Rad - Reiseberichte Spanien-Portugal


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

KARTE
1. Tag:
SANTIAGO Flughaften - Hotel "Congreso"
17 km

2. Tag:

SANTIAGO - Camping "O Muino"

161 km, 1.220 hm

3. Tag:

Camping "O Muino" - VIEIRA DO MINHO

151 km, 1.505 hm

4. Tag:

VIEIRA DO MINHO - VINHAIS

167 km, 2.380 hm

5. Tag:

VINHAIS - LA BANEZA

151 km, 1.905 hm

6. Tag:

LA BANEZA - RIANO

143 km, 815 hm

7. Tag:

RIANO - COMILLAS

155 km, 1.865 hm

8. Tag:

COMILLAS - CASTRO URDIALES

130 km, 1.465 hm

9. Tag:

CASTRO URDIALES - ZARAUTZ

146 km, 1.820 hm

10. Tag:

ZARAUTZ - AURITZ

155 km, 1.905 hm

11. Tag:

AURITZ - SABINANIGO

147 km, 1.610 hm

12. Tag

SABINANIGO - BENABARRE

140 km, 1.865 hm

13. Tag
BENABARRE - SOLSONA
146 km, 1.460 hm
14. Tag
SOLSONA - CALDES über MONTSERRAT
130 km, 1.641 hm
15. Tag
CALDES de MONTBUI - CASTELLDEFELS
140 km, 1.826 hm

 

B e s c h r e i b u n g   d e r    T a g e s e t a p p e n :


SANTIAGO Flughafen - Hotel "Congreso":

Hat ja wieder ganz gut geklappt, trotz Umsteigen auf Mallorca in ein anderes Flugzeug: nach allen anderen Gepäckstücken erscheint zuletzt auch der Karton mit meinem Rad auf dem Gepäckband und ich kann mit dem Radzusammenbau beginnen. Ich verlasse die Abfertigungshalle als letzter Passagier meines Fluges und muss feststellen, dass es hier doch um einiges kühler als in Wien ist. Denn Pfützen neben der Straße nach zu schließen, muss es vor kurzem noch geregnet haben, der Himmel ist ziemlich wolkenverhangen.

Richtung Santiago werde ich gleich einmal mit der hiesigen Topografie vertraut gemacht, es geht rauf und runter bis nach einer kurzen Abfahrt die Stadt erreicht ist. Da es leicht zu Tröpfeln beginnt, verschiebe ich die Besichtigung auf den nächsten Tag und radle zuerst in Richtung meines per Internet schon vorgebuchten Hotels, ein paar Kilometer außerhalb der Stadt gelegen. Bis zum Hotel geht es aber permanent leicht bergauf, immer wieder verschiebe ich das Anziehen der Regenjacke in der Erwartung, gleich da zu sein.

Nach 17 km ab dem Flughafen ist es dann soweit und ich kann einchecken, das Rad wird in einem nicht benutzten Nebengebäude eingesperrt. Im nahegelegenen „Eroski“ (klingt nach osteuropäischem Pornoshop, ist aber eine Supermarktkette) besorgen ich zwei Bierdosen, eine schon fertig abgepackte Zusammenstellung verschiedener heimischer Käsesorten und Brot – fertig ist das Abendessen (war aber etwas viel Käse, dafür hat er gemundet).

In dem ziemlich großen Hotel sind außer mir nur Bustouristen, ab 7.30 (für spanische Verhältnisse fast mitten in der Nacht) soll es Frühstück geben.

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SANTIAGO - Camping "O Muino"


Beim üppigen Frühstücksbuffet lange ich im Bewusstsein, ein solches mit hoher Wahrscheinlichkeit lange entbehren zu müssen (ich sollte recht behalten) kräftig zu – in der Nacht hat es geregnet, aber jetzt schaut das Wetter gar nicht so schlecht aus.

Die sechs Bergab-Kilometer bis Santiago sind schnell erledigt, das historische Zentrum mit ebensolchem radfahrunfreundlichem Pflaster ist verkehrsfrei. Der große Platz vor der Kathedrale ist jetzt am Morgen noch ziemlich verwaist (nur ein paar Fußpilger verlieren sich dort) und hinterlässt deshalb darob seinen Dimensionen einen noch nachhaltigeren Eindruck.  Aber nicht nur die zahlreichen Sakralbauten sind interessant, der Innenstadtkern besteht fast vollständig aus historischen Gebäuden.
Die Ausfallstraße Richtung Küste führt zuerst durch Gewerbe- und Industriegebiet und ist dank der parallel führenden Autobahn nur mäßig befahren, zudem gibt es einen breiten Seitenstreifen. Und es geht leicht bergab – entsprechend schnell bin ich in Padron (30 km), kurz nach dem Ort wird ein Fluss auf einer historischen Brücke überquert. Bei Infesta zweige ich von der Straße Nr. 550 in Richtung Vilagarcia ab – bald kommt die erste Hügelkette, nach der Abfahrt geht es lange entlang dem Ria (so heißen die fjordähnlichen Flussmündungen in der Gegend – hier verschwimmt die Grenze zwischen Fluss und Meeresarm), schöne Straße, schöne Landschaft, die mit dem vielen Grün so ganz unspanisch wirkt.

In Vilagarcia (51 km) gönne ich mir den ersten Cafe con Leche und nach Cambados schneide ich über kleine Nebenstraßen ein schönes Stück der Halbinsel ab (es sind halt ein paar Höhenmeter zurückzulegen, dank der gemäßigten Steigung aber kein Problem). Mittlerweile hat sich die Sonne durch die Morgennebel durchgekämpft und es ist ein schöner Tag geworden. Nach einer schnellen Abfahrt erreiche ich kurz vor Pontevedra den nächsten Ria, der natürlich ausgefahren werden muss. Gut, dass ich mich im Ort (90 km) bei einem Polizisten, der zumindest gebrochen Englisch spricht, nach der Befahrbarkeit der Autobahnbrücke über den Ria de Vigo erkundige, das geht nämlich nicht mit dem Rad und so muss ich die fast einem Binnensee ähnliche Meeresbucht umfahren – ist aber eigentlich eine schöne und gut zu fahrende Strecke.

In Retondela (111 km) fällt die stählerne Eisenbahnbrücke auf, die ein ganzes Wohnviertel überspannt. Die Autobahnbrücke ist schon von weitem zu sehen – da wäre ich mit dem Rad wirklich nicht drübergekommen. Kurz vor Vigo mache ich dann noch eine kurze Rast in einer Bar – dank den Kalorien vom Frühstück reichen fürs Erste zwei schokogefüllte Lufthörnchen. In Vigo halte ich mich einfach immer an die küstennächste Straße und lerne so die ausgedehnten Hafen- und Werftanlagen und leider auch am Ortsende einen mehrspurige Unterführung kennen.

Noch ein paar Kilometer die Küste entlang und dann wird die Bucht von Baiona (150 km) umrundet – im hübschen Ort fällt sofort die alte Burg und der im Hafen liegende Nachbau der „Pinta“ – eines der drei Schiffe, die mit Columbus die Überfahrt nach Amerika unternommen haben und das bei der Rückkehr als erstes Baiona erreicht hat. Auf dem langen Steg bis zum Schiff kann man sogar radeln, der Eintrittspreis ist mit einem Euro sehr angemessen und man gewinnt einen guten Eindruck von den äußerst beengten Verhältnissen an Bord, muss während der zweimaligen Atlantiküberquerungen mühsam und entbehrungsreich gewesen sein.

Als eine Schulklasse das Schiff entert, steige ich wieder aufs Rad und radle noch vor bis zum Ortsende und dem Kai dort. Zum Unterschied vom geschützten Hafen kann sich hier das Meer so richtig entfalten, Brecher um Brecher branden gegen die Steinküste. Noch einmal die Wasserflasche nachgefüllt und dann beginnt eine wunderschöne Küstenstraße – die Radarkontrolle betrifft mich nicht, ich werde von den Polizisten nur freundlich gegrüßt.

Die kaum befahrene Straße führt immer dem Meer entlang, die Hügel auf der Landseite werden langsam immer höher. Nach einem Leuchtturm im klassischen rot-weiß gestreiften Outfit geht es noch an dem kleinen Ort Arrabal (Oia) vorbei, nahe am Meer steht ein großes Kloster.

Vereinzelt gibt es geschlossene und geöffnete Gaststätten entlang der Straße, auch Zimmer werden angeboten. Ich widerstehe jedoch dieser Versuchung und radle weiter bis zum empfohlenen Campingplatz „O Muino“ – von weitem schon ist die Windmühle erkennbar.

Außer einem Wiener Wohnmobiltouristen und einer spanischen Familie bin ich der einzige Gast am Platz, Restaurant und Market sind natürlich noch geschlossen. Nach Zeltaufbau und Duschen muss ich daher noch 4 km bis in die nächste kleine Ortschaft radeln, um dort in einem recht netten Lokal ein Abendessen (Tintenfischringe mit Pommes) zu bekommen. Gewöhnungsbedürftig ist für mich nur die Größe der Bierflaschen – 0,25 Liter ist für den durstigen Radfahrer etwas knapp bemessen.

Im kleinen Ortsladen, wo es von Keksen bis zur Schaufel alles zu kaufen gibt, erstehe ich noch Fruchtjoghurt für mein Morgenmüsli, radle zurück zum Campingplatz und schlafe trotz der Geräuschkulisse, die der Atlantik zu verantworten hat, sofort ein.

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Camping "O Muino" - VIEIRA DO MINHO


Etwas feucht die Gegend hier – tief hängen die Wolken über den Hügeln, das Überzelt ist nass. Aus den Wolken könnte es auch bald zu regnen beginnen und so beeile ich mich mit dem Zeltabbau und genieße mein Frühstücksmüsli auf der Bank nahe dem Waschraum neben dem reisefertigen Rad.

Im Ort hat schon eine Bar geöffnet – also der obligatorische Morgenkaffee und dann weiter die Küstenstraße Richtung Süden. Die Wolken entpuppen sich nur als Nebelschwaden, und auch diese lichten sich zusehends – kurz vor A Guarda bricht schon die Sonne durch. Die Küstenstraße ist bis in den Ort hinein sehr schön zu fahren – da sich die Kelten aber nicht neben der heutigen Straße, sondern oben auf einem Hügel angesiedelt haben, verzichte ich auf einen Besuch ihrer Siedlung und rolle gleich hinunter zur Fährstation (22 km) um über den Ria nach Portugal zu übersetzen.

Die Fähre fährt stündlich und ist überraschend günstig – ich bezahle nur 70 Cent und bis zur Abfahrt bin ich in der Cafeteria zu finden, das Überzelt trocknet derweil in der Sonne. Nach ein paar Minuten Fahrt über das spiegelglatte Wasser legt die Fähre in Caminha an und ich radle auf portugiesischer Straße weiter. Die Küste ist hier nicht mehr so spektakulär wie auf spanischer Seite, aber immer noch schön, leider ist hier wieder etwas mehr Verkehr und auch der Belag ist nicht so perfekt wie beim großen Nachbarn.

In der ersten größeren Stadt Viana do Castelo (47 km) ist einiges los – dürfte sich um so eine Art Wochenmarkt handeln, außer Lebensmittel wird so ziemlich alles verkauft, entsprechend groß ist der Rummel. Und im Stadtzentrum ist auf den Hauptplatz wegen Menschenmassen auch kein Durchkommen, hier wird eine Show für das Fernsehen aufgezeichnet, die Leute sind mit Begeisterung bei der Sache.

