiter Zeit vertrödelt. So komme ich gerade zum Ende der Vorstellung, sehe aber noch ein paar von den netten Tieren. Mit Wildnis hat das ganze absolut nichts zu tun, genauso gut könnte man im Wiener Stadtpark ein paar Elefanten aussetzen, die wären dann in einer ähnlich natürlichen Umgebung, Andenkenläden, Imbissstände und sonstiger Rummel ist wie immer in Thailand dabei – sogar eine Gruppe Rennradfahrer ziehen hier im Park ihrer Runden.

Die Mini-Train tuckert noch am Elefanten-Hospital vorbei (wahrscheinlich wäre so mancher Thai über den Standard der medizinischen Versorgung, die Elefanten hier genießen, froh), scheitert an der folgenden Steigung (sodass die wenigen Fahrgäste zu Fuß gehen und erst oben wieder einsteigen können) und bringt mich letztendlich wieder zurück zu meinem an der Kasse abgestellten Rad.

Mittlerweile hat sich eine neue Situation ergeben: in Richtung Chiang Mai liegt eine drohend schwarze Gewitterwolke, sodass ich die Flucht nach vorne in Richtung Lampang antrete – vielleicht kann ich ja mit dem Zug zurückfahren, die Fahrt durch das Waldgebiet ist sicher recht nett.

Bald enden die bewaldeten Hügel und es geht wieder durch ödes Flachland, die Wolke hinter mir treibt zur Eile an. Als ich nach 104 km den Bahnhof von Lampang erreiche, fängt es gerade zum Tröpfeln an. Das Gebäude ist sichtlich neu renoviert und es wimmelt von unformierten Bahnbediensteten, jedenfalls erblicke ich von ihnen mehr als potentielle Reisende. Am Fahrkartenschalter dann die erwartete unerquickliche Kommunikation auf Englisch : „I wanna go today back to Chiang Mai with my bicycle in the train – is this possible?“ „Yes“ teilt der Uniformierte hinter dem Schalter mit, verschwindet und es kommt der nächste. Ich wiederhole mein Sprüchlein : ...ist this possible? „Yes“. Auftritt der Schalterkraft Nr. 2 beendet, es kommt ein Ununiformierter, der mir im passablen Englisch mitteilt, dass heute kein Zug mehr nach Chiang Mai fährt, der Räder mitnimmt, erst morgen früh wäre dies möglich.

Schade, dann kein Zug – Zurückradeln ist im Hinblick auf die Dunkelheit und die Gewitterwolke keine Option – also zum Busbahnhof. Den erreiche ich gerade rechtzeitig vor dem einsetzenden Platzregen und auch ein geeigneter Bus ist bald gefunden – ist zwar schon ein etwas betagtes englisches Modell, aber hinten ist Platz für mehrere Räder und sonstigen Krempel, der von den anderen Mitfahrenden auch eifrig eingeladen wird. Bis sich das Ding in Bewegung setzt, kaufe ich noch Getränke und Snacks im Laden am Busbahnhof ein und dann beginnt eine sehr gemütliche, durch unendlich viele Zwischenstops angereicherte Fahrt zurück nach Chiang Mai, das erst in völliger Dunkelheit erreicht wird.

Glücklicherweise habe ich mein LED-Licht für hinten parat und ich radle schnurstracks in Richtung Pizzeria, wo Michl schon wartet.

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CHIANG MAI - DOI PUI - CHIANG MAI

Heute ist der letzte Rad-Tag in Südostasien, wir werden die Reise mit einer Fahrt rund um den Hausberg von Chiang Mai, den Doi Pui, abschließen. Wir verlassen die Stadt in südwestlicher Richtung auf wenig befahrener Schnellstraße und ab der Abzweigung der Straße Nr. 1269 Richtung Westen wird das Radeln wieder richtig angenehm – durch eine wienerwaldähnliche Hügellandschaft mit lockerer Bebauung geht es leicht ansteigend dahin. Wir machen Rast bei einem ausgeschilderten Wasserfall, der sich allerdings nur als Rinnsal entpuppt – aber bei dem Faible der Südostasiaten für Wasserfälle muss man auch diesem Mickermann die gebührende Aufmerksamkeit schenken...