Ich ziehe mich in die ruhigen Nebenstraßen auf der Suche nach einem Lokal für das Mittagessen zurück, habe bei meinen Überlegungen aber die Zeitverschiebung vergessen – in Portugal ist es eine Stunde früher. Endlich finde ich ein Restaurant, das jetzt schon Mittagsmenüs anbietet und genieße eine ganz gute Mahlzeit mit Fisch als Hauptgericht, 3 Gänge + Getränk + Kaffee für den Pauschalpreis von 10 Euro - ist angemessen.

Viano liegt recht schön an einer Flussmündung und diese muss überquert werden, es bieten sich zwei Optionen an: die eine Brücke (eine alte Stahlkonstruktion, nach Aussage eines Passanten, den ich nach dem Weg frage, von Eiffel) wird gerade renoviert, weiter östlich dann noch eine Autobahnbrücke. Die erste Brücke ist mir daher bei weitem sympathischer, ist jedoch wegen Instandsetzungsarbeiten für den Autoverkehr gesperrt – Radler und Fußgänger dürfen aber rüber.

Auf der anderen Seite wendet sich der Straße endgültig von der Küste ab und es geht durch das hügelige Landesinnere - leider auf recht stark befahrener Straße – bis Barcelos. Diese Kleinstadt scheint sich gerade für ein Fest zu rüsten, im Stadtpark werden Verkaufsstände für alles mögliche aufgebaut und bunte Lichtreklamen aufgehängt. Nach dem Ort irre ich in einem Kreisverkehr kurz umher, da die direkte Verbindung nach Braga die Autobahn ist – aber ein Fahrer eines Kleinlieferwagens bliebt stehen, ortet das Problem und leitet mich auf den richtigen Weg.

Braga (111 km) liegt auf einem Hügel und es geht dorthin leicht bergauf. Im Zentrum bediene ich mich mal bei einem Brunnen und fahre dann langsam durch die belebte Fußgängerzone, sogar eine Touristeninformation mit einer Englisch sprechenden (absolute Rarität in Portugal) Dame gibt es dort. Ich erörtere mir ihr meine beabsichtigte Route und ich kriege einen Hinweis auf eine Unterkunft direkt an der Straße.

Braga hat einen wirklich sehenswerten Stadtkern und einige interessante Gebäude, aber ich habe heute noch einiges vor und verlasse die Stadt auf einer autobahnähnlichen Schnellstraße, die sich aber nach den letzten Vororten zu einer gut ausgebauten Landstraße verengt und die andauernd sanft ansteigt und daher bequem zum Radeln ist.

Ein nett aussehendes Motel mit schönem Ausblick kurz nach Braga ladet zur Übernachtung ein, aber ich will noch ein Stück weiterkommen. Der Verkehr nimmt mit der Entfernung zur Stadt ab, die Anzahl der Kurven dafür mit jedem Kilometer zu – ohne Kunstbauten wie Brücken oder Tunnels schlängelt sich die Straße den Berghang entlang, links blickt man ins Flusstal, ich bin jetzt schon einige hundert Meter höher.

Bald ist die Abzweigung nach Viera do Minho erreicht, kurz danach sollte nach Auskunft der Touristeninfo ein Hotel kommen – ich finde es aber nicht, nur den Hinweis auf ein im Tal gelegenes Parador, selbiges ist mir sicher zu teuer. Weiterfahren ist etwas unsicher, also beschließe ich, Richtung Viera abzufahren, dort sollte es sicher Quartier geben. Zurück zur Kreuzung und dann rollt das Rad ohne Treten vier Kilometer bergab bis in den Ort – der ist gar nicht so klein, aber bei der Ortsrunde finde ich keinen Hinweis auf irgendeine Unterkunft mit Ausnahme der Hinweistafel auf einen Campingplatz, aber das ist nur eine Notlösung – ich bin mir nicht sicher, ob meine Ausrüstung für die doch kühleren Nachttemperaturen hier in den Bergen ausreichend ist.

Hier gibt es keine Infostelle, in einem Reisebüro werde ich aber auf zwei Übernachtungsmöglichkeiten hingewiesen, die erste ist schon voll (oder will nicht vermieten), die zweite ist im besten Restaurant des Ortes, aber preisangemessen und komfortabel. Abendessen gibt es in der Fastfood-Pizzeria bei der Ortseinfahrt – war aber nicht sehr aufregend, zudem recht teuer – ich sollte wieder auf die landesübliche Kost umsteigen.

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VIEIRA DO MINHO - VINHAIS


Ganz schön frostig hier in den Bergen am Morgen – gut, dass ich nicht gecampt habe. Beim Kartenstudium am Frühstückstisch fällt mir eine weiß eingezeichnete Verbindungsstraße über Fontelas zur Hauptstraße auf, mit Hilfe derer ich ein Stück abkürzen könnte – allerdings rät mir die Wirtin davon ab, weil die Straße zu schlecht sei.

Auch gut, wärme ich halt bei der Auffahrt zur Hauptstraße die Muskeln auf und dann beginnt eine wahre Kurvenorgie – Autoverkehr gibt’s kaum, jeder Flusslauf wird ausgefahren, sanfte Abfahrten und Gegensteigungen – aber eine wunderschöne Strecke. Durch die vielen Richtungswechseln stört auch der Wind nicht wirklich, der oben auf den Bergkämmen recht stark sein dürfte (zumindest nach den Propellerumdrehungen der zahlreichen Windkraftwerke). Wenn Rückschlüsse von der Einmündung der Straße über Fontelas auf die Hauptstraße zulässig sind, hat meine Quartiergeberin recht behalten – zumindest von der Kreuzung weg sind nur Asphaltreste sichtbar und jede Menge Schotter auf der Fahrbahn.

Nach 31 km ist ein schön gelegener Stausee erreicht, dessen Buchten wie gewohnt alle abgeradelt werden. Auf dem Südufer des Sees ist noch Nadelwald, sonst wird die Gegend zusehends kahler und bald sieht man die riesige Staumauer des größeren Sees „Barragem do Rabagao“ und es geht auf einem Kilometer steiler bergauf. Mit Erreichen des Seeniveaus (51 km) und dem Wind im Rücken beginnt dann eine flotte Fahrt, nur unterbrochen von einer kurzen Einkehr in einem Rasthaus (es ist Wochenende und die spärlichen Einkaufsmöglichkeiten müssen genutzt werden). Drei Stück frischen Gebäcks müssen für die Weiterfahrt reichen.


Hier ist man wirklich im portugiesischem Outback, ich habe die Straße für mich alleine. Ganz sanft wird ein kleiner Pass erreicht und dann beginnt eine lange Abfahrt – die fast baumlose Umgebung verödet für einen kurzen Abschnitt zu einer richtigen Steinwüste, aber im Tal des Rio Terva wird es gleich wieder grün. Noch eine kurze Steigung über die nächste Hügelkette und ich befinde mich im breiten Tal des Rio Tamega und folge dem Flusslauf bis in die größere Stadt Chaves (111 km) – eine nette Altstadt gruppiert sich um die Burg.

Obwohl schönes sonniges Wetter bin ich der einzige Gast, der sein Mittagessen im Freien einnimmt – alle anderen sitzen drinnen im dunklen Lokal. Wieder ist ein Pauschalbetrag zu entrichten (9 Euro) und ich bekomme eine komplette Mahlzeit (man kann fast immer zwischen mehreren Vor-, Haupt- und Nachspeisen wählen).
Gut, dass ich im gastlichen Chaves eingekehrt bin, weil jetzt wieder Niemandsland beginnt. Sanft steigend führt die Straße aus dem Tal nach Osten, Autobahn und Hauptstraße gehen in nördliche Richtung nach Spanien. Ich bin schon wieder ziemlich hoch oben und genieße dementsprechend schöne Ausblicke in das Umland, bis die Straße lange in das nächste Flusstal abfällt. Angenehm, das Rad mal wieder laufen lassen zu können, weniger angenehm ist der Anblick der gegenüberliegenden Hügelkette, auf dem der Ort Rebordelo thront, wo ich in einer halben Stunde raufradeln werde.

In einer weiten Schleife führt die Straße in das felsige Tal, überquert den Fluss und steigt dann am Gegenhang sofort an. Zu meiner Überraschung ist am Ortsende von Rebordelo (141 km) ein großes Hotel, wo ich meinen Nachmittagskaffee trinke und ein Eis esse – der Wirt unterbricht sogar die Betrachtung eines live übertragenen Fußballspiels, um sich nach meiner Tour zu erkundigen – auf Französisch können wir uns ganz gut verständigen.

Ein Stück geht heute noch – schnell bin ich im Hinblick auf die stets leicht ansteigende Straße nicht, aber in der Abendsonne ist schön fahren, abschnittsweise werde ich auch mit neu aufgetragenem Asphalt verwöhnt.

Vinhais als einziger größerer Ort vor Braganca bietet sich als Etappenziel an, Quartier finde ich direkt an der Hauptstraße. Wie ich am nächsten Morgen feststellen sollte, befindet sich der historische Ortskern aber noch weiter östlich. Nachdem ich mich in der Badewanne geaalt habe, gibt es Abendessen wieder in der örtlichen Pizzeria, günstiger und besser als gestern. Ein Besuch im Internet-Cafe rundet den Abend dann ab.

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VINHAIS - LA BANEZA


Wie immer leide ich unter dem kalorienarmen südeuropäischen Frühstück – bis Braganca muss es aber reichen. Zuerst geht es wieder flott dahin - runter zur nächsten Brücke, dann wieder rauf und so weiter. Schöne Landschaft, kein Verkehr und bestes Wetter, die Straße ist leider nicht immer im besten Zustand – bei den Abfahrten muss man doch vorsichtig sein.

In der Stadt (31 km) fällt zuerst einmal das historische Kopfsteinpflaster auf – da ist nur ein Dahinzuckeln im Schritttempo möglich. Ich wäre gern zur Burg hochgefahren, angesichts des Straßenbelages verzichte ich aber darauf, rumple durch die recht nette Innenstadt und finde bald eine Konditorei mit reicher Auswahl an Süßspeisen – gerade richtig für das zweite Frühstück.

Auch Braganca liegt nicht am Talgrund und so geht es einmal ein Stück bergab, bis ein Flusstal erreicht ist, die Straße nach Spanien folgt kilometerlang dem Fluss. Ganze Horden von Rennradlern kommen mir entgegen, alle freundlich grüßend. Noch durch zwei kleine Ortschaften und dann steigt die Straße aus dem grünen Tal hoch in karstige baumlose Hügel. In dieser Öde liegt die ehemalige spanische Grenzstation und nach dem ersten Ort im Nachbarland Calabor, der einen ziemlich verlassenen Eindruck macht, geht es lang bergauf.

Immer, wenn ein Hügel erreicht ist, tut sich dahinter der nächste auf und für ein kurzes Stück wird es sogar richtig steil. Rundum in der unbewohnten Gegend nur Steine und Geröll, Wasser gibt es hier auch keines. Dann eine längere Abfahrt in das weite Tal des Rio Tara und in Puebla de Sanabria (73 km) gibt es dann wieder alle Annehmlichkeiten der Zivilisation, wie eine reiche Auswahl an Restaurants, Unterkünften und sogar einen Campingplatz.

Wieder finde ich zielsicher eine Bäckerei – nur die Tiefkühlpizza, die für mich aufgewärmt wird, ist unverschämt teuer (10 Euro). Dafür habe ich ein nettes Gespräch mit einem spanischen Pärchen, dass sich zu mir setzt und Näheres über meine Reise erfahren möchte.
Auf den Bergen der Sierra Cabrera im Norden liegen auf den Gipfeln noch Schneereste – ich umfahre das Gebirge jedoch in nordöstlicher Richtung auf der Straße Nr. 125.

Vorher noch ein paar Kilometer auf der Hauptstraße, dank der Autobahn auch hier kaum Verkehr. Die Radarkontrolle der Straßenpolizei betrifft mich nicht, ich werde wieder nur freundlich gegrüßt. Nach der Abzweigung bei Palacios muss ich mir die Straße nur mit Motorradfahrern teilen, die hier ihre Maschinen voll ausfahren – für mich bremsen sie beim Überholen aber alle brav ab, sind halt wie die spanischen Autofahrer gut erzogen.

Eigentlich hätte man die Straße 125 ruhig ein Stück weiter östlich führen können, dort dürfte es nämlich flacher sein – hier merkt man doch die Ausläufer der Berge. Die wenigen Siedlungen machen einen ziemlich verlassenen Eindruck, nach einem kleinen Pass geht es dann flott hinab ins nächste Tal – dem Flusslauf des Rio Eria folgt man aber nur kurz.

Eine über lange Strecken schnurgerade Straße leitet den Radler dann nach La Baneza, dem logischen Etappenort. Campingplatz gibt es hier nach Auskunft der Polizisten, die bei der Autobahnausfahrt kontrollieren, nicht, aber mir fällt ein Rasthaus mit riesigem Parkplatz auf, das auch Zimmer anbietet – fragen kann man mal.

Die sehr schönen Zimmer sind günstig und das rund um die Uhr geöffnete Rasthaus sichert mir auch die Nahrungsmittelversorgung – ich bleibe gleich dort, esse noch zu Abend (Essen hat halt Autobahnrasthausqualität...) und widme mich dann den Übertragungen der spanischen Fußballliga. Dank der aufwendig gedichteten Fenster höre ich die Autobahn, nur hundert Meter von meinem Fenster entfernt, gar nicht.

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LA BANEZA - RIANO


Frühstück kaufe ich mir in Einzelteilen im Rasthaus zusammen – wie gewohnt wird es nicht sehr lange reichen. Ich fahre quer durch das Zentrum von La Baneza und werde vom direkten Weg nur durch ein paar Einbahnen abgelenkt – viel Sehenswertes gibt es hier nicht.

Schon beim Kartenstudium am Frühstückstisch habe ich beschlossen, den Großraum Leon (obwohl diese Stadt sicher interessant wäre) südlich zu umfahren und meine Aufmerksamkeit der in meinem Reiseführer als sehenswert klassifizierten Kirche „Monasterio San Miguel“ zu schenken. Bis in den nächsten größeren Ort Santa Maria geht es auf der schnurgeraden Hauptstraße mit erträglichem Verkehr, am Ortsende beschließe ich, Obst einzukaufen, um der drohenden Skorbut-Gefahr zu entgehen – ein paar Vitamine wären nicht schlecht.

Am Straßenrand auf einer Bank vor einer Bank verzehre ich schlechte Äpfel und hervorragende Birnen und widme mich dann dem Abstrampeln von vielen Kilometern in recht öder Landschaft – rechts Felder, links Felder, nur ganz in der Ferne im Norden sind die Berge zu erkennen, die ich heute noch erreichen möchte.

In der Gegend von Valdevimbre wird es interessanter – hier wurden in das Gestein viele Höhlen gegraben, die (da man oft Schornsteine sieht) früher offenbar auch zu Wohnzwecken benutzt wurden – heute dienen sie als Weinkeller. Da es hier auch so etwas wie spanische Heurigenlokale gibt, ähndelt die Gegend den Kellergassen im Weinviertel in Niederösterreich, schade, dass jetzt Vormittag ist (und daher alles geschlossen hat), ein Schlückchen des lokalen Tropfens hätte ich gerne gekostet.

Nach Überquerung von Auto- und Eisenbahn radle ich in weitem Bogen bis zur Kleinstadt Mansilla (54km), großteils von einer Stadtmauer umgeben, und treffe hier wieder auf den Jakobsweg – Scharen von Pilgern sind unterwegs. Ich finde im Zentrum eine originell eingerichtete Konditorei (so etwa im Stil der 60er Jahre) und mache eine kurze Pause.


Ab hier wird die Gegend wieder hügliger – ich überquere den Rio Esla und fahre am Fuß der Hügelkette auf einer kleinen Landstraße weiter in nordöstlicher Richtung, die Kirche San Miguel ist schon angeschrieben. Trotz der zwei Mehlspeisen von vorhin habe ich leichten Hunger und tröste mich mit der Hoffnung, bei der Sehenswürdigkeit auf entsprechende touristische Infrastruktur zu stoßen – in den kleinen Dörfern entlang der Strecke gibt es gar nichts.

Zweihundert Meter geht es steiler bergauf und dann stehe ich vor der Kirche (69 km) – ich bin aber der Einzige weit und breit, der Parkplatz ist verwaist, die Kirche versperrt – nix Touristenrummel. Da ich nicht hinein kann, gehe ich halt um die Anlage herum und radle dann gleich weiter auf der einspurigen, aber asphaltieren Straße den Hügel hoch – etwas im Zweifel, ob ich hier richtig bin.

Nach 5 km treffe ich dann bei Mellanzanos auf eine größere Straße, die bald wieder in das Flusstal zurück abfällt – die gerade erarbeiteten Höhenmeter waren eine Fleißaufgabe. Allerdings hat man von der Hügelkette einen schönen Ausblick auf die Berge – die Gipfel noch schneebedeckt.

Eine schöne, autofreie Landstraße führt am Westufer des Rio Esla in nördlicher Richtung durch verschlafene Dörfer – meine Hoffnung auf ein geöffnetes Gasthaus wird in jedem Ort enttäuscht, abschnittsweise lässt auch die Asphaltqualität zu wünschen übrig.

Schon ziemlich hungrig erreiche ich dann die Hauptstraße kurz vor Cistierna (107 km), hier gibt es doch eine größere Auswahl an Restaurants – ich treffe eine gute Wahl in einem Hotelrestaurant in einer Seitengasse und genieße für 9 Euro ein gute Menü mit Fisch als Hauptgang.

Schon bei den letzten Häusern des Ortes ändert sich das Landschaftsbild, es wird gebirgiger. Die Straße Nr. 625, obwohl Hauptstraße, ist wenig befahren und folgt weiter dem Tal des Rio Esla – durch die vielen Richtungswechsel stört auch der hier spürbare Wind nicht wirklich – Autoverkehr ist kaum.

Dann sieht man eine markante Geländestufe – zwei Serpentinen führen hoch zu einer Staumauer – die Straße geht drüber und verschwindet gleich in einem kurzen Tunnel. Hier ist schon richtige Gebirgslandschaft – es geht über eine Hügelkette und einen zweiten Tunnel und über eine lange Brücke in den einzigen größeren Ort der Gegend, nach Riano.


Eine Weiterfahrt hat heute kaum noch Sinn, zwischen hier und dem nächsten Dorf mit Übernachtungsmöglichkeit wäre noch ein Pass zu überqueren – mal sehen, was Riano so bietet. Der Campingplatz am See hat noch geschlossen (ich bin nicht unglücklich darüber), ein Zimmer ist, obwohl manche Betriebe sichtlich noch gar nicht geöffnet haben, gleich gefunden. Das Abendessen wird aus zwei Komponenten zusammengesetzt – der Einkauf im Lebensmittelgeschäft gegenüber und ein Teller Nudeln im (recht teuren) Hotelrestaurant.

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RIANO - COMILLAS


Im Lebensmittelladen habe ich gestern noch Joghurt besorgt und so kann ich mir - im Hinblick auf die gebirgige Etappe heute – wieder einmal ein Morgenmüsli zubereiten – meine Vorräte am mitgenommenen Müsli schwinden aber zusehends.

Gut, dass ich nicht im Zelt übernachtet habe, hier in der Höhe ist es am Morgen ziemlich frisch, kurz überlege ich sogar, die Knielinge und Langfingerhandschuhe überzustreifen, auch, weil es die ersten Kilometer entlang des Stausees steigungsfrei flott dahingeht.

Diese Gedanken schwinden aber spätestens bei der Abzweigung zum ersten Pass, da die Straße jetzt ansteigt und die Außentemperatur rasch zunimmt. Direkt an der Kreuzung hat es sich eine Kuh auf der Fahrbahn gemütlich gemacht, sie macht aber dem Radler bereitwillig Platz.

Schon weit vor der Passhöhe „Puerto de Panderruedas“ (23 km, 1450 Meter hoch) verflacht die Straße und der letzte Kilometer kann zügig zurückgelegt werden. Die glasklare Luft garantiert einen weiten Fernblick, die Gipfel sind schneebedeckt, weiter unten ist alles grün, eine schöne Landschaft. Auf der Passhöhe beginnen Fußwege, Tische und Bänke sind aufgestellt und auch der große Parkplatz lässt ahnen, was hier zur Hauptsaison los sein wird.

Ich widme mich der flotten Abfahrt hinunter nach Posada und verliere ordentlich Höhenmeter. Hier haben auch noch viele Betriebe geschlossen, aber auf dem kleinen Hauptplatz gibt es auch ein Hotel mit Restaurant – egal, wäre gestern zu weit gewesen.

Der weitere Wegverlauf ist für einen Moment unklar – erst nachdem ich Bauarbeiter nach dem richtigen Weg gefragt habe, plage ich mich mit dem Rad über einen einspurigen, schlecht asphaltierten Weg weiter in Richtung des nächsten Passes. Und nach den letzten Häusern wird der Weg brutal STEIL (auf meiner Karte sind 7 % verzeichnet – ein Scherz - nach meinem Tacho waren es auf dem steilsten Stück knapp 20 % !). Mit der kleinstmöglichen Übersetzung quäle ich mich und mein Equipment über die einspurige, verkehrsfreie Straße immer höher in Richtung der nächsten Ortschaft und gewinne natürlich rasch an Höhe. In Marina de Valdeon gibt es am Gegenhang auch einen Campingplatz, auch der hat noch geschlossen.

Noch ein kurzes Stück am Ortsende wieder extrem steil hoch und dann „normalisiert“ sich die Straße zu einer zweispurigen Landstraße, die gemütlich in weiten Kehren weiter nach oben zieht (hier dürften die 7 % Steigung stimmen).

Auf der Passhöhe „Puerto de Pandetrave" (43 km, 1562 Meter hoch) hat es sich ein holländisches Ehepaar mit Wohnmobil schon gemütlich gemacht – wir kommen kurz ins Gespräch und tauschen Raderfahrungen aus.