Noch ein eisgekühltes Getränk bevor die Straße ernsthaft bergauf geht – wie immer lassen wir einigen Schweiß hier in den Bergen Nordthailands. Auf eine steile Auffahrt folgt eine ebenso steile Abfahrt und dann geht es gleich wieder bergauf – aber das kennen wir schon. Wenigstens ist die zweite Auffahrt bis zur Abzweigung der Stichstraße nach Samoeng nicht allzu steil, auf der kurzen Abfahrt werden wir von einer Hochzeitsgesellschaft, die in einer Autokolonne unterwegs ist, gebremst.

Noch ein Steilstück und dann erreichen wir einen Aussichtspunkt – bei weniger Luftfeuchtigkeit hätte man von hier einen grandiosen Fernblick, so müssen wir uns mit schwach sichtbaren Hügelumrissen, die sich kaum vom Dunst abheben, bescheiden. Aber wir ernten Anerkennung von einer thailändischen Familie, die hier oben Picknick macht. Die Straße umrundet noch die ganze Westseite des Doi Pui und fällt dann in das „Mae Sae Valley“, ein Erholungs- und Freizeitgebiet für die Bewohner Chiang Mais, die der Hitze und dem Dunst etwas entkommen wollen, ab. Auch hier gibt es ein Elefanten-Camp, auch hier kommen wir zu der letzten Vorstellung um 14 Uhr zu spät, wenigstens erblicken wir von der Straße aus ein paar Elefanten beim Baden im Fluss. Auch hier ist von Urwald keine Spur, das Tal ist zudem ziemlich verbaut, aber ein paar landschaftliche schöne Stellen gibt es.

Nach 70 km erreichen wir dann die Einfahrt zum „Mae Sa“ Wasserfall, wieder lassen wir die Räder nur mit einem dünnen Billig-Schloss gesichert, am Parkplatz zurück. Diese Wasserfälle (es handelt sich um mehrere, da der Fluss Geländestufen zu überwinden hat) sind nummeriert und ein ausgebauter Spazierweg führt das Tal bergauf. Die Badegumpen dazwischen erfreuen sich bei den Thais großer Beliebtheit, ganze Großfamilien oder Teenagerhorden picknicken und planschen herum. Rings um die Wasserfälle ist sogar noch so etwas wie ursprünglicher Urwald zu sehen und vor mir flüchtet eine ca. 50 cm große graue Schlange mit rotem Kopf in das Unterholz.

Aus irgendwelchen Gründen stehen die Südostasiaten auf Wasserfälle, diese hier zählen zu den besseren – es scheint aber so, als ob grundsätzlich jeder Wasserfall, und sei er auch nur 2 m hoch, eine Hinweistafel verdient – etwas imposantere Fälle, wie zB die von Krimml, würden wohl einen Orgasmus auslösen...

Vorbei an Hotels, Resorts und anderen Freizeiteinrichtungen geht es wieder hinunter in das Becken von Chiang Mai, wo die Temperaturen deutlich unangenehmer sind als im relativ kühlen schattigen Tal der Wasserfälle. Die Rückfahrt entlang der dicht verbauten Straße war erwartungsgemäß kein Vergnügen, in der Pizzeria werden wir schon als Stammgäste begrüßt.

 

Das war dann das Radeln in SO-Asien: Am nächsten Tag werden die Räder nach dem Frühstück und dem morgendlichen Schwimmen in die am Vortag besorgten Kartons verpackt und der hoteleigene Bus bringt uns zu sehr angemessenem Tarif direkt zum Flughafen.

Angekommen in Bangkok werden die verpackten Räder gleich am Flughafen belassen und wir fahren wieder mit dem hoteleigenen Bus in das vorgebuchte „Silver Golden Hotel“, ein paar Kilometer vom Flughafen entfernt.

Am nächsten Tag gibt es dann noch die abschließende Stadtbesichtigung. Angesichts der flächenmäßigen Ausdehnung von Bangkok und den Vorstädten würde eine Rennradgruppe, die zB beim Königspalast eine Tagestour startet, mit Ach und Krach ein paar Flecken unverbautes Gebiet erreichen und müsste dann umkehren, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein.

Wir sind planmäßig und ohne Beschädigung der Räder wieder in München angekommen.