Wieder folgt eine flotte Abfahrt, weiter unten ist die Landschaft um einiges karger als im Hochtal von Posada und nach ein paar Kilometern erreiche ich bei Portilla die Hauptstraße, die durch eine wildromantische Schlucht wieder langsam ansteigt. Obwohl die Straße Nr. 621 auf meiner Karte als rote Straße verzeichnet ist, fährt hier kaum ein Auto – diese Route ermöglicht aber auch nicht ein rasches Fortkommen mit einem solchen – zum Radfahren ideal.


Nach Lanaves am oberen Ende der Schlucht erreicht man ein weites Almgebiet, an dem Design der Almhütten erkennt man, dass man nicht in den Alpen ist. Mit sehr radfreundlichem Steigungswinkel erklimmt die Straße in einer weiten Schleife den höchsten Pass der Gegend „Puerto de San Giorio“ (62 km 1609 Meter hoch).

Oben wieder ein Rastplatz und ein toller Blick, den man im Wissen, dass es jetzt bis auf Meeresniveau bergab geht, noch besser genießen kann. Knapp unterhalb der Passhöhe steht ein Denkmal in Gestalt einer Gämse, wird hier in der Gegend schon welche geben. Und dann werden gnadenlos Höhenmeter vernichtet – unzählige Kurven perfektionieren die Technik, nur auf den manchmal etwas holprigen Belag mit Schlaglöchern muss man aufpassen.

In Potes ist man wieder ziemlich weit unten, entsprechend warm ist es hier – an der Straße finde ich ein kleines Gasthaus, offenbar von einheimischen Arbeitern frequentiert, mit Menüangebot. Eine zwar nicht besonders raffiniert zubereitete, aber sättigende Mahlzeit ersetzt mir die verbrauchten Kalorien und es geht bald weiter. Zu meiner Überraschung ist hier ziemlich starker Gegenwind – aber erstens geht es leicht bergab und zweitens verengt sich das Tal wieder zu einer kilometerlangen Schlucht, die sich in Richtung Norden windet – hier habe ich guten Windschutz und komme recht flott voran. Selten bin ich durch eine so lange Felsschlucht gefahren, weiterhin eine schöne Radstrecke.

Bei Panes weitete sich das Tal, es gibt aber noch ein paar kurze Steigungen zu bewältigen, da die Straße nicht direkt neben dem Fluss verläuft und nach langer Zeit muss ich mich wieder mit Verkehr anfreunden. Der nahe Atlantik macht sich mit hochnebelartigem Dunst und üppig grüner Vegetation bemerkbar, es dauert nur noch etwas, bis ich das Meer tatsächlich wieder sehe.

Im Örtchen Ungeera treffe ich auf Auto- und Eisenbahn, Hauptstraße etc. – ab hier folge ich der Straße 634 in östlicher Richtung. Ausgerechnet auf dieser doch stärker befahrenen Straße kommen mir ein paar Reiseradler mit Gepäck entgegen. Das Meer sieht man nur, wenn sich die Straße zu den Flussmündungen senkt, ansonsten geht es über die grünen Hügel auf und ab. Viele Bauernhöfe und die dazugehörigen Rinder neben der Straße, überall grüne Hügel und im Hintergrund kann ich im Dunst noch die schneebedeckten Gipfel der Picos entdecken – eigentlich eine Bilderbuchlandschaft.

Im netten Fischerhafen von San Vicente (135 km) noch eine letzte Stärkung in einer der Konditoreien, ab hier werde ich langsam Ausschau nach einem Quartier halten.

Warum nicht im nächsten größeren Ort Comillas? Bei der Abfahrt in die Stadt fällt zuerst einmal ein riesiger palastartiger Bau (nach meinem Reiseführer früher eine päpstliche Universität) auf, gleich darauf ist das schön renovierte Ortszentrum mit Hauptplatz und Kirche erreicht – nur in dem im Reiseführer empfohlenen Quartier vermietet man keine Zimmer mehr – aber ich finde noch etwas besseres.

Ein freundlicher alter Herr führt eine schöne und preiswerte Pension an der östlichen Ortsausfahrt (deutlich preiswerter als das gegenüberliegende Hotel) und bietet noch ein besonderes Service: Waschmaschine + Trockner! Mit den 3 Euros, die ich ihm für die Benutzung derselben gebe, ist er hochzufrieden und führt mich noch persönlich (nachdem ich ihm nach einem Internet-Cafe gefragt habe) in die örtliche Bücherei, wo man gratis (!) einen PC benutzen kann. Noch ein paar Lebensmittel im Supermarkt eingekauft und damit ist gleich Abendessen und Frühstück gesichert (nur die Müsli-Vorräte werden weiter angeknabbert...).

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COMILLAS - CASTRO URDIALES

 

Ich bin kaum in Tritt gekommen, wird die Fahrt auch schon wieder unterbrochen – die Besichtigung des historischen Städtchens Santillana (17 km) steht am Programm – leider ist das mit dem Rad im Hinblick auf das historische Pflaster ein Problem – hier sollte man sich nur mit einem vollgefederten MTB herumtreiben. So muss ich den Pflastersteinen fast mehr Aufmerksamkeit als den nett renovierten alten Gebäuden um mich herum widmen. Der Ortskern ist vollständig erhalten geblieben und entsprechend rausgeputzt – jetzt am Morgen bin ich mit ein paar Lieferanten, welche die zahlreichen Restaurants und Hotels bedienen, alleine.

Welch Wohltat wie ruhig sich nach dem Gerüttel im Ort auf der Landstraße fahren lässt – die ländliche Idylle hat aber jetzt vorerst einmal ein Ende, die riesigen Industrieanlagen der nächsten Stadt Torrelavaga sind schon von weitem sichtbar. Auf der Landkarte hab ich schon eine Umfahrung von Santander auf kleinen Straßen ausgearbeitet – dazu muss ich aber zuerst durch Torrelavaga.

Die Stadt scheint nicht besonders reizvoll zu sein, aber wenn ich schon durchfahren muss, könnte ich mir doch gleich die fehlenden Straßenkarten für die Weiterfahrt Richtung Osten besorgen – dazu muss ich eine Buchhandlung finden.

Der Ort ist voller Geschäfte – ich will aber möglichst wenig Zeit mit individuellen Suchaktionen vertrödeln und beschließe, jemanden nach einer Buchhandlung zu fragen. Dazu wende ich mein bewährtes Auswahlverfahren an: nicht zu alt, halbwegs intelligent aussehend, aber auch nicht zu jung – weil die wenigsten Spanier unter 20 (zumindest die ich getroffen habe) können Fremdsprachen. Und ich werde gleich beim ersten Versuch glücklich: der ältere Herr spricht sogar etwas Deutsch (da er in Deutschland gearbeitet hat) und lässt es nicht bei einer Wegbeschreibung, er will mich persönlich führen – nur scheint er selbst noch nicht so genau zu wissen, wo es Landkarten gibt. Er besteigt seine Vespa, ich hinterher, er fragt ein paar Personen und nach gewagten Links-Rechts-Kombinationen auf legaler und illegaler Strecke ist schließlich eine Buchhandlung gefunden, wo ich zwei Michelin-Karten erstehe.

Ich bedanke mich für die Führungsarbeit, werde mit den besten Wünschen für die Weiterfahrt entlassen und finde mich etwas orientierungslos im Gassengewirr – warum nicht den Streifenpolizisten nach dem Weg fragen, der da vorne mit der Schulwegsicherung beschäftigt zu sein scheint.

Der spricht zwar kein Englisch oder Französisch, aber sein Kollege auf der anderen Straßenseite kann ein paar Brocken Englisch. Nachdem ich ihnen auf der Karte gezeigt habe, welche kleine Straße ich suche, folgt eine kurze Beratung der Ordnungshüter und dann verliert der Schulweg seine Priorität – ich soll ihrem Streifenwagen folgen. Gut – es geht wieder rechts, links, durch die Stadt, in Kreisverkehren hält das Polizeiauto so den Verkehr auf, dass ich – obwohl ich Nachrang habe – ohne Anhalten einfahren kann – ich komme mir richtig privilegiert vor. Nachdem wir den südöstlichen Teil von Torrelavega vollständig abgefahren sind, hält das Auto vor einer Straßenkreuzung an und meine beiden Polizisten beraten sich wieder. Ich mische mich insoferne ein, als ich noch einmal kundtue, dass ich gerne die gelb eingezeichnete Nebenstraße in Richtung Renedo fahren würde und so den Großraum Santander umfahren will – die Beratung dauert aber an, obwohl ich eigentlich glaube, da vorne links auf der gewünschten Straße zu sein.

Ich habe aber nicht mit der umfassenden Betreuung der Polizei gerechnet: die Straße da vorne sei „bad“, viel besser ist eine andere Straße, zu der ich geleitet werden würde. Also setzt sich der Streifenwagen wieder in Bewegung, ich hinterher. Wieder wird der Verkehr für mich gestoppt, natürlich darf ich auch die (mit einer Tafel ausdrücklich für Radler gesperrten) Unterführungen benutzen, nur das Blaulicht wird für mich nicht eingeschaltet.

Nach ein paar Kilometern hab ich dann Torrelavega vollständig umrundet und finde mich auf der Einfallstraße wieder, auf der ich vor einer Stunde in die Stadt geradelt bin – hier wollte ich eigentlich nicht fahren. Aber wer weiß, wie viele Kinder wegen des verwaisten Schulwegs schon wegen mir geopfert wurden, jetzt kann ich nicht mehr zurück. An der Kreuzung nach Santillana hält dann das Auto und der Englisch sprechende Polizist erklärt mir, dass er – da er der Stadtpolizei angehört – ab hier nicht weiterfahren darf, ich solle geradeaus auf der Hauptstraße nach Santander radeln. Obwohl der Weg angesichts der riesigen Wegweiser und auch sonst nicht zu verfehlen ist, wird mir noch eine rasch angefertigte Skizze übergeben, damit ich nur ja die Hauptstraße finde. Dann werde ich mit Handschlag und Wünschen für gute Weiterfahrt aus der Obhut der Polizei entlassen.

Auf der verkehrsreichen Straße Nr. 611 direkt nach Santander hadere ich etwas mit dem gut gemeinten Service der Polizisten – das hätte ich einfacher haben können, immerhin habe ich aber die Landkarten besorgt. Bald erreiche ich das übliche Industrie- und Gewerbegebiet am Stadtrand, orientiere mich in Richtung Hafen, da es eine Fähre nach Pedrena auf der anderen Seite der Bucht geben soll und ich mir so wenigstens die Stadtausfahrt und die Umrundung der Bucht von Santander ersparen kann.

Der Hafen ist hier ganz schön groß, es gibt sogar einen Terminal für eine Fähre direkt nach Plymouth – meine Fähre legt direkt im Zentrum an der Promenade ab (62 km bis hierher) und ich habe während der Wartezeit noch Gelegenheit, den breiten Kai ein Stück abzuradeln und die großen Gebäude an der Hafenfront zu bewundern – die Stadt macht hier einen sehr mondänen und gepflegten Eindruck.

5,60 kostet die Überfahrt für mich und das Rad, vom Boot aus hat man noch schöne Ausblicke auf die Halbinsel und die Hausstrände von Santander. Gut ausgerastet geht es wieder mit viel weniger Verkehr auf der anderen Seite der Bucht auf der Straße Nr. 141 weiter, Steigungen natürlich inbegriffen, die Route führt quer durch die Hügel und nur selten wird das Meer sichtbar. Wieder ist auf meiner Karte eine Sehenswürdigkeit verzeichnet und ein Stück abkürzen kann ich so auch – ich radle auf kleinen Nebenstraßen über Escalate direkt zu dem kleinen Kloster „Convento de Monte Hano“, direkt am Meer gelegen. Das Kloster liegt zwar schön, ist aber verschlossen und so bleiben mir seine eventuell vorhandenen Schönheiten im Inneren verborgen. Ich umrunde die große Bucht, die sich zwischen den fast (aber eben nur fast) zusammengewachsenen Orten Santona und Laredo erstreckt. Hier in Laredo scheint es zur Hochsaison etwas mehr Tourismus zu geben, zumindest sieht man etliche der in Spanien üblichen scheußlichen mehrgeschossigen Appartementbauten, aber kein Vergleich etwa zum Großraum Malaga.

Im Zentrum ist Laredo sogar ganz nett – hier steigt die Straße auch sofort in weiten Serpentinen an und führt über die Hügel an der Küste weiter, erst bei Nocina wird wieder das Meer erreicht. Hier vor Castro-Uridales gibt es viele Radfahrer und ich bekomme Windschatten von zwei Rennradlern, das steigert meine Durchschnittsgeschwindigkeit noch einmal kräftig. Trotzdem blicke ich oft in Richtung Atlantik, der hier ungehindert gegen die Felsküste tobt.

In Castro-Urdiales werde ich noch bis zum Hafen begleitet, dann fahren meine Windschattenspender heim nach Bilbao und ich überlege, hier die Etappe zu beenden – es sind nur mehr ein paar Kilometer bis zum großen Ballungsraum und da wird die Suche nach einem Quartier sicher mühsamer als hier, wo es sogar einen Campingplatz gibt. Eine Alternative zu diesem in Form einer Pension finde ich (zumindest auf Anhieb) nicht und so radle ich noch etwas am Hafen herum (die große Kirche neben dem Leuchtturm auf der Burg ist ein beliebtes Fotomotiv). Um den Campingplatz zu erreichen, muss ich zuerst ein Stück zurück und dann kräftig bergauf fahren. Restaurant und Supermarkt haben noch geschlossen, nach dem Zeltaufbau muss ich wieder den steilen Kilometer hinunter in die Stadt zum nächsten Lebensmittelgeschäft und dann mit meinen Einkäufen wieder bergauf.

Immerhin kann ich Tisch und Sessel im Restaurant benützen und so Brot und Käse in halbwegs bequemer Haltung verzehren – mit Einbruch der Dunkelheit verziehe ich mich ins Zelt und schlafe sofort ein (mich hat die Autobahn in der Nähe des Campingplatzes eigentlich nicht gestört).

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CASTRO URDIALES - ZARAUTZ


Da ich früh schlafen gegangen bin, stehe ich auch früh auf – wieder schönes Wetter! Nach dem Zeltabbau und dem Morgenmüsli (leider mein letztes...) bin ich für spanische Begriffe schon zu nachtschlafender Zeit auf dem Rad um den Großraum Bilbao zu durchqueren. Nach Castro Urdiales steigt die Straße überraschenderweise stark an – hier ist richtige Steilküste und die Autobahn und meine Straße müssen über den Hügel rüber. Mit der Abfahrt erreicht man rasch die Vororte, noch über einen Höhenzug und da sehen ich neben meiner – mittlerweile zu einer Schnellstraße gewachsenen – Straße einen wunderschönen neuen Radweg, der in weiten Schleifen den Hügel hinunter Richtung Zentrum führt – das wäre doch was? Bei einer Kreuzung des Radwegs mit meiner Schnellstraße frage ich einen vorbeikommenden Rennradler, ob man auf diesem verführerisch schönen, zweispurigen Radweg direkt nach Bilbao hineinfahren und so dem immer stärker werdenden Autoverkehr entgehen kann – das geht aber so nicht (gibt mir der Radler zu verstehen). Er wird mir aber einen Weg ins Zentrum zeigen – also er vorne weg, ich hinterher. Es dauert nicht lange, bis dichtverbautes Stadtgebiet des Vorortes Areeta erreicht ist und wir durch kleine Gassen bis hinunter zum Meeresarm rollen – neben der steilen Fahrbahn verläuft ein Förderband für Fußgänger, das auch eifrig in Anspruch genommen wird.

Direkt an der Station der „Puente transbordador" (einer an Seilen hängenden Kabine, mit der Fußgänger und sogar ein paar Autos auf das andere Ufer befördert werden, 28 km bis hierher) verabschiedet sich mein Guide und weist mich noch auf den Radweg entlang des Ufers hin, auf dem ich verkehrsfrei direkt ins Zentrum fahren könnte. Ich habe aber für heute schon genug Großstadtverkehr und möchte lieber wieder in grüner Landschaft radeln. Also übersetze ich mit der Fähre in den mondänen Vorort Algorta und fahre auf dem dortigen Radweg entlang des Yachthafens und eines kleinen Badestrandes wieder aus der Stadt raus. Leider führt mein Radweg nicht die direkteste Route entlang – nach vielen Ecken und Irrwegen bin ich froh, bei Larrabastera wieder die Straße benutzen zu können. Nr. 634 hat nicht viel Autoverkehr und führt durch schöne Landschaft abwechslungsreich bis nach Mungia (52 km), wo ich mein zweites Frühstück genieße. Viele Rennradler – alle wärmer angezogen als ich – auf der Strecke, ich werde immer freundlich gegrüßt.

Für die Weiterfahrt nach Gernika wird die Straße 2121 auserwählt, ein paar Kilometer nach Fruiz zweige ich dann nach Errigoti ab – eine sehr gute Entscheidung, hier ist es verkehrsfrei und eine absolute Radler-Traumstrecke, natürlich nicht flach, aber der dichte Nadelwald spendet Schatten und die Abfahrt hinunter in das in einem Talkessel liegende Städtchen ist auch sehr schön. Gernika gelangte ja zu trauriger Berühmtheit, weil es im Spanischen Bürgerkrieg von den Flugzeugen der Deutschen Legion Condor in Schutt und Asche gelegt wurde – der erste Luftangriff gegen Zivilbevölkerung. Bei der Durchfahrt fällt es auf, dass die Stadt kaum ältere Gebäude aufzuweisen hat, ein Denkmal oder ähnliches finde ich aber nicht.

Kurz nach dem Ort kann ich für die Auffahrt in Richtung Lekeitio zwischen zwei Straßen wählen, die oben auf einem kleinen Sattel wieder zusammentreffen. Wieder sammelt man eifrig Höhenmeter bis die BI 2238 bei Lekeitio (97 km) die Küste erreicht. Obwohl schönes Wetter, ist es hier am Meer ziemlich dunstig. Ein ausgesprochen netter Ort mit einer überdimensionierten Kirche – am Hafen haben nur wenige Lokale geöffnet, ich finde, dass ich mir ein Mittagessen verdient habe.

Natürlich gibt es Fisch als Hauptgang und ein angenehmes Gespräch mit einer Frau aus Barcelona, die gut Englisch spricht und mich mit Tips für die Weiterfahrt versorgt, die sich in Barcas Umgebung noch als sehr brauchbar herausstellen sollten.

Und dann die absolute Rad-Traumstrecke: in vielen Kurven folgt die wenig befahrene Landstraße dem Küstenverlauf, tolle Blicke zum Meer. Auch das nächste Städtchen Ondarroa gefällt mir gut – im Ort hängen von vielen Fenstern und Balkonen Fahnen der Herri Batasuna, dem politischen Arm der ETA – man merkt, dass man im Baskenland ist. Trotz der landschaftlich attraktiven Küste gibt es hier kaum Anzeichen für Tourismus.

Mit dem Radeln entlang der Küste ist es auch schon wieder vorbei – rauf auf den nächsten Hügel, runter nach Mutriku, ein paar ebene Kilometer bis Deba und schon geht es wieder bergauf – erst bei Zumaia befinde ich mich wieder auf Meeresniveau. Für das viele Auf und Ab entschädigt aber die wunderschöne grüne Landschaft – vor Getaria geht es hoch über der Felsküste dahin, erst kurz vor Zarautz wird wieder eine größere Bucht erreicht.

In diesem Ort gibt es schon mehr Tourismus (soll auch ein Surf-Mekka sein), bis San Sebastian ist es auch nicht mehr weit, Campingplatz nach meinem Reiseführer an der östlichen Ortsausfahrt – aber da ist auch ein Hinweis auf ein Privatquartier, nur hundert Meter neben der Hauptstraße – mal schauen, es nieselt ganz leicht und so gibt es gute Argumente gegen die Zeltübernachtung...

Hier gibt es eine Küche und der nächste Eroski ist auch nicht weit – Entscheidung schon gefallen. Neben dem Supermarkt gibt es sogar einen Bioladen, wo ich ein Paket Vollkornnudeln Soja-Dessert und sauteures Müsli erstehe. Leider muss ich für das Sugo doch in den riesigen Markt, aber dort bekomme ich auch eine Speicherkarte für meine Digicam – das Rad kann ich einstweilen im Bio-Laden lassen.

Nach dem Shopping vertilge ich meine 250g Vollkornnudeln und als Getränk gibt es diesmal hausgemachten Sidre, den ich von der Vermieterin kaufe – ein gelungenes Abendessen.

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ZARAUTZ - AURITZ

Mit dem schon gestern im Supermarkt angeschafften Ergänzungen fällt das Frühstück heute üppig aus.

Der Radtag beginnt gemütlich im Flusstal des Rio Oria – die Hauptstraße folgt den vielen Flusswindungen. Dann ein kurzer Anstieg und schon befinde ich mich in den Vororten von Donostia (San Sebastian) – die Straße wird zweispurig und leitet mich flott hinunter in das Zentrum (23 km), direkt an einer weiten Meeresbucht gelegen. Die ganze Bucht kann verkehrsfrei auf einem Radweg abgefahren werden, mit gefällt die elegante Stadt sehr gut, alles wirkt sehr sauber und gepflegt, das gute Wetter verstärkt den positiven Eindruck natürlich.


Und dank des Radwegs kann ich vollkommen stressfrei radeln, brauche auf den Autoverkehr nicht zu achten und folge der Bucht bis zur kleinen Altstadt unterhalb des Hügels, Richtung Osten geht es dann vorbei am Theater und modernen Gebäuden am Kai auf Radweg bis zum natürlichen Ende der Bucht – hier beginnen direkt neben den letzten Häusern die Felsen der Steilküste.

Ich muss also ins Landesinnere ausweichen und mache den Fehler, nicht die GI 3440 über die Küstenberge zu nehmen, sondern die Hauptstraße in Richtung Irun. Dadurch lerne ich gleich die weniger mondänen Viertel von San Sebastian kennen – auch hier auf so manchem Balkon die Fahne der Herri Batasuna.

Ich muss mich aber auf den Verkehr konzentrieren, der hier trotz oder wegen der Autobahn mit einer Ab- und Auffahrten ziemlich heftig ist.

Einen Straßentunnel muss ich umfahren (ist aber problemlos möglich) und dann folgt noch die öde Umfahrung von Irun – die Straße über den Mount Jaizkibel wäre hier sicher die attraktivere Alternative, es bleibt mir verschlossen, warum auf der Michelin-Karte auch die Staatsstraße die Markierung „landschaftlich besonders schön“ erhalten hat.

Bei der ehemaligen Grenzstation zu Frankreich kann ich dann wieder auf eine Nebenstraße abzweigen – zuerst muss ich noch durch das Siedlungsgebiet von Hendaye um Richtung Küstenstraße zu gelangen. Und diese entschädigt dann wieder für die letzten Kilometer: direkt auf der (nicht sehr hohen) Steilküste mit schöner Aussicht auf den Atlantik geht es bergauf und bergab dahin, leider ist die „Corniche Basque“ nicht sehr lang und so senkt sich die Straße bald wieder hinab zur Bucht von St. Jean-de-Luz (62 km), auch ein netter Ort mit renovierter Altstadt direkt am Hafen.

Ein letzter Blick noch auf den Atlantik, dann ab ins grüne Binnenland. Hier sind die Pyrenäen nur sanfte Hügel, immer wieder Hinweisschilder auf Campingplätze oder Privatquartiere neben der Strecke – eine richtige vollausgerüstete Ferienregion. Bei einer aufgelassenen Tankstelle hat sich eine Take-away-Pizzeria etabliert – was besseres kann dem Radfahrer nicht passieren, Mittagessen gesichert. Welch Wohltat, nicht auf die Fremdsprachenkenntnisse des Gegenübers hoffen zu müssen – ich kann mich mit meinem bescheidenen Schulfranzösisch gut verständigen.

Mit der Kreuzung zur D 918 nach Espelette geht es dann weiter in südöstliche Richtung und die Hügel rechts und links des Flusstales werden langsam immer höher.

Bei Itxassou finde ich nicht die Abzweigung zur Straße 349 neben dem Fluss, lande wieder auf der Hauptstraße und muss zur Strafe einen ziemlichen Hügel hochtreten – ab da folgt die Straße dann aber immer brav dem Lauf des Flusses Nive. Auf dem kann man offensichtlich auch gut Kajakfahren und Raften – Bootsvermieter bietet direkt neben der Straße ihre Dienste an. Obwohl auf der Michelin-Karte rot eingezeichnet, ist auf der D 918 kaum Verkehr, es geht kilometerlang fast eben dahin und so ist der Hauptort der Gegend, St. Jean-Pied-de-Port (124 km) rasch erreicht. Hier treffe ich wieder auf den Jakobsweg und im verkehrsfreien Zentrum ist entsprechender Rummel – der beschert mir aber auch eine Auswahl an Konditoreien und ich kann eine vorzügliche Jause mit den Kuchenspezialitäten der Gegend genießen – fasten sollen die Pilger...

Mit denen teile ich aber mein nächsten Vorhaben – es geht über den historischen Pass „Puerto de Ibaneta“ zurück nach Spanien. Die letzten Kilometer in Frankreich sind noch recht flach, die ehemalige Grenze wird heute nur mehr durch eine Tafel und ein Einkaufszentrum markiert. Zurück in Spanien geht es dann aber kontinuierlich bergauf – hier in den dichtbewaldeten Bergen wohnen kaum Menschen und auch ich habe die Straße für mich allein.

Nach einer weiten Schleife ist dann die Passhöhe erreicht und ich kann auch die Erleichterung der vielen Pilger aus vielen Jahrhunderten nachvollziehen, diesen unwegsamen Abschnitt hinter sich gebracht zu haben. Obwohl nur 1057 m hoch wird doch der Pyrenäen-Hauptkamm überquert – eine kleine Kirche (angeblich zum Gedenken an die in dieser Gegend gefallenen Paladine aus der Roland-Sage) sowie viele kleine Holzkreuze stehen hier neben der Straße.

Und kurz danach eine rettende Quelle (meine Flasche war wegen der schweißtreibenden Auffahrt schon lange leer).

Roncenvalles besteht eigentlich nur aus Kirche, Kloster und Hotel und trotzdem ist hier gehöriger Rummel – von meiner ursprünglichen Absicht, einmal in einer Pilgerherberge zu übernachten, nehme ich rasch Abstand, nachdem ich einen Blick in diese geworfen habe – die Stockbetten erinnern mich zu sehr an eine Militärunterkünfte, da ziehe ich noch mein Zelt vor. Das komfortablere Hotel ist ziemlich teuer und außerdem schwirren überall Horden von Pilgern herum, Plastik-Jakobsmuscheln in poppigen Farben am Pilgerstock, wahrscheinlich gibt es irgendwo schon ein „Pilger-Set“ von Vaude oder Salewa zu kaufen – irgendwie fühle ich mich hier trotz der zweifellos vorhandenen Spiritualität des Ortes (vielleicht auch mangels religiöser Gefühle...) nicht so richtig wohl.

Gleich in der nächsten Ortschaft Auritz gefällt es mir viel besser und ich finde auch auf Anhieb ein ausgesprochen nettes Quartier in einem uralten, innen jetzt von einem Künstlerehepaar aus Barcelona neu renovierten Steinhaus, auch zu Abend essen kann ich hier. Überall im Haus und auch in den Zimmern hängen selbst gemalte Bilder. Vor dem sehr guten Abendessen spaziere ich noch ein bisschen durch den Ort.

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AURITZ - SABINANIGO


In meinem straßenseitigen Zimmer werde ich früh geweckt – aber nicht durch Autolärm, sondern durch das Geklapper der Pilgerstöcke auf dem Asphalt, der Jakobsweg geht direkt unter dem Fenster vorbei.

Auch gut, bin ich schon früh auf dem Rad (mit dem Frühstück sind meine Zimmervermieter unspanisch flexibel) und zweige gleich nach dem Ort auf die NA 140 ab, die durch bäuerlich geprägte Landschaft nach Osten führt. Gleich nach dem Ort Gerralda kommt der erste Anstieg des Tages, noch viele werden folgen. Die Vorgebirge der Pyrenäen sind stark zerklüftet, ebene Radstrecken gibt es hier nicht. Auch nach dem Pass „Alto de Remendia“, 1040 m hoch und 25 km bis hierher) wird die Talfahrt noch durch einen Gegenanstieg unterbrochen. Auf den Bergkämmen hat man aber tollen Blick auf die schneebedeckten Gipfeln im Nordosten, viele von ihnen über 2000 m hoch.

Ab Ezcaroz folge ich auf der NA 178 dem Fluss Rio Salazar nach Süden, hier geht es auch deshalb flott voran, weil ich mich für viele Kilometer in den Windschatten eines mit langer Hose (!) bekleideten Rennradlers hängen kann – nach meinem Tacho ist die Außentemperatur so um 25 Grad...

Kurz vor Navascues ändert sich dann das Landschaftsbild – die Hügel sind plötzlich nicht mehr bewaldet, es wird karstig und steinig ringsum. In Navascules (56 km), etwas oberhalb des Tales gelegen, hat gerade mal eine Bar geöffnet, aber am Dorfbrunnen kann ich die Flasche anfüllen – und das ist auch notwendig, weil die Straße einen Höhenrücken entlang sanft, aber stetig ansteigt und ich – mangels Wald – voll der Sonne ausgesetzt bin. Oben auf einem namenlosen kleinen Pass bin ich aber wieder im Wald und die Abfahrt auf der anderen Seite führt mich in ein grünes Tal – interessant, wie schnell hier die tief zerklüftete Landschaft wechselt.

In Burgui, wieder an einem Fluss gelegen, gibt es eine interessante Steinbrücke und eine noch interessantere Bäckerei – der riesige Ofen dort drinnen ist sicher schon 100 Jahre alt und ich erstehe frisch gefertigte Schokohörnchen – schmecken gut, der luftige Teig ist halt leider etwas kalorienarm.

Das Tal verengt sich zu einer richtigen Schlucht, in der gerade die Straße Platz hat – mir begegnet kilometerlang kein Fahrzeug. Dank meiner genauen Karte kann ich in Sigues auf zwar schlecht, aber immerhin asphaltierten Straße gleich ein Stück abkürzen und radle auf der Hauptstraße durch ein breites Tal weiter. Hier macht sich erstmals heute Wind aus unterschiedlichen Richtungen bemerkbar, kurz vor Berduin (100 km), wie so viele Ortschaften hier auch auf einem Hügel gelegen, kommt der Wind von vorne und das ziemlich heftig.

Gut, dass es direkt an der Straße ein Restaurant gibt – nur komisch, dass trotz des schönen Wetters niemand im Freien sitzen will – innen im Lokal sind viele Tische besetzt, draußen wird gar nicht serviert.

Also esse auch ich mein Menü indoor und stärke mich so für die kommenden Kilometer gegen den Wind – das Buschwerk ringsum bietet kaum natürlichen Schutz. Ab Puente la Reina wird der Wind merkbar schwächer – ich habe aber mit einem anderen Problem zu kämpfen – meine SPD-Platten lösen nur äußerst unwillig und hakelig aus.

Das muss geändert werden – in Jaca, einer größeren Stadt wieder in ziemlicher gebirgiger Landschaft (die auf dem Pyrenäen-Hauptkamm verlaufende Grenze zu Frankreich ist nur 20 km entfernt), finde ich in einem kleinen Park einen Brunnen und eine Bank daneben – ideale Voraussetzungen für Reparaturarbeiten. Während um mich spielende Kinder toben, schraube ich die Platten – die sich ja hauptsächlich einseitig abgenutzt haben - ab und auf den anderen Schuh drauf und kann mir anschließend gleich die Hände säubern und die Flasche anfüllen.

In der Fußgängerzone gibt es auch ein Internetcafe – von meinem Platz habe ich direkten Blick auf das geparkte Rad. Nach kurzer Sitzung geht es aber schon weiter – übrigens: von den vormals zwei Campings in Jaca hat das an der östlichen Ortsausfahrt gelegene geschlossen, die Anlage verfällt.

Ein Stück werde ich heute noch fahren – schon ein paar Kilometer vor Sabinanigo kann ich von der Hauptstraße abzweigen und erreiche das Städtchen auf einer kleinen Nebenstraße – es gibt hier doch eine gewisse Auswahl an Quartieren – den auf meiner Michelin-Karte eingezeichneten Campingplatz suche ich nicht besonders intensiv und finde ihn daher auch nicht – aber es bietet sich eine hervorragende Alternative in einer Seitengasse.

Supermarkt ist nur 100 Meter entfernt und im Innenhof gibt es ein leckeres Abendessen mit gekühltem Bier, Brot und spanischem Käse in Gesellschaft eines Papageis, der sich in seinem (meiner Meinung nach viel zu kleinen Käfig) immer wieder krächzend bemerkbar macht.

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SABINANIGO - BENABARRE

 

Ein ausgiebiges Frühstück im Innenhof mit den gestern gekauften Lebensmitteln und los geht es, vorerst ein Stück Richtung Süden und dann auf unbefahrener Landstraße A 1604 dem Lauf des Rio Guarga folgend. Lange geht es sehr gemütlich dahin, rechts der Fluss, links ragen rote Felsen auf, eine sehr schöne Radstrecke mit gewohnt vielen Kurven – die Straße folgt allen Flusswindungen.

Beim Anstieg kurz vor dem fast unbewohnten Ort Laguarta kommen mir dann zwei vollbepackte Reiseradler entgegen, den Ortliebs nach zu schließen kommen sie wohl aus deutschsprachigen Landen.

Wieder richtig alpine Landschaft dann oben auf dem Pass „Perto del Sarrablo" (52 km), immerhin fast 1300 Meter hoch und dann eine lange Abfahrt hinunter bis Ainsa (72 km), dem Verkehrsknotenpunkt der Gegend. Der Ort selbst gibt nicht viel her, hat aber eine Bäckerei... Während dem Essen studiere ich die Karte und es fällt der Entschluss, Richtung Süden nicht die Hauptstraße A 138 zu nehmen, sondern mich durch die Pampa auf weißen Straßen durchzuschlagen – sicher verkehrsfrei und wahrscheinlich auch landschaftlich interessanter.

Also ein paar Kilometer auf der stärker befahrenen N 260 und dann nach der Abzweigung steil bergauf in ein Talbecken. In Tierrantona würde ich gerne meine Wasserflasche nachfüllen – am ausgestorbenen Dorfplatz gibt es aber diesmal keinen Brunnen. Die Bewohner sind entweder weggezogen oder halten Siesta – erst nach einigem Herumirren finde ich die einzige geöffnete Bar und gezählte fünf Polizeiautos davor – die Ordnungshüter haben sich aber hier nur getroffen, um gemeinsam ein Autorennen im TV zu sehen.

Mit gefüllter Flasche geht es auf neu ausgebauter Straße weiter, die Wiesen sind voll mit roten Mohnblumen - als Kontrast dazu im Norden schneebedeckte Berggipfel. Die breite Straße war nur ein kurzes Vergnügen, ab der nächsten Abzweigung Richtung Formigales verengt sich die Fahrbahn, auch der Belag wird schlechter. Man erkennt bald die ersten Häuser des auch recht verlassen wirkenden Ortes und weit darüber am Hügel die Straße, auf der man in einer halben Stunde radeln wird.

Jetzt geht es also ziemlich bergauf, nicht steil, aber stetig – man kann sich mit den gewohnt schönen Ausblick ins Umland trösten. Oben am Berg liegt dann Troncedo (102 km), die Straße (HUV 6441) führt aber an dem nett gelegenen Ort mit vielen alten Häusern und einer Burgruine vorbei und hat jetzt nur noch geringe Höhenunterschiede.

Sie passt sich perfekt dem Gelände an und führt in weitem Bogen immer in der Nähe des Kamms oder auf ihm, verengt sich aber bald zu einer Spur (und die hat noch ziemlich miesen Asphalt), sodass ich das Rad nicht richtig laufen lassen kann.

Plötzlich die nächste Überraschung – die richtige Abfahrt in das weite Tal des Rio Esera erfolgt dann auf einer breiten, neu asphaltierten Straße – auch hier kein Verkehr. Trotz der recht hohen Geschwindigkeit, die man hier erzielen kann, lohnt sich ein kurzer Blick in die herrliche Umgebung – man fährt hier wie auf einem Aussichtsbalkon und hat tollen Ausblick – immerhin sind die höchsten Pyrenäengipfel nur wenige Kilometer entfernt.

Der Weg über den Hügel hat einige Kalorien gekostet – gut, dass in Graus (121 km) direkt an der Straße so eine Art Schnellimbiss etabliert ist – in dieser Gegend muss man Gelegenheiten nutzen, in den halbverlassenen Dörfern gibt es bestenfalls eine Bar, Lebensmittelgeschäfte oder gar Restaurants sind äußerst rar.

Weiter nach Osten kann ich dann die Abkürzung auf der N 1234 nehmen und erreiche nach 13 km die N 123, die bis Benabarre sanft, aber stets bergauf führt. Dieser Ort bietet für eine Übernachtung an – wenn ich die Karte richtig interpretiere, kommt nachher wieder lange gar nichts (ich sollte recht behalten).

Die Dorfstraße wird gerade neu gestaltet und in vielen Gassen liegt das von mir ungeliebte Kopfsteinplaster – aber ein Hotel ist schnell gefunden. Bis zum Abendessen vertreibe ich mir die Zeit mit einer Besichtigung der über den Ort thronenden Burg, die gerade renoviert wird.

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BENABARRE - SOLSONA


Beim Aufwachen eine Überraschung – es regnet, eigentlich schüttet es sogar. Damit muss ich leben, bisher hatte ich absolutes Wetterglück. Da die „Casa Carmen“ offenbar zu einem der zwei Hotels auf der Dorfstraße gehört, will ich dort frühstücken und erreiche es im Laufschritt. Das abfließende Wasser weicht die asphaltlose Straße ziemlich auf und entsprechend gatschig ist es jetzt – ich bin aber noch zu Fuß unterwegs.

Angesichts des Regens habe ich es nicht sonderlich eilig, aber irgendwann muss es sein: ich bewaffne mich also mit Regenjacke und kurzer Regenüberhose und unten die Überschuhe und rolle aus der kleinen Hotelgarage – siehe da, der Regen hat fast aufgehört und zumindest im Süden lockern die Wolken fast auf. Da in östlicher Richtung weiter dunkle Wolken sind, verwerfe ich meinen ursprünglichen Plan und beschließe, den Schlechtwetter nach Süden auszuweichen.

Schon nach wenigen Kilometern kann ich die Regenausrüstung wieder verstauen, sogar die Fahrbahn ist schon wieder fast aufgetrocknet. Beim Umdrehen nach Norden in Richtung Pyrenäen bin ich mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben – in den Bergen regnet es weiterhin und in höheren Lagen scheint es sogar geschneit zu haben.

Und es radelt sich flott dahin – Benabarre liegt doch höher oben (wie ich gestern am Schluss der Etappe gemerkt habe) und jetzt geht es fast durchwegs nur bergab – Alfarras (39 km) ist schnell erreicht, ab da wird mich die gelb eingezeichnete Straße C 26 weiter führen. Hier scheint es am Morgen gar nicht geregnet zu haben, aber der Schlechtwettereinbruch bringt starken Wind – glücklicherweise von West nach Ost und so komme ich auch weiterhin auf der hügeligen Strecke gut voran.

Die letzten Kilometer nach Balaguer (62 km) sind wieder leicht bergab – sehr angenehm.

Im ganz netten Zentrum finde ich nahe des Hauptplatzes ein Internet-Cafe und in einer Seitengasse eine Bäckerei mit salzigem und süßem Angebot – was braucht man mehr?
Auf der Hauptstraße Richtung Andorra, nicht einmal 100 km entfernt, ist entgegen meinen Befürchtungen erträglicher Verkehr – mehr Sorgen machen mir die Schauerwolken, die sich im Westen auftürmen.

Aber noch scheint hier die Sonne, ich habe Wind von schräg hinten und radle auf breiter Straße in nordöstlicher Richtung wieder auf die Berge zu. Hinter Cubells bilde ich mir ein, den Hinterreifen nachpumpen zu müssen – keine gute Idee hier am Straßenrand, weil meine Topeak-Pumpe, die mich bisher noch nie im Stich gelassen hat, diesmal keine Luft in den Schlauch befördert, sondern beim Ansetzen den gegenteiligen Effekt zeigt. Vorerst schiebe ich die Schuld aber auf das Ventil und möchte einen neuen Schlauch einziehen – also Gepäck runter, Rad in den Straßengraben gelegt und Hinterrad ausgebaut. Ein Auto bleibt stehen und die Insassen bieten mir Hilfe an – ich gebe aber zu verstehen, dass ich zurecht komme. Etwas voreilig, denn auch den neuen Schlauch kann ich nicht aufpumpen – also ein komplettes Pumpenservice am Straßenrand, ich zerlege die Pumpe, reinige alle Teile und baue sie neu zusammen – siehe da, sie funktioniert wieder.

Endlich geht es bis zur nächsten Unterbrechung in Ponts (103 km) weiter, hier trinke ich einen schnellen Kaffee und die Serviererin erkundigt sich nach meiner Weiterfahrt. Radebrechend gibt sie mir zu verstehen, dass ich nach Solsona nicht weiter auf der Hauptstraße bleiben soll, sondern über Biosca radeln soll. Ich kann die Sinnhaftigkeit dieses Ratschlags nicht nachvollziehen, da bisher auf der Hauptstraße C 14 eigentlich erträglicher Verkehr war, fahre dann doch auf die C 1412, immerhin genieße ich durch die leichte Richtungsänderung vorerst perfekten Rückenwind.

Hier leuchtet die Nachmittagssonne, während hinter mir die Schauerwolken bedrohlich anwachsen. Ab Biosca geht es dann auf gut ausgebauter Straße bergauf und ich kann weit Richtung Westen blicken – gar nicht so weit weg scheint es schon stark zu regnen, wäre ich meine ursprüngliche Strecke gefahren, wäre ich sicher schon nass. Trotzdem muss ich einen Zahn zulegen, die Wolke scheint Richtung Osten zu ziehen und steuere in spitzem Winkel auf den Punkt zu, wo ich sie bald treffen werde. Ganz schön flott radle ich die kilometerlange Steigung rauf – als Motivation genügt eine kurze Kopfdrehung nach links in Richtung der rabenschwarzen Wolken und schon trete ich wieder härter in die Pedale. Eigentlich auch eine schöne Strecke auf kaum befahrener Straße – Solsona ist schon in Sichtweite, als es zu tröpfeln beginnt – überraschenderweise bleibt es aber beim Tröpfeln und nach einer kurzen Abfahrt erreiche ich die Stadt noch fast trocken.

Für ein paar Minuten fängt es jetzt an stärker zu regnen, aber ich bin schon in Sicherheit und kann mich unterstellen. Als es wieder nur mehr tröpfelt, rolle ich einmal um das Zentrum herum auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten. Habe ich bisher fast immer etwas Ansprechendes auf Anhieb gefunden, so scheint sich diesmal die Suche etwas schwieriger zu gestalten – ich entdecke zwar eine Pizzeria und ein China-Restaurant, aber außer einer kleinen Pension in einer Altstadtgasse und einem sichtlich sündteurem Hotel ist hier im Zentrum nichts. Erst an der Ausfallstraße Richtung Barcelona gibt es zwei weitere Hotels – erstaunlicherweise ist das schäbiger aussehende teurer und so ist auch diese Entscheidung rasch gefällt.

Und es trifft sich hervorragend, dass unweit vom Hotel auch ein Bikeshop etabliert ist, der freundliche Besitzer ist von meiner Tour ganz angetan und stellt mir eine Standpumpe mit Manometer zur Kontrolle des richtigen Reifendrucks zur Verfügung. Ein paar Meter weiter bin ich dann im China-Restaurant der erste Gast des Abends, das Essen war eine Abwechslung und auch reichlich, aber ich kenne bessere China-Restaurants.

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SOLSONA - CALDES über MONTSERRAT


Solsona liegt immerhin über 600 Meter hoch und Richtung Barcelona geht es daher vorwiegend bergab. Auf der gelb eingezeichneten Straße C 55 ist schon jetzt am Morgen recht starker Verkehr und sie führt durch die grünen Hügel des Pyrenäenvorlandes. Cardona liegt auf einem solchen und ich kann mir die Fahrt hinauf ins Zentrum sparen – ab hier folgt die Straße dem Riera de Solsona.

Leider bleibe ich in Suria auf der Hauptstraße (die durch zwei kurze Tunnels führt, sind aber kein Problem) – hier wäre es für mich als Fan von alten Industrieanlagen interessanter gewesen, durch den Ort zu fahren, da das Städtchen von Bergwerken umgeben ist und der Hang auf der anderen Seite des Flusses durch Bergbau zerfurcht ist.

Kurz danach weitet sich das Tal und bietet Platz für Gewerbe- und Industriegebiet, hier beginnt offenbar schon der Großraum Barcelona. Dementsprechend wenig attraktiv ist auch die Einfahrt nach Manresa (46 km), allerdings bemüht man sich sichtlich, das beste aus dem Städtchen zu machen - das Zentrum ist Fußgängerzone und für den Autoverkehr weitgehend gesperrt und ich lasse mich in einem Straßencafe nieder.

Die Ausfallstraße C 37 nach Igualada ist ziemlich stark befahren, aber ich kann schon nach ein paar Kilometern auf die Nebenstraße BP 1101 abzweigen, die durch ziemlich zersiedeltes Gebiet sofort ansteigt. Linker Hand sind schon seit langem die markant gezackten Felsen des Bergmassivs Montserrat zu sehen, meine Straße verläuft meist am oder knapp neben dem Kamm der Hügelkette weiter sanft bergauf – die Villen und Wochenendhäuser links und rechts der Straße werden langsam weniger, die mir entgegenkommenden Rennradfahrer immer mehr. Schon von weitem ist der Sattel zu sehen, auf den die Straße zuläuft – oben ist aber nur ein verfallenes Gebäude.
Ab der Abzweigung Richtung Montserrat beginnt wieder eine Traumstrecke – knapp unterhalb der Felsen läuft die Straße mit nur geringen Höhenunterschieden entlang des gesamten Gebirges, tolle Aussicht in das tief unten liegende Tal und die Berge im Nordosten inbegriffen. Nach vielen Kurven und zwei kurzen Tunnels dann die Abzweigung zur Stichstraße zum Kloster Montserrat (72 km), für Autos ist auf dem großen Parkplatz bald Schluss, ich als Radfahrer werde von den Security-Leuten nicht gehindert, direkt in das große Areal weiterzufahren.

Habe ich bisher so manche Sehenswürdigkeit für mich alleine gehabt, so ist hier alles anders. Obwohl wochentags ist ein ziemlicher Rummel in der Anlage – das Kloster (welches meiner bescheidenen Meinung nach zwar außerordentlich schön liegt, aber architektonisch nicht sehr viel hergibt) ist nicht nur per Auto und Bus, sondern auch mit Seil- und Zahnradbahn erreichbar und es gibt eine Auswahl an Self-Service-Gaststätten, Restaurants und die unvermeidlichen Souvenir-Shops. Die Jugendlichen, die hier klassenweise heraufgetrieben worden sind, interessieren sich vorwiegend für ihre Flirts und ihre Handys und so ist in der eigentlichen Klosteranlage wieder erstaunlich wenig los. Ich kann das bepackte Rad unbehindert bis vor die eigentliche Kirche schieben und mache eine Schnellbesichtigung.

Jedenfalls harmoniert die gesamte Anlage mit den Felsen ringsum, deren Farbe und Form mich an die Meteora-Klöster in Griechenland erinnert und sie ist – so wurde ich von meiner Gesprächspartnerin vor ein paar Tagen in Lekeitio informiert - ein wichtiges nationales Symbol für die Katalanen – angeblich wurden die Mönche hier sogar während der Franco-Zeit in Ruhe gelassen.

Schnell sind ein paar Hundert Höhenmeter vernichtet und im touristenlosen Talort Monistro de Monserrat finde ich ein kleines Gasthaus, wo ich mich mit einem günstigen und ganz guten Mittagsmenü stärke. Ich bin jetzt schon ziemlich nahe an Barcelona – nach meiner Michelin-Karte gibt es nordöstlich der Stadt landschaftlich schöne Straßen – also geht es dorthin weiter.

Ich muss wieder ein kleines Stück Richtung Manresa zurück, aber dank der Hilfe eines einheimischen Rennradlers muss ich nicht auf der Hauptstraße fahren, sondern kann auf einer kleinen Nebenstraße bis zur Abzweigung Richtung Terrassa radeln. Ab hier steigt die Hauptstraße aus dem Flusstal heraus an, hat aber einen Seitenstreifen, den ich angesichts des starken Verkehrs gerne benutze. Auch hier sind die grünen Hügel ziemlich zersiedelt, erst kurz vor Terrassa gibt es ein paar unbebaute Flecken. Sooo schön finde ich die Strecke eigentlich nicht, vielleicht liegt es aber auch einfach am Verkehr.

Terrassa (102 km) ist eine ziemlich große Stadt, aber auch hier gibt es ein paar autofreie Gassen und ich finde auch eine Touristeninformation – langsam muss ich mich um Übernachtungsmöglichkeiten umschauen. Da mir schon lange kein Hotel aufgefallen ist und mich jedes Mal, wenn mein Blick in Richtung Vorderrad wandert, über das bisher kaum notwendige Campingzeug ärgern muss, wird heute wieder im Zelt übernachtet – der nächste Campingplatz ist laut Infostelle 30 km entfernt – das passt.

Die kurvenreiche Nebenstraße Richtung Castellar und dann nach Caldes wäre eigentlich recht schön, wenn der starke Verkehr nicht wäre – Gott sei Dank bin ich in Spanien und die Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll – es fahren auch mehrere Rennradler diese Strecke.

Caldes de Montbui (130 km) ist zwar kein besonders historisch wertvolles Städtchen, trotzdem gibt es auf vielen Straßen – unter anderem auch leider auf der zum Campingplatz führenden – schlechtes Kopfsteinplaster.

Der Campingplatz liegt am nördlichen Ende der Stadt am Fuß der grünen Hügel und ist großteils von Dauercampern belegt. Jetzt im Mai ist aber noch absolut nichts los, zwei Autoreisende aus den Niederlanden und ich sind die einzigen Gäste, mangels solcher hat auch das Restaurant und der Laden nicht geöffnet.

Ich muss daher nach dem Zeltaufbau wieder über das ungeliebte Kopfsteinplaster zwei Kilometer zurück in das Ortszentrum, finde dort aber ein nettes Lokal wo ich draußen sitzend ein recht preiswertes und schmackhaftes Kartoffelgericht zum Abendessen verspeisen kann. Es ist schon dunkel, als ich wieder in Richtung Camping zurückrolle, meine Notbeleuchtung tut gute Dienste.

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CALDES DE MONTBUI - CASTELLDEFELS


Heute ist mein letzter Radtag in Spanien – ich habe ausreichend Zeit, das Umland von Barcelona zu erkunden. Am Morgen ist es hochnebelartig bewölkt und hier am Waldrand ist das Überzelt entsprechend feucht – egal, wird schon trocknen.

Frühstück wird vorerst verschoben, ich konnte gestern nichts mehr einkaufen. Also noch einmal über das ungeliebte Straßenpflaster und dann mische ich mich in den Morgenverkehr Richtung Barcelona – nach so vielen Tagen auf oft unbefahrenen Straßen in den Bergen ein gewisser Kulturschock. Zwischen dem Tal hier und Barcelona liegt eigentlich noch eine Hügelkette, aber trotzdem ist die ganze Gegend fast durchgehend verbaut – wenn keine Ortschaft, dann Industrie- und Gewerbebetriebe, die natürlich entsprechenden LKW-Verkehr hervorrufen.

Im Wohngebiet von Cerdanyola finde ich dann ein nettes Cafe für das Frühstück und ab Sant Cugar wird es wieder angenehmer – hier steigt die Straße Nr. 1417 zum Hausberg von Barcelona hoch. Nicht besonders viel Verkehr und dichter Wald ringsum, vereinzelt stehen die Villen der besseren Gesellschaft neben der Straße, die wieder gewohnt spanisch-sanft ganz langsam an Höhe gewinnt.

Nach einer Abzweigung noch einen Kilometer bergauf und ich habe den Tibidabo (39 km) erreicht – hier oben gibt es ein paar Imbissbuden, eine Kirche samt großer Statue und einen Vergnügungspark, letzterer hat am Vormittag unter der Woche noch geschlossen. Ich verzehre ein im Preis der touristischen Umgebung angepasstes Baguette auf der Aussichtsterrasse und lasse den Blick über die Stadt schweifen – tolle Aussicht.

Nach ein paar Fotos fahre ich dann Richtung Molins auf einer kleinen Straße, auf der mehr Radler als Autos fahren, weiter. Die ganze Hügelkette wäre auch gut zum Biken geeignet, zahlreiche Wanderwege zweigen von der Straße ab, auf der aber immer wieder kurze Gegenanstiege zu bewältigen sind.

In Molins dann wieder Autobahn, Schnellstraße, Eisenbahn, viel Verkehr – ich möchte Richtung Villafranca weiter und das nicht unbedingt auf der Hauptstraße. Nachdem der hier schon recht breite Fluss Llobregat überquert wurde, zweige ich auf die Nebenstraße ab, die über Corbera nach Westen führt – schaut auf der Karte harmlos aus, aber da sind einige kräftige Steigungen zu bewältigen. Dafür ist die Gegend schön, wenn auch hier ziemlich zersiedelt. Nach einem kleinen Pass wird bei Celida die C 243 erreicht, die in vielen Kurven durch die Hügel führt, auf denen hier auch Wein angebaut wird – hier ist es gut zu fahren.

Die 12 km bis Villafranca auf der Nordseite der Autobahn sind dann weniger attraktiv, dafür sieht man die Felszacken des Montserrat-Massivs von der anderen Seite. Überall intensiver Weinanbau und die Straße steigt leicht aber stetig an – Villafranca (100 km) liegt doch wieder etwas höher. Der Lohn ist dann die Abfahrt auf der C 158 hinunter zum Meer, hier ist es schön zu fahren, die letzten Kilometer werden wieder entlang eines Flusses zurückgelegt und schon lange vor Sitges (120 km) kann man das Meer riechen. Angeblich ist der Ort ein Hotspot für Homosexuelle, ich merke davon nichts. Ab hier beginnt dann eine wunderschöne kurvige Straße manchmal hoch über dem Meer entlang der Steilküste – leider auch hier viel Verkehr. Eine Sünde, ausgerechnet in diese malerischen Gegend eine Industrieanlage in eine Bucht zu klotzen (kurz vor Castelldefels).


Nach dem letzten Felsen dann kilometerlanger Sandstrand mit entsprechender Infrastruktur, jetzt in der Vorsaison gehört die Straße direkt neben dem Meer den Läufern, Skatern und Radlern.

Für heute Nacht nehme ich gerne die Einladung eines hier in Castelldefels lebenden Radlerkollegen aus Deutschland an und verbringe noch einen netten Abend mit seiner Familie.

FLUGHAFEN BARCELONA

Da mein Quartiergeber beim Flughafen beschäftigt ist, habe ich einen fachkundigen Führer und erreiche den Terminal über autolose Nebenwege, sind nur ein paar Kilometer dorthin. Am Flughaben Barcelona herrscht wegen Umbauarbeiten ziemliches Chaos, dass sich auch insoferne auswirkt, als zwar mein Gepäck, nicht aber das Rad in Bratislava ankommen (Happy End der Geschichte: es wurde mir zwei Tage später von dem mehrmals täglich  verkehrenden Flughafenbus nach Wien mitgenommen und ich konnte es mir unbeschädigt abholen). Ich habe Wien mangels Rad mit dem Bus erreicht